Pädagogen-Ausbildung Neu

Kritik an geplantem Lehrer-Eignungstest

1. August 2011, 08:53

Buchautor Salcher: "Druck, dass jeder genommen wird", weil man so viele neuen Lehrer brauche

Wien - Bildungministerin Claudia Schmied tüftelt gemeinsam mit einem Expertenteam an der neuen Pädagogen-Ausbildung. Geplant ist unter anderem ein Auswahlverfahren für angehende Lehrer. (derStandard.at berichtete) Die geplanten Eignungsverfahren seien überfällig, aber wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle schon jetzt in Gefahr, warnte der Autor Andreas Salcher am Montag im Ö1-Morgenjournal. Salcher bezweifelt, dass es die Politik mit den strengen Auswahlkriterien für künftige Lehrer wirklich ernst meint. Das zeige sich am Beispiel der Pädagogischen Hochschulen, wo es jetzt schon Eignungstests gibt. Es gebe massiven politischen Druck, dass jeder genommen werden, weil man so viele neuen Lehrer brauche, so Salcher im Ö1 Morgenjournal. Das schrecke erst recht wieder jene ab, die hochmotiviert in den Beruf gehen wollten.

Höhere Einstiegsgehälter

Um den Lehrberuf attraktiver zu machen, müssten die Lehramtskandidaten einmal wissen, wie ihr Berufsbild ausschaut, fordert Salcher. In dieser Hinsicht sei es "ein Wahnsinn", dass das neue Lehrerdienstrecht erst im nächsten Sommer "in Geheimverhandlungen" fertig werden soll, kritisiert der Bildungsexperte. Zu einem attraktiveren Dienstrecht gehörten höhere Anfangsgehälter wie etwa die von Betriebswirten oder Juristen, leistungsorientierte Bezahlung und Aufstiegschancen.

Als Kriterien für die Lehrerauswahl nennt Salcher unter Verweis auf das Beispiel Finnland: "Ist der angehende Lehrer in der Lage, junge Menschen für sein Fach zu begeistern? Mag er Kinder? Und mögen Kinder ihn?" Wenn ein Mensch diese Voraussetzungen nicht hat, heiße es klipp und klar Nein. Das sei wesentlich fairer als dass ungeeignete Kandidaten in einer Sackgasse landen und nicht mehr herauskommen, so Salcher.

Die ersten zwei Semester zählen

Aus dem Büro von Unterrichtsministerin Schmied heißt es über die geplante Eignungsfeststellung für angehende Lehrer an den Universitäten, dass es nicht um eine Aufnahmeprüfung wie an den Pädagogischen Hochschulen (PH) gehe, sondern um ein schrittweises Verfahren im Rahmen einer Studieneingangsphase.  Mit Start des ersten Studiengangs im Rahmen der "PädagogInnenausbildung NEU" im Herbst 2013 soll auch die Eingangs- und Orientierungsphase anlaufen. Dabei soll im Laufe der ersten beiden Semester u.a. durch Praxis in der Schule herausgefunden werden, welche sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Student hat und wie er mit Konflikten umgeht.

Sowohl der Student als auch der Lehrende kann dabei zur Erkenntnis kommen, dass keine Eignung für den Lehrerberuf besteht. Ob das Urteil des Lehrenden dann eine Empfehlung oder verpflichtende Entscheidung sein wird, ist noch unklar, heißt es auf APA-Anfrage

Geht es nach Roland Fischer, dem stellvertretenden Vorsitzender der für die Empfehlungen zur neuen Pädagogen-Ausbildung zuständigen Arbeitsgruppe, soll ein Ausschluss eines Studenten möglich sein, "wenn gravierende Punkte dafür sprechen und es nicht einvernehmlich funktioniert". "Das ist aber nur meine persönliche Meinung", so Fischer im APA-Gespräch, "die Details werden noch ausgearbeitet."

"Das beste System"

Kein "Nein", aber auch kein dezidiertes "Ja" kommt aus dem Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) zum von Unterrichtsministerin Schmied forcierten Modell. Klar sei, dass nur die Besten Lehrer werden sollen und es "das beste System" brauche, das auf die Eignung der Bewerber abstellt. Mit den bisherigen Modellen zeigt sich Töchterle allerdings nicht ganz glücklich. "Eignungstests und Aufnahmeverfahren sind grundsätzlich breiter aufzustellen als bisher", heißt es gegenüber der APA aus seinem Büro.

