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In Türkis gebunden, leuchtet das Heftchen in jedem Buchgeschäft einladend aus der erdrückenden Masse geschriebenen Wortes, verführt zum Kauf. Die Nachfrage ist groß, der Autor ist alt. 93 Jahre.
Fünfzehn Seiten Appell. Traumhaft in Türkis gebunden, leuchtet das Heftchen in jedem Buchgeschäft einladend aus der erdrückenden Masse geschriebenen Wortes, verführt zum Kauf. Die Nachfrage ist groß, der Autor ist alt. 93 Jahre. Und mit diesen Jahren weiß der Mann von einer imposanten und bewegenden Lebensgeschichte zu erzählen. Er überlebte nicht nur das Konzentrationslager Buchenwald, sondern zeichnet auch als ehemaliger französischer Widerstandskämpfer für die UN-Menschenrechtscharta verantwortlich. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen", steht in Artikel 1 geschrieben. Eben an jene Vernunft und jenes Gewissen appelliert Stéphane Hessel, wenn er mit seinem Manifest Empört euch! proklamiert.
Aber wie weit steht es um unsere Empörung? Brauchen wir die überhaupt? Na ja. Die Finanzmärkte sind zusammengebrochen, die Arbeitslosigkeit erreichte einen Höhepunkt, die Politik tut alles erdenklich Mögliche, um die staatlichen Probleme nicht zu lösen, und lässt damit Menschen gehört werden, die als einziges Patent Hass auf andere und anderes anbieten und immer erfolgreicher propagieren. Um uns ereignen sich Naturkatastrophen, die uns Menschen vor Augen führen, wie hilflos wir eigentlich unserem Dasein ausgesetzt sind, und anstatt mit der Welt zu arbeiten, arbeiten wir permanent gegen sie. Am besten gegen alles und gegen jeden. Ich bin. Das Individuelle ist unser persönliches Heiligtum. Der Mensch als Monade. Vernunft existiert nicht. Kann gar nicht existieren, denn die Macht des Geldes ist zu groß, zu stark, zu unüberwindbar. Wenige oben scheffeln sich die Taschen voll, während der Rest der Weltbevölkerung die Konsequenzen zu tragen hat. Und wir? Empören wir uns? Wir hätten jeden Grund. Doch leben wir in einer demokratischen Blase. Hier können wir sein. Wir könnten, wenn wir wollten. Unsere Stimme würde jederzeit gehört. Das reicht, also lehnen wir uns zurück, schweigend. Und weil wir Menschen dazu verdammt und erzogen sind, die Stille nur sehr bedingt zu ertragen, posten wir dazwischen, ab und zu oder dauernd und sehr gerne unsere ernsthaften Absurditäten und banalen Ergüsse auf Facebook - einer harmonisch freundlichen und friedlichen Vereinigung aller WeltbürgerInnen, jedem Datenmissbrauch und Mobbing-Opfer zum Trotz. "Gefällt mir" ist zum nationalen und internationalen Hobby geworden. Die Erdatmosphäre könnte genauso gut von einer schillernden Seifenblase ersetzt werden.
Bis sie platzt. Aber was bringt sie dazu? Der manifeste Aufruf, sich zu empören, vermag das nicht. Im Gegenteil. Spätestens mit der letzten der fünfzehn Seiten schlägt die hohe Erwartung in niederste Enttäuschung. Da sagt mir ein 93-jähriger Mann, der verfolgt wurde und gekämpft hat, "aus ganzem Herzen und in voller Überzeugung": "Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen." Was Neues? Wie Widerstand? Wogegen? Werde ich bedroht? Hallo! Ich schüttle das Buch, aber mehr kommt nicht heraus. Aus mir stößt ein: Ja, eh. Frustriert und unzufrieden. Wenn Stéphane Hessel den Jungen einräumt, heute in einer anderen Wirklichkeit zu leben, in der die Anlässe, sich zu engagieren, nicht mehr so offen zutage liegen, sage ich, der Mann hat recht. Die westliche Welt, in die ich geboren wurde und in der ich lebe, tut mir nichts. Es geht mir gut. Prinzipiell. Doch behauptet Artikel 1 von mir, mit Vernunft und Gewissen begabt zu sein. Ah ja. Wo bitte? Und noch wichtiger: Was mache ich damit?
