Affäre Golowatow

Busek fordert Minister-Rücktritte - ÖVP findet Kritik "entbehrlich"

31. Juli 2011, 22:12

Ex-Vizekanzler geht von russischer Intervention aus - Österreich habe Glaubwürdigkeit in Menschenrechtsfragen verloren

Wien - Nun regt sich auch innerhalb der Regierungsparteien Kritik am Umgang Österreichs mit dem von Litauen europaweit zur Fahndung ausgeschriebenen Ex-KGB-Mann Mikhail Golovatov. Österreich stehe international und europäisch "schrecklich" da, sagte Ex-Vizekanzler Erhard Busek (ÖVP) der Tageszeitung "Kurier" (Montagsausgabe). "Wir haben unsere Glaubwürdigkeit verloren." Als Konsequenz aus der Affäre um die rasche Freilassung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers forderte der Ex-ÖVP-Chef sogar den Rücktritt von Regierungsmitgliedern.

"Wir können nicht trompeten, dass wir so für die Menschenrechte sind, auf eine internationale Gerichtsbarkeit pochen und uns gleichzeitig so verhalten", kritisierte der frühere ÖVP-Chef. "Wir sollten demnächst zu Fragen der Gerechtigkeit den Mund halten". Besonders schlimm sei der Fall deswegen, weil es sich bei Litauen um ein post-kommunistisches Land handle. "Österreich hat die Werte der Demokratie und Gerechtigkeit zu Zeiten der kommunistischen Diktaturen mit sehr hoher Glaubwürdigkeit vertreten", sagte Busek. "Damit ist es vorbei."

Schnelligkeit

Busek sagte ironisch, er sei "fasziniert" von der Schnelligkeit der Staatsanwaltschaft im Fall Golowatow. "Die österreichische Staatsanwaltschaft ist ja nicht gerade für Schnelligkeit berühmt." Auch habe es sich um eine politische Entscheidung gehandelt, man habe sich nur auf die Unabhängigkeit der Justiz ausgeredet. Zu den Argumenten von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP), die die rasche Freilassung Golowatows als menschenrechtlich geboten verteidigt hatte, meinte Busek: "Formal kann man mit dem Gesetz alles erklären. Es ist aber immer eine Frage des politischen Willens. Man wollte Herrn Golowatow offenbar rasch anbringen." Er gehe von einer Intervention Russlands über das Außenministerium aus.

Auf die Frage, ob er den Rücktritt eines oder mehrerer Regierungsmitglieder in der Golowatow-Affäre fordere, sagte Busek: "An sich ja." Zurücktreten solle der, "der die politische Verantwortung dafür trägt. Das ist der, der sich dazu bekennt."

Golowatow wurde von Litauen mit einem Europäischen Haftbefehl wegen seiner Rolle während der "Blutnacht von Vilnius" im Jänner 1991 gesucht. 14 Menschen starben, als die von Golowatow befehligte Sondereinheit "Alpha" des russischen Geheimdienstes KGB den Fernsehturm der litauischen Hauptstadt ins Visier nahm. Golowatow wurde am 14. Juli am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen und 22 Stunden später wieder freigelassen. Die österreichische Justiz sah den Tatverdacht nicht ausreichend begründet für eine Auslieferung. Der Europäische Haftbefehl kam nicht zur Anwendung, weil sich die Golowatow zur Last gelegten Taten weit vor der Implementierung dieses EU-Rechtsinstituts ereignet haben sollen. 

Buseks Worte "entbehrlich"

Die Kritik von Ex-Vizekanzler Busek wird von ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch scharf zurückgewiesen. "Für den ÖVP-General ist Buseks Wortmeldung entbehrlich", heißt es in einer ÖVP-Aussendung vom Montag. "Die zuständigen Behörden haben auf Basis der Fakten richtig gehandelt."

Rauch betonte "drei Fakten": "Fakt 1: Die Einlieferung in eine Justizanstalt kann nur mit einem gültigen Haftbefehl oder bei hinreichendem Tatverdacht erfolgen. Fakt 2: Diese Kriterien waren bei Golowatow nicht gegeben, deshalb war eine Überstellung in die Justizanstalt rechtlich unzulässig. Und Fakt 3: Die österreichischen Behörden haben österreichisches Recht richtig angewandt."

