Suchtgift

"Wir haben nichts davon, Drogenstatistiken zu schönen"

Interview | 29. Juli 2011, 18:30
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    foto: der standard/christian fischer

    Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Warum man junge Drogenkonsumenten vor Teufels Küche bewahren muss und gleichzeitig gemütlich ein Glas Wein trinken kann, erklärt die Innenministerin

Standard: Frau Innenminister, wann haben Sie zuletzt ein Suchtmittel konsumiert?

Mikl-Leitner: Noch nie.

Standard: Keine Zigaretten, keinen Alkohol?

Mikl-Leitner: Ab und zu einmal eine Zigarette bei Festen.

Standard: Laut Drogenbericht des Gesundheitsministeriums gab es zuletzt 187 Drogentote, die Todesfälle durch Alkohol und Nikotin sind aber weit höher. Warum werden illegale Suchtmittel so rigoros verfolgt?

Mikl-Leitner: Das eine schließt das andere nicht aus - jeder Drogen- und jeder Alkoholtote ist einer zu viel. Daher gilt es, Maßnahmen zu setzen.

Standard: Welche?

Mikl-Leitner: Ganz entscheidend ist, den Kindern ein großes Selbstwertgefühl zu geben. Das ist die beste Prävention.

Standard: Sie haben aber unlängst auch gesagt, erwischte junge Erstkonsumenten illegaler Drogen sollten bis zum Beginn des Strafverfahrens "enger betreut" werden. Was bedeutet das?

Mikl-Leitner: Es geht mir darum, junge Menschen, die Suchtgift genommen haben, intensiv zu betreuen, um sie nicht weiter in Teufels Küche kommen zu lassen. Im Herbst wollen wir ein Maßnahmenpaket präsentieren.

Standard: Wie will die Polizei denn Drogenkonsumenten betreuen?

Mikl-Leitner: Da wird es eine enge Zusammenarbeit mit dem Justiz- und dem Gesundheitsministerium geben. Aber auch der Kontakt mit den Schulen wird dabei beispielsweise sehr wichtig werden.

Standard: Die Polizei hat jetzt schon viel Arbeit mit illegalen Drogen. Es gab laut Suchtmittelbericht ihres Ministeriums im Vorjahr knapp 24. 000 Anzeigen.

Mikl-Leitner: Das ist ein Anstieg um fast fünf Prozent im Vergleich zu 2009. Und da Drogendelikte Kontrolldelikte sind, ist das der Beweis, dass die Polizei aktiv einschreitet.

Standard: Laut diesem Bericht haben 85 Prozent der Anzeigen Vergehen betroffen und nur 2112 Verbrechen. Und von allen Anzeigen betreffen mehr als die Hälfte Cannabis. Offensichtlich wird die organisierte Kriminalität nur selten getroffen, sondern Menschen, die einen Joint rauchen.

Mikl-Leitner: Wir müssen gegen beides vorgehen. Auf der einen Seite gegen den Konsum, auf der anderen Seite gegen die Drogenkriminalität. Dabei müssen vor allem der Ameisenhandel auf der Straße und die Strukturen dahinter bekämpft werden. Die Kontrollen auf der Straße sind wichtig, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken. Es kann nicht sein, dass unsere Kinder zusehen müssen, wie gedealt wird.

Standard: Wird nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Die überwiegende Mehrheit der Anzeigen betrifft offenbar minderschwere Delikte, da nur ein Bruchteil vor Gericht kommt?

Mikl-Leitner: Wir können ja bitte nicht so lange warten, bis jeder vor Gericht steht! Wir müssen im Vorfeld einschreiten und nicht erst die Situation eskalieren lassen. Wir müssen so früh wie möglich zeigen, dass diese Dinge verboten und gefährlich sind.

Standard: Laut mehreren aktuellen Umfragen haben zwischen 15 und 25 Prozent der heimischen jungen Menschen zumindest schon einmal in ihrem Leben Cannabis geraucht.

Mikl-Leitner: Wir sehen das auch in unserem Suchtmittelbericht, dass sich die Anzahl der erwischten Einsteiger innerhalb eines Jahres fast verdoppelt hat. Um diese Zielgruppe geht es mir. Da muss man präventiv ansetzen, das Bundeskriminalamt arbeitet gerade an einem Paket, das im Herbst präsentiert wird.

