Fall Entacher hält Büro von Darabos weiter auf Trab

Der frühere Generalstabschef beschäftigt weiterhin das Ministerium

Wien - Unglückliche Politiker wirken anders: Im Büro von Verteidigungsminister Norbert Darabos wird versichert, "dass wir hervorragend mit der militärischen Seite zusammenarbeiten, besser als mit der vorherigen". Die aktuelle militärische Führung wird von Generalleutnant Othmar Commenda wahrgenommen, dem provisorisch bestellten Generalstabschef - die von Darabos für das Frühjahr angekündigte Neuausschreibung der Führungsposition lässt auf sich warten.

Die vorherige militärische Führung, das war General Edmund Entacher, ein bewährter Truppenoffizier, der unter konservativen Ministern wegen seiner SPÖ-Mitgliedschaft stets beargwöhnt wurde, der aber immer verfassungstreu und unbeugsam in dieser Haltung war. So stieg er in der Regierungszeit von Alfred Gusenbauer (SPÖ) zum Generalstabschef auf - und hielt an seinen Überzeugungen fest. In militärischen Kreisen nennt man das ein "Rückgratleiden", wenn sich ein beamteter Offizier nicht geänderten politischen Vorgaben (in diesem Fall: Neuausrichtung der SPÖ zur Wehrpflicht) beugen will. Und dieses Leiden kostete Entacher im Jänner den Job. Darabos hat ihn von seiner Leitungsfunktion entbunden, nachdem Entacher in einem Profil-Interview auf die Vorzüge der aktuellen Verfassungslage hingewiesen hatte, was der Kronen Zeitung nicht gefallen hat.

Eigentlich sollte die Sache längst erledigt sein: Entacher hat das Vertrauen des Ministers verloren, dieser hat ihn versetzt. Doch gibt es dafür keine rechtskräftigen Bescheide. Einerseits, weil der General alle Rechtsmittel (viermalige Akteneinsicht) ausnutzt, andererseits, weil vom Bundespräsidenten bis zur Personalvertretung tausende Fans Entacher den unbeugsamen Rücken stärken.

Auf Anfrage des Standard sagt Darabos-Sprecher Stefan Hirsch: "Wir haben höchstes Interesse, das Verfahren rasch abzuschließen. Aber ich würde nicht bestätigen, dass wir ihn loswerden wollen. Wir können und wollen niemanden zwingen, den Ruhestand anzutreten." (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 30./31. Juli 2011)

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