ÖVP-Granden unterstützen Busek

Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler unterstützt Busek indes: "Es mag ja juristisch korrekt gehandelt worden sein, aber es gibt auch eine politische Dimension." Fischler mache vor allem die Kritik von Justizkommissarin Reding stutzig, die man "sehr, sehr ernst" nehmen müsse.

Auch der ehemalige zweite Nationalratspräsident Heinrich Neisser (ÖVP) pflichtet Buseks Einschätzung bei: "Die Auswirkungen wurden (von der Regierung, Anm.) unterschätzt. Ein Beitrag zu mehr Glaubwürdigkeit Österreichs war das jedenfalls nicht." Einer Rücktrittsforderung wollten sich Neisser und Fischler jedoch nicht anschließen.

Pilz unterstützt Busek

Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, unterstützte am Montag Buseks Forderung nach einem Rücktritt von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP): "Wegen Fluchthilfe für einen mordverdächtigen KGB-Offizier und wegen unverschämten öffentlichen Lügens ist Karl als Justizministerin nicht mehr tragbar", sagte Pilz in einer Aussendung. Zu diesem Zweck würden die Grünen beim ersten Nationalratsplenum im Herbst einen Misstrauensantrag gegen sie einbringen. Pilz forderte gleichzeitig, dass Werner Pleischl als Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien abberufen werde.

Der langjährige grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber kritisiert das Vorgehen der Regierung ebenfalls. Für ihn ist die Affäre ein "außenpolitisches Fiasko", auch wenn er Rücktrittsforderungen realistisch gegenübersteht: "In Österreich sind Rücktrittsaufforderungen ungefähr so illusorisch wie die Abenteuer des Don Quijote." Er sieht das Parlament in Verantwortung - ein Untersuchungsausschuss müsse einberufen werden. (APA)

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Liebe Österreicher und Österreicher
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"Herr" Karl

hats früher geheißen, als der Qualtinger noch diese Rolle gender-unkorrekt rein männlich darstellte.
I steh auf die Gleichberechtigung, dass wir jetzt endlich auch eine "Frau" Karl haben.

Vastehns mi richtig, i sog ja nur.
Habe die Ehre!

PS.: Frage an Herrn Pilz, hat die tatsächlich gelogen? Na servas.

Post-vom-Poster
 
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"Für den ÖVP-General ist Buseks Wortmeldung entbehrlich",

meinte Herr Schall vom Rauch,

NICHT aber für die vielen anständigen Österreicher, denen dieses Gekrieche und Gepackel schon sooo stinkt ...

Post-vom-Poster
 
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ÖVP findet Kritik "entbehrlich"

wie IMMER, wenn diese öde Truppe Sch... zu verantworten hat - Gosch'n halten - Hände falten ...

Die
Österreichische
Verhaberungs
Partei
hat schon lange ihre Glaubwürdigkeit verloren.

deja vu
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Die ÖVP ist viel mehr entbehrlich.

Manchester05
01
Ich brauch keine von diesen Parteien !

Alle sind korrupt bis in die Parteispitzen.

Maxi Möller
02
die alte Geschichte...

über Golowatow kann man noch lange diskutieren - bringen wird dies alles jedoch nichts mehr, denn man kann die Dinge nicht rückgängich machen, ABER es gibt nach wie vor Menschen ähnlichen Kalibers in Österreich. Beispielsweise den ehemaligen Botschafter Kasachstans, Herr Aliyev samt Gefolgschaft, der seit Jahren in unserem Land lebt und von uns beschützt wird? Aber warum? Es wird wahrscheinlich eine ähnliche Motivation wie bei Herrn Golowatow haben...

Weg mit dem letzten Proelleten!
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Die Bevölkerung Österreichs findet: die ÖVP ist entbehrlich!!!

Dr. Freidank
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Dass "Politiker" des Typs Rauch

sich öffentlich überhaupt zu Wort melden, ist an sich schon eine Provokation. Seine "3 Fakten" sind drei reine Syllogismen.
"Name ist Schall und Rauch" (Goehte, Faust), aber RAUCH ist nur Schall!

