Wien liefert bosnischen Ex-General Divjak nicht aus

29. Juli 2011, 15:39
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    foto: foto:sulejman omerbasic, file/ap/dapd

    Jovan Divjak, aufgenommen im Februar 2011.

Aus menschenrechtlichen Erwägungen keine Übergabe an serbische Behörden - Divjak kann ab sofort Österreich verlassen

Korneuburg/Wien - Der Anfang März im Zuge einer Personenkontrolle am Flughafen Wien-Schwechat festgenommene bosnische Ex-General Jovan Divjak wird nicht an Serbien ausgeliefert. Das hat das Landesgericht Korneuburg am Freitag entschieden. Das Auslieferungsbegehren Serbiens, das im Jahre 2008 einen internationalen Haftbefehl gegen Divjak ausgestellt hatte, um ihn strafrechtlich verfolgen zu können, wurde aus menschenrechtlichen Erwägungen für unzulässig erklärt, gab Behördensprecherin Christa Zemanek in einer Presseaussendung bekannt. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Dessen ungeachtet kann der seit knapp fünf Monaten in Österreich festsitzende pensionierte General ab sofort das Land verlassen. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft Korneuburg gegen die abgelehnte Auslieferung hätte keine aufschiebende Wirkung, erklärte Zemanek auf APA-Anfrage. Die Justiz verfügt derzeit zwar noch über Divjaks Reisepass - der Ex-General war am 8. März gegen "gelindere Mittel" (Abgabe des Passes und Hinterlegung einer Kaution von 500.000 Euro, Anm.) aus der Auslieferungshaft entlassen worden - , aber wenn er es wünsche, könne er diesen jederzeit beheben und ausreisen, so die Gerichtssprecherin.

Kein faires Verfahren

Das Landesgericht Korneuburg befürchtet, dass Divjak in Serbien mit keinem fairen Verfahren rechnen kann. Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass auch Serbien die Verfahrensgarantien der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) beachtet. "Da aber gerade das Abkommen über den Austausch von Beweisen von Kriegsverbrechen zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht zustande gekommen ist, kann insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, dass sich der vermeintliche Tatort außerhalb des Hoheitsgebietes von Serbien befindet, nicht ausgeschlossen werden, dass die serbischen Behörden nicht an alle Beweismittel bzw. Zeugenaussagen der bosnischen Behörden bzw. des Internationalen Gerichtshofs gelangen können", gibt das Gericht zu bedenken.

Dadurch sei für Divjak die von Artikel 6 EMRK geforderte Einhaltung der Waffengleichheit bei einem gerichtlichen Strafverfahren auf serbischem Staatsgebiet nicht gewährleistet: "Diese massive Einschränkung der Verteidigungsrechte macht seine Auslieferung an die serbischen Behörden unzulässig."

Divjak hatte zu Beginn des Bosnien-Krieges (1992-1995) als einziger serbischer General in der neu geschaffenen bosnisch-muslimischen Armee einen Führungsposten erhalten. Er wird der Mitverantwortung für Kriegsverbrechen in Sarajevo Anfang Mai 1992 verdächtigt: Bei einem Angriff auf einen aus der bosnischen Hauptstadt abziehenden Konvoi der jugoslawischen Volksarmee (JNA) waren in der Dobrovoljacka Straße mehrere Offiziere, Soldaten und Zivilisten ums Leben gekommen. Eine genaue Opferzahl wurde von den damaligen jugoslawischen Behörden nie veröffentlicht. Inoffizielle Angaben sprachen von mehr als 40 Toten und rund 200 gefangen genommenen Soldaten.

Sowohl das Gericht in Korneuburg als auch Divjaks Rechtsvertreter in Österreich, der Wiener Anwalt Richard Soyer, betonten am Freitag, das Internationale Kriegsverbrechentribunal für das ehemalige Jugoslawien habe diese Ereignisse schon im Jahr 1993 eingehend untersucht und befunden, dass es keine ausreichende Beweis- bzw. Verdachtslage gebe, um ein Verfahren einzuleiten. Soyer, der den Haftbefehl gegen Divjak und 18 weitere bosnische Staatsbürger stets als politisch motiviert bezeichnet hatte, verwies weiters darauf, auch die War Crime Chamber des Court of Bosnia and Herzegovina hätte das Geschehen geprüft und sei ebenso wie das UN-Tribunal zur Entscheidung gelangt, dass keine substanziellen Beweise gegen Divjak bzw. die anderen im Haftbefehl angeführten Verdächtigen existierten.

