Politologe

"Erstmals bestimmt die Regierung, wer die Armee führt"

Interview | 31. Juli 2011, 18:01
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    foto: infakto

    EMRE Erdogan (40) ist Politikwissenschafter, unterrichtet Statistik an der Bilgi-Universität in Istanbul und leitet die Meinungsforschungsgruppe "infakto".

Der türkische Politologe Emre Erdogan sieht in der Bewältigung der Armeekrise einen Fortschritt für die türkische Demokratie

Erstmals habe die Regierung die Führungsfrage entschieden, sagte er Markus Bernath. Erstmals habe die Regierung die Führungsfrage entschieden, sagte er Markus Bernath.

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Standard: Was bedeuten die Rücktritte an der Armeespitze und die anschließende Neubesetzung für die Entwicklung der türkischen Demokratie?

Erdogan: In der Türkei hat die Armee immer selbst entschieden, wen sie wohin setzt. Es war ein festgelegtes Verfahren: Wer einmal Kommandeur der Ersten Armee wurde, konnte sicher sein, dass er zwölf Jahre später Chef der gesamten Armee würde. Mit dem Putsch von 1980 ist eine ganze Generation von Militärführern ausgewählt worden. Was nun geschah, ist eine Normalisierung. Es ist praktisch das erste Mal, dass die Regierung entscheidet, wer die Armee im Land führt.

Standard: Welche Auswirkung haben mittlerweile die Verhaftungen im Zuge der Justizermittlungen zu Putschplänen auf das Verhältnis zwischen Armee und Regierung?

Erdogan: Erdogan nimmt die Ermittlungen im Ergenekon-Fall persönlich. Er ist in dieser Hinsicht sehr unnachgiebig. Einige der Generäle, die nun angeklagt sind, sollen hinter den Propaganda-Webseiten gegen die AKP stehen. Erdogan kann das alles nicht akzeptieren. Er verweigert deshalb zum Beispiel die Beförderung von General Saldiray Berk, dem Chef des Ausbildungskommandos der Landstreitkräfte.

Erdogan will, dass die Armee die Regierung anerkennt. Er weiß, dass er nicht gegen die Führung kämpfen kann, er braucht deren Unterstützung. Seine Regierung hat also eine Art Balance gefunden: Sie redet der Armee nicht in das Budget hinein, dafür will sie den Respekt des Militärs vor der gewählten Führung des Landes.

Standard: Die Armee ist nach dem schweren Angriff der PKK auf einen Soldatentrupp in Silvan Mitte Juli in der Öffentlichkeit stark kritisiert worden. Welchen Einfluss mag das auf die Rücktrittsentscheidungen der Generäle gehabt haben?

Erdogan: Der Angriff in Silvan hat eine Reihe von unbequemen Fragen aufgeworfen, das ist richtig. Die Kritik am Einsatz dort fiel mit dem Rücktritt zusammen, es ist eher ein Zufall. Wichtiger ist, sich vor Augen zu halten, was in den 1990er-Jahren dort im Südosten der Türkei geschehen ist. Die Armee regierte damals praktisch die Region, es herrschte Kriegsrecht. Die Frage heute lautet: Wer soll für den Kampf gegen die PKK verantwortlich sein? Die Armee oder die Regierung? Wenn es die Armee ist, kann sie diesen Kampf mit den Mitteln ihrer Wahl führen. Ist es aber die Regierung, dann sind die Generäle dem Verteidigungs- und dem Innenministerium gegenüber verantwortlich. Dahin müssen wir kommen.

Standard: Sehen Sie eine neue Generation demokratisch gesinnter Offiziere kommen?