Die Eignungstests müssten möglichst aussagekräftig gestaltet werden. "Hier braucht es eine Systematik mit mehreren Elementen, die begleitend und umfassend wirkt, zugleich aber auch Fairness gegenüber den Studierenden garantiert." Die genaue Ausformung einer solchen Eignungsüberprüfung müsse aber erst erarbeitet werden.

BZÖ dafür

Positives Echo kommt unterdessen vom BZÖ. "Das Beispiel Finnland zeigt, dass solche Eignungstests der richtige Weg sind und der Lehrerberuf dort ein sehr angesehener Beruf ist", so Bildungssprecherin Ursula Haubner in einer Aussendung. Sie forderte SPÖ und ÖVP auf, solche Tests nicht nur anzukündigen, sondern auch umzusetzen. "Bei Rot und Schwarz ist zu befürchten, dass solche sinnvollen Ankündigungen auf die lange Bank geschoben werden."

Grüne: "Kurzstudium für QuereinsteigerInnen"

Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser begrüßt Aufnahmeverfahren mit Eignungstests zwar, wirft Schmied aber vor, sich "mit diesem Vorstoß (...) einmal mehr vor der Lösung des derzeit gravierendsten Problems im Schulwesen - dem Lehrermangel" - zu drücken. Er fordert in einer Aussendung ein "Kurzstudium für fachlich qualifizierte QuereinsteigerInnen": "Wir werden diese Lehrkräfte dringend benötigen."

Die ÖVP-nahe Schülerunion schreibt in einer Aussendung: "Wir freuen uns sehr, dass unsere Forderung nach verpflichtenden Eignungstests für alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer von Unterrichtsministerin Claudia Schmied positiv aufgenommen wird und 2013 endlich umgesetzt werden soll, denn jede Person, welche Lehrer werden will, muss unserer Vorstellung nach bereits gewisse Eigenschaften, wie vor allem Freude an der Arbeit mit Jugendlichen, besitzen." (red, derStandard.at, 1.8.2011)

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susannista
00
Berufung

An alle, die sich nur Menschen in bestimmten Berufen wünschen die sich "berufen" fühlen:

1.) Wie hat ein solcher Mensch zu sein?
2.) Wie kann er nicht sein?

tiger13
01

Es sollte auch Eignungstests für Politiker geben!!!

biolam
72
Eigentlich alles ganz einfach

Man kürzt die 3 Monate Nichtstun auf 5 Wochen Urlaub und siehe da: Es will nur mehr Lehrer werden, wer auch ein Berufung darin sieht!
PS: Rätselfrage: Warum gehen Lehrer immer mindesten 3 Tage in Krankenstand??

Hr.Lehrer
06
Diese negative Grundeinstellung Lehrern gegenüber

ist auch einer der Gründe, dass in Österreich sich sicher nicht die Besten der Besten dazu entscheiden Lehrer zu werden!
Welcher junge, intelligente, motivierte Mensch will schon einen Beruf ergreifen, in dem man von der Mehrheit der Bevölkerung als nichtsnutziger „Owizahrer“ angesehen wird, die neben 3 Monaten Ferien nur einen Halbtagsjob zu erledigen haben?

Mit diesen Ansichten werden ja genau diejenigen angesprochen, die Sie hier beschreiben.
Das nennt man dann "eine sich selbst erfüllende Prophezeiung"!

Hr.Lehrer
02

Zur Arbeitszeit der Lehrer bitte ich meine Ausführungen auf den folgenden Seiten nachzulesen, dzt. Ende S.2.

Krankenstände gibt es in jedem Berufszweig und auch "Montagskrankenstände"; beides kommt bei DEN Lehrern nicht auffällig öfter vor.
Wenn ein Lehrer in seinen vielen Ferien krank wird, ist das sein Problem, was auch in Ordnung so ist. Jeder andere österr. Arbeitnehmer bekommt Urlaubstage, in denen er krankgeschrieben wird, neu angerechnet.
Das es in diesem Beruf zu einem überproportionalen Anteil von Burnout kommt, liegt wohl nicht daran, dass die Lehrer "unterfordert" sind, oder zu viel Freizeit hätten.
Aber Sie finden bestimmt ein paar lächerliche Gründe dafür ...

