Drogen und Europa

"Die Bekämpfung muss bei der Pflanze ansetzen"

31. Juli 2011, 19:10
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    foto: standard/möseneder

    Die Cannabis-Plantage neben dem Eingang zur Europol dient laut der Behörde ausschließlich zu Schulungszwecken. Auch Ecstasy stellen die europäischen Drogenfahnder selbst her.

Die Zeiten, in denen Cannabis aus Afrika importiert wurde, sind vorbei - Stattdessen geht der Trend zu "Homegrowing" - Auch die großen Kokain-Kartelle in Südamerika haben laut Europol an Glamour eingebüßt

Die Cannabispflanzen neben dem Foyer im Hauptquartier der europäischen Polizeibehörde Europol gedeihen prächtig. Auch die Maschine, mit der Ecstasytabletten produziert werden können, rattert munter vor sich hin. Ein Hort der Drogenproduktion ist hier dennoch nicht - in dem Raum finden Schulungen für Drogenfahnder aus ganz Europa statt, wie Robert H. von der Europol-Abteilung 06, die für organisierte Kriminalität zuständig ist, erklärt.

Wer einen europaweiten Überblick über den kriminellen Teil der Drogensituation erhalten will, ist in dem viertürmigen Neubau im niederländischen Den Haag gut aufgehoben. Hier werden die Erkenntnisse der nationalen Behörden ineinander verwoben.

Ein deutlicher Trend ist dabei das "Homegrowing" von Cannabispflanzen. "Ein kleines Zuchtzelt kostet ungefähr 10.000 Euro. Ab der zweiten Ernte macht man Gewinn - und es sind jährlich vier möglich", erklärt H. "Für die organisierte Kriminalität ist das ideal. Es amortisiert sich schnell und ist risikoärmer als beispielsweise der Schmuggel von Heroin."

Die Zeiten, als Haschisch und Marihuana großteils aus Nordafrika kamen, sind demnach vorbei. Obwohl noch immer genügend von dort nach Europa kommt. "Oft kombiniert mit Menschenhandel. Wenn die Schnellboote erwischt werden, wird die Ware ins Meer geschmissen und man gibt sich als Flüchtling aus", schildert der bullige deutsche Beamte. Bei der innereuropäischen Produktion waren die Niederlande Vorreiter, aber mittlerweile praktiziert man es überall.

Dabei gehen die Täter immer professioneller vor. Da man viel Strom für die Aufzucht benötigt, werden mittlerweile fremde Leitungen angezapft, um hohen Stromrechnungen zu entgehen. Der Einsatz von Wärmebildkameras, mit denen man die notwendige Zuchttemperatur orten kann, wird mit besseren Isolierungen bekämpft. Es finde auch ein Outsourcing statt, erzählt H. Eine niederländische Gruppe lässt beispielsweise in Tschechien produzieren und reimportiert dann die Ware.

Breitere Balkanroute

Heroin kommt dagegen noch immer zu 99 Prozent aus Afghanistan - und dabei bleibt die Balkanroute führend. Diese hat sich aber laut Europol etwas verbreitert - auch Bulgarien und Rumänien werden wichtiger, Ungarn entwickelt sich zusehends zu einer Abpackstation.

Neu ist aber, dass die organisierten Gruppen zusehends flexibler werden. Containerlieferungen von Heroin oder Kokain kommen beispielsweise in Rotterdam an, werden umgeladen und gehen in Montenegro an Land, wo sie für den Vertrieb vorbereitet werden.

Wie schwierig es ist, Drogenlieferungen abzufangen, verdeutlicht H. mit einem Rechenbeispiel. "Auf die größten Schiffe passen 15.000 Sechs-Meter-Container. Wenn man die aneinander reiht, sind das über 91 Kilometer. Das kann man unmöglich alles kontrollieren." Er erinnert sich auch an einen Fall, bei dem man wusste, dass auf einem Schiff 100 Kilogramm Heroin versteckt sind - gefunden wurde es nicht.