Erfreut über die jüngsten Entwicklungen zeigte sich der Botschafter von Bosnien und Herzegowina in Wien, Haris Hrle. "Ich freue mich, dass Herr Divjak nun als freier Mann in seine Heimatstadt Sarajevo zurückkehren und dort seine wichtige humanitäre Arbeit als Gründer einer der bedeutendsten bosnischen NGO fortsetzen kann", hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme. (APA)

Kommentar posten
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kroate061
00
Kurti Waldheim wurde ja auch nicht ausgeliefert

.

boris b.
00
Bananenpublik

Das Ganze ist eine Schande für Österreich und sowas was sich Justizsystem nennt!

Josef Unterhuber
22
30.7.2011, 14:07
Liegt schon ein Entschuldigungsbrief vom Herrn Schaden vor?

marmeladenfreund
18
30.7.2011, 12:00

Da fällt mir nicht mehr viel dazu ein - außer, dass die ÖVP niemals wieder Außen- und Justizministerium inne haben sollte, wenn in den Reiseführern nicht Österreich neben seiner Erwähnung als Raucherparadies auch noch als Kriegsverbrecherparadies angepriesen werden soll. Klar, wir haben natürlich eine unabhängige Justiz, die mit Spitzenkräften, wie Bandion-Ortner selbstverständlich der serbischen weit überlegen ist. Politisch tendenziöse Verurteulungen oder Freisprüche wären in Österreich natürlich vollkommen undenkbar.

re flexion
12
30.7.2011, 14:00
Eine Auslieferung

wäre mindestens ebenso "tendenziöse Justiz" gewesen, oder?

In Anbetracht der Umstände hätte es sehr wahrscheinlich kein faires Verfahren gegeben. Und da auch der internationale Gerichtshof die Beweislage für nicht ausreichend genug erachtet finde ich die Entscheidung o.k.

ibindatintifax
21
30.7.2011, 11:07
Posting der neue Punk?

...wie in einem anderen Artikel steht? Ich glaube eher, Postings dienen oft als Ventil zum Ausdruck absolut unreflektierter und primitiver geisteshaltungen, wie man hier leider wieder feststellen muss. Die Standard-Posternemesis muss wohl ein serbischer Nationalist mit Vorliebe für Rapid sein...

ad Divjak: Fünf Monate für einen weltweit hochangesehenen Mann (Faktenwissen über J. Divjak hilft!), ein paar Stunden für einen offensichtlich nicht so sauberen Kollegen aus Moskau. man fragt sich langsam schon...

Objektiv_Subjektiv
02
30.7.2011, 09:44
Serbien schuld, alle anderen Unschuld?

Laut Kommentaren scheint es so zu sein, erinnert mich an Libyen... typisches NATO Projekt

Kathrin1980
15
30.7.2011, 10:43

Der Grundtenor hier wie in fast allen anderen Medien ist derselbe, dass Serbien die Alleinschuld erhält, während alle anderen - egal wer es ist - Opfer ist.

Offenbar werden ur-alte Rechnungen beglichen oder ein paar ewig-KuK'ler haben den Verlust des Groß-Reiches nicht verkraftet.

Auch wenn - wie im vorliegenden Fall - unbeteiligte, wie vereinbart abziehende Wehrpflichtige der Armee Ganz-Jugoslawiens aus dem Hinterhalt von Bosnisch-Moslemischen Truppen massakriert wurden.

Ado Wien
 
610
30.7.2011, 15:16
Abziehende massaker

Soldaten, die nicht Sarajevo eingenomen haben, ziehen sich auf die Berge züruck von wo sie 10000 Zivilisten umgebracht haben. Wenn von diese bewafneten Soldaten 8 sterben ist es massaker, was wollen sie dan sagen für drei Jahre belagerung von Sarajevo??? Ein Weltuntergang?

Joe1000
03
30.7.2011, 22:14
Was haben

18-jährige Grundwehrdiener mit der Belagerung von Sarajewo zu tun?

LEFTHAND
56
30.7.2011, 09:28
Dieses Forum

ist für viele Personen nicht mehr als ein billige 'Anti-Österreich-Bühne'.

LoL
01
30.7.2011, 07:41

Der westen predigt aussöhnung und dann sowas!

derwahrsager
00
30.7.2011, 00:26
Wieso Wien ?