Anna Huber28
14
warum posten sie wirklich?

gibt es ihnen ein gutes gefühl, mit nichts-wissen hier öffentlichkeit zu erreichen? so wie sie argumentieren hier viele poster mit dem einzigen ziel, den wow ist der frech effekt zu erreichen und vielleicht etwas aufmerksamkeit (wie jetzt auch von mir) zu bekommen. sinn macht das keinen, berufsgruppen zu verunglimpfen ist auch in ihrem winzigen bereich hier niemals zielführend oder führt zu besseren ergebnissen. schon mal darüber nachgedacht?

Denker9
00

Auflösung der Rätselfrage: Alle guten Dinge sind 3!

Denker9
13

Berufung? Das ist nur eine Vorstellung von jenen, die keine Ahnung vom Beruf des Lehrers haben. Unterrichten ist ein beinharter Job und hat mit Berufung nicht im Geringsten etwas zu tun sondern mit dem INTERESSE daran, Kindern oder auch Erwachsenen etwas "beizubringen". Zu unterrichten kann man lernen, so wie jedes andere Handwerk auch! Berufen kann man sich zum Priester fühlen- der hat vielleicht den Ruf Gottes gehört.

LL MM
00

Was möchte Walser? Es werden den Quereinsteigern eh mindestens die Hälfte des pädoagogischen Teils des Bachelor-Studiums erspart.

Außerdem müssen sie nur die Ausbildung eines schulrelevanten Bachelor-Studiums nachweisen, während sich die "normalen" Studenten in zwei Fächern ausbilden lassen müssen.

Hr.Lehrer
00
Das gilt wenn überhaupt

nur für den AHS-Bereich. Ich musste (durfte) als 41jähriger Quereinsteiger für die VS das volle Studium machen, was auch gut so war, aber sicher auch in kürzerer Zeit möglich gewesen wäre.
Da es jetzt offensichtlich zu einer gemeinsamen Ausbildung alle LehrerInnen kommen wird, wo dann (hoffentlich) die gute fachliche Ausbildung der Uni's mit der viel besseren pädagogisch-didaktische n Ausbildung der PH's zusammengefasst wird, wird man sich gemeinsame, sinnvolle Möglichkeiten für die wirklich und in jeder Hinsicht wichtigen Quereinsteiger überlegen müssen.
All das passiert aber momentan noch gar nicht!

LL MM
00

Was ich in meinem Posting geschrieben habe, gilt natürlich nur für die Sekundarstufe. So zumindest die Pläne für die Ausbildung neu.

Vom Kindergarten und VS war in dieser Hinsicht nicht die Rede. Da wird sich nicht so viel anrechnen lassen. Das ist auch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wird die angebliche Wichtigkeit der langen Ausbildungszeit kommuniziert (6 Jahre). Andererseits soll man sich bei den Quereinsteigern mit einem Mini-Studium zufrieden geben.

Da passt was nicht.

Wenn jemand Jus studieren möchte, dann muss er ja auch das volle Programm machen.

annea
01

Wobei man über die Länge der Ausbildung in gezählten Semestern diskutieren kann. Wenn man sich anscheut, wie viele Stunden ein Pädak/PH-Studierender in der Woche in der PH verbringt (verpflichtend) und wie viele ein Lehramststudent an der Uni, dann wird deutlich, dass unterm Strich gleich viele Stunden übrig bleiben, an der PH in momentan 6 Semestern und an der Uni in 8 oder 9.
Sinnvoller war für mich die PH/Pädak, weil mir an der Uni das Schulpraktische absolut gefehlt hat.

Denker9
03

Den Lehrern wir immer Finnland vorgehalten, wo alles anscheinend viel besser ist! In einem ist es besser: Von Lehrern wird erwartet, dass sie unterrichten und sich nicht ständig mit anderen Dingen beschäftigen müssen!
Nachzulesen im Internet "Zur Binnenstruktur des finnischen Schulwesens" vonThelma von Freymann.

Spitzmaus
01
Mit mehr Gehalt wird kein Lehrer besser

Gute Bezahlung ja, aber nur für jene die auch die Voraussetzungen dazu besitzen. Dem Direktor muss es möglich gemacht werden, sich von Leuten zu trennen die nicht nur unfähig sind sondern auch noch faul. Solche Leute werden aber derzeit von Schule zu Schule weitergereicht oder in Pension geschickt.

D/E
04
Sie brauchen keine Angst zu haben:

Niemand denkt daran, auch nur einen Cent mehr für Lehrer/innen auszugeben.

