Sinkflug oder Luftloch für die US-Wirtschaft?

31. Juli 2011, 17:31
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Der Schuldenstreit wird von einem Schwächeanfall der US-Wirtschaft überschattet

Nun wissen die Investoren wie schlecht das zweite Quartal in den USA war. Es war sehr schlecht (mehr zu dem "Shocker" etwa beim New Yorker oder im Standard).  Ein Plus von 1,3 Prozent annualisiert, dazu eine Abstufung der Wachstumsdynamik der vergangenen Quartale. Der Konjunkturmotor, der offiziell 2009 wieder richtig angesprungen ist, stottert nun gehörig (siehe Grafik). Das ist nicht der Stoff, aus dem amerikanische Träume sind. Und es erhöht den Druck auf die Politik im Streit um das Schuldenlimit.

Auch wenn nach aktuellen Meldungen ein Ende des Streits erreicht sein könnte (Bloomberg), die mittelfristigen Herausforderungen für die Budgetpolitik haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Eine schwächer wachsende US-Volkswirtschaft bedeutet nicht nur weniger Steuereinnahmen, sondern auch mehr Ausgaben für Arbeitslosengelder und andere Unterstützungen. Zudem zeigen die jüngsten Daten, wie fragil der Aufschwung der US-Wirtschaft derzeit ist. Zwar hat das Finanzministerium noch keinen Sparkurs eingeschlagen, aber alleine der Wegfall von zusätzlichen Staatsausgaben (etwa im Bereich Infrastruktur) hat die Konjunktur deutlich belastet.

Die schwache Entwicklung zeigt, dass sich die Prognosen des Congressional Budget Office als blauäugig positiv herausstellen könnten. Denn die Budgetanalysten rechneten im jüngsten Ausblick noch mit einer Wachstumsrate für 2011 von über drei Prozent und einem BIP-Wachstum von 3,4 % zwischen 2013 und 2016 (CBO). Auch unter den Annahmen des CBO würde das Budgetdefizit erst 2014 in die Nähe von drei Prozent sinken.

Doch die Frage ist, was hinter der jüngsten Wachstumsschwäche steckt. Sind es temporäre Faktoren oder strukturelle, die derzeit die USA so schlecht aussehen lassen? Rudolf Besch, Ökonom bei der Dekabank vertritt eine Meinung, die von vielen Marktteilnehmern geteilt wird: "Die US-Wirtschaft taumelt seit spätestens Anfang dieses Jahres von einem Stolperstein zum nächsten: ungünstige Witterung, Wirbelstürme, Naturkatastophe in Japan und steigende Benzinpreise [...]" Demnach sollte die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten wieder Stärke zeigen. Daten diese Woche werden zeigen, ob die Ökonomenzunft wieder einmal zu positiv ist. Wenn in den kommenden Wochen nicht wieder deutlich positivere Zahlen aus den USA kommen, ist das Schuldenlimit und der Verlust des AAA-Ratings nicht mehr das größte Problem, das die USA haben.

 


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