Mit einem Mal und urplötzlich ist mir elend zumute. Um mein Gewissen nicht länger zappeln zu lassen, muss ich mir selbst eingestehen, dass das System, in dem es mir augenscheinlich gutgeht, eigentlich und tatsächlich schlecht ist. Und nicht nur irgendwie, sondern von vorne bis hinten. Das System ist schlecht. Schamlos und niederträchtig beutet es Menschen aus. Menschen, die durch mein Konsumverhalten in abscheuliche Bedingungen getrieben, dort geradezu gehalten und ausgebeutet werden. Mein Übermaß und meine Verschwendung produzieren mehr. Mehr von allem. In der Produktion ist der olympische Gedanke längst das Ziel. Und ich bin der Weg. Ein Trampelpfad.
Weil meine Mittel im Vergleich aber so minimal, so klein und unvollkommen scheinen, poste ich zumindest diesen Gedanken auf Facebook - immerhin: "Das System, in dem wir leben, ist schlecht." Ich bin stolz auf mich. Ich bin frei, das auszusprechen. Herr Hessel, ich engagiere mich, konkret. Pause. Pause. Pause. Und mit mir, rekordverdächtig, 32 Fb-Freunde, denen mein Posting gefällt. Daumen hoch. Die Welt wird gerettet werden. Gemeinsam haben wir ein Zeichen unseres Aufbegehrens für die Veränderung dieses Systems gesetzt. Außerdem bin ich schon längst Mitglied bei Avaaz und unterschreibe jede Petition. Ich unterschreibe für den Stopp der Atomkraft. Ich unterschreibe für den Stopp der Abholzung des Regenwaldes. Ich unterschreibe für den Stopp des weltweiten Bienensterbens. Ich unterschreibe für den Stopp der Informationssperren im Nahen Osten. Ich unterschreibe für den Stopp von Rupert Murdoch. Ich beteilige mich - ja, das tu ich wirklich - und behaupte überzeugt: Ich bin auf dem richtigen Weg.
Ich bin ein guter Mensch
Der Medientheoretiker Marshall McLuhan stellte bereits in den 1960er-Jahren fest, dass wir deutlich mehr durch die Medien geformt werden, mit denen wir kommunizieren, als durch den Inhalt, den wir mit ihnen kommunizieren: Das Medium ist die Botschaft. So verkaufen uns soziale Netzwerke wie Facebook das Gefühl, in dem von McLuhan geprägten Begriff des globalen Dorfes als WeltbürgerIn zu leben. Ich bin Weltgesellschaft. Ich bin Weltgesellschaft, so wie ich da sitze: als Monade hinter meinem Bildschirm, von der Revolution abgekoppelt durch die demokratische Blase, die mich umgibt. Ich brauche kein autokratisches System niederschlagen, ich muss keinen Diktator stürzen, ich habe mit dem Kampf gegen ein tyrannisches System nichts am Hut. Aber ich bin involviert, indem ich davon lese. Ich lese davon, weil auch ich Welt bin. Ich bekomme die Ereignisse in Echtzeit in mein Wohnzimmer. Die Vögel zwitschern es von allen Dächern. Ich bin Welt und alle meine Fb-Freunde sind es auch. Mit diesem Gefühl drehe ich mich um. Und starre in die Leere. Um mich herrscht Einsamkeit.
Was muss ich tun? Muss ich etwas machen? Ich bin definitiv kein "Ohne mich"-Typ. Immerhin träume ich seit Jahren von meinem Passivhaus und meinem eigenen Gemüsegarten. Ich bin fähig, mich zu empören. Jawohl, ich engagiere mich. Ich bin mit Attac Österreich befreundet. Ich bin mit Global 2000 und Amnesty International befreundet. Ich bin mit den Vier Pfoten befreundet. Ich bin mit Greenpeace und dem WWF befreundet. Ich trage ein Bockig-T-Shirt und Schuhe aus umweltfreundlichem Hanf. Ich beziehe Ökostrom. Ich esse regionales Biogemüse aus kontrolliert ökologischem Anbau und kaufe nur Fair-Trade-Produkte. Ich bin ein guter Mensch. Alte Kleidung spende ich der Caritas. Ich verwende recyceltes Klopapier und spare beim Wasserverbrauch. Ich heize nicht zu viel, sondern ziehe mir lieber einen zweiten Pullover an. Ich fahre mit dem Fahrrad und lasse mir von den Abgasen die Luft nehmen. Ich bin ein guter Mensch. Ein guter Mensch.
