Soll man ob weniger Soziopathen Millionen Menschen den Spielspaß verderben?

30. Juli 2011, 11:31
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Gedanken zur Egoshooter-Debatte nach Norwegen-Massaker

Das Massaker in Norwegen war ein furchtbares Verbrechen. Der geständige Attentäter hat Unschuldige, vor allem Kinder und Jugendliche, ohne Gefühlsregung erschossen. Die Frage ist: Konnte er das, weil er am Computer spielte?

Call of Duty: Modern Warfare 2 habe er zu Trainingszwecken benutzt, schrieb er in seinem Manifest. Grund genug für Kritiker von Ego-Shootern, einen direkten Konnex zwischen den Spielen und der Durchführung der Tat zu erkennen. Befürworter weisen das weit von sich.

Studien auf beiden Seiten

Das Problem dabei: Beide Seiten können Studien und Untersuchungen vorlegen, die ihren Punkt unterstützen. Und selbst wenn sich irgendwann wissenschaftlich einwandfrei belegen lassen sollte, dass Shooter zu Amokläufen führen - was soll die Konsequenz sein?

Denn eines darf man nicht vergessen: Das virtuelle Töten ist ja nicht nur das Hobby eigenbrötlerischer Soziopathen, sondern ein Freizeitvergnügen für Millionen Menschen. Zur Verdeutlichung: Modern Warfare 2 hat sich am Erscheinungstag weltweit ungefähr sieben Millionen Mal verkauft, allein in den USA und Großbritannien sollen es fast fünf Millionen Stück gewesen sein.

Spielverderber

Natürlich gibt es die Möglichkeit für den Gesetzgeber, generell die Herstellung von Spielen, in denen Menschen getötet werden, zu untersagen. Und genauso natürlich stecken industrielle Interessen dahinter, dass so etwas nicht passiert. Nur muss die - zynisch klingende - Gegenfrage erlaubt sein: Soll man wegen einiger weniger Wahnsinniger Millionen Menschen den Spaß verderben?

Konsequenterweise müsste man zunächst das Verbot von privaten Schusswaffen und von Sportschützenvereinen fordern. Denn, wiederum zynisch gesagt, es ist deutlich schwieriger, mit einem Küchenmesser viele Menschen zu töten. Und Erfahrungen wie genaues Zielen, den Rückstoß oder das schnelle Nachladen sammelt man nur mit der realen Waffe.

Fremde Welt

Zu guter Letzt kommt es aber vor allem auf die Persönlichkeit der Täter an. Jugendliche Amokläufer sind meist gehänselte Außenseiter, Extremisten leben in einer Wahnwelt, in die sie sich immer weiter verspinnen. Spiellos. (Michael Möseneder, DER STANDARD/Printausgabe, 30.7.2011)

 

  • Egoshooter stehen nach Norwegen wieder im Visier.
    foto: activision

    Egoshooter stehen nach Norwegen wieder im Visier.

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