Die Lehrerausbildung hat Kreidestaub angesetzt

1. August 2011, 18:22

Es ist ein politisches Großprojekt: Die Ausbildung aller Pädagogen und Pädagoginnen soll komplett neu aufgestellt werden. Gesucht werden "die Besten". Dafür muss man ihnen aber auch einen tollen Beruf bieten.

Wien - Finnin müsste man sein: Als Schülerin die besten Chancen, bei der Pisa-Studie immer bei den Siegern zu sein. Und als Lehrerin auch. Denn die Pisa-Erfolge Finnlands sind natürlich auch pädagogische Erfolge. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind - neben der hochindividualisierten, gemeinsamen und sehr autonom agierenden Schule - einer der unumstrittenen Erfolgsfaktoren dafür, dass Schule in Finnland gelingt.

Daher geht der Blick der Experten auch bei der in Österreich anstehenden Neugestaltung der Pädagogenbildung wieder nach Finnland. Was die Pädagogenausbildung (selbstverständlich beginnend bei der Elementarpädagogik im vorschulischen Bereich) anlangt, zeigt sich aber generell, dass in der großen Mehrheit der europäischen Länder schon jetzt ein Universitätsstudium die Norm ist.

Österreich tut sich da insofern schwer, als es nicht nur die Kindergartenpädagoginnen, die ihre Ausbildung derzeit in den Bundesbildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) absolvieren und mit 19 mit der Matura abschließen, integrieren muss. Die historische - die gemeinsame Schule abwehrende - zweigleisige Ausbildung der Pflichtschullehrer an Pädagogischen Hochschulen und der AHS- und (meisten) BMHS-Lehrer an Universitäten stellt die neue Lehrerbildung vor schwierige organisatorische Fragen.

Politisch brisante Fragen, die im Bericht der ministeriellen Arbeitsgruppe mit Empfehlungen für die "PädagogInnenbildung neu" , den das Unterrichts- und Wissenschaftsministerium in Auftrag gegeben haben, daher auch noch nicht abschließend beantwortet werden.

Die Trägerfrage - Unis oder Pädagogische Hochschulen, die zu Unis aufgebaut werden - steht für die Arge Bildung und Ausbildung der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (www.oefg.at) nicht im Vordergrund. Ausgehend von deren Positionspapier zur "Professionalisierung der/durch Lehrer/innenbildung" , das unter der Leitung von Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) im Juni beschlossen wurde, lässt sich aber eine Präferenz für eine Konzentration der Lehrerbildung an den Universitäten ablesen.

Die Physik der Pädagogik

Und das, obwohl "man zugeben muss, dass sich die Unis bisher kaum um die pädagogische Praxis gekümmert haben" , sagt Spiel, aber: "Die Pädagogischen Hochschulen haben bisher eindeutig nicht die wissenschaftliche Expertise in dieser Hinsicht. Wir brauchen aber dringend wissenschaftsbasierte Kompetenzen in pädagogischen Fragen, nicht nur im fachwissenschaftlichen Bereich."

Was heißt das? So selbstverständlich wie ein Physiklehrer wisse, wie ein Physikexperiment ablaufe, so selbstverständlich müssten Lehrer das in Zukunft "auch im pädagogischen Bereich" können. Das sind zum Beispiel diagnostische Kompetenzen, mit denen Lehrer erkennen, dass ein Kind sich nicht anstrenge, weil es gar kein Selbstvertrauen habe, erklärt die Bildungsforscherin.

"Das ist der Erfolg der Finnen" , sagt Spiel. Jeder Lehrer müsse dort ein Masterstudium absolvieren: "Es muss forschungsbasiert sein." Den Vorschlag der ministeriellen Arbeitsgruppe, nach einem vierjährigen Bachelor einen einjährigen Master nebenberuflich dranzuhängen, beurteilt sie skeptisch: "Ich habe Probleme, mir vorzustellen, was man in einem einjährigen Master machen kann, wenn man daneben den ‚Turnus‘ in der Schule machen muss. Der Anspruch an ein Master-Studium an Unis ist ein anderer."

