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Der Schizo-Punk und sein Kuscher-Ich

29. Juli 2011, 17:02
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    foto: standard/matthias cremer

    Im Dunkeln bleibt bei dieses Super-Egos freilich nur der wirkliche Name, ihr "wahres Ich".

Sie plustern ihr Ego auf und verschleiern dabei ihre Identität - Unser Autor Fritz Ostermayer bittet die sprechenden Nicks nur um eines: Identifizieren S' Ihna!

Ihre sprechenden Nicks sind meist schon das Beste an ihnen - auch auf derStandard.at: Gary Grantscherbn, Weana Beinhart, der Sturmerr, der Ätzer oder - fast schon dodereresk, tatsächlich aber von Douglas Adams entlehnt - Slartibartfaß der Umwandler, ein erwiesenermaßen auch der Koprolalie durchaus nicht abgeneigter Hass-Tiradeur erster Güte: "... weil aus ihnen scheisse aus dem mund rinnt".

Bei allem gegenseitigen Niedermachen und Schmähen ("Lern sinnerfassendes Lesen!") haben diese zwideren Zeitgenossen mehr gemein als ihrer Widerborstigkeit lieb sein dürfte: zuvorderst ein enormes Aufplustern des eigenen Egos durch die Verschleierung der Identität. Im Dunkeln bleibt bei diesen Super-Egos freilich nur der wirkliche Name, ihr "wahres Ich" hingegen drängt eh gern mottengleich zum Licht, um dort im Schutz der Anonymität als "Über-Ich" (gar "Es"?) gottgleich zu nerven.

Der alte Rimbaud'sche Entfremdungs-Hit, in dessen Refrain behauptet wird "Ich ist ein anderer", erlebt in der Posting-Welt ein Revival als Morak'scher "Schizo-Punk". Das in der Kontrollgesellschaft zugerichtete Subjekt ohne Selbst mutiert als Aggro-Poster zum keifenden Popanz, der sich nur mittels Negation und Abgrenzung seiner Selbstherrlichkeit versichern kann. Und das obendrein mit dem Bonus, dass der Schizo-Punk jederzeit - im Gegensatz zum Schizophrenie-Patienten - seinem Kuscher-Ich durch Web-Motschkern entfliehen kann. Und umgekehrt. Wenn sich in solch lustvoller Zwie- gespaltenheit ein Poster mit dem Pseudonym "Der ganz Andere" schmückt, dann grenzt das fast schon an versuchte Selbst- therapie. Inklusive Abreaktionsspiel.

In dieser Wildnis der, wenn schon nicht Heckenschützen, so doch Heckenbrunzer fällt es verdammt schwer, Ruhe zu bewahren. Ich weiß, wovon ich rede, habe ich mich doch selbst schon einige Male in sie begeben - natürlich immer nur nächtens und angetrunken; nüchtern hätte ich die tristen Konsequenzen vorhergesehen. Dabei ging es mir fast nie um den Inhalt des Blogs oder Artikels, promillebeflügelt wollte ich nur alte Tugenden wie "Höflichkeit", "Respekt vor anderer Meinung" oder gar das kniggeselige "gute Benehmen" (oh Rausch!) beschwören, also zwischenmenschliche Umgangsformen, die sich vor allem in der Hass-Community gegen die Standard-Musikberichterstattung kaum noch in Spurenelementen finden lassen.

Masse und Ohnmacht

Mehr hat der Max Goldt in mir nicht gebraucht: Ein "abgehalfterter Berufsjugendlicher" sei ich, wenigstens "früher einmal ganz interessant", heute aber nur noch ein "alter Lustmolch, der aus Geilheit hübsche Musikerinnen protegiere" (stimmt: fragt nur die hübsche Laokoongruppe), unsere Sendung sei "nichts als pseudoakademische Klugscheißerei", und FM4 seit langem sowieso "der letzte Schas" (pars pro toto wird gern gleich der ganzer Sender sturmreif gebrunzt).

