Islamophobie statt Judenhass: Neues Feindbild, alte Hetze

Kommentar | Eric Frey, 1. August 2011, 18:16

Viele rechtspopulistische Parteien lösen sich in Westeuropa vom Judenhass, um sich ganz auf die Islamophobie zu konzentrieren

Neben dem Grauen über die Tragödie von Oslo und dem Entsetzen über das Hass-Manifest des Attentäters erregt ein Aspekt in Anders Behring Breiviks Weltbild international Aufmerksamkeit: Dieser Rechtsextremist ist kein Antisemit, sondern sieht im Gegenteil Israel als Verbündeten im Kampf gegen Islam und Muslime in Europa.

Das ist kein Einzelphänomen: Viele rechtspopulistische Parteien lösen sich in Westeuropa vom Judenhass, um sich ganz auf die Islamophobie zu konzentrieren. An vorderster Front steht der Niederländer Geert Wilders, der einst in Israel lebte und enge Beziehungen zur israelischen Rechten pflegt. Auch der belgische Vlams Belang und der Front National unter Marine Le Pen bewegen sich in diese Richtung. Ob dies aus Opportunismus geschieht, weil Judenhetze keine Wählerstimmen mehr bringt, oder aus Überzeugung, bleibt offen.

Das stürzt europäische Juden und ihre Organisationen in ein Dilemma: Schon allein wegen der eigenen Erfahrung treten sie meist gegen Intoleranz und Diskriminierung auf. Allerdings leiden sie unter wachsendem muslimischen Antisemitismus und stehen oft zu loyal zu Israel, das sich durch den radikalen Islam als besonders bedroht sieht. Neokonservative Publizisten wie Henryk Broder beziehen sogar klare Position: Sie warnen genauso vor "Eurabia" wie die radikalen Blogger, von denen Breivik abgeschrieben hat.

Aber auch gewisse Rechtsparteien tun sich schwer, das alte antisemitische Erbe abzuschütteln. In Osteuropa versuchen sie es gar nicht: Für die ungarische Jobbik etwa bleiben Juden das Feindbild Nummer eins. Und als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Vorjahr ganz im neuen Trend radikale Siedler in Israel besuchte, war er darauf bedacht, seine alte Klientel nicht zu sehr verärgern. Aber auch die "Biertonne" auf seinem Kopf in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bewahrte ihn nicht vor dem Zorn der Burschenschafter, die immer noch vom internationalen Judentum schwadronieren. Auch im Fall Königshofer geht Straches Abgrenzung nach Rechtsaußen in der Partei nicht spannungsfrei von sich.

Aber insgesamt macht der Schwenk beim Thema Judentum/Israel den Rechtspopulismus etwas salonfähiger - und das mit gutem Grund. Waren die alten rassistischen Vorurteile noch ohne jede rationale Basis - in keinem Land in Europa war die jüdische Bevölkerung ein Problem -, so stellt die muslimische Einwanderung die Staaten vor echte Herausforderungen: sozial, kulturell und - auch wenn islamistische Fanatiker eine kleine Minderheit darstellen - auch bei der Sicherheit. Anders als früher kann man den neuen Rechten zubilligen, dass sie unangenehme Wahrheiten aussprechen, die von den Regierenden gerne unter den Tisch gekehrt werden. Das gilt auch für manche ihrer Argumente gegen EU und Euro.

Doch gerade das Massaker von Oslo hat deutlich gemacht, wo die Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei verlaufen - auch im rechten Lager: nicht zwischen Worten und Taten, sondern zwischen vernünftigen Debatten über Integration und offener Hetze. Muslime sind nicht die neuen Juden Europas. Aber genauso wie die antisemitischen Ideologen des frühen 20. Jahrhunderts dem Holocaust den Boden bereitet haben, müssen islamophobe Propagandisten daran erinnert werden, wohin menschenverachtender Radikalismus führt. Der Austausch des Feindbildes macht es nicht besser. (DER STANDARD Printausgabe, 2.8.2011)

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Yar Ali
00
11.9.2011, 23:08
der grösste Feind der Rechten ... war und ist die freie Republik Österreich .... den der Staat garantiert Gleichbehandlung von Geschlecht, Religion und Rasse ...

sobald die Rechten an die Macht kommen VERKAUFEN sie das Land an ein Großreich!!!!

... nie wieder Rechte wählen!!!

skip it
02
10.8.2011, 09:23
ein feind bleibt eine konstante bei den rechtsextremen in europa:...

...die demokratie und die republik, insbesondere die republikanische solidargemeinschaft.

vom laïzismus ganz zu schweigen, obwohl den grad marine lepen erfolgreich versucht, wieder hervorzuholen.

mit erfolg: solang muslimen in frankreich erlaubt wird, waehrend des gebets mehrfach pro tag ganze straßenzuege durch bodenkuessen lahmzulegen hat die gute leichtes spiel.

emanze c
00
12.9.2011, 12:25

"mit erfolg: solang muslimen in frankreich erlaubt wird, waehrend des gebets mehrfach pro tag ganze straßenzuege durch bodenkuessen lahmzulegen hat die gute leichtes spiel."