Noch wichtiger als das Ende des Studiums ist der Anfang. Spiel: "Wir müssen den Lehrerberuf gesellschaftlich so aufwerten, dass klar ist: Wir brauchen die Besten." Dann werden auch die Besten kommen, wenn es attraktiv ist.

Spiel geht so weit, die geplanten Auswahlverfahren als Möglichkeit für "hohe positive Selektion" zu interpretieren: "Auswahlverfahren schrecken nur einen bestimmten Teil von Personen ab. Sehr Motivierte, die das unbedingt wollen, zieht man eher an." Bestes Beispiel sei Medizin: Der Andrang wird stetig größer. Das kennen die Finnen: Dort ist Lehrersein so begehrt, dass 90 Prozent der Studienplatzbewerber abgewiesen werden müssen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 2.8.2011)

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sternsteinblitz
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Schön, dass immer viel zum Thema geschrieben wird wird. Nur in maximal 1/3 des Threads geht`s um den Inhalt des Artikels.

Der Österreicher
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Die Verblödung fängt schon im österreichischen Kindergarten an.

Irma la Douce
00
Die LehrerInnenausbildung findet in der Praxis

in der Praxis statt ;-)

Quasselmodo
02
Wunschdenken

Ausnahmsweise muss ich Hrn. Salcher zustimmen.
Was auch immer derzeit an Wünschen für die Lehrerausbildung geäußert wird, es ist in absehbarer Zeit unerheblich, weil die Nachfrage nach Lehrern derzeit und in den nächsten Jahren sehr groß ist und das Angebot klein.
Demenstprechend wird niemand abgewiesen werden, egal wie gut oder schlecht geeignet (mit welcher Ausbildung auch immer).

biolam
41
Lehrerfortbildung in den Sommerferien

Sowas gibts - wirklich!!!
z.B in Baden/NÖ. Da wird aber dann ganz toll das Paarungsverhalten von Homo sapiens studiert und praktiziert.
Und waren die Ferien ob der körperlichen Betätigung zu anstrengend, na dann geht Herr/Frau Lehrer halt während der Schulzeit auf Kurerholung.
Und wer hier wieder blöd antwortet - ich erzähl hier wirklich nus aus der Praxis!

Carla Sociale
03
Klingt, als wäre Ihr Partner (Ihre Partnerin) im Rahmen dieser Fortbildung fremdgegangen.

Hr.Lehrer
05
blöde Antwort

Kuraufenthalte bekommt jeder Österreicher von einem Arzt verschrieben, wenn er sie braucht und zugewiesen, wenn ein Platz wo dafür frei ist. Und jeder österr. Arbeitnehmer geht in seiner Arbeitszeit auf Kur und nicht in seinem Urlaub. Nur der Lehrer geht, wenn er von seiner Krankenkasse dazu so eingeteilt wird, auch in seinen Ferien auf Kur, was völlig in Ordnung so ist.

Das es in diesem Beruf zu einem überproportionalen Anteil von Burnout kommt, liegt wohl nicht daran, dass die Lehrer "unterfordert" sind, oder zu viel Freizeit hätten.
Aber Sie finden bestimmt ein paar lächerliche Gründe dafür ...

Andreeeas
30

Es gibt da etwas, was ich überhaupt nicht verstehe:

Da wird einem von Lehrern hier erzählt, dass die Vor- und Nachbereitung so viel Arbeit ist. Weiters wird einem erzählt, dass Lehrer für jedes Jahr die Unterlagen neu aufbereiten - welche Empörung habe ich geerntet, als ich sagte, dass man nach einer Zeit seine Unterlagen schon hat (nicht, dass das negativ wäre). Von Burnout und irrsinnig stressigem Beruf ist da die Rede.

Trotzdem findet ein Drittel (!) der Lehrer Zeit für Nachhilfe (siehe Presse). Wenn ich an die Lehrer in meiner Laufbahn denke, so sehe ich eine enorme Zweiteilung in "fleißig" und "faul". Dennoch klagen ALLE Lehrer über die Kritiker - oder hört man nur die "faulen"?

D/E
00
Sie hätten eventuell den Artikel in der Presse lesen sollen.

Da stand drin, dass ein Drittel der Nachhilfestunden von Lehrern gehalten wird, der Großteil von Ungelernten. Das bedeutet, das nur ein sehr kleiner Teil der aktiven Lehrer/innen Nachhilfe gibt.

