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Im Dunkeln bleibt bei dieses Super-Egos freilich nur der wirkliche Name, ihr "wahres Ich".
Ihre sprechenden Nicks sind meist schon das Beste an ihnen - auch auf derStandard.at: Gary Grantscherbn, Weana Beinhart, der Sturmerr, der Ätzer oder - fast schon dodereresk, tatsächlich aber von Douglas Adams entlehnt - Slartibartfaß der Umwandler, ein erwiesenermaßen auch der Koprolalie durchaus nicht abgeneigter Hass-Tiradeur erster Güte: "... weil aus ihnen scheisse aus dem mund rinnt".
Bei allem gegenseitigen Niedermachen und Schmähen ("Lern sinnerfassendes Lesen!") haben diese zwideren Zeitgenossen mehr gemein als ihrer Widerborstigkeit lieb sein dürfte: zuvorderst ein enormes Aufplustern des eigenen Egos durch die Verschleierung der Identität. Im Dunkeln bleibt bei diesen Super-Egos freilich nur der wirkliche Name, ihr "wahres Ich" hingegen drängt eh gern mottengleich zum Licht, um dort im Schutz der Anonymität als "Über-Ich" (gar "Es"?) gottgleich zu nerven.
Der alte Rimbaud'sche Entfremdungs-Hit, in dessen Refrain behauptet wird "Ich ist ein anderer", erlebt in der Posting-Welt ein Revival als Morak'scher "Schizo-Punk". Das in der Kontrollgesellschaft zugerichtete Subjekt ohne Selbst mutiert als Aggro-Poster zum keifenden Popanz, der sich nur mittels Negation und Abgrenzung seiner Selbstherrlichkeit versichern kann. Und das obendrein mit dem Bonus, dass der Schizo-Punk jederzeit - im Gegensatz zum Schizophrenie-Patienten - seinem Kuscher-Ich durch Web-Motschkern entfliehen kann. Und umgekehrt. Wenn sich in solch lustvoller Zwie- gespaltenheit ein Poster mit dem Pseudonym "Der ganz Andere" schmückt, dann grenzt das fast schon an versuchte Selbst- therapie. Inklusive Abreaktionsspiel.
In dieser Wildnis der, wenn schon nicht Heckenschützen, so doch Heckenbrunzer fällt es verdammt schwer, Ruhe zu bewahren. Ich weiß, wovon ich rede, habe ich mich doch selbst schon einige Male in sie begeben - natürlich immer nur nächtens und angetrunken; nüchtern hätte ich die tristen Konsequenzen vorhergesehen. Dabei ging es mir fast nie um den Inhalt des Blogs oder Artikels, promillebeflügelt wollte ich nur alte Tugenden wie "Höflichkeit", "Respekt vor anderer Meinung" oder gar das kniggeselige "gute Benehmen" (oh Rausch!) beschwören, also zwischenmenschliche Umgangsformen, die sich vor allem in der Hass-Community gegen die Standard-Musikberichterstattung kaum noch in Spurenelementen finden lassen.
Masse und Ohnmacht
Mehr hat der Max Goldt in mir nicht gebraucht: Ein "abgehalfterter Berufsjugendlicher" sei ich, wenigstens "früher einmal ganz interessant", heute aber nur noch ein "alter Lustmolch, der aus Geilheit hübsche Musikerinnen protegiere" (stimmt: fragt nur die hübsche Laokoongruppe), unsere Sendung sei "nichts als pseudoakademische Klugscheißerei", und FM4 seit langem sowieso "der letzte Schas" (pars pro toto wird gern gleich der ganzer Sender sturmreif gebrunzt).
Seit dieser Besudelung seitens der AA (= Anonyme Arschgeigen) meide ich im Zustand fort- geschrittener Fahruntüchtigkeit die Lektüre von Postings zu Rezensionen meiner geschätzten Kollegen Fluch und Schachinger wie der Teufel Lemmy das Trinkwasser.
Schwärme besitzen oft - wie Rudel - die unangenehme Tendenz, ihre normierende Kollektivität via scheinindividueller Großmäuligkeit einzelner Herdentiere zu kaschieren: Pappn aufreißen inmitten einer Meute fällt dem sonst stets geduckt gehaltenen Spießer halt leichter, als sich couragiert an ein Rednerpult zu stellen. Zwischen diesem "wildgewordenen Kleinbürger" (Reaktion) und dem neuen "Wutbürger" (Aktion) erstreckt sich die Wüste des Ressentiments. Schwarmintelligenz könnte helfen, sie zurückzudrängen, aber deren positives Wirken entfaltet sich - noch - zu sehr nach Prinzipien der Chaostheorie: auf Dauer labil und schwer berechenbar. Stabil und leicht abschätzbar hingegen erweisen sich alle Felder negativer Zusammenrottung: Schwarm-Aggression, Schwarm-Blödheit und Schwarm-Feigheit. Letztere ein typischer Fall von Masse und Ohnmacht.
