"Jemanden aus dem Auto heben? Viel zu schwer für mich!"

23. August 2011, 10:21
  • "Es ist viel leichter, jemanden aus dem Auto raus zu ziehen, wenn ich mir sage 'das kann ich', als wenn ich sage 'boah, der schaut aber schwer aus, das geht nie'", weiß Frido Schrott.
    foto: derstandard.at/tinsobin

    "Es ist viel leichter, jemanden aus dem Auto raus zu ziehen, wenn ich mir sage 'das kann ich', als wenn ich sage 'boah, der schaut aber schwer aus, das geht nie'", weiß Frido Schrott.

"Ich habe junge Frauen mit unter 50 Kilo gesehen, die 130 Kilo-Typen raus gezogen haben", plädiert Frido Schrott für das Motto "Yes, we can" - Mythos 8 mit Gewinnspiel

"Wenn vor mir auf der Mariahilfer Straße jemand umkippt, falle auch ich kurz in einen Schreckzustand, obwohl ich in Erster Hilfe ausgebildet bin und viel Erfahrung habe", erzählt Frido Schrott, Sanitäter und Lehrbeauftragter im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes. "Es gibt nur wenige Personen, die in so einer Situation nicht erschrecken würden, beispielsweise James Bond. Ihm ist egal, was passiert, er ist immer cool. Auch Batman ist ganz gut in diesem Bereich. Die Realität ist eine andere."

"In einen Schreckzustand fallen wir dann, wenn unser Gehirn kurzfristig von der Situation überfordert ist. Das passiert viel öfter als man denkt. Es reicht manchmal schon, wenn man einen Berg Arbeit bekommt und nicht weiß, wie man ihn bewältigen soll. Folgende drei Reaktionen sind im Schreckzustand wahrscheinlich: Der Fluchtreflex. Man kommt an einem Unfallort vorbei und sagt: 'Boah, da liegt ein Motorradfahrer. Ist das viel Blut.' Man geht nach Hause und erzählt: 'Ich habe einen Motorradunfall gesehen und keiner hat geholfen. Nicht einmal die Rettung haben sie gerufen.'

Dann gibt es die Leute, die erstarren. Das sind die Schaulustigen, die ihr kennt. Die können meistens nichts für ihr Verhalten, die sind einfach bewegungsunfähig. Die stehen da, schauen hin und sagen: 'Sollen wir die Rettung rufen? Oarg, dass da keiner die Rettung ruft!' Überlegt einmal, ob ihr nicht selbst schon einmal in irgendeiner Situation Schaulustige wart", fordert Frido Schrott die Teilnehmer der Erste Hilfe-Kurse zum Nachdenken auf.

'Angriff' in Form von Helfen

"Dann gibt es die Menschen, die 'angreifen' und handeln, im Sinne von Helfen. Und gerade das ist für viele am Schwierigsten, weil Ängste aufkommen. Diese sind manchmal berechtigt, meistens aber sind sie nicht berechtigt, so wie ich schon von den gebrochenen Rippen oder vom Helm vom Kopf-Ziehen erzählt habe. Vorsicht ist allerdings angeraten, wenn man sich in eine Gefahrensituation begibt.

Es gibt auch die Angst, zu versagen - etwas falsch zu machen, oder nicht zu können. So höre ich regelmäßig in meinen Kursen: 'Ich könnte niemanden aus einem Autowrack heraus ziehen, ich bin nicht so stark.' Redet euch das nicht ein!" warnt Frido Schrott, der neben seiner Tätigkeit beim Wiener Roten Kreuz auch mit Sportlern im Bereich des mentalen Trainings arbeitet.

"Ich rufe in so einem Augenblick zu einem inneren Monolog auf. Überlegt einmal: Alles, was ihr in eurem Leben erreicht habt, habt ihr erreicht, weil ihr Ja gesagt habt. Es ist viel leichter, jemanden aus dem Auto raus zu ziehen, wenn ich mir sage 'das kann ich', als wenn ich sage 'boah, der schaut aber schwer aus, das geht nie.' Ich habe junge Frauen mit unter 50 Kilo gesehen, die 130 Kilo-Männer raus gezogen haben. Jemanden aus einem Auto zu ziehen, in Sicherheit zu bringen und Erste Hilfe zu leisten, bis die Rettung da ist, das schaffe ich bei jedem. Ihn wegzutragen vielleicht nicht, aber das ist alleine auch nicht notwendig", schließt der Wiener Rotkreuz-Sanitäter seinen achten Teil der Mythen der Lebensrettung. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 23.08.2011)

>> Wie es geht? Bergung mit dem Rautekgriff

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ein MYTHOS ist eine Geschichte mit WAHREM Inhalt!

Ich empfehle also das Wort "MYTHOS" in dieser Serie durch "Irrtümer" oder sonst irgendwas zu ersetzen.

Nein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mythos

-> kann wahr sein, muß aber nicht.

schauen's, wenn sie's unbedingt drauf anlegen ... der wahre kern: heben ist schwer. der rest drumherum ist erstunken und erlogen.

Ha, ich wußte doch, dass das gestern die Medusa war!!

Viva Frido Schrott!

endlich mal einer der keinen schrott daherredet, sich auskennt und sich abmüht, uns etwas überlebenswichtiges beizubringen. hut ab! (nicolás, o galego)

bitte den schwachsinn mit rautek-griff und ähnlichen zu lernenden (und vor allem: zu merkenden) techniken vergessen, es gibt nur 1 grundregel: gesicht durch armüberkreuzen schützen, falls der pat. am bauch liegt, ansonsten ist primitivstes schleifen an armen oder beinen angesagt...alles andere zählt 11 und ist schnurz

das Wegziehen ist ebenfalls Lehrmeinung, aber nicht in diesem Fall!

