Hilfsaktionen für Hungernde in Ostafrika gehen weiter - Appell von SOS-Kinderdorf - Ausweitung der Katastrophe befürchtet
Adis Abeba/Mogadischu/Nairobi/Genf/Innsbruck - Trotz aller Schwierigkeiten mit Bürokratie und Milizen setzten am Freitag internationale Organisationen ihre Rettungsaktionen für die hungernden Menschen am Horn von Afrika fort. Der britische Sender BBC berichtete von Kämpfen zwischen Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) und der radikalen Al-Shabaab-Miliz in Mogadischu. Ziel sei es, die Flüchtlingscamps in der somalischen Hauptstadt vor Angriffen der Rebellen zu schützen. SOS-Kinderdorf veröffentlichte einen Hilfsappell. Ärzte ohne Grenzen startete ein Ernährungsprogramm im Nordwesten Kenias.
"Die Al-Shabaab-Miliz hat angekündigt, die Lager angreifen zu wollen, wenn die Menschen nicht in ihre Heimatregionen zurückkehren. Unsere Aktion war dazu bestimmt, dies zu verhindern", sagte ein AU-Sprecher. Die Freischärler verbieten westlichen Hilfsorganisationen seit Jahren, in den von ihr kontrollierten Gebieten vor allem im Süden des Landes zu arbeiten. Südsomalia ist aber besonders stark von der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren betroffen.
UNO warnt
Die UNO warnte am Freitag vor einer Ausweitung der Hungerkatastrophe in Somalia. Die Krise werde sich verschlimmern und alle Regionen Südsomalias erfassen, teilte die Dachorganisation für die humanitäre Hilfe OCHA am Freitag in einem Bericht an die Geberländer mit. Gleichzeitig strömten weiter bis zu 1.500 Somalier täglich in das größte Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab, sagte Christopher Tidey vom Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag. Das ursprünglich für 90.000 Menschen gebaute Lager beherberge nun über 400.000 Menschen, hieß es.
Die Vereinten Nationen riefen wegen der katastrophalen Lage zu weiteren Spenden auf. "Die Menschen in Somalia - die Verletzten, Binnenvertriebenen und die vielen Flüchtlinge - brauchten noch nie so dringend Schutz und humanitäre Hilfe wie jetzt", sagte George Oktoh-Obbo, Direktor des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR in Afrika. "Das Ziel ist es, etwa 400.000 hilfsbedürftige Menschen in Somalia noch bis Ende August zu erreichen", fügte Bruno Geddo, UNHCR-Vertreter für Somalia, hinzu.
Lebensmittelpreise steigen
"Die Menschen brauchen jetzt dringend Soforthilfe zum Überleben. Besonders die Lage in Somalia sei sehr, sehr schrecklich, erreichte uns gestern ein Hilferuf von Ahmed Mohamed, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Somalia. Daher richtet SOS-Kinderdorf den Fokus seiner Hilfsmaßnahmen schwerpunktmäßig auf Mogadischu in Somalia, Hargeisa in Somaliland und Gode in Äthiopien (an der Grenze zu Somalia, Anm.) (...)", erklärte der Präsident der Organisation, Helmut Kutin, am Freitag in einer Aussendung.
Probleme machten die ständig steigenden Preise für Lebensmittel in der Krisenregion. Mit 45 Euro pro Monat könnte allerdings einer sechs- bis achtköpfigen Familie das Überleben gesichert werden. SOS-Kinderdorf habe zunächst einmal 50.000 Euro an Soforthilfe bereitgestellt, so die Aussendung.
Die Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen hat mittlerweile im Distrikt Turkana im Nordwesten Kenias ein Programm zur Behandlung mangelernährter Kinder gestartet. Die Teams arbeiten in den Regionen Lapur und Kibish, in denen bisher nur sehr wenige Hilfsorganisationen tätig sind, hieß es in einer Aussendung. Man verteile gezielt Lebensmittel an mangelernährte Familien. Die Helfer hätten damit begonnen, 46.000 Kilogramm Ergänzungsnahrung an etwa 6.000 Personen auszugeben. Auch Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe (Menschen für Menschen) bereitet ein Nothilfeprogramm für etwa 47.000 Menschen in den drei Distrikten Limu Bilbilo, Adaba und Gedeb Asasa im Süden Äthiopiens vor. Die Region liegt etwa 300 Kilometer südlich von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. (APA)