Ich sehe mich nicht imstande, am großen in sich geschlossenen System, mit all seinen LobbyistInnen, anzuecken. Ich sehe mich nicht imstande, gegen die Macht der Finanzmärkte vorzugehen. Global ist zu groß, zu unüberschaubar. 2007 proklamierten die AutorInnen des Essays Der kommende Aufstand bereits eine alternative Gesellschaft von föderierten Kommunen und selbstverwalteten lokalen, ökonomischen Organisationen. Ist das aber der richtige Weg? An dieser Stelle ließen sich auch Karl Marx und Friedrich Engels zitieren, die im Kommunistischen Manifest die Bourgeoisie anklagen, die feudalen Verhältnisse zerstört und anstelle persönlicher buntscheckiger Feudalbande das nackte Interesse, die gefühllose bare Zahlung herbeigeführt zu haben. Ja, eh. An dieser Stelle ließe sich Martin Luther King zitieren, der mit seiner Rede I Have A Dream für die konstituierten unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und Anspruch auf Glück aller Menschen erinnerte. Ja, eh. An dieser Stelle ließe sich Bob Dylan zitieren, der mit Blowin' In The Wind viele existenzielle Fragen aufwarf. Ja, eh. An dieser Stelle ließen sich The Beatles zitieren, die inbrünstig All You Need Is Love verfochten, weil du nicht tun kannst, was nicht getan werden soll, weil du niemanden retten kannst, der nicht zu retten ist, weil du nicht sehen kannst, was sich nicht zeigt. Ja, eh. An dieser Stelle ließen sich noch weitere Märchen zitieren.
Der große Aufstand ist wünschenswert, doch liegt er fernab vom Rahmen unserer Realität. Wir wünschen. Ja. Wir tun auch. Aber jede Monade für sich. So scheitern wir am großen Aufstand, noch bevor er begonnen hat. Die weltweite Empörung bleibt ein Traum. (Claudia Tondl, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 30./31. Juli 2011)
Claudia Tondl, geb. 1980, lebt und arbeitet in Wien als freie Autorin und Texterin. Sie schreibt Theaterstücke und Prosa. Mehrfach publiziert ("Entwürfe", "Etcetera" u. a.) und uraufgeführt (Staatstheater Mainz, Garage X u. a.). 2010 erhielt sie das Dramatikerstipendium des bm:ukk, sie schreibt derzeit als Stipendiatin der Stadt Wien an einem neuen Stück.
Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit und die Hoffnung auf einen Job. Manche haben aus der Not eine Tugend und sich selbstständig gemacht
Es wabert, die Walküren sammeln Helden auf, Loge lässt es zischen und krachen. Aber die ideologischen Kosten, die wir für das Spektakel bezahlen müssen, sind horrend
Wie würde das gehen? Sicher nicht mit einem rumpelnden Rollkoffer oder einem lächerlichen Rucksack
Lissabons Charakter besitzt etwas, das einen sich für die eigene Unvollkommenheit schämen lässt, obwohl diese Stadt niemanden beschämt.
Sie ist wider die Natur, wider das Vergnügen. Arbeit ist unverschämt. Ein Manifest wider die Arbeit zum 1. Mai
Todgeweihte Küken, räudige Katzen und stinkender Müll. Über eine Reise mit mitteleuropäischem Nachwuchs nach Marokko - abseits aller Werbeprospekte
Es ist obszön, die fremden Straches lieben zu sollen: Wolfgang Müller-Funk über symbolische Minenfelder und kulturalistische Fallen, die bei der Debatte über islamische Einwanderung mit im Spiel sind
Er lässt sich mit ärmlichen Worthülsen abspeisen, er schmatzt, er fühlt sich satt. Der Unmund wohnt im Schlaraffenland, während ich mich in meiner Art bedroht fühle
Ägypten! Schon das Wort wie ein Lockruf. Weltwunder erwarten dich. Pyramiden. An ihren Wänden ein Flirren: Götterbilder, Tierbilder, Zeichen
Allerweltscremedose, Herrenwitzdarbietung, rotbeschuhte Fußnoten, Stadt-Rad-Alltag, Goldhelme, Heimat-Kennzeichen, gleichgeschlechtlich Liebende: Bodo Hell fragt sich vieles
Eine Krippe, ein Pferd, ein Hinweisschild: Drei Fotos liegen auf meinem Tisch, ich schiebe sie hin und her, ich frage mich: Welche Geschichten verstecken sich hinter der Anordnung von Dingen?