Erdogan: Ich bin mir nicht sicher. Die Militärschulen stehen nicht allen offen. Junge Offiziere in der Türkei haben eher autoritäre Auffassungen - das ist mein Eindruck. Und wenn es zu Personalentscheidungen an der Spitze der Armee kommt wie jetzt, dann stehen strategische Überlegungen im Vordergrund und nicht etwa, wie tief die demokratischen Überzeugungen eines Kandidaten sind. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe, 1.8.2011)

Kommentar posten
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Igor Gassner
04
Also ic find das so toll

das die AKP ihre nach islamisch indoktrinierten Offiziere nun in alle Spitzenposten hiefen kann, das wird für die Demokratie und dem Frieden Region ungemein hilfreich sein

viet
01
Nicht das Militär darf die Demokratie bestimmen!

Das ist doch der Widerspruch schlechthin!!!

Wenn, dann muss dies eine starke Opposition machen. Die Voraussetzungen dafür bietet die türkische Verfassung. Säkuläre Parteien können sich im freien Wettbewerb und in die Macht wählen lassen.

Interrupt
12
das militär hat die demokratie auch nicht bestimmt

lediglich ein auge darauf gehabt, dass bestimmte grundsätze eingehalten werden und potentiell gefährliche entwicklungen möglichst früh aufgehalten werden.
bisher hat es im großen und ganzen gut geklappt. ich war zwar auch dafür, dass der einfluß etwas reduziert werden sollte, aber nicht auf diese art und weise. auch nicht mit diesen aussichten.

RTE nutzt die schwachstellen der demokratie systematisch und extrem geschickt aus. die EU freut sich über einen "weitere schritte zu einer noch demokratischeren türkei". doch in 10 jahren werden wir sehen, dass gülen und seien islamisten nur noch durch gewalt aufzuhalten ist. ein bürgerkrieg ist am horizont zu sehen...

hayep
11

Die EU-Brüssel Bürokraten schütteln brav diesem Schurken die Hand, machen ein paar Fotos.
Und in Amerika darf dieser anderer Wappler seine Pseudo-Toleranz Schulen eröffen, trifft sich zum Schein mit dem Papst und dem Rabbi, spricht von Pseudo Toleranz, in Wahrheit schlimmer als Osama Bin Laden.
In 10 Jahren haben diese Schurken schon alles an sich gerissen und der andersdenkenden Türken bleibt machtlos.

cipf
 
02
Erstmals bestimmt die Regierung, wer die Armee führt

Sollte mich das jetzt beruhigen????

BK W. Shoyssel
01
31.7.2011, 22:49
viet
00
Find ich nicht witzig!

Nicht nur, dass die Nazis wohl nicht mit der Regierung Erdogan und der AKP verglichen werden kann, ist es in demokratischen Ländern wohl überall üblich, dass das Militär dem Diktat der Politik untersteht.

Das verbrecherische Regime dieses Prinzip ad absurdum führen kann wohl nicht verhindert werden.

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
00
mal sehen, was noch kommt...

NONE
113
31.7.2011, 20:48

Einen Fortschritt in der Demokratie?

Verstehe die Konnexion nicht. Wer nicht mit der AKP übereinstimmt wird über kurz oder lang entfernt.

Mathias
 
01
Verstehe die Konnexion nicht. Wer nicht mit der AKP übereinstimmt wird über kurz oder lang entfernt.

Die Anhänger werden dann in die Welt hinaus geschickt zur "Missionisierung" ...

sinem d.
19
31.7.2011, 21:53

im Grunde genommen ja ... das Militär darf sich nicht in die Politik einmischen sagte Atatürk.

Aber wie sie bereits richtig geschrieben haben:

Die AKP hat überall die Kontrolle im Staat.

Die Fethullah Gülen Sekte ist überall.

Es stimmt, wer mit der AKP nicht harmoniert, wird "bestraft" erst gestern wurde einer Journalistin ein Berufsverbot für ein Jahr verhängt, weil sie kritischen Bericht über eine AKP-Kommune kritisch berichtete.

...