Seit dieser Besudelung seitens der AA (= Anonyme Arschgeigen) meide ich im Zustand fort- geschrittener Fahruntüchtigkeit die Lektüre von Postings zu Rezensionen meiner geschätzten Kollegen Fluch und Schachinger wie der Teufel Lemmy das Trinkwasser.

Schwärme besitzen oft - wie Rudel - die unangenehme Tendenz, ihre normierende Kollektivität via scheinindividueller Großmäuligkeit einzelner Herdentiere zu kaschieren: Pappn aufreißen inmitten einer Meute fällt dem sonst stets geduckt gehaltenen Spießer halt leichter, als sich couragiert an ein Rednerpult zu stellen. Zwischen diesem "wildgewordenen Kleinbürger" (Reaktion) und dem neuen "Wutbürger" (Aktion) erstreckt sich die Wüste des Ressentiments. Schwarmintelligenz könnte helfen, sie zurückzudrängen, aber deren positives Wirken entfaltet sich - noch - zu sehr nach Prinzipien der Chaostheorie: auf Dauer labil und schwer berechenbar. Stabil und leicht abschätzbar hingegen erweisen sich alle Felder negativer Zusammenrottung: Schwarm-Aggression, Schwarm-Blödheit und Schwarm-Feigheit. Letztere ein typischer Fall von Masse und Ohnmacht.

So - und jetzt husch, husch an die Tasten, ihr Sturmerr, Ätzer und Umwandler. Aber bitte: Identifizieren S' Ihna! (Fritz Ostermayer, DER STANDARD - Printausgabe, 30./31. Juli 2011)

Fritz Ostermayer, geb. 1956 in Schattendorf, ist Journalist, Autor, DJ und Musiker. Gemeinsam mit Thomas Edlinger moderiert er auf FM4 die Sendung Im Sumpf. Zuletzt erschienen die Traumprotokolle der Sumpfisten (Czernin, 2009).

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Kommentar posten
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°<°~~
02
20.10.2011, 08:52
Teil 1

Ich persönlich würde mir erst dann überlegen, unter meinem echten Namen zu posten, wenn der standard die Postings nach - na, sagen wir - zwei Monaten vollständig löscht. In Zeiten der Datensammelwut, des Rechtsrutsches der politischen Parteien, des staatlichen Kontrollwahns möchte ich mich in 20 Jahren z.B. nicht vor einer rechtsradikalen Regierung fürchten müssen. Wer weiß schon, was in 20 Jahren datentechnisch möglich ist, legal oder illegal, von Regierungen, Terrorgruppen oder Konzernen? Also bleibt alles anonym.

°<°~~
01
20.10.2011, 08:51
Teil 2.

Außerdem muss ich vielleicht morgen mit einem Kunden sprechen und der lehnt mein Angebot ab, weil ich z.B. für ein autofreies Wien bin. Ich google meine KundInnen auch. Sie verkaufen Ihre Meinung, ich nicht. Ich verkaufe Weblösungen, die will oder muss ich auch an Andersdenkende verkaufen können.

Im Übrigen bemühe ich mich, und die meisten anderen Poster/innen hier auch, um einen gepflegten Umgangston. Die paar Trolle fallen nicht ins Gewicht, sie fallen nur besonders auf.

PS: Außerdem sind die maximal zulässigen Zeichen pro Posting zu gering. Die doppelte Anzahl wäre angemessen, um so manchen Gedankengang sinnvoll ausführen zu können. Fürs trollen genügen auch weniger Zeichen.

dierotezora
 
04
17.9.2011, 22:10
und lustige Posternamen

wie Bensdorp-Bouillon möchte ich auch nicht missen, auch wenn mich Menschen hinter Pseudonymen wie Grassers Frisör, Raupe Rosenblatt et al brennend interessieren, obwohl cashcow natürlich mehr bringen sollte.

dierotezora
 
03
17.9.2011, 21:53
blumenau - wieso versteckst du dich hinter dem namen ostermayer?

und wenn dich der F.O jetzt klagt?