So - und jetzt husch, husch an die Tasten, ihr Sturmerr, Ätzer und Umwandler. Aber bitte: Identifizieren S' Ihna! (Fritz Ostermayer, DER STANDARD - Printausgabe, 30./31. Juli 2011)
Fritz Ostermayer, geb. 1956 in Schattendorf, ist Journalist, Autor, DJ und Musiker. Gemeinsam mit Thomas Edlinger moderiert er auf FM4 die Sendung Im Sumpf. Zuletzt erschienen die Traumprotokolle der Sumpfisten (Czernin, 2009).
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selbst bei bewußt rational und sachlich argumentierten postings habe ich in meiner privaten mailbox mitteilungen von anderen postern erhalten, die mir sogar tätliche angriffe bis hin zum abschlachten angedroht haben.
nicht vorstellbar, wenn da mein richtiger name gestanden wäre. ich hätte jetzt todesangst.
FS 3 ( 320 Fans )ist absolut lesenswert
http://derstandard.at/plink/131... id22213129
dass, entweder niemand Herrn Ostermayer ernst nimmt, oder dass die Mehrheit ziemlich feig ist.
Dritte Möglichkeit: Kaum einer nimmt (aus gutem Grund?) das Forum ernst und gibt wegen der beschränkten Zeichenzahl via sprechenden Nick seinen Beiträgen noch eine zusätzliche komische Note.
köstlich geschrieben! und ja, es stimmt, der verfluchte alk. ist mir schon des öfteren so gegangen, dass ich am nächsten morgen nicht nur wegen entzugserscheinungen schweißgebadet meine postings doch nochmals wagte zu öffnen. und dann meistens eh beruhigt war.
so mit hasstiraden hab ich's nicht, außer wenn es die effen betrifft.
und jetzt hätte ich fast noch meine identität verraten;-)
Irgendwie sollte aber auch die Frage gestattet sein:
Wenn niemand mit den Kritiken einverstanden sind, ist es dan IMMER die Schuld derer, die den Kritiker kritisieren. Oder sollte der nicht auch seine Standpunkte hinterfragen? Z.B. als ausgewiesener Gegner gewisser Musiken eben nicht solche Konzerte oder Alben rezensieren?
Wie auch immer: Ich les´ Kritiken eher selten, orientiere mich an meinem eigenen Geschmack - und bin gar nicht so schlecht gefahren bislang :-)
Allerding eines stimmt: der Ton, auch von meiner Wenigkeit, läßt ab und an zu wünschen übrig.
Auch der dieses Artikel - selber AA, allerdings nicht in dem von Ihnen postuliertem Sinne.
Trauern Sie den Zeiten nach, als diejenigen, die sich die Mühe machten, ihre Leserbriefe mit vollem Namen schrieben, um eh nicht abgedruckt zu werden??
Die Leserreaktion wurde immer nach Gutsherrenart behandelt, so wenig wie möglich bringen, WIR entscheiden........Phantomschmerz wegen des Kontrollverlusts?
FYI: Wenn ich mich direkt an nichtösterreichische Verfasser von Berichten wandte, kriegte ich IMMER eine Antwort. Darunter viele weltweit bekannte Kaliber, keine Provinzschreiberlinge.
Die hatten nämlich Stil.
Die Hiesigen fast nie. Zu vermeintlich fein dazu, nehme ich an. Benehmen und Status und Stil verwechslend, wie immer.
Deshalb halt jetzt anonym. Gewöhnt euch daran. Wir bleiben. Ihr habt es euch selbst eingebrockt.
bei allem Verständnis für die Forderung nach respektvollem Umgang sollte man doch zwischen AA (Anonymes Auftreten) und AA (Anonyme Arschgeigen) unterscheiden. Das sind zwei getrennt zu behandelnde Themen, die hier im Übereifer in einem undifferenzierten Rundumschlag angehandelt wurden. Anonym = Arschgeige is a bißl Afoch, Herr Ostermayer.