Hans Günter Kohoutek
15
Entbehrliche Dilettanten

Busek und Fischer und Neisser und Co haben 100pro recht. Diese G'schicht ist wie "üblich" - politisch abgepackelt - abgelaufen und viele Österreicher/Österreicherinnen sind derselben Überzeugung. Entbehrlich sind Rauch, Karl und weitere außen- und geldpolitische Dilettanten die unseren Ruf - soweit überhaupt noch vorhanden (erinnere beispielsweise an die "Affäre" Plassnik - Türkei - Spindelegger) schrittweise und endgültig ruinieren.

aiuto
01
weit haben unsere Politiker die österr. Aussenpolitik gebracht.

ein wahres Wort: lauter Dilettanten und präpotente Selbstdarsteller.... sonst nichts !
Ich frag mich nur, wann auch unsere Aussenpolitik ein bisserl demokratisiert wird. Es steht ja nirgends geschrieben, dass sie im stillen Kämmerlein gebastelt werden muß.

Wladimir Burdajewicz
 
01
Der Fall Golovatov erinnert....

an Fälle "Carlos" (Attentat auf die OPEC Konferenz). Carlos (obwohl in französischen Gefängnis sitzt) für das Verbrechen in Österreich wurde nicht zur Verantwortung gezogen. Nach dem Attentat (Verarzten) ist sogar ausgeflogen. Ähnlich ist mit den Mördern (der iranische Geheimdienst) der Oppositionellen Kurden in Wien passiert. Auch da wurden die Mörder aus Wien ohne Konsequenz ausgeflogen. Auch im Fall "Israilov" (ein tschetschenische Flüchtling) hat keine Chance eine Polizeischutz zu bekommen. Nach seinem Tod wurde jedoch sein Begräbnis mit Sturmgewähren von der Polizei "abgesichert".Wundert mich warum mein Posting wurde nicht veröffentlicht, obwohl das sind nur vom "Profil" und dt TV Sender österreichischer Justiz kritische Bemerkungen.

Post-vom-Poster
 
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Nach dem Attentat (Verarzten) ist sogar ausgeflogen

Mit freundlichem Handschlag des demaligen (SP-)Innenministers RÖSCH,

dies nur zur Erinnerung ...

Wladimir Burdajewicz
 
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dies nur zur Erinnerung ...

ja das stimmt. Ich wollte nur nicht alle genau Kniefälle der österreichischen Politik zitieren. Die Liste ist natürlich viel länger. K. Waldheim wurde auf der "schwarzen Liste" der USA eingetragen. Statt im Gegenzug den US Präsidenten als unerwünschte Person in Österreich zu erklären (als souveräner Staat darf man, oder sogar um Souveränität zu unterstreichen und bewahren darf man nicht anderes handeln) wurden die Amis in ihrer Entscheidung bestätigt (interne Streitereien der SPÖ-ÖVP Politiker).

Robert Egger
 
02
ÖVP findet Wahrheit entbehrlich...

... aber damit stehen sie ja leider nicht alleine...

Post-vom-Poster
 
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ÖVP findet Wahrheit entbehrlich

na klar, denn die ist ja, wie Hr Khol uns belehrte,
"eine Tochter der Zeit" - und damit beliebig biegsam (etwa so wie die Uhren auf dem Bild "Fliessende Zeit" von Dali -> http://www.moma.org/collectio... id=79018).

Und ich dachte, gerade in einer sich "christlich" definierenden Partei wäre die Wahrheit ein nicht verhandelbares Absolutum, da von Gott ausgehend.
Sehr entlarvend für die Österreichische Ver... Partei!

Deren Erkennbarkeit und die Wah-nehmung hingegen, darüber können wir in Abhängigkeit von der Zeit gerne debattieren.

die wundersame emanation ihres verliebens
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wenn der herr g. wichtig für russland ist, also irgendwelche entscheidungsträger lobbyistisch beeinflußen soll und/oder geschäfte abwickeln soll, ist der druck des bären sicher sehr groß.

Dann reist er auch nur halbprivat....

Möglich ist es ja, unwahrscheinlich auch nicht wirklich. Kann man beurteilen, was sich da im hintergrund abgespielt hat? Eher nicht.

Vorrauseilenden gehorsam find ich auch schlecht und die diskussion sollte darüber in einem staat wie österreich schon möglich sein.

