Buchautor Salcher: "Druck, dass jeder genommen wird", weil man so viele neuen Lehrer brauche
Wien - Bildungministerin Claudia Schmied tüftelt gemeinsam mit einem Expertenteam an der neuen Pädagogen-Ausbildung. Geplant ist unter anderem ein Auswahlverfahren für angehende Lehrer. (derStandard.at berichtete) Die geplanten Eignungsverfahren seien überfällig, aber wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle schon jetzt in Gefahr, warnte der Autor Andreas Salcher am Montag im Ö1-Morgenjournal. Salcher bezweifelt, dass es die Politik mit den strengen Auswahlkriterien für künftige Lehrer wirklich ernst meint. Das zeige sich am Beispiel der Pädagogischen Hochschulen, wo es jetzt schon Eignungstests gibt. Es gebe massiven politischen Druck, dass jeder genommen werden, weil man so viele neuen Lehrer brauche, so Salcher im Ö1 Morgenjournal. Das schrecke erst recht wieder jene ab, die hochmotiviert in den Beruf gehen wollten.
Höhere Einstiegsgehälter
Um den Lehrberuf attraktiver zu machen, müssten die Lehramtskandidaten einmal wissen, wie ihr Berufsbild ausschaut, fordert Salcher. In dieser Hinsicht sei es "ein Wahnsinn", dass das neue Lehrerdienstrecht erst im nächsten Sommer "in Geheimverhandlungen" fertig werden soll, kritisiert der Bildungsexperte. Zu einem attraktiveren Dienstrecht gehörten höhere Anfangsgehälter wie etwa die von Betriebswirten oder Juristen, leistungsorientierte Bezahlung und Aufstiegschancen.
Als Kriterien für die Lehrerauswahl nennt Salcher unter Verweis auf das Beispiel Finnland: "Ist der angehende Lehrer in der Lage, junge Menschen für sein Fach zu begeistern? Mag er Kinder? Und mögen Kinder ihn?" Wenn ein Mensch diese Voraussetzungen nicht hat, heiße es klipp und klar Nein. Das sei wesentlich fairer als dass ungeeignete Kandidaten in einer Sackgasse landen und nicht mehr herauskommen, so Salcher.
Die ersten zwei Semester zählen
Aus dem Büro von
Unterrichtsministerin Schmied heißt es über die
geplante Eignungsfeststellung für angehende Lehrer an den
Universitäten, dass es nicht um eine Aufnahmeprüfung wie an den Pädagogischen
Hochschulen (PH) gehe, sondern um ein schrittweises Verfahren im Rahmen einer
Studieneingangsphase. Mit Start des ersten Studiengangs im Rahmen der
"PädagogInnenausbildung NEU" im Herbst 2013 soll auch die Eingangs-
und Orientierungsphase anlaufen. Dabei soll im Laufe der ersten
beiden Semester u.a. durch Praxis in der Schule herausgefunden
werden, welche sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Student
hat und wie er mit Konflikten umgeht.
Sowohl der Student als auch der Lehrende kann dabei zur
Erkenntnis
kommen, dass keine Eignung für den Lehrerberuf besteht. Ob das Urteil
des Lehrenden dann eine Empfehlung oder verpflichtende Entscheidung
sein wird, ist noch unklar, heißt es auf APA-Anfrage
Geht es nach Roland Fischer, dem stellvertretenden Vorsitzender
der für die Empfehlungen zur neuen Pädagogen-Ausbildung zuständigen
Arbeitsgruppe, soll ein Ausschluss eines Studenten möglich sein,
"wenn gravierende Punkte dafür sprechen und es nicht einvernehmlich
funktioniert". "Das ist aber nur meine persönliche Meinung", so
Fischer im APA-Gespräch, "die Details werden noch ausgearbeitet."
"Das beste
System"
Kein "Nein", aber auch kein dezidiertes "Ja" kommt aus dem Büro
von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) zum von
Unterrichtsministerin Schmied forcierten Modell. Klar
sei, dass nur die Besten Lehrer werden sollen und es "das beste
System" brauche, das auf die Eignung der Bewerber abstellt. Mit den
bisherigen Modellen zeigt sich Töchterle allerdings nicht ganz
glücklich. "Eignungstests und Aufnahmeverfahren sind grundsätzlich
breiter aufzustellen als bisher", heißt es gegenüber der APA aus
seinem Büro.
Die Eignungstests müssten möglichst aussagekräftig gestaltet
werden. "Hier braucht es eine Systematik mit mehreren Elementen, die
begleitend und umfassend wirkt, zugleich aber auch Fairness gegenüber
den Studierenden garantiert." Die genaue Ausformung einer solchen
Eignungsüberprüfung müsse aber erst erarbeitet werden.
BZÖ dafür
Positives Echo kommt unterdessen vom BZÖ. "Das Beispiel
Finnland
zeigt, dass solche Eignungstests der richtige Weg sind und der
Lehrerberuf dort ein sehr angesehener Beruf ist", so
Bildungssprecherin Ursula Haubner in einer Aussendung. Sie forderte
SPÖ und ÖVP auf, solche Tests nicht nur anzukündigen, sondern auch
umzusetzen. "Bei Rot und Schwarz ist zu befürchten, dass solche
sinnvollen Ankündigungen auf die lange Bank geschoben werden."
Grüne: "Kurzstudium für
QuereinsteigerInnen"
Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser begrüßt
Aufnahmeverfahren
mit Eignungstests zwar, wirft Schmied aber vor, sich "mit diesem
Vorstoß (...) einmal mehr vor der Lösung des derzeit gravierendsten
Problems im Schulwesen - dem Lehrermangel" - zu drücken. Er fordert
in einer Aussendung ein "Kurzstudium für fachlich qualifizierte
QuereinsteigerInnen": "Wir werden diese Lehrkräfte dringend
benötigen."
Die ÖVP-nahe Schülerunion schreibt in einer Aussendung: "Wir freuen uns sehr, dass unsere Forderung nach verpflichtenden Eignungstests für alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer von Unterrichtsministerin Claudia Schmied positiv aufgenommen wird und 2013 endlich umgesetzt werden soll, denn jede Person, welche Lehrer werden will, muss unserer Vorstellung nach bereits gewisse Eigenschaften, wie vor allem Freude an der Arbeit mit Jugendlichen, besitzen." (red, derStandard.at, 1.8.2011)