Andreeeas
00

Ich habe den Artikel noch einmal gelesen. Sie verpassen dabei die Hauptbotschaft. Ich sehe ein, wenn Sie die Botschaft anzweifeln -darüber diskutiere ich gerne.

Aber die Botschaft an sich ist klar und deutlich.

sternsteinblitz
00

Na ja, es ist schon mehrfach aufgefallen, dass Sie Einiges nicht verstehen!

Andreeeas
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Klären Sie mich auf, Sie Allwissender!

Murmelchen1
00
Also ich habe in meiner Laufbahn schon eine ganze Reihe von Fächern unterrichtet

und habe noch keines gefunden, wo ich die Unterlagen einfach recyclen konnte. Im Moment unterrichte ich ausschließlich die Schwerpunktfächer an einer Schule mit Informatikschwerpunkt. Das ist ziemlich ungünstig, weil ich den Anwendungsbereich unterrichte und keine Grundlagen - seit Ferienbeginn sitze ich dabei z.B. meine Unterlagen, Handouts, elearning-Sequenzen zum Thema Webdesign auf HTML5 und CSS3 umzustellen, außerdem hat uns Adobe bei einigen Programmen ja die Version 5.5 beschert und das will auch eingearbeitet werden. Das wird noch 1-2 Wochen dauern und dann gehts ab in die Schule, um das EDV-System wieder für das neue Schuljahr vorzubereiten.

Hr.Lehrer
02
Fortsetzung

Zum Thema Vor- und Nachbereitung noch soviel:
Freilich kann man grobe Planungen wie die Jahresplanung immer wieder verwenden, muss sie aber trotzdem jedes Mal überarbeiten und an eventuell neue Unterrichtsmaterialen anpassen.
Stundenvorbereitungen sind praktisch immer neu zu gestalten, weil man nie die selben Kinder vor sich sitzen hat, Stundennachbereitungen wie Hausübungen, Schularbeiten, ect. sowieso.

Und ich kenne wirklich sehr viele PflichtschullehrerInnen, aber keinen einzigen der Nachhilfe gibt. Ich persönlich hätte keine Zeit dazu.
Das betrifft wohl zu einem sehr hohen Prozentsatz AHS-Lehrer!?

Andreeeas
00

Verzeihung - nicht ein Drittel der Lehrer. Ein Drittel der Nachhilfestunden.

Der Artikel ist hier:
http://diepresse.com/home/bild... -Nachhilfe

Natürlich ist klar, dass das System Schuld hat. Es erlaubt erst diese Missstände.

D/E
03
Ich fand vor allem den grenzgenialen Kommentor von Frau Dir. Schrodt

berückend.

"Wer als Lehrer Nachhilfe gibt, gilt als tüchtig."

Ich weiß ja nicht, in welchem Paralleluniversum sie das erfahren hat.

In normalen Schulen gelten Lehrer/innen, die nebenbei auch noch Nachhilfe geben, als nicht ausgelastet und/oder finanziell unter Druck.

Andreeeas
00

Sie sagen also, dass der Artikel ein Schwachsinn ist? Ist eine ehrliche Frage - soll ja vorkommen, dass eine Qualitätszeitung gar keine ist.

D/E
00
Ich halte lediglich den Kommentar

der Frau Direktor i. R. für inhaltlich fragwürdig und deshalb entbehrlich.

Murmelchen1
03
Keine Ahnung ob er kompletter Schwachsinn ist,

er widerspricht aber völlig meiner Erfahrung. Von meiner Schule gibt kein Lehrer Nachhilfe, von den Nachbarschulen weiß ich auch niemand. Ich bin ab und zu einmal gefragt worden, aber wirklich sehr selten. ...und dass ein Lehrer der Nachhilfe gibt als tüchtig gilt - das halte ich wirklich für Schwachsinn. Als tüchtig gilt wer den Jahresbericht organisiert, das Schulmusikal einstudiert, wenn seine Schüler Wettbewerbe gewinnen oder an großen Projekten teilnehmen, wer in der Evaluation von den Schülern wiederholt lobend erwähnt wird, Kontakte mit der Wirtschaft knüpft und so Praktikumsstellen vermitteln kann, aber doch nicht wer Nachhilfe gibt.