Das ist nur eine Frage von vielen. Eine weitere: Welche Gründe hat Frau K., sich derart zu exponieren? Oder: Versteht sie das als Teil einer Aufarbeitung? Versuche einer Erklärung
Ich falle höchstens dadurch auf, dass ich kein Smartphone habe. Ins Gespräch integriert werde ich dennoch, also in diese seltsam multimediale Mischung Mensch und Maschine
Farb-, geruch- und geschmacklos wollen wir es in Mitteleuropa haben, die Amerikaner schätzen den Chlorgeruch. Vier allgemeine Anmerkungen zum Wasser nebst einer Wasserverkostung
Ein Blick auf den Schreibtisch am Wochenende - und Fragen, die sich unter der Woche aufgestaut haben
Als ein Schriftsteller ist man an seinem Schreibplatz tagtäglich auf ein Hausarbeitsverbessern zurückgeworfen, Lehrer und Schüler in Personalunion
Warum muss ich immer daran erinnert werden, dass ich Jude bin? Warum schreiben auch (links-) liberale Medien vom "jüdischen Komponisten" oder vom "jüdischen Schriftsteller"?
Die Debatte um die Wehrpflicht zeigt sehr deutlich, dass über Geschlechterpolitik in Österreich nicht geredet werden kann
Ihm eilt der Ruf voraus, er sei der Verkünder kommenden Glücks: Gedanken zum Zufall
Dinge auf die Reihe kriegen: Das kann bald jemand. Ich gehöre lieber zu jenen, deren liebstes Möbelstück die lange Bank ist. Ein Lob der Prokrastination
Wie groß ist unsere Genugtuung, wenn einer, der es probiert hat, es doch nicht schafft? - Und aus der Sphäre der gelebten Träume auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird
Es war Sonntagvormittag, Ende Dezember in Athen. Bis auf vereinzelte Taxis lag die Avenue verwaist
Fragen nach dem Wesentlichen, dem Essenziellen, entzweien nicht, im Gegenteil, sie schweißen uns zusammen
Wohin man schaut, wird über Denkmäler und Ortsnamen gestritten, über Helden und Verräter, Täter und Opfer. Über die schmerzlichen Erinnerungen in Ostmitteleuropa
Giftspritze oder Schlafmittel? Über den mysteriösen Tod des chilenischen Poeten Pablo Neruda
Dieser Artikeltext ist genauso minimal flach wie der obige von Markus Bernath. Hoffentlich ist diese Sommerlochprobierphase bald vorbei. Immer wieder wird im Textfluss wiederholt, damit die Perspektiven aus zwei oder drei Winkel passt. Frau Tondl dokumentiert auch im Schlussabsatz eine Erkenntnis, die so im Absatz vorher vorgekaut wurde. Hier eine gültige und einmal weltweit verstandene Agitation als Solidarität mit Märchen abzutun zeigt nicht nur mangelnder Gefühlsspeicher wegen ihres Alters, sondern auch gelebte Duldungsanpassung. Ist so zu denken gut für einen Stipendienempfang vom bm:ukk ?
die Haltungen dieser Pressesprecherinnen von Wiener Wohnen und der Polizei, die es offensichtlich nicht mehr so genau mit der demokratischen Verfassung, mit Dialogbereitschaft, Gewaltfreiheit und Pressefreiheit nehmen: http://www.youtube.com/watch?v=Eb-1Mj4laeo
Ich empöre mich, dass 40.000 WienerInnen keine leistbare Wohnung mehr finden und darüber, dass die SPÖ in dieser Sozialkrise mit Wohnungsnot und maßlosen Preistreibereien eine weitere automatische Preisanpassung veranlasst.
Noch mehr empört mich, dass man das in den meisten Medien nicht kritisiert und jeden kritikwürdigen, rechtswidrigen sozialen Mißstand einer Nazi-Verhetzungspartei überlässt.