Raci Caglar1
11

Es ist ganz normal dass die Regierung überall Kontrolle hat. Das wünschen wir uns auch wenn Kilicdaroglu das Land regiert. Von einer Gülensekte zu sprechen ist eine billige Diffamierung. Jeder hat das recht überall zu sein.
Wegen der Journalistin bitte ich um Link!

sinem d.
03
Raci Caglar1
00

gabs den Bericht auch in Hürriyet, Posta, Aksam, Vatan usw.? Sie müssen wohl inzwischen auch Gülen Anhänger sein

sinem d.
01

Ich habe geschrieben, dass eine Journalistin wegen eines kritischen Berichts über die AKP Stadtverwaltung in Kirsehir eine Strafe erhalten hat.

Meine GülenKritik bezog auf sich das Posting vom Vorposter und dann habe ich ihm zusätzlich (!)ein Bespiel gegeben, wonach meiner Meinung die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.

Du hast massive Probleme Texte zu sinnerfassend zu lesen.

Raci Caglar1
31

in jedem Posting von dir gibt´s Fethullah Gülen entweder als Feto oder Fetos. Entsprechend deinem Charakter! Aber bei diesen Berichten kommt nichts über Gülen vor. Du lügst und lachst.

moravia
01

Schlimm finde ich, wie uns die Fethullah Gülen Anhänger die österreichische Öffentlichkeit belügen, in dem sie behaupten sie seien nicht der verlängerte Arm von Fethullah Gülen. Komisch ich finde dass Phönixgymnasium auf Gülens Homepage und Zaman gehört Fethullah Gülen. Wer belügt hier wen ?

http://derstandard.at/130187422... he-in-Wien
http://tr.fgulen.com/content/v... /15371/86/

Raci Caglar1
00

Die beiden Beiträge kenne ich schon. Danke, dass andere sie jetzt auch lesen können und selber entscheiden können, ob man lügt.

moravia
00

Ich denke, Sie wollen die Wahrheit nicht akzeptieren. Beide Herren lügen eindeutig und Sie verharmlosen hier.

Ein bisschen mehr Selbstkritik bitte.

Danke.

Raci Caglar1
00

Du musst die Lügen beim Namen nennen. Billige Diffamierungen helfen nicht. Aber nochmals Danke für die Links. Dient zur Aufklärung gegenüber so vielen Gülenophoben

moravia
00

Warum soll ich die Dinge beim Namen nennen : Die Herrschaften lügen ;-). Fragen Sie diese Herrschaften nach ihren Beweggründen. Wer hier lügt, liegt klar auf der Hand und zwar diese Herren. Nachdem sie den Link gelesen haben, müssten Sie in diesem Punkt mit mir übereinstimmen ;-)

PS : Jetzt verfolgen Sie mich auch.

Raci Caglar1
00

Aha, ich verstehe, sie können es nicht

sinem d.
01

siehe meinen Beitrag oben, noch einmal lesen

http://www.hannsotte.blogspot.com
 
31
Ein Militärputsch hat aber mit Demokratie auch nichts zu tun............

Wie würde man in Österreich in so einer Situation handeln?

Wahrscheinlich nicht viel anders.............

Dirty Sanchez
 
16
Nun,

der Putsch unter Cemal Gürsel war Demokratie pur.
Eine Armee, die eine verfassungsbrechende Regierung beseitigt, vor Gericht stellt, Neuwahlen organisiert und deren Führung (= die "Putschisten") sich selbst danach ins Ausland abkommandiert, damit keiner in Versuchung gerät, an der Macht zu bleiben - wo gab es das sonst?
Und was Evren angeht: So brutal er vorging, diejenigen, die ihn hängen sehen wollen, sollten einmal überlegen, was aus der Türkei geworden wäre, hätte die Armee damals nicht eingegriffen. Man rede einmal mit älteren Türken über die Zustände damals; Gewalt und Terror allerortens, ein regelrechter Bürgerkrieg; eine Armee, die da tatenlos zugesehen hätte, wäre sicherlich nicht demokratisch gewesen.

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