Man kan schreiben, dass Österreich oder eben das Landesgericht in NÖ liefert ihn nicht aber Wien zu sagen ist es falsch auch wenn Wien als hauptstadt gemeint ist weil hier ein Gericht entschieden hat und nicht die Regierung aber naja

Vratnica
12
29.7.2011, 22:46
Also, rund 40 toten Soldaten?

Hier sagt der dahamalige General der Yugoslawischen Armee in Sarajewo, Milutin Kukanjac, dass es um 6 Personen handelt. Bitte, zuerst überprüfen die Angaben, und erst dann veröffentlichen.

http://www.youtube.com/watch?v=i... r_embedded

Und jedem seine eigene Busspur
00
29.7.2011, 21:36
Der Skandal ist wirklich unsere Justiz

5 Monate haben die gebraucht, und im Fall Golovatov 24 Stunden. Die Haftentschädigung sollten die Juristen aus ihrer eigenen Tasche bezahlen müssen....

re flexion
00
30.7.2011, 14:06
Naja

in einem Fall wars ein anerkannter internationaler Haftbefehl, im anderen Fall ein nicht anerkannter EU-Haftbefehl.

In einem Fall war die Verhaftung gerechtfertigt und es ging um die Frage der Auslieferung, in anderm Fall ging es darum ob überhaupt eine Verhaftung gerechtfertigt ist.

Also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

global_citizen
05
30.7.2011, 08:29
vielleicht hat es ja auch 5 Monate gedauert

bis seine Freunde und Verwandte das nötige
Kuvertgeld gesammelt hatten. Der russische
Botschafter hatte wohl die "ortsüblichen" Beträge griffbereit.

Drago+
01
29.7.2011, 20:08
In Serbien interessiert sich niemand für Divjak.

Schon komisch, dass dann dieser fünf Monate in Österreich festgehalten wird. Ich würde sagen, dass ist etwas anderes im Busch, und der serbische Haftbefehl von anno irgendwann galt nur als offizielle Begründung.

Thomas Jandl
01
29.7.2011, 20:00

Immer wieder lustig wie die ad-hoc Poster mit der ersten Idee daherkommen, die ihnen durch das Vakuum geht.

Jeder Vergleich mit dem Fall G. ist offensichtlich hirnrissig. In einem Fall wurde ein mutmasslicher Verbrecher innerhalb von ein paar Studend per Weisung freigelassen. Im anderen wurde Monate lang gearbeitet und ein Gericht hat entschieden.

Man kann mit dem Gericht unterschiedlicher Meinung sein (am besten sollte man natuerlich auch Fakten zur Hand haben um seine Meinung begruenden zu koennen). Aber eines ist klar:
Zwei Faelle wie Tag und Nacht.

Amitabh Bachchan
00
30.7.2011, 11:06
ja, ja das Vakuum

hat bei Ihnen offenbar zugeschlagen - die beiden Fälle sind möglicherweise nicht vergleichbar, weil im Falle des bosnischen Generals wares eine kriegerische Handlung, mit toten Soldaten, im Falle des Russen ein brutaler Übergriff auf Zivilisten. Aber in beiden Fällen gibt es einen Haftbefehl, der zu prüfen ist, was im Falle des Russen auf Anweisung von "Oben" nicht erfolgt ist. Es wurde also der gleiche Sachverhalt ganz unterschiedlich bewertet seitens der österreischen Behörden und Politiker. Österreich hat in beiden Fällen, aus unterschiedlichen Gründen, jedenfalls enorm an Reputation eingebüsst.

Walter KURTZ
 
00
29.7.2011, 19:39

Wär mal Zeit, daß Präsident Bashir einen Staatsbesuch absolviert...

Aca Rankovic
01
29.7.2011, 19:33

is eh schon wurscht

Tildy
00
29.7.2011, 19:21
500.000 Euro.....

Ein bosnischer General ist in der Lage EUR 500.000 als Kaution zu hinterlegen...? Das ist wirklich sehr viel Geld.

pmacke
00
29.7.2011, 22:21
wurde entweder von der Stadt Sarajewo oder dem Bosnischen Staat

oder einer anderen öffentlichen Stelle erlegt. ist irgendwo in der älteren Berichterstattung festgehalten.

Bonnie Entkleid
27
29.7.2011, 19:09
Unii, der Schaden wird gleich noch einen Entschuldigungsbrief schreiben.

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