Standard: Im Drogenbericht des Gesundheitsministeriums steht allerdings, dass die Ausstiegsrate bei Cannabis rund 80 Prozent beträgt, bei Nikotin sind es 38, bei Alkohol zehn Prozent. Cannabiskonsum scheint eine Episode zu sein - man raucht und hört irgendwann wieder auf.

Mikl-Leitner: Was aber nicht bedeutet, dass man Cannabis legalisieren muss. Und wenn nur 80 Prozent aufhören, sind noch immer 20 Prozent gefährdet, die dann in die Falle tappen. Deshalb darf man das nicht verharmlosen.

Standard: Ein Salzburger Professor, der eine eher repressivere Drogenpolitik befürwortet, argumentiert, man sollte Drogendelikte vom Straf- ins Verwaltungsrecht übersiedeln. Für einen jugendlichen Jointraucher wäre ein Strafmandat, das ihm ein Polizist ausstellt, eine deutlichere Folge als eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft, die zwei Monate später eingestellt wird. Eine Idee, mit der Sie sich anfreunden könnten?

Mikl-Leitner: Das halte ich für etwas überzogen.

Standard: Andere argumentieren, dass die gegenwärtige Drogenpolitik gescheitert ist. Immer mehr Menschen haben Erfahrung mit illegalen Drogen, obwohl der Staat immense Mittel bei Polizei und Justiz einsetzt. Trotz vieler Festnahmen sind die Preise für Heroin in Wien sogar gesunken - es muss also mehr auf dem Markt sein.

Mikl-Leitner: Ich würde das anders sehen. Drogenhändler reagieren auf polizeiliche Aktionen sehr schnell und verändern die Strategien. Das wiederum fordert uns, schneller zu reagieren. Ich bin sehr optimistisch, es gibt auch sehr viele EU-Projekte bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität. Wir haben auch mit den USA vereinbart, die Zusammenarbeit zu intensivieren.

Standard: Dennoch - die Zahl der Erstkonsumenten steigt, wie Sie erwähnt haben, die Drogen werden billiger. Ist das kein Beleg, dass die Ziele, die man in den vergangenen 30 Jahren hatte, verfehlt wurden?

Mikl-Leitner: Wir könnten es uns ja einfach machen und sagen, wir verschließen die Augen. Wir schauen aber bewusst hin. Und dadurch steigen auch die Anzeigen - das soll uns nicht abschrecken, weiter konsequent gegen Drogenkriminalität vorzugehen. Wir haben nichts davon, die Statistiken zu schönen und zu sagen, dass alles funktioniert hat. Wir wollen es ja sichtbar machen und zeigen, dass es ein Problem gibt. Und hier kommt man wieder zur Prävention, speziell im familiären Bereich.

Standard: Stellt sich die Frage, was eigentlich das Ziel der Drogenpolitik ist?

Mikl-Leitner: Mein Ziel wäre, verstärkt Drogennetzwerke zu zerschlagen, um den Suchtgifthandel nachhaltig zu verringern.

Standard: Einen Schritt weitergehend - ist eine drogenfreie Gesellschaft das Ziel? Eine Gesellschaft mit möglichst wenig Drogen?

Mikl-Leitner: Ja, und die Polizei unternimmt alles, um die Drogenkriminalität zu bekämpfen. Alles, was ins Extreme führt, ist schlecht. Aber das soll bitte nicht heißen, dass man nicht gemütlich ein Glas Wein trinken oder sich eine Zigarre schmecken lassen kann. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 30./31. Juli 2011)

Zur Person

Johanna Mikl-Leitner ist seit April Innenministerin. Die 47-jährige ÖVP-Politikerin hat Wirtschaftspädagogik studiert und war ab 2003 Sozial-Landesrätin in Niederösterreich. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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Posting 1 bis 25 von 878
Killa vomBilla
00
25.10.2011, 08:10
Aha

Bitte mehr wiedersprüchliches ist noch viel zu klar.

mersl
00
6.10.2011, 14:13

1. Lächerlich etwas zu verbieten was keiner Weiterverarbeitung bedarf. Nebenbei höchst unchristlich.

2. haben mich Menschen die "Canabiskraut" konsumiert haben noch nie in meiner Freiheit eingeschränkt. Die gehen gerade, schreien nicht 'rum, sind nicht aggressiv. Zu dem Punkt, um den sich die Diskussion vorrangig drehen sollte, die Auswirkung des eigenen Konsums auf den Mitmensch, hätte ich gerne einen Beitrag derer, die meinen die Gesetzgeber machen hier gute Arbeit.