jedenfalls: bitte einmal zum Beispiel Kommentare auf Postings mit feministischem hauch oder in Die Standard lesen (ein aggressiv-sexueller Antrag wurde dort zB gelöscht, nachdem ich aber die Verständigung hatte) da tät ich mich schön fürchten, wenn so ein frauenhassender Psycho auf einmal vor der Tür steht. Hier kann ich halt die Augen schließen oder aussteigen. Übrigens schreibe ich nur höfliche Postings und mir tut es weh, wenn (tatsächliche) intellektuell "Herausgeforderte" oder VertreterInnen wirklich die Galle hochtreibender Ansichten untergriffig gedisst werden. und bei manchen Rotstricherln habe ich auch so meine Annahmen zur Häufgkeit funktioneller AnalphetInnen - die sieht frau gar nicht.

Frodo Der Hobbit
10
17.9.2011, 21:52
oida, rea hoid..

LOL

bitte den ball weiterspielen an den boulevard journalismus.

der tonfall der postings die dich ärgern, hat sicher zumeist was von staberl und nachfolgern.

holzdieb
06

ich warte noch mit hass-postings bis der blumenau im standard über poster schreibt.

User ohne Namen
00
Keine Botschaft

santa fe
 
06

mir begegnet bei meiner posting-aufklärungskampagne zum

BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMEN

soviel hass der primitivsten sorte, dass ich sie unter meinem wahren namen aus sicherheitsgründen nicht fortführen könnte.

Kopflos
03
Wo bleibt der Rocknroll, Herr O.???

Was soll der "echte" Namen denn bringen? Daß man "persönlich" zum Gesagten steht? Es geht doch viel mehr um die Aussage als um die Person, und ein Posting tut, ganz ehrlich, doch keinem weh. Lieber Fritz O, bist doch oft genug auch auf der Bühne gestanden. Sind die feinsten Momente in Konzerten nicht diejenigen, wo das Publikum polarisiert wird und neben dem obligatorischen, gelangweilten Wiener Beifall irgendeine (anonyme) Fresse anfängt "He du Trottel, kumm owa" oder gar Beleidigungen auf die Bühne brüllt? Auf einmal löst sich die Frontalität auf und es passiert was. Mir als Musiker gehts jedenfalls so. Es müssen ja nicht gleich Bierflaschen fliegen. Der Reiz liegt gerade auch darin, daß ich die Leute im Gegenlicht nicht erkenne.

helga schneida
01
grenze

irgendwie verstehe ich ja ihr anliegen, herr ostermayer. ich will sie auch nicht beschimpfen, weil ich zu ihnen keine meinung hab. nach lektüre dieses textes - den ich so mittel finde, weil mich die etwas eitle ansammlung an fremdwörtern im lesefluss stört - zwei anmerkungen:

1. sie differenzieren stark nach "eh wurscht, nur musik" - postings und politischen äußerungen (die auch in österreich nicht ohne sind, weil von personalern selbstverständlich namen gegoogelt werden), das ist nicht anders als in deutschland, s. dazu http://www.taz.de/Folgen-ei... e/!75335/. gauben sie wirklich, dass ich mich jedesmal umlogge? zu mühsam.

2. deppen gibts überall, anonymisiert noch mehr. der grundtenor passt jedoch meistens.

helga schneida
00

ihre reaktionen auf die poster hab ich auch gelesen, deshalb meine differenzierung in punkt 1.

helga schneida
00

... und jetzt antworte ich mir selber nochmal, weil ich in punkt 2 zuwenig freie zeichen hatte, um zu differenzieren: mit tenor meine ich nicht den ton, der zugegebenermaßen anonymisiert harscher ist als persönlich, sondern die bewertung positiv/ negativ. schlechte artikel werden eben auch negativ kommentiert, was ich ganz gut finde als regulativ - und gute tendenziell doch eher positiv.

manfred666
04
wummmmm!

die demarkationslinie zwischen redaktion und postingforum wurde supergaumäßig gesprengt: diesmal sind die postings tatsächlich großteils intelligenter und durchdachter als der artikel.

und: zum begriff ressentiment lesen sie bitte nietzsche oder amery!

