Kritik und Spenden für den Hilfsmulti im globalen Einsatz

Insgesamt speiste das WFP 2010 rund 109 Millionen Menschen - Die Organisation muss sich aber auch gegen fundierte Kritik wehren

Als Ex-Journalistin weiß Josette Sheeran nur zu gut, wie man in die Schlagzeilen kommt. "Mehr als die Hälfte der Frauen, zu denen ich sprach, mussten ihre Kinder zum Sterben zurücklassen", klagte die Direktorin des Welternährungsprogramms (WFP) während eines Besuchs am Horn von Afrika. In dem riesigen Dürregebiet hungern zwölf Millionen Menschen. Die Fluchtwege der Elenden entwickelten sich zu "Straßen des Todes", sagt die Chefin der weltgrößten humanitären Hilfsorganisation mit 10.000 Mitarbeitern.

Die dramatischen Worte der Amerikanerin sollten auch die Kassen des Hilfsmultis füllen. Tatsächlich erhielt das WFP von Regierungen zuletzt rund 250 Millionen US-Dollar für die ausgemergelten Menschen am Horn von Afrika. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2010 zahlten Regierungen und einige andere Spender rund 3,8 Milliarden US-Dollar für alle WFP-Operationen in 75 Ländern. Insgesamt speiste das WFP 2010 rund 109 Millionen Menschen.

Die Organisation muss sich aber auch gegen fundierte Kritik wehren. Ein Vorwurf: Das WFP treibe durch Großkäufe von Lebensmitteln in Entwicklungsländern die Preise nach oben, die Armen hätten das Nachsehen.

Allein im vergangenen Jahr erwarb das WFP Nahrung für eine Milliarde Dollar in Entwicklungsländern, das sind fast 80 Prozent aller vom WFP benötigten Lebensmittel. "Wir achten genau darauf, dass wir die Preise nicht verderben", sagte Emilia Casella, Genfer WFP-Sprecherin dem Standard. Ein weiterer Vorwurf an die Adresse des WFP: Die Organisation laufe an der Leine der USA. Die Uno-Agentur agiere als humanitäre Feuerwehr bei US-Militäreinsätzen rund um den Globus.

Immerhin zahlen die USA das meiste Geld ans WFP, 2010 waren es 1,6 von 3,8 Milliarden US-Dollar. Die USA liefern auch große Mengen an Lebensmitteln. Und: Der Chef des WFP kommt traditionell aus dem US-Politikbetrieb. "Natürlich spielen die Amerikaner im WFP eine dominante Rolle", erklärt ein Diplomat. "Aber das machen sie in anderen internationalen Organisationen auch." (Jan Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 30./31. Juli 2011)

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