Strom- und Gaslieferanten reizen Marktstellung aus

31. Juli 2011, 18:28
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Für Strom und Gas müssten Österreichs Konsumenten mehr zahlen als nötig, kritisiert die Arbeiterkammer

Am Großhandelsmarkt seien die Preise zwischen Juli 2008 und Juli 2011 gesunken, auf den Kundenrechnungen nicht.

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Wien - Unternehmen wie die Energie AG Oberösterreich, die Linz AG oder zuletzt der Verbund haben Preiserhöhungen bei Strom im verbleibenden Jahr zwar ausgeschlossen; für die Arbeiterkammer (AK) ist diese Ansage aber nicht genug. Sie drängt die genannten Unternehmen, aber auch alle anderen Strom- und Gaslieferanten zu einer Senkung der Preise für die privaten Haushalte.

"Preissenkungen nicht fair weitergegeben"

Die Branche habe den Konsumenten zuletzt unverhältnismäßig viel Geld abgeknöpft, was wohl mit der Marktstellung zu tun habe. "Die Anbieter haben Senkungen der Großhandelspreise der letzten drei Jahre nicht fair an die Konsumenten weitergegeben", kritisierte AK-Präsident Herbert Tumpel gestern, Sonntag. Es sei "ungerecht, dass die Konsumenten nur draufzahlen."

Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer beobachten seit Juli 2008 vierteljährlich die Preise bei 14 österreichischen Strom- und elf Gasanbietern. Zwischen Juli 2008 und Juli 2011 ist der Gas-Großhandelspreis (ÖGPI) demnach um 15,5 Prozent gesunken. Beinahe alle Gasanbieter hätten in dem fraglichen Zeitraum die Preise für die Konsumenten aber erhöht.

Spitzenreiter sei die Energie Steiermark, die seit 2008 ihre Gaspreise um 32,5 Prozent (siehe Grafik) angehoben habe, gefolgt von der Salzburg AG (plus 26,6 Prozent), EVN (plus 25,7 Prozent) und Wien Energie (plus 23,4 Prozent). Einzig die Vorarlberger VEG hat die Preise laut AK im Beobachtungszeitraum um 8,8 Prozent gesenkt.

Starker Dreh am Preisrad

Auch beim Strom sieht die Arbeiterkammer eine zu hohe Abschöpfung: Der Strom-Großhandelspreis (ÖSPI) sei seit Juli 2008 um 17,5 Prozent gesunken. Mit Ausnahme der steirischen Stromlieferanten (Steweag-Steg, Energie Graz) hätten alle anderen Energieanbieter in den vergangenen drei Jahren die Preise für Strom aber erhöht.

Am stärksten am Preisrad gedreht habe der Verbund. Österreichs größter Stromproduzent verteuerte den Preis für elektrische Energie im Beobachtungszeitraum um 21,7 Prozent. Knapp dahinter folgt die EVN (plus 21,6 Prozent) vor Energie AG Oberösterreich (plus 20,4 Prozent), Linz AG (plus 20,0 Prozent) sowie Wien Energie (plus 18,6 Prozent).

Es sei zu beachten, dass diese Zahlen lediglich die Preisänderungen widerspiegeln. Sie sagten nichts über die absolute Höhe der Energiepreise aus, betont die Arbeiterkammer. So seien beispielsweise die Strom- und Gasanbieter aus dem Westen Österreichs (Tiwag, VKW) vergleichsweise die günstigsten Lieferanten.

E-Control fordert "Augenmaß"

In ihrem Monitor erfasst die Arbeiterkammer die Energiepreise ohne Netzgebühren, Steuern und Abgaben. Die AK empfiehlt den Konsumenten, mittels Strom- und Gaspreis-Rechnern im Internet den günstigsten Energieanbieter zu suchen.

Der Chef der Regulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz, hat erst Anfang des Sommers mehr Augenmaß von den Versorgern gefordert. Die Debatte über den Ausstieg aus der Kernkraft in Deutschland dürfe keinesfalls als Vorwand für Preiserhöhungen missbraucht werden. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2011)

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    Ob Heiztherme oder Licht: Energie wird zusehends teurer.

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