?

Hab das in Frankreich über Jahre nie erlebt. Wo soll das geschehen, in rein arabischen Vierteln? In den Öffis?? Letzteres wäre mir SEHR unwahrscheinlich über die Zeit entgangen und kann ich daher nicht für besonders seriös halten...

chezgarando
10
da könnte was dran sein

da gabs doch mal einen rechtspopulisten bei uns im lande der dazu aufgefordert hat nicht beim kebabstand zu kaufen...kommt uns das bekannt vor?

Frau Trude
01

Herr Frey unterliegt dem rechtspopulismus und dem Rassismus im gleichen maße, wie er ihn verurteilt.

nunja, der hellste war er noch nie.

Emet mTsiyon
00

Können sie mir das bitte erklären?

the comedian
 
04
ungeheuerlich

Aber insgesamt ... Rechtspopulismus etwas salonfähiger - und das mit gutem Grund.
schämen sie sich, herr sinnfrey!

Eleonore Stein
00

Genau! Man sollte schon, dass man nicht selbst jenen Vorurteilen aufsitzt, gegen die man vorher schreibt. Schade, wenn es so unreflektiert wieder gegeben wird.

Dr Stänkerer
18
Ende der Diskussion!

Relgionen tragen nichts zum friedlichen Zusammenleben bei. Die einzigen, die vom unfassbaren Massenmord in Norwegen profitieren, sind Islamisten. Rationale, verantwortungsvolle Islamkritik, berechtigt und wichtig wie jede andere Religionskritik, wurde erfolgreich zum Schweigen gebracht. Die Diskussion über Islam und seine Vereinbarkeit mit sekulär demokratischen Werten der Aufklärung, ist beendet. Moslems sind Opfer, Kritiker sind Hetzer. Der obige Artikel ist nur einer von vielen. Schade um eine historische evolutionäre Chance, uns von Religion zu lösen.
PS: bis lange nach dem 2. Weltkrieg war Judenfeindlichkeit Doktrin der Katholischen Kirche und wurde von den Kanzeln gepredigt.

denke
01

[...]PS: bis lange nach dem 2. Weltkrieg war Judenfeindlichkeit Doktrin der Katholischen Kirche und wurde von den Kanzeln gepredigt[...]
Logisch. Schließlich könnte man die Nicht-Anerkennung von Jesus als Messias durch sein eigenes Volk als besten Gegenbeweis werten.
Das das Judentum einfach weitermachte, als hätte es Jesus nie gegeben, weil er in ihren Augen überhaupt keine Rolle spielte, nicht mal als 7. Zwerg von links ist für das Christentum eine enorme Herausforderung.

Emet mTsiyon
00

Können sie mir bitte in vernünftigen Worten erklären, warum für das Cristentum das eine "enorme Herausforderung" ist? Für Juden ist Jesus eine historische Persönlichkeit, es wurde nie bestritten das es ihn gab. Sein wirken als Religionsgründer der Christen, sehen Juden als Sache derer an, die daran glauben und mischen sich folglicherweise nicht ein. Andere Religionen sind für das Judentum einfach kein Thema um darüber befinden. Das wäre vielleicht für manche Poster anderer Religionen, auch ein besseres Motto.

skip it
00
wie bitte? "es wurde nie bestritten das es ihn gab"...

...wo haben s' denn DAS her?

von ebendort gar, wo sie auch ihre deutschkenntnisse "empfingen"?

Emet mTsiyon
00

Wo liegt das Problem? Was meinen sie mit: ...wo haben s' denn DAS her?

skip it
01
10.8.2011, 08:17
"es wurde nie bestritten das es ihn gab"...

...so haben s' denn DAS her?

fuer die existenz jesus gibt es nicht einen einzigen beweis.

auf der sonst recht kompletten liste der von rom in jerusalem gekreuzigten verbrecher und den verurteilungsgruenden zb scheint der knabe ueberhaupt net auf. auch sonst: NIRGENDS erwaehnt.

jemand, der in jerusalem zum hoechsten juedischen fest so einen aufruhr anzettelt, dass die rabbinische nomenklatura zur exekution antritt (hoechst ungewoehnlich, uebrigens) wuerde zumindest IRGENDWO erwaehnt, sei's in roemischer oder juedischer niederschrift.