Die US-amerikanischen Bemühungen, das Kokainproblem in Südamerika buchstäblich an der Wurzel auszutilgen, findet er sinnvoll. "Die Bekämpfung muss bei der Pflanze ansetzen, die Zerstörung von Feldern ist notwendig. Wenn wir die Produktion nicht reduzieren, werden wir nicht erfolgreich sein." Denn: "Wie effizient war Europa bisher?"

Weniger Coca-Anbaufläche

Gleichzeitig gesteht er ein, dass es einen Balloneffekt gibt - gesunkener Produktion in Kolumbien steht ein Anstieg in Peru und Bolivien gegenüber. Die offiziellen Zahlen der UNO scheinen seiner grundsätzlichen Einschätzung aber recht zu geben: Die Coca- Anbaufläche ist demnach seit dem Jahr 2000 um ein Drittel zurückgegangen.

Zumindest in Südamerika sei die Zeit der großen Kartelle mit prominenten Bossen wie Pablo Escobar vorbei. Die neuen Gruppierungen sind rein wirtschaftlich ausgerichtet und arbeiten mit vielen Seiten zusammen. In Kolumbien sitzen Vertreter europäischer Gruppen, mit denen dann über Preis und Routen verhandelt wird, der Schmuggel wird anschließend teilweise wieder ausgelagert. Als Gegenmittel hat man mittlerweile ein Abkommen über den Datenaustausch mit Kolumbien getroffen, nachdem dort die Datenschutzrichtlinien von Europol implementiert worden sind. (Michael Möseneder aus Den Haag, DER STANDARD; Printausgabe, 1.8.2011)

Kommentar posten
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docNukem
00
29.2.2012, 20:38
Und immer noch nix gelernt ....

diese kranke Politik auch noch als Alternativlos hinzustellen, kann nur einem Beamteten auf Staatskosten voll Alimentierten Individuum einfallen.

Sollen die doch mal Arbeiten gehen, welches bedeutet Werte zu schaffen, nicht von diesen zu Leben.

Herr und Frau Österreicher
 
00
6.10.2011, 14:26
"Oft kombiniert mit Menschenhandel. Wenn die Schnellboote erwischt werden, wird die Ware ins Meer geschmissen und man gibt sich als Flüchtling aus"

Supi, also verstärkte jagd auf europäische Hobbygärtner, damit ma die richtige oarge Kriminalität fördern, um anschließend zuerklären, dass das richtig oarge Kriminalität ist!
Oder wie in CZ, drei Pflanzen pro Kopf straffrei! Und a Schluss mit leichter und schwerer Kriminalität! Zu einfach? Ja, was sollen dann die Dorfgendarmen machen?

metacomet
00
28.9.2011, 21:32
der kleine robert fürchtet um seinen job - eu - drogenbulle er cool

der urururur-enkel von don quichote...

was sie bei ihrer höchst wichtigen und gutbezahlten aufgabe zustande gebracht haben ist, dass die schmerztherapie für tumorpatienten, als "suchtgift aus dem suchtgiftschrank" tituliert wird... z.b.: eine 65 j. patientin mit einem unterus ca. und lebermet. benötigt dies, um mit ihren schmerzen ein würdiges ende zu finden. mit dieser bezeichnung "suchtgift" und einhergehender atemdepression, werden mediziner mit sicherheit SEHR sparsam damit umgehen. wehe dem der krebs kriegt....

HSH
07
26.8.2011, 11:42
"Homegrowing" für den privaten Gebrauch ...

... legalisieren und die kriminellen Organisationen schauen durch die Finger.

hotzenplotz1001
03
28.9.2011, 15:04
Immer diese Anti-Globalisierer! Homegrowing kostet eine Menge Arbeitsplätze in der Dritten Welt. Und mindert das Einkommen bestochener Beamter.

freiraumXi
13
ABGEZOCKT!

"Ein kleines Zuchtzelt kostet ungefähr 10.000 Euro. Ab der zweiten Ernte macht man Gewinn - und es sind jährlich vier möglich"

ebay: 180 € inklusive Lieferung..

