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"Nieren- und Lebertransplantationen sind heutzutage bereits der 'Normalfall'", sagt Ferdinand Mühlbacher, Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie.
Wien - Eine Alternative zur immunsuppressiven Therapie nach Nierentransplantationen ohne die üblichen schweren Nebenwirkungen bietet der Wirkstoff Belatacept. Die Medizinische Universität war an dessen klinischer Entwicklung maßgeblich beteiligt. Jetzt wurde ein entsprechendes Präparat EU-weit zugelassen.
"Das könnte die Nierentransplantation und deren Therapie grundsätzlich revolutionieren", sagt Ferdinand Mühlbacher. Als Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie ist er gemeinsam mit dem Immunologen Thomas Wekerle im Wiener Studienzentrum federführend.
Längere Haltbarkeit
Bisher hat eine transplantierte Niere neun Jahre lang gehalten. Mit Unterstützung von Belatacept hält sie konservativen Schätzungen zufolge 13 Jahre. Mühlbacher ist noch etwas optimistischer: "Ich rechne mit 15 bis 17 Jahren." Neun von 22 Patienten werden seit zehn Jahren nach einer Transplantation mit der Substanz behandelt und sind noch immer in der Langzeitstudie der Wiener Wissenschafter. "Ihre Nierenfunktionen sind exzellent", sagt Mühlbacher.
Keine Nebenwirkungen
Der Vorteil des Ko-Stimulationsblockers Belatacept ist leicht erklärt: Im Gegensatz zu den herkömmlichen Immunsuppressiva, den Calcineurininhibitoren - wie zum Beispiel Ciclosporin - gibt es keine Nebenwirkungen. Seit fast 30 Jahren werden diese für die lebenslange Unterdrückung der unerwünschten Reaktionen des Immunsystems bei Organtransplantationen eingesetzt. Mit beträchtlichen möglichen Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Störungen des Fettstoffwechsels.
Mühlbacher: "Jetzt haben wir eine Substanz, die gleich effektiv ist, nicht giftig ist, keine Nebenwirkungen hat und eine bessere Funktion des Organs gewährleistet." Das bei Transplantationen grundsätzlich erhöhte Krebsrisiko ist beim Wirkstoff Betalacept laut Mühlbacher gleich hoch wie bei den Calcineurininhibitoren.
Umstellung bei neuen Patienten
An der MedUni Wien gibt es jährlich rund 420 Transplantationen, 180 davon betreffen die Nieren. "Natürlich werden wir jetzt nicht alle auf das neue Medikament umstellen, aber bei neuen Patienten ziehen wir das natürlich in Betracht", sagt Mühlbacher.
Reputation in der Transplantationsmedizin
Der maßgebliche Anteil an der klinischen Entwicklung des Wirkstoffes Belatacept unterstreicht die Transplantations-Kompetenz, die sich die Medizinische Universität Wien über Jahrzehnte erworben hat. "Unsere Reputation in der Transplantationsmedizin ist auf explodierende Spenderzahlen in den Neunziger Jahren zurückzuführen", so Mühlbacher. "Allein 1990 gab es 260 Nierenpatienten." Aus den erfolgreichen Transplantationen ergab sich ein positiver "Jojo-Effekt", der zu immer mehr Spendern und zu gesteigerter internationaler Beachtung führte.
"Nieren- und Lebertransplantationen sind heutzutage bereits der 'Normalfall'", so Mühlbacher. Der aktuelle Trend liege in Lungentransplantationen. Auch hier ist die Medizinische Universität Wien weltweit führend: Walter Klepetko, Vorstand der Abteilung für Thoraxchirurgie, leitet das größte Lungentransplantationszentrum in Europa, das zweitgrößte der Welt. 2013 wird der europäische Transplantations-Kongress in Wien stattfinden. (red)
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