Hr.Lehrer
00
Lieber Andreeeas!

Also freilich gibt es solche und solche Lehrer, wie auch in jedem anderen Beruf, nur in den meisten anderen Berufen fällt man dabei nicht so auf und es wirkt sich auch nicht so gravierend aus, wie beim Lehrer.
Tatsächlich ist es beinahe unmöglich unfähige oder unwillige Lehrer aus dem System zu bringen, aber dafür ist vor allem das System schuld. Leider sehe ich da kaum Änderungsmöglichkeit in naher Zukunft, da dieses System komplett parteipolitisch durchsetzt ist und sich praktisch nur mehr selbstverwaltet.

Andreeeas
00

Ob es in anderen Berufen mehr oder weniger auffällt sei dahingestellt. Persönlich bezweifle ich es, wobei es eigentlich egal ist: Abgedreht gehört es nämlich überall, und zuerst dort, wo es um Steuergeld geht.

Tatsache ist, dass wir hier zum wahren Kern der Diskussion vorgedrungen sind: Es gibt eine (mehr oder weniger) große Anzahl von schlechten Lehrern, gegen die man nicht wirklich vorgehen kann. Und genau diese Lehrer zerstören das Image des Lehrers in der Bevölkerung.

Ich verstehe nur nicht, warum dann die Empörung hier im Forum so groß ist: Schreien hier die schwarzen Schafe laut? Decken die guten Lehrer die schwarzen Schafe?

Dr_Olaf
 
01
Es schreien,

so denke ich, die engagierten und motivierten Lehrer auf, die sich aufgrund des undifferenzierten Lehrerbashings in Gesellschaft und den Medien, und nicht zuletzt in Foren wie diesem hier, in der Schnellbahn nicht mehr laut sagen trauen, dass sie Lehrer sind weil man sich dafür in Österreich schon fast genieren muss.
Und am Ruf sind nicht die schwarzen Schafe schuld, sondern a) eine Unterrichtsministerine die "ihren Angestellten" über die Medien ausrichten lässt dass sie alle faule tachinierer sind b) die Medien die in regelmäßigen Abständen Verhetzung betreiben und c) die österreichische Neidgesellschaft im Allgemeinen.

Andreeeas
00

Na eh - sind ja immer die anderen Schuld.

sy
00

Nein, auch das ist eine Verallgemeinerung- gegen Verallgemeinerungen, Vorurteile oder einfach unreflektierte aus irgendwelchen Quellen übernommene Aussagen wehre ich mich, wenn ich sie in ihrer Pauschalisierung etc als ungerechtfertigt empfinde.
Viele haben auch einfach nicht das Hintergrundwissen bzw sieht man viel der Leherarbeit eben nicht, dann kann sie auch nicht existieren (Stichwort 9 Wochen Sommerferien etc, wobei viele nicht wissen, dass man nicht 9 Wochen bezahlt bekommt.Stichwort Halbtagsjob, wobei dann ebne niemand den Lehrer am Abend am Schreibtisch sitzen sieht, nur am Nachmittag im Kaffee etc. Stichwort Nachhilfe: ich kenn zwei Lehrerinnen die Nachhilfe geben, beide sind noch Studentinnen, die neben dem Studium ca 4 Stun

Dr_Olaf
 
00
Kühne Behauptung

Ich stelle jetzt einmal eine kühne Behauptung auf: In jeder Berufsgruppe gibt es in etwa denselben Anteil ungeeigneter, fauler, unwilliger Minderleister,
dennoch werden die Lehrer als einzige Berufsgruppe permanent kollektiv in den Dreck gezogen.
Da liegt es nicht fern, die Schuld bei "den Anderen" zu suchen, und selbst wenn die vielzitierten "schwarzen Schafe" die Hauptschuld am ruinierten Image tragen würden - was könnte der Rest der Lehrerschaft dagegen tun? Sie mit Fackeln und Heugabeln aus den Konferenzzimmern jagen?
Ach ja und Berichte wie diesen:
http://www.heute.at/news/poli... 422,537998
findet man über keinen anderen Berufsstand.

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