Der Stand der Verhandlungen ist m. W. eine Erhöhung der Lehrverpflichtung bei höheren Einstiegs- und niedrigeren Endgehältern. Die Besoldungsreform wird also von den jungen Damen und Herren vorerst selbst zu finanzieren sein.

Was die Ausbildung betrifft: Hier dürften wir noch in der Wunschzettel-Phase sein. Was sich irgendein Möchtegern ausdenkt, wird halt vorerst einmal zu einem Teilgebiet der Lehrer-Ausbildung erklärt.

Die Einstiegsprüfungen sind bislang ein Witz gewesen und werden das auch bleiben.

Hr.Lehrer
02
Schulverwaltung

Das alles ist ein Problem der Schulverwaltung!
Unsere Landes- und Stadtschulräte verwalten sich seit langem schon nur mehr selbst, anstatt die Schulstandorte zu unterstützen, zu schauen, dass genug Ressourcen (Menschen und Mittel) vorhanden sind.
Und der Grund dafür ist leider die absolute "Parteipolitisierung" dieser Ebene. Hier wird alles fein säuberlich aufgeteilt, was offenscihtlich alle Energie aufbraucht.

Was wirklich dringend nötig wäre, ist SCHULSTANDORTPOLITIK, die es de facto nicht gibt!

Carla Sociale
18
In den Hauptschulen und Neuen Hauptschulen ist es üblich,

dass Lehrer mit Abschluss für Sport, Geographie oder Musik, als Lehrer für Englisch, Mathematik oder Physik eingesetzt werden. Abgesehen davon, dass natürlich die fachliche Qualifikation fehlt, werden die Leute in Gegenständen eingesetzt, für die sie keine Begeisterung aufbringen und vermitteln können.
Die Unterrichtsqualität an diesen Schularten könnte sofort steigen, wenn man solche "Notbesetzungen" vermeiden würde.

annea
03

In der Steiermark ist es (noch) so, dass "nur" Nebenfächer fachfremd unterrichtet werden müssen, Hauptgegenstände nicht. Ich könnte jederzeit dazu verdonnert werden Biologie zu unterrichten, wie fachlich hochwertig dieser Unterricht dann sein wird, kann man sich denken. Und dann wundern sich alle, weil das Niveau an HS/NMS sinkt, oh Wunder! Aber Hauptsache, Bezirksschulräte und Bezirksschulinspektoren werden finanziert, statt das Geld dorthinzupumpen, wo es fehlt: genügend Lehrer!

##V+##
40
"Carla Soziale" darf ungehindert mit substanzlosen Beiträgen das Forum volltrollen, während meine Beiträge stundenlang in der Warteschleife hängen.

Was soll das?

Carla Sociale
02
Mit zwei Standard-Abos in der Familie hat man das notwendige Druckmittel,

um die persönlichen Beiträge bevorzugt behandelt zu bekommen.

##V+##
00
Ausgezeichnet! :-)

absurdistanerin
01

die Beiträge sind keinesfalls substanzlos sondern Tatsachenberichte. Probleme mit der Wahrheit? Die hat scheinbar in diesem Forum doch Priorität im Vergleich zu ihrem unnötigem, verzichtbarem Stunk

D/E
01
Ähm...

Das mit dem Unterricht durch Nicht Geprüfte stimmt absolut.

Da war wohl nichts mit "Trollen".

Ratz Fatz
11

Also ich (Diplomstudium und viele Jahre Berufserfahrung im mittleren Management) könnte mir gut vorstellen, in einigen Jahren der Wirtschaft lebewohl zu sagen und mein Wissen und meine Erfahrung als Lehrer an die Jugend weiterzugeben. Nur wird das momentan unmöglich gemacht (Lehramtsstudium sowie ein lächerlich geringes Anfangsgehalt auch für Quereinsteiger). Hier sollte man ansetzen - es gäbe sicherlich noch mehr Idealisten wie mich!

annea
00

Überlegen Sie sich das gut, es ist nicht einfach, das haben eh schon einige hier gemeint. Optimal wäre es, wenn sie testweise unterrichten könnten, schnuppern sozusagen :) Weil Unterricht in der Erwachsenenbildung wird Ihnen auch nichts helfen, weil die erzieherischen Probleme da nicht auftauchen. Ich wünsch Ihnen toi toi toi!

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