3. NLP- und Schauspielverbot für die Polit-branche. Ich will von Menschen vertreten werden die um GEMEINSAME Lösung von REALEN Problemen bemüht sind. Möglichst ehrlich zu lügen ist schon Credo der Werbebranche.

HSH
03
26.8.2011, 11:53
Erschreckend ...

... diese Ahnungslosigkeit von Politikern.

Ravenspower
02
20.8.2011, 01:24
Drogenpolitik

mikl-leitner ist nicht objektiv und gehört der "bösen haschgiftspritzen generation" an.
von ihr ist daher nichts positives bz. der drogenpolitik zu erwarten. auch eine mögliche cannabis-legalisierung ist unter ihrer führung absolut undenkbar.

das des "heilige, für manche religiöse kraut" der weisheit trotzdem im ganzen land wuchert und wächst, wie schon seit hundert millionen jahren, ignoriert diese frau.

mikl leitner sollte mal einen workshop besuchen: "seit jahrhunderten berauscht sich der mensch". alle kulturen dieser welt waren immer berauscht und nahmen was die natur hergab.

sterben mussten die menschen, wie alle menschen, ob berauscht oder unberauscht, alle! ausnahmslos!
überleben wird also sowieso niemand.

Aluc4rd
03

Danke für das wirklich gut geführte Interview, bei dem diese ahnungslose Frau schonungslos aufs Glatteis geführt wurde und ihren Dilletantismus offenbart hat.
Ist ja nicht so leicht mit den Politikern ;)

Ah sie raucht ab und zu Zigarette. Dann sollte sie mal zum Arzt, denn der wird ihr sagen dass NIKOTIN ein WEIT HÖHERES Suchtpotential hat als THC.

PS: Unsere Kinder müssen nur beim Dealen "zuschauen" WEIL ES ILLEGAL IST!!!!!!
Wärs nicht illegal GÄBS KEINE DEALER.

Mynnia
01
Das erinnert mich an was von der BBC.

http://youtu.be/pSm7BcQHWXk

Man beachte die sozialen Aspekte bei diesen Affen...

Gilgamesh
01

"...jeder Drogen- und jeder Alkoholtote..."

Ich denke es erübrigt sich ab hier weiter zu diskutieren, wenn im Kopf dieser Dame Alkohol und Nikotin keine Droge ist....

Des weiteren, es gab noch nie eine Gesellschaft, die ohne Drogen auskam und es gibt sie auch jetzt nicht.
Nochmals erwähnt, Nikotin und Alkohol sind schwere Drogen!

Immer wieder interessant zu sehen, wie inkompetent Minister in ihrem Ressort sind...

Josef Rohaczek
01

Standard: Einen Schritt weitergehend - ist eine drogenfreie Gesellschaft das Ziel? Eine Gesellschaft mit möglichst wenig Drogen?

Mikl-Leitner: Ja, und die Polizei unternimmt alles, um die Drogenkriminalität zu bekämpfen.

Ich würde Ihnen Frau Innenministerin vorschlagen, schauen Sie sich das Modell von Portugal an!
Weg mit der Polizei und Justiz von den Drogenkranken und hin zum Gesundheitsministerium!
Wo bleiben die Konsumräume für Wien?

Gatrik
04
Cannabis legalisieren

Saftig Steuern kassieren, weniger Zeit und Geld für Gerichtsverhandlungen ausgeben, dem illegalen Drogenhandel das Geschäft versauen, am Tourismus profitieren, Geld in Informationen über Risiken beim Cannabiskonsum investieren (Werbung, etc.) damit:

Mündige Bürger selber entscheiden können! (So wie beim Alkohol!)

denken ist kunst
03
Ja, und die Polizei unternimmt alles, um die Drogenkriminalität zu bekämpfen ...