stefan steiner
05
paranoia-fritzl

jaja, der fritz, der ostermayer, ein bissel im aktuellen diaphanes-buchkatalog blättern und fest "auf des voik" schimpfen, auf die, die eventuell konkurrenten wären, gäb's inzwischen nicht mehr nur prekäre arbeitsverhältnisse,
herr ostermayer, vielleicht ist aber auch der nett lächelnde kollege in der fm4-kantine ihr größter posting-feind.

awef
00

mist, ich hätte doch nicht fritz erwähnen sollen stimmts?

awef
00

fritz, machs einfach so wie ich. ich poste zwar manchmal aber ich lese prinzipiell keine postings mehr. ich mache mir nicht mehr die mühe von 150 postings die 5 relevanten herauzusuchen. lg

Bönisch Werner aus dem Jenseits
16
wo war seine Leistung

der Herr Fritz war ja mal Visionär, er hatte in den 1970gern ein Coverband in Schattendorf die manchmal im Gasthof Bierbaum auftraten. Sie nannten sich Ni wana. Und der Sänger hieß Kurt. Pinzolitsch.

Und er war mal provokant. Er las in der Cselley Mühle irgenetwas zusammen mit einer Kiste Bier auf der Bühne. Er las und trank bis er kotzte. Was haben wir ihn dafür bewundert.

das wars dann schon. :-)

Frodo Der Hobbit
02
17.9.2011, 21:51

ich weiss das LOL!

frauauswien
05

hm, die omayersche wortspende hat sowas weinerliches, zimperliches, selbstmitleidiges und nicht zuletzt auch eitles, selbstgefälliges und vor allem auch aufgeblasenes an sich. haben schachinger und fluch womöglich besser abgeschnitten unter den schlichten postern? sollen poster künftig nur mehr andächtig lesen, dann hände falten, aber goschn halten? omayer sei froh, dass sie dich noch irgendwo schreiben lassen, sonst wärst du auf postings angewiesen, um deiner überheblichkeit ausdruck zu verleihen. und überhaupt, wie passt die post-kniggerei jetzt auf einmal zur herumposaunten devise des würdelosen alterns?

Werner Wüllenweber
 
02

Herr Ostermeyer entwürdigt sich ja, indem er sich hier zum Hausmeister im grauen Kittel macht, der auf den Klos nachschaut, dass niemand die Wände beschmiert

Contra gegen alles
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Sie sind ein abgehalfterter Berufsjugendlicher, der selbst früher nie interessant war, heute aber maximal noch ein alter Lustmolch ist, der aus Geilheit hübsche Musikerinnen protegiert. Ihre Sendung ist überhaupt nichts als pseudoakademische Klugscheißerei und FM4 ist seit langem sowieso der letzte Schas!

Gert Weihsmann
 
01
A bissl paranoid samma schon...

...und nicht alle hier nennen sich Doktor Hasselputz, das Wimmerl von nebenan oder Fritz Omayer der letzte. Zum Beispiel ich.

Werner Wüllenweber
 
17
Pro Pseudonym

Ich wär ja dafür, dass man Klowände abreißt, damit sie nicht mehr beschmiert werden können. Die Forderung nach dem gläsernen Poster (Entlaubung der Hecken) ist genauso albern und zynisch, wie manche Sockenpuppen, die hier posten. Ein saubere Postingkultur zu verlangen, hat etwas von einem Hausmeister. Das ganze ist doch ein gutes Drama, Leute spielen Rollen, na und? Wenn Ostermeyer seine Hörer/Leser, eine Gruppe von Menschen beschimpft (Spießer, Herdentiere, geduckt, feige), dann hat er eine arrogante Deutungshoheit, und die Leser/Ostermeyers Handvoll Hörer haben diese Macht eben nicht, dafür haben manche Poster hier etwas anderes: ihre Anonymität, und die ist eben ihre kleine Macht

time to get sober
07
sie sollten öfter betrunken sein.

nüchtern schreibend vermitteln sie ein sehr depressives und weinerliches selbst.

Tussitherapeut
02

leute, bitte... gebts dem fritzi sein pausenbrot wieder, ist ja nicht normal, wie der weint... der tut mir echt leid.

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