Was hat die SPÖ HCs Vorwürfen zu entgegnen?
http://www.youtube.com/watch?v=vaZJs2pdoA8
ganz unabhängig von dieser Hausbesetzung, weil man das schon überall findet und weil man mit jeder berechtigten Beschwerde so abblitzt. Dieses unerträglich arrogante, diktatorische, kalte und repressive Benehmen, wie es die Direktorin von Wiener Wohnen an den Tag legt, findet sich mittlerweile in so gut wie sämtlichen öffentlichen Bereichen, Behörden, Kindergärten, Schulen, Krankenkassen, Sozial-und Arbeitsmarktverwaltung, Versicherungen, Pensionsanstalten, Unternehmen... Heute wird bald jeder der nicht gerade Millionär ist, wie der letzte Dreck behandelt, bevormundet und verhöhnt.
Kurt Langbein dokumentierte dieses Fehlverhalten in einer Serie mit dem Titel: "Das ganz normale Verhalten der Österreicher".
Anno 2011, in einer Demokratie???
wir sollten dankbar dafür sein, in einer der komfortabelsten gegenden weltweit und in einem der reichsten länder dieses planeten aufwachsen zu dürfen. (so etwas hört man leider sehr selten, liebe wutmitbürger)
ich habe aber zb. volles volles verständnis dafür, wenn sich menschen aus der dritten welt darüber empören, dass sie von uns seinerzeit und auch jetzt noch bis auf die unterhose ausgezogen wurden.
ich persönlich empöre mich höchstens über menschen, die in unsrer gesellschaft zwietracht schüren und unzufriedenheit proklamieren, die menschen aus anderen kulturen diskreditieren etc.
(botschaft an alle, welche diesen unsäglichen politiker wählen, welcher bei facebook weniger freunde hat als ein ziegelstein.....)
in dem sinne wünschen ich
uns hier geht es besser als den menschen in den meisten ländern der welt - ja, zustimmung. daraus ergibt sich für mich aber nicht der schluß, daß es uns wirklich gut geht. allein schon der menschenverachtende turbokapitalismus zerstört menschen körperlich und psychisch - und schränkt sie massiv in ihrer freiheit ein (auch wenn der kapitalismus vorgibt, eine freiheitsideologie zu sein - mehr freiheit gibt er aber nur denen, die ganz oben an der spitze stehen).
"wir sollten dankbar dafür sein, in einer der komfortabelsten gegenden weltweit und in einem der reichsten länder dieses planeten aufwachsen zu dürfen. (so etwas hört man leider sehr selten, liebe wutmitbürger)"
>> diese behauptung ist entweder naiv oder (sozial) ignorant. (könnte direkt aus der schreibstube der junggrünen (bzw. jungschwarzen) stammen...
was hat einE österreicherIn, die an oder unter der armutsgrenze leben muss, davon, "in einer der komfortabelsten gegenden weltweit" "aufzuwachsen"???
ja, es geht ihr/ihm materiell besser als den hungernden in afrika, aber die relative armut, die soziale ausgrenzung, die er/sie vielfach ertragen muss, sind grund genug, dass auch (privilegierte) leute wie du sich empören sollten.
ich habe anstatt zu jammern und mich zu empören immer recht viel gearbeitet und mich von nul lweg (oder eigentlich fast noch darunter) hochgearbeitet. ich bin auch weder junggrüner oder -schwarzer und habe mehr als die hälfte meines bisherigen lebens unter der armutsgrenze verbracht ohne neidig auf menschen mit mehr geld zu werden...
"Heute können wir konstatieren: Die durchlässige deutsche Besatzungspolitik gestattete noch am Ende des Krieges eine offene Kulturpolitik. Man durfte in Paris Stücke von Jean-Paul Sartre aufführen oder Juliette Gréco hören. Wenn ich einen kühnen Vergleich als Betroffener wagen darf, so behaupte ich: Die deutsche Besatzung war, wenn man sie vergleicht zum Beispiel mit der heutigen Besetzung von Palästina durch die Israelis, eine relativ harmlose, von Ausnahmen abgesehen wie den Verhaftungen, Internierungen und Erschießungen, auch vom Raub der Kunstschätze. Das war alles schrecklich. Aber es handelte sich um eine Besatzungspolitik, die positiv wirken wollte und deshalb uns Widerstandskämpfern die Arbeit so schwermachte."