defacto unternimmt die Polizei alles, um Drogenkriminalität am Leben zu erhalten. Die einzigen, die von der Hanfprohibition profit-ieren sind die Mafiabosse und deren Handlanger.
Lieber verschaffen wir unzähligen Jugendlichen Strafregistereinträge, als dass wir endlich anfangen, ernsthaft und offen (von beiden Seiten) darüber zu diskutieren. Ich denke eine Lösung a la Niederlande wäre nicht das Schlechteste - kontrollierter Verkauf in eigenen Shops, maximal 5g/Kopf/Tag, kein Alkoholausschank und pro Gramm so richtig Steuern draufgeknallt.
Den Drogentourismus (vor dem sich das Tourismusland Österreich dann fürchten würde) könnte man ähnlich wie Holland mit Weedpässen verhindern ...

Das gute sehen
00

bitte anklicken - http://tinyurl.com/3j8ez9u

KOG1
120
Ich hätte mal gern gewusst, wer von den Obergescheiten

Drogenkonsumenten und Drogenopfer WIRKLICH gut kennt....keiner??
Dacht ich mir, sonst würd nicht so viel ideologischer Blödsinn gestrichelt werden....
Ihr wisst ja nicht mal, mit welchen Tricks man die Dosis von "harmlosen" Drogen massiv steigern kann....

dLieHs1
00

Bitte, her mit dem Rezept für "Bombentee". Kann mir nix darunter vorstellen und glaub`s deshalb nicht. Aber du kannst mich ja eines besseren belehren....

8uddh48r0t
04

es gibt keine harmlosen Drogen,
aber manche Drogen sind harmloser/gefährlicher als andere,
und mit Gras kannst dich nie so wegschießen oder deine Gesundheit ruinieren wie mit Alkohol
und wennst dir pures THC in die Venen spritzt,
das schlimmste was passieren kann ist, dass man einschläft und am nächsten morgen munter und erholt wieder aufwacht...

pole sana ("|")
02

Fr Mikl-Leitner: bitte lesen sie ihr interview noch einmal durch und vergewissern sie sich dass sie hier richtig zitiert wurden.

ein solch wirres, inkohaerentes, realitaetsfernes gerede kann ich mir wirklich nur durch mutwilliges manipulieren des journalisten erklaeren.

einerseits und andererseits
03
ich finde, dass man leichte Drogen entkriminalisieren sollte

in Holland funktioniert das doch auch. Die haben weniger Drogenprobleme als wie hier. Und die Radikalen, die momentan anstreben, dort die Coffee-Shops verbieten zu lassen, sind in meinen Augen ziemlich dämlich.
Man treibt damit die Leute nur in den Untergrund und kriminalisiert sie.
Abgesehen von den Steuern, die der Staat mit der Schließung verliert.

Das gute sehen
00

Das Video zeigt nur ein Coffeeshop in Amsterdam - http://tinyurl.com/3j8ez9u

Knochenmann
07

Die Frau weiß ja gar nichts.

Aber hoffentlich weiß sie wenigstens das: All die Jugendlichen die irgendwann man Hasch geraucht haben wissen es besser. Und die werden irgendwann mal etwas wählen. Aber bestimmt keine verknöcherten alte Fürze die keine Ahnung von nichts haben.

Das gute sehen
01
31.7.2011, 18:48
USA und deren irrsinnige Politik

http://tinyurl.com/488ls78

Mr Minister
04
31.7.2011, 14:24
"Wir haben nichts davon, Politiker zu schönen"

Wir brauchen keine Politiker die sich auf Kosten der Gesellschaft bereichern und dumm sind. Politiker .. klingt auch wie eine Krankheit. Kann das legal sein?

1116er
02
31.7.2011, 14:16
hat der standard einen mittelschüler, der gerade ein praktikum macht, als interviewer ausgeschickt?

viel schwächer kann man ja fragen kaum noch stellen!

ausser: es war absicht, sich von der ministerin auslachen zu lassen.

rizzla
06
31.7.2011, 14:04

Sie leugnet ihre Wurzeln:

"In Österreich wurde der Hanfanbau vor allem in Niederösterreich betrieben und viele Ortsnamen z.B. Amstetten ursprünglich "Hampstätten" oder Hanfthal bei Laa an der Thaya sind auf den Anbau und die Verarbeitung von Hanf zurück- zuführen."

http://www.yagu.org/historisc... isches.htm

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