Wegziehen eines liegenden Patienten im Gefahrenbereich. Bergen aus dem Auto mit diesem gezeigten Griff.

ist dann besser, du hilfst nicht und gehst weiter.

lt. gesetz muss selbst ignoranten wie ihnen geholfen werden..

lol

wenns auf Bandscheibenvorfälle und ausgerenkte Glieder stehen ok

aber für jeden der ein bissl mehr Hirnschmalz investiert ist klar warum man die Last auf die Unterarme quer über die Brust verteilt...

und sooooo schwer daß man sich den net merken kann ist der Rautek nicht

es sei denn sie sind schon schwer dement

und wenn er eine kompressionbedingte brustkorbverletzung hat bringens ihn mit dem rautek vielleicht um... ich hab schon viele leute an einem arm geschleift und es hat sich noch keiner was getan.
und wie da ein bandscheibenvorfall zustandekommen soll müssen sie mir auch erklären.

das schau ich mir an, wie sie den rautek konzentriert anwenden, wenn die kraxen brennt... da ist mir der bandscheibenvorfall oder luxierte gelenke herzlichst wurscht... aber sie können der verkohlten leiche dann ja im nachhinein erklären, dass sie ihr nicht wehtun wollten... das ist eben der unterschied zwischen theoretikern mit führerschein-eh-kurs-wissen(?-ein schlechter scherz) und praktikern mit erfahrung, net bös sein...

der vergleich mit der demenz ist gar nicht so schlecht, in notsituationen fallen den meisten leuten auch schon mal die notrufnummern nicht ein...

Gebe ich ihnen recht. Hauptsache man macht irgendwas und raus aus der Gefahrenzone. Wenn Menschen solche techniken nicht regelmässig üben haben sie KEINE Chance diese im Ernstfall anzuwenden.
Und besser ne gebrochene rippe als ne Feuerleiche!

und wann ziehe ich jemandem aus dem auto?

wäre auch eine erwähnung wert gewesen.
ich kenne die genaue lehrmeinung des rk nicht aber ich denke auch nicht, dass diese vorschlägt einfach jeden sofort aus dem auto zu ziehen.

Spätestens sobald jemand nicht ansprechbar ist, würde ich mal grob annehmen ;)
Vielleicht auch generell nach jedem Unfall wenn derjenige es alleine nicht kann, denn raus muss er sowieso, und sanfter könnens Rettungskräfte auch nur bedingt.

Und das Autowrack ist nicht gerade die sicherste Position um einen Verwundeten zu lagern, es könnte z.B. ein weiteres Auto einen Unfall mit dem Wrack haben, Brandgefahr besteht ebenso.

Ich würde wohl niemandem im Auto lassen ausser es geht nicht anders.

Habe mir exakt dasselbe gedacht, würde mich auch interessieren!

Ich denke wenn Benzin ausläuft od. dgl. und Brandgefahr besteht

oder auf der Autobahn wo der nächste dann in das Auto krachen kann...

Nur nebenbei: Bevor jemand am Unfallort tätig wird, muss dieser abgesichert werden (Warndreick oder besser zweite Person, die nachfolgende warnt)

Wenn er zu schwer ist,

dann muß man halt das Auto anheben und den schweren menschen rauskippen.

Hier fehlt ja vollkommen die Beschreibung, wie ma das macht. Und wann man es macht.

Auf den Bild kann man schon den Griff erkennen. Gurt öffnen oder aufschneiden. Person leicht nach vorne lehnen. von hinten unter die Achseln greifen und den äußeren Arm anpacken. Und ziehen. Da die Person ja sitzt, hebt man nicht das ganze Gewicht, man zieht es nur. das ist ein entscheidender Unterschied was den Kraftaufwand betrifft.

Wann man es macht, da bin ich etwas überfragt. Auf alle Fälle in Gefahrensituationen, also wenn der Verbleib im Wagen aufgrund äußerer Umstände gefährlich ist. Oder wenn eine Bergung aufgrund der Verfassung des Verunfallten unumgänglich ist. Wenn z.B. wiederbelebt werden muss.

ok, ich seh schon, die Anleitung steht wo anders

ich fand einmal einen bewusstlosen, blutenden, offensichtlich zusammengeschlagenen mann auf der strasse, schon ganz zugeschneit. habe die rettung gerufen, der nächtse fußgänger der (in dieser kalten späten winternacht) vorbeikam, ist auch sofort stehen geblieben. plötzlich ist der mann auf der strasse wieder aufgewacht und ist weggelaufen – er wollte keine rettung. ich musste die rettung wieder anrufen und "absagen". war mir extrem peinlich. aber die rettung hatte verständnis, gott sei dank! ich bin trotzdem froh, dass ich angerufen hab.

und warum sollt man einen mensch aus dem auto ziehen?

es gibt nur zwei situationen wo ichs tun würde, und zwar wenn das auto brennt, oder knapp davor ist einen abhang runterzustürzen, aber sonst wohl nicht.

1. allgemein um diese Person aus dem Gefahrenbereich zu ziehen
2. Die Person ist ansprechbar, kann aber vllt nicht selber raus, will es aber unbedingt (weil Panik)
3.Wie machst die stabile Seitenlage, Herzmassage, ... wenn der im Auto sitzt?

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