Armin Bierbauer
00

Die Juden akzeptieren die Geschichtlichkeit Jesu? Das mag schon sein. Das Problem dabei ist nur, dass "Jesus von Nazareth" (mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit) eine Erfindung ist, und ausserhalb der Bibel - bei säkularen damaligen Geschichtsschreibern - nicht vorkommt. Ein Wunder, bei all den vollbrachten Wundern, nicht wahr?
Die Geschichtlichkeit Jesu ist eine Lüge bzw. ein Mythos der sich hält und vor dem selbst Religionslehrer nicht zurückschrecken ihn Kindern zu "lehren". Ich empfehle dazu "Der gefälschte Glaube" von Karlheinz Deschner.

Emet mTsiyon
00

"Das Problem" wie sie es nennen, existiert aus jüdischer Sicht nicht. Es gibt für Juden keine Wunder Jesu. Die Geschichtlichkeit der Person ist ist weder bewiesen noch wiederlegt worden. Der Glaube an ein Wirken der Person Jesus ist Sache der Christen. Irgendwie dreht sich die Diskussion im Kreis. Ich kann nur wiederholen, dass für das Judentum die Person Jesus kein Thema für Bewertungen irgendeiner Art ist. Das ist auch vice versa zu sehen, der Verzicht auf Bewertungen würde helfen, über dieses Thema hinweg zukommen.

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01
net bringschuld umkehren:...

...wenn eine milliardenreligion auf den taten einer einzigen person basiert, dann ist es DEREN verdammte pflicht, die existenz ihres "gruenders" unwiderlegbar zu beweisen.

sogar von mohammeds existenz gibt es beweise.

nur das liebe jesuskind hat's offenbar nie gegeben.

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00

Warum kommt Jesus dann im Talmud vor?

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01
lesen s':...

...
http://en.wikipedia.org/wiki/Jesu... the_Talmud
http://www.angelfire.com/mt/talmud... jesus.html

sie glauben sicher auch ans christkind oder an straches redlichkeit. mit sicherheit jedoch offensichtlich an die quelle der wahrheit, ihren religionslehrer.

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00
seit wann ist der talmud historische forschung?...

...und: WO kommt der knabe denn da vor, bitte?

denke
00

Mein Gegenbeweis ist der Zensur leider zu heikel

denke
00

[...]Sein wirken als Religionsgründer der Christen, sehen Juden als Sache derer an, die daran glauben und mischen sich folglicherweise nicht ein.[...]
Das ist eine reine Frage der Machtverhältnisse.
Am Anfang gab es in Rom Übergriffe der Juden auf Christen, vor allem auf ehemalige Juden die "übergelaufen" sind.
Aber da die Christen erfolgreich Heiden missionierten waren sie bald in der Überzahl und somit mächtiger.
Nun konnten sie die Juden angreifen.

denke
00

Im Judentum gibt es den Glauben an den kommenden Messias.
Die Christen glauben das eben dieser Jesus dieser Messias ist und versuchen die ganze Welt dazu zu bekehren.
Problem dabei: Die Glaubwürdigkeit des Messias-Status leidet enorm darunter das sein eigenes Volk, zu dem er ja gesandt wurde, ihn nicht anerkennt.
Drastisch formuliert, könnte man zu folgender Ansicht kommen:
Die Existenz des Judentums beweist das Messias nicht der Messias war und das Christentum somit eine falsche Lehre ist.

Emet mTsiyon
00
Ich verstehe ungefähr was sie im Kern ihrer Aussage meinen, kann dem jedoch nicht zustimmen. Auch bei persönlichen Zusammentreffen ist öfters eine Erwartungshaltung von Christen gegenüber Juden vorhanden, Jesus als religiöse Figur anzuerkennen.

Ich frage mich dann immer, warum ein Anerkenntnis, ausgesprochen von Menschen die einem anderen Glauben folgen, so wichtig sein kann. Eine Aussage oder Bestätigung von Religionsfremden kann doch keinerlei Relevanz auf einen eigenen Glauben haben. Das kann kein Glaubwürdigkeitsproblem des "Messias-Statuses" von Jesus sein, da dessen Bewertung ja nur denen obliegt, die an ihn glauben. Der Fehler ist eben vielleicht doch, sich zuviele Gedanken darüber zu machen, was in anderen Religionen geglaubt oder nicht geglaubt wird.

Dr Stänkerer
27
Vernünftige Debatten vs Hetze

Der Raum für vernünftige Debatten mit Religionen Ist schmal, da Religion und Vernunft klar Antipoden sind. Debatten mit gläubigen Moslems sind schlicht unmöglich. Der Islam sieht sich als ultimative Offenbarung des Schöpfers des Universums, der sich die Welt letzlich im Kalifat unterordnen muss. Die Bereitschaft zur vernünftigen Debatte ist dabei etwa so gross wie die der Päpste während der Hochblüte der spanischen Inquisition. Die Geschichte lehrt uns, dass es wohl ein paar Generationen und Revolutionen brauchen wird, bis die Mehrheit der Moslems "vernünftig debattieren" will. In der Zwischenzeit werden wir uns an subtile Angriffe auf die Grundsätze der säkulären Demokratie gefasst machen müssen.

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