Wäre das Thema nicht so bitterernst, würde ich lachen. So bleibt mir nur die Zynik.

trockenes brot
05

10000 euro wie unwissend ist das wieder ?

trollkind
06
möglicherweise ein bierzelt?

dann könnte es sich ausgehen. abereventuell ist bei der drogenfandung der pc für google gesperrt?

lg
dein trollkind

bab5
013

denen hat einfach wer für 10 000€ einen growschrank angedreht und jetzt glaubens das ist normal ;)

boro boros
 
01
27.10.2011, 16:54

haha, so wird es sein....'heans i brauch a grouzölt' 'paßt, i moch ina an guadn preis, songma 10000€' 'paaaaaßt, super is des' :D

Ravenspower
00
AW: EUR 10.000,-

wer weiss was die da gekauft haben. *gg*

boro boros
 
00
27.10.2011, 16:55

yep, dann könnten auch die einnahmen mit zwei ernten wieder hinkommen ;)

hellboy
 
013
Die Bekämpfung muss bei den "Experten" ansetzen

keine ahnung, diese deppen.

schon allein, weil man als homegrowing hierzulande hauptsächlich die produktion für den eigenbedarf bezeichnet.

darauf wird in dem artikel leider überhauptnicht eingegangen. hauptsache alle die was anbauen sind kriminelle drogensüchtige kinderfresser.

wie man in portugal sieht, läßt sich das "kokainproblem" auch mit entkriminalisierung lösen, aber dann macht die CIA kein geschäft mehr, ... man ist es ja schon leid, das immerwieder zu erklären.

legalize brynco!

Lacy Laser
07
Warum hört man bei uns nichts über Portugal?

In Portugal wird seit 2001 bei kleinen Mengen von einer Strafverfolgung abgesehen. In dem 2009er Welt-Drogenbericht der UNO[10] ist über Portugal zu lesen:

“Die jetzige Politik hält Drogen von denen fern, die sie nicht nehmen sollten, und setzt eher auf Behandlung, als auf die Verhaftung der Nutzer. Portugals Gesetze haben nicht zu einem Anstieg des Drogentourismus geführt. Es scheint außerdem, als hätte die Anzahl der drogenbezogenen Probleme abgenommen.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Rech... s#Portugal

bratak
05

(einen schluck von der 5. flasche bier nehmend):
"marihuana ist eine ganz böse droge!"
(nach dem 2. packerl tschick am tag such)

anyuser
 
25
wir bräuchten wahrscheinlich überhaupt keine polizei

würde dieselbe nicht ständig unschuldige menschen kriminalisieren.
die bürger sind eh superbrav, bei uns passieren fast gar keine verbrechen, der übergroße polizeiapparat dient offensichtlich der überwachung und bespitzelung der bürger.
so kennen wir das von der ehemaligen DDR.

anyuser
 
014
warum werden in den medien cannabis und harte drogen

stets im selben satz erwähnt?

dieser artikel ist idiootenpropaganda, nochdazu schlechtest recherchiert

LSDBlue
03

Weil Cannabis immer noch als die "Einstiegsdroge" schlechthin gilt... völliger Schwachsinn

trollkind
00
stimmt ja auch!

fast alle, die als kinder eis gegessen haben, trinken jetzt kaffee (also eskimo sofort verbieten). da ist es ja naheliegend, daß thc zu heroin führt, oder?

lg
dein trollkind

rollie63
00

jaup, es gibt kaum einen kiffer in österreich der vor seinem ersten joint nicht schon mal alk getrunken hat oder einetschik geraucht hat. also einstiegsdroge: alkohol.

LSDBlue
010

Ein wunderschönes Bild - da wird mir richtig warm ums Herz!

Ernährunshelfer
14
Legalize it!

Killa vomBilla
04
Bekämpfung

Und wir beginnen bei dem gefährlichen Schwesterlein dem Hopfen ein böses HANFgewächs ;o)

patrese ricardo
01
die haben Angst dass ausgelacht werden, deshalb wollens das Gras nicht feigeben :-)

Mark Steier
010
Noch effizienter: Menschen verbieten

Damit wär das Thema erledigt

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