Mit Sojasauce und brennenden Fahnen für Dokdo

  • Der umstrittene Flug des A380 über die Inseln.
    foto: reuters/lee sang-hak/yonhap

    Der umstrittene Flug des A380 über die Inseln.

  • Die japanischen Parlamentarier vor ihrer Abreise am Flughafen Tokio-Haneda.
    foto: reuters/yuriko nakao

    Die japanischen Parlamentarier vor ihrer Abreise am Flughafen Tokio-Haneda.

  • Bei ihrer Ankunft in Seoul erwarteten sie wütende Demonstranten.
    foto: reuters/jo yong-hak

    Bei ihrer Ankunft in Seoul erwarteten sie wütende Demonstranten.

  • Eine japanische Flagge ging im Flughafengebäude in Flammen auf.
    foto: foto:ahn young-joon/ap/dapd

    Eine japanische Flagge ging im Flughafengebäude in Flammen auf.

  • Demonstranten verschütteten in der Ankunftshalle Sojasauce.
    foto: reuters/jo yong-hak

    Demonstranten verschütteten in der Ankunftshalle Sojasauce.

  • Die südkoreanische Polizei ließ drei Holzsärge beschlagnahmen, die wütende Demonstranten für die Japaner angefertigt hatten.
    foto: reuters/lee jae-won

    Die südkoreanische Polizei ließ drei Holzsärge beschlagnahmen, die wütende Demonstranten für die Japaner angefertigt hatten.

  • Schwerbewaffnete südkoreanische Polizei auf Lioncourt Rocks.
    foto: reuters/lee sang-hak/yonhap

    Schwerbewaffnete südkoreanische Polizei auf Lioncourt Rocks.

Zwanzig Hektar Fels mitten im Meer lassen ostasiatische Gemüter seit jeher hochkochen

Besuch japanischer Parlamentarier in Südkorea führte zu neuem Disput.

***

Die Elektroatlanten kennen das winzige, aus vulkanischem Gestein geformte Eiland zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan unverfänglich als Liancourt Rocks. Nach dem Namen eines französischen Walfangschiffes ("Le Liancourt") wurde die Insel 1849 international so getauft. Mit knapp zwanzig Hektar entspricht ihre Fläche etwa zweieinhalb Mal der des Wiener Stadtparks. Trotzdem gereicht Dokdo, wie es die Südkoreaner nennen, oder Takeshima, wie die japanische Bezeichnung lautet, dieser Tage wieder einmal zu einem diplomatischen Disput zwischen den beiden ostasiatischen Industriemächten.

Am Sonntag hat die südkoreanische Polizei drei japanische Parlamentarier, allesamt Abgeordnete der oppositionellen Liberaldemokraten, am Inlandsflughafen Seoul-Gimpo angehalten und ihnen die Einreise verweigert. Sie hätten geplant, die Nachbarinsel Ullung zu besuchen, von der aus Südkorea seit 1954 die Liancourt Rocks verwaltet. Für ihre Sicherheit könne nicht garantiert werden und außerdem, so das Außenministerium in Seoul, würden derlei Aktionen die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefährden.


Größere Kartenansicht

Die bekannt enthusiastischen Demonstranten in der südkoreanischen Haupstadt Seoul nutzten den Anlass, um japanische Flaggen zu verbrennen und Sojasauce in der Ankunftshalle zu verschütten.

A380 flog über die Inseln

Schließlich war der Vorfall am Flughafen längst nicht der erste Anlass für die beiden Länder, die Felseninseln zum Anlass für diplomatisches Säbelrasseln zu nehmen. Nachdem die Korean Air Lines Mitte Juli ihren neuen Airbus 380 während eines Presseflugs über Lianrock Courts steuerte, untersagte die japanische Regierung prompt ihren Beamten, die Fluglinie für Dienstreisen zu nutzen.

Nur de facto-Territorium

Südkorea beruft sich auf eine Urkunde aus dem Jahr 930, wonach die Inseln mit dem koreanischen Staat verbunden sind. Mit dem Beginn der japanischen Kolonialherrschaft zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begannen japanische Seeleute auf der unbewohnten Insel nach Seelöwen zu jagen - und baten die Tokioter Regierung, Liancourt Rocks in den Staatsverband zu integrieren.

1905 wurden die Inseln schließlich der japanischen Präfektur Shimane angeschlossen. Tokio errichtete einen Wachturm, der nach Japans Sieg im russisch-japanischen Krieg wieder abgerissen wurde. Die Verträge nach dem Zweiten Weltkrieg erwähnten die Inseln nicht, auch nicht der Grundsatzvertrag von 1965, der die Beziehungen der beiden Staaten regeln sollte. Bis heute herrscht Seoul lediglich de facto über Liancourt Rocks.

Bewaffneter Konflikt in den Fünfzigerjahren

Der international unklare Status führte schon Anfang der Fünfzigerjahre zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen japanischen und südkoreanischen Schiffen. 1952 erhob der damalige südkoreanische Präsident Rhee Syng-man offiziell Anspruch auf die Inseln. Nach der Versenkung eines Kriegsschiffs und der Vertreibung japanischer Fischer aus den Gewässern vor Lianrock Courts 1954 stationierte Seoul eine Polizeieinheit auf der Hauptinsel. Bis heute versehen zwei Dutzend südkoreanischer Polizisten dort ihren Dienst. Detail am Rande: das stalinistische Regime in Nordkorea unterstützt im Fall der Liancourt Rocks die verhasste Seouler Regierung.

"Takeshima-Tag"

In den Neunzigerjahren errichtete Südkorea zudem eine kleine Werft und erklärte die Inseln zum Nationalpark, was von der japanischen Öffentlichkeit als Provokation aufgefasst wurde. Aber auch Japan tut das seine, um den Streit am Köcheln zu halten. Seit 2006 wird in Matsue, der Hauptstadt Shimanes, am 22. Februar der "Takeshima-Tag" begangen und des Jahrestags der Anschlusses der Inseln an Japan gedacht.

Bedeutsamer für die historisch ohnedies äußerst belasteten Beziehungen der beiden Länder könnten aber wirtschaftliche Gründe sein. In den 300 Kilometern rund um die Felseninseln im Japanischen Meer, das in Korea Ostmeer heißt, befinden sich reiche Fischgründe. Zudem wird im Meeresboden Erdgas vermutet. (flon/derStandard.at, 1.8.2011)

Share if you care