9 Uhr Arbeitsbeginn, zuerst einen Kaffee. Plausch und vielleicht auch Besprechung des gestrigen Tages. Gegen 10 geht's dann los
Paar Telefonate, dann paar Häuserblocks brav zuhören bei einer Pressekonferenz, wenig kritisch hinterfragen. Buffet.
Zusammentippen, danach Einzelinterview bei kaffee und Kuchen. Wenig kritisch fragen. Zurück in die Redaktion, zusammentippen.
Redaktionsschluß, Druck. Heimgehen oder noch auf ein Glaserl. Ende des Arbeitstags. Alle 2 Jahre ein "Fortbildungskurs"
Daß das gegenüber tausenden Interessierten, die täglich in Summe zigtausende Stunden im Internet verbringen, recherchieren, Reports WIRKLICH LESEN, sich vernetzen, Wissen sammeln - abstinkt => ist nur logisch
Wie die Kritiker heißen ist doch irrelevant
beim radio sind die rezipienten ja auch alle anonym. nur mit diesem rückkanal durchs internet werden manche wenige halt goschert. na und? früher sind solche sprüche halt beim kundenservice oder so gelandet. der ostermayer redet daher wie so ein pfarrer, der erklärt, dass lachen während der messe sünde ist. wenn man die kategorisierung auf den autor selbst anwendet, kommt man wohl in den verdacht, dass sein über-ich auch mit ihm durchgegangen ist. deswegen sitzt er auch da oben und wir da unten. wer nicht applaudiert, der soll sich ausweisen, bitte. mangels selbstvertrauen dürfte ostermayer aber den hasspostings erlegen sein. mein beileid.
Es kommt auch darauf an, wie man goschert ist.
Respektlosigkeit ist das eine, dumme Gemeinheiten und unsachliche Beschimpfungen das andere. Bei aller fehlenden Achtung vor einer Person oder Persönlichkeit kann man ein gewisses Niveau halten, und wer verbale Kotze nicht unterdrücken will, wer nur ekelhaftes Zeug von sich gibt, das darüber hinaus später tausendmal stereotyp von hundert verschiedenen Postern wiederholt wird, soll das Posten bleiben lassen. Ich finde überdies, dass man ein Recht darauf hat, verletzlich zu sein. Man ist schließlich ein Mensch.
Das Lachen hat der Ostermayr nicht verboten, er hat gewisse Poster kritisiert und Kritik soll bitte auch Journalisten erlaubt sein, nicht bloß Postern.
Aber natürlich nur wenn's geht.
Ich hätte das aber auch nicht getan, wenn ich nicht an anderer Stelle (hier im Online-Standard - woanders poste ich nicht) die gleiche Meinung - manchmal vielleicht sogar noch deutlicher - unter eigenem Namen veröffentlicht hätte.
Ich kann es verstehen, wenn manche Menschen ihre Stimmung nur verschleiert mitteilen wollen. Aber das wird uns nicht weiterhelfen: einen Watschenmann gibts auch im Prater: hier zählt die Meinung, nicht das Abreagieren - im Namen der Demokratie................
Eines lässt sich sofort aus der Tirade ablesen: der Unterschied zwischen "normierender Kollektivität" und "Schwarmintelligenz" liegt nur im Auge des Betroffenen.
Jedenfalls ist es interessant zu sehen, dass einer Wirkung zeigt und sich somit selbst widerspricht. Anonym sudern bringt's also doch.
Fazit: Jetzt nur nicht nachlassen.
Ostermayer schätze ich ja im Gegensatz zu Fluch und Schachinger sehr. Die derzeitige Standard-Musikredaktion werde ich jedenfalls weiter anonym besudeln, bis sie endlich in Pension geht. Sie haben sich genug geleistet.
Da mein anarchistisches Verhalten in dem letzten Beruf den ich mit meinen Schulden (würdig im alternativen Bereich erlangt) noch bekommen habe, eher nicht gut ankommen würde (weil ich auch da schon anarchistisch genug bin), bleibe ich dennoch annonym...
Bin aber auch kein Hass- und Schimpfposter (nicht dass ich extreme Dummköpfe auch einmal etwas deutlicher zurechtweisen würde können)!
Lassen's Ihna net unterkriegn - wird scho
Ich bin weder "Schizo-Punk" noch "Kuscher-Ich" und Nick habe ich schon gar keinen !!
P.S.: Alle, die es wagen sollten, mir für diesen Unsinn eine positive Bewertung zu geben, bestrafe ich mit einer Woche Durchfall......................
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