"An dieser Stelle ließen sich auch Karl Marx und Friedrich Engels zitieren, die im Kommunistischen Manifest die Bourgeoisie anklagen, die feudalen Verhältnisse zerstört und anstelle persönlicher buntscheckiger Feudalbande das nackte Interesse, die gefühllose bare Zahlung herbeigeführt zu haben."
und schwups hat man marx/engels ins gegenteil verkehrt... das kommt davon, wenn man von marx nur so im vorbeigehen was aufgeschnappt hat…
MARX KLAGT DIE BOURGEOSIE IN DIESEM ZUSAMMENHANG N I C H T AN, im gegenteil, er gesteht ihr eine "höchst revolutionäre rolle" zu, sie habe "an die stelle der mit religiösen und politischen illusionen verhüllten ausbeutung die offene, unverschämte, direkte ausbeutung gesetzt", sie habe "enthüllt", "entschleiert"
ist die sich absolutierende herrschaft der FI (finanzindustrie). empörung kann kontraproduktiv werden, wenn sie sich nicht in vernünftigen widerstand umsetzt. die sozialen netzwerke bieten die möglichkeit, diese widerstand zu organisieren.
eine breite basisdemokratische bewegung für das
BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle
wird die FI zum einlenken zwingen, weil sie ohne ihren demokratischen anspruch ihre vertrauensbasis verliert und das dadurch entstehende (geld-)chaos nicht mehr kontrollieren kann. sie muss eine wachsende manifestation des demokratischen widerstands respektieren.
die stärkung der allgemeinen kaufkraft ist die alternativ-option zum öl-raubkriegs-"frühling".
BGE: sozialer friede statt paralyse durch existenzangst.
aber in Wirklichkeit verstärkt es nur das Problem. Die grundsätzliche Unfähigkeit unserer Bevölkerung ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen, das sich in "Protest wählen" für die FPÖ niederschlägt, ist doch der Aufstand derer, die ihre Pfründe im Sozialstaat gegen die Zuwanderer verteidigen wollen. Anders gesagt: Der Sozialstaat wie er existiert entmündigt seine Empfänger und macht sie zu willigen Vollstreckern ausländerfeindlicher Politik. Noch mehr Sozialstaat bewirkt also nicht das Gegenteil sondern verstärkt diesen Trend. Die Menschen in Österreich müssen lernen, dass sie selbst etwas tun müssen. Das politische Rezept gegen ihr Feindbild "Finanzindustrie" heißt: Ökologisch nachhaltige Eigenverantwortung.
der sozialstaat muss erst ein solcher werden. die verarmung nimmt direkt proportional zur profiteskalation der FI zu. die finanzierung des BGE durch die FI bedeutet ihre demokratisierung. zur zeit sponsert sie vornehmlich undemokratische rechtsparteien, von amerika und europa bis israel, und riskiert den verlust ihres demokratischen anspruchs, mit dem sie die führung der industrienationen errungen hat.
wenn das misstrauen gegen die FI nicht durch ihre evidente und relevante demokratisierung abgebaut wird, ist der soziale friede geschichte, auch in israel, herr hossam hassan.
auch israel soll durch verarmung und existenzangst wieder einmal in den krieg geschickt werden. aber die israelische jugend spielt nicht mehr mit.
Aber das können sie nicht, und wollen auch nicht, weil sie es nicht über die Tasten kriegen.
Wenn der Fragesteller die Antwort ist, ist die Frage, was Sozialstaat und Grundeinkommen mit Israel zu tun hat, also die Antwort selbst.
Worin besteht sie? Dass Grundeinkommen und Sozialstaat mit Israel zu tun haben müssen, weil die Kritik der Finanzindustrie ohne Judenhass anscheinend nicht zu haben ist und der Herr Santa Fe dies im Bewusstsein dieser Tatsache nur dadurch ausdrücken kann, dass er es jemand anderen sagen lässt. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nur dann eines, wenn es bedingungslos antisemitisch ist. Das ist die Antwort, die also durch den Fragesteller bereits enthalten ist.
Na ja. Sie hätten es einfacher auch haben können.
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