Yossarian
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Die Menschenrechte von Golovatow wurden eh gewahrt

Er wurde nur sehr kurz wegen eines (innen)politisch motivierten und rechtlich untauglichen internationalen Haftbefehl festgehalten.

Anton J. Helmreich
06
bitte nicht auf die ÖVP beschränken

die politik in der jetzigen form ist zur gänze entbehrlich.

dieses sysem hat sich dazu entwickelt, ausschliesslich die selbsterhaltung zu betreiben.

soetwas wie klubzwang ist zu tiefst undemokratisch.
und das ist nur EINES von vielem untragbaren beispielen

aber es funkzionier so langen, wie die menschen sich noch in irgendeiner form einem der politischen lager zugehörig fühlen und somit die ausschliesslich die fehler der anderen sehen wollen

erst wenn grossflächig erkannt wird, dass im wesentlichen alle gleich agieren ist es nicht mehr möglich das system durch gegenseitige hetze und schuldzuweisungen aufrecht zu erhalten

Post-vom-Poster
 
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bitte nicht auf die ÖVP beschränken

natürlich nicht,

aber doch besonders diese Partei, die uns vorgaukelt, christlich, menschlich, ehrlich usw. zu sein!!!

Und ÜBRIGENS:
WO waren denn die Verteidiger der Menschenrechte im Falle ZOGAJ und anderen Abschiebeopfern????
Der Innenminister damals war doch auch ein SCHWARZER (Platter & Gefolge), ja?

Niemals vergessen ...

Anton J. Helmreich
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habe ja nichts anderes gesagt

Hui Buh
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Ein einzig Mal nur sollte die Staatsanwaltschaft

bei EGDUV etwas rascher handeln, wie in diesem, von den Russen zum Blitzhandeln erzwungenen Fall.

mika33
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Die Entscheidung war schon ganz in Ordnung ...

Es ist sicherlich besser, es sich mit den Litauern zu verscherzen, als den russischen Bären mit seinem Gashahn zu ärgern.

Post-vom-Poster
 
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der russische Bär

ist im Grunde schwach und lebt - wie schon seit langem - auch davon, dass sich die anderen for ihm fürchten und ihm daher schleimen und liebdienern.

Vor dem Geheimdienstler Putin brauchen wir sicher keine Angst zu haben, der entlarvt sich mit seinen pseudo-starken Propagandaauftritten (Pilot, Judoka, usw) selber.

die wundersame emanation ihres verliebens
01
das der russische bär

neben allen bekannten und unbekannten problembäreneigenschaften auch einen langen arm hat, der auch in kontinentaleuropa herumfuhrwerkt ist zwar nicht neu, es ist aber schon entsetzlich anzusehen...

Russland bekommt ja viel geld für gas und ich glaube nicht, dass es ein gescheiter weg ist, sich hier gegen alle menschenrechte so anzubiedern, weil man auch die eigene position schwächt. Herr g. muss nicht soviel reisen...und die position österreichs kann man auch durchsetzen und gut diplomatisch vertreten ohne gleich frieren zu müssen. Es war ja für herrn g. klar, was ihn in europa erwartet...

Wolfgang Lederbauer1
02
"Wir haben unsere Glaubwürdigkeit in Menschenrechtsfragen verloren"..."Wir können nicht trompeten, dass wir so für die Menschenrechte sind, auf eine internationale Gerichtsbarkeit pochen und uns gleichzeitig so verhalten"...

Starke Worte eines ehemaligen Regierungsmitglieds.

Zur Glaubwürdigkeit in Menschenrechtsfragen:

Ist Dr. Busek bekannt, dass vor 33 Jahren der " Internationale Pakt für bürgerliche und politische Rechte" im Parlament - mit einem Erfüllungsvorbehalt ratifiert wurde? Demnach sollten noch " Ausführunsgesetze " beschlossen werden.

Dies ist seit 33 Jahren nicht geschehen.

Die Konseuqen. Die Views des UN Menschenrechtsausschusses werden in Österreich nicht anerkannt. Menschenrechte sind also in Österreich nicht durchsetzbar.

Eine untragbare Situation.

Wir werden Dr. Busek ersuchen, sich zu diesem Thema zu äußern.

http://so-for-humanity.com2000.at SFH-0006, SFH-0891, SFH-0823 etc.

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