In Balance mit Alexander-Technik

  • Ein Vergleich mit dem Basketball zeigt, was die Alexander-Technik kann.
Foto: RainerSturm/www.pixelio.de
    foto: rainersturm/www.pixelio.de

    Ein Vergleich mit dem Basketball zeigt, was die Alexander-Technik kann.

    Foto: RainerSturm/www.pixelio.de

Alltägliche Bewegungen laufen nach gewohnten Mustern ab und sind oft der Auslöser für körperliche Probleme

Der Vergleich mit dem Basketball trifft es auf den Kopf, und zwar im ganz wörtlichen Sinne. Die Salzburgerin Daniela Kassaei führt vor, was genau Alexander-Technik bedeutet. "Wir arbeiten halb im Sitzen, halb im Liegen", hat sie zu Beginn der Stunde gesagt. Ein Hocker steht zentral im Raum, am Fenster eine Massageliege. Sie bittet einen, erst einmal Platz zu nehmen, und beobachtet genau, wie dieser so banale Vorgang bewerkstelligt wird. Um Bewusstwerdung automatisierter Bewegungsmuster ginge es, sagt sie, und die Fähigkeit, sie zu verändern - und ganz ehrlich: Was sie tatsächlich meint, ist unklar. Bis sie dann den Satz: "Stellen Sie sich doch einmal vor, Ihr Kopf sei ein Basketball, der gerade auf zwei Handflächen liegend zum Korb geworfen wird?" Der Kopf als Basketballkorb? Komisches Bild zwar, doch trotzdem kommt der Körper dadurch in Bewegung. Der Rumpf richtet sich auf, der Kopf schaut stolz, das Kinn leicht nach unten gebeugt. Saß man eben noch eher bucklig und ob des vollkommen Unbekannten, das kommen würde, in sich zusammengesunken da, so brachte der Gedanke an einen Basketballkorb Veränderung. Es ist eine Demonstration dessen, was Alexander-Technik kann, nämlich Veränderung durch mentale Impulse herbeiführen.

"Schmerzen sind ein Ausdruck des fehlerhaften Gebrauchs unseres Selbst", erklärt Kassaei. Bei vielen sei das von Kindesbeinen an der Fall und führt zu Abnutzungen, sogar Schmerzen. "Wir suchen alternative Haltungen und Bewegungen und versuchen sie, in das ganze System zu integrieren, erklärt sie. Leicht ist das nicht. "Geben Sie den Kopf weiter nach vorn", sagt sie, und berührt mit einer Hand ganz leicht das Schulterblatt. Die dadurch veränderte Körperhaltung fühlt sich falsch an. Das wundert die Alexander-Spezialistin nicht, "die Macht der Gewohnheit ist stark", weiß sie, hat aber schon sehr oft erlebt, wie sich eingefahrene Bewegungsmuster umtrainieren lassen. Eine Stunde Alexander-Technik ist deshalb eine mentale Herausforderung. Immer wieder kommt der Gedanke, "aber was will sie jetzt eigentlich genau von mir?" Aber irgendwann versteht man es, das Prinzip der Aufrichtung, und kann dementsprechend Anweisungen an diverse Muskeln schicken. Es gibt Hilfestellungen, etwa "sich im Raum auszurichten, den Blick aber nicht zu fixieren". Das verändert die Körperdynamik, man wird wacher, aufmerksamer, frischer. Wer chronische Schmerzen hat, lernt, damit anders umzugehen, Positionen zu finden, in denen sich Schmerzfreiheit einstellt. Eine sehr überraschende Beobachtung hat Kassaei auch schon öfter gemacht: "Wer regelmäßig kommt, wird ein bis zwei Zentimeter größer." Kassaei "trainiert" auch das Gehen ihrer Schüler. Sie begleitet sie wie ein Schatten und teilt ihre Beobachtungen mit. "Kippen Sie doch mal das Becken weiter nach vorn." "Wie?" "Genau so, und versuchen Sie das auch zu Hause, beim Abwaschen oder Zähneputzen."

Die Kunst loszulassen

Nach rund 30 Minuten im Sitzen, Stehen und Gehen tut das Liegen gut. Jetzt geht es ums Loslassen. Kassaei hebt das Bein und dreht es. "Konzentrieren Sie sich auf das Hüftgelenk", bittet sie in sanfter Stimme und kreist das Bein, "aber bitte nicht mithelfen", sagt sie nach weiteren 20 Sekunden. Vielen, die zu ihr kommen, fällt das aber besonders schwer, weil sie angespannt sind, ohne es selbst zu bemerken. "Ich hebe den Arm, lasse ihn los, und der fällt nicht runter, und mein Klient denkt, er sei entspannt", erzählt sie. Wobei Entspannung in der Alexander-Technik durchaus nicht unbedingt das Ziel ist, vielmehr geht es darum, "eine für die auszuführende Aktivität angemessene Muskelspannung zu entwickeln."

Alexander-Technik ist eine Aktivität an der Grenze von Körper und Geist und auf eigentümliche Art anstrengend. Neuerfahrung, nennt es Kassaei und weiß, dass durchaus nicht alle Menschen dazu bereit sind. Unlängst auf einer Messe hätte sie die Alexander-Technik einem Mann demonstriert, sie hätte ihm die Hand auf den Rücken gelegt und ihn aufgefordert, sich aufzurichten. "Was genau meinen Sie. Ich spüre gar nichts", hätte er schließlich gefragt. Letztendlich, so Kassaei, gehe es natürlich auch um das Vertrauen zwischen Lehrer und Schüler. Der Mensch lerne manchmal einfach sehr langsam, und deshalb seien Bereitschaft und der Wunsch nach Veränderung sowie das Loslassen-Können auch Teil der Übung. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 01.08.2011)

Links:

Alexander-Technik-Verband Deutschland e.V.

Gesellschaft für F.M. Alexander-Technik Österreich

Alexander-Technik

Wissen

Hirn-an-Körper-Verbindungen

Frederick M. Alexander wurde 1896 in Tasmanien/Australien geboren und wollte ursprünglich Schauspieler werden. Während seiner Ausbildung verlor er plötzlich seine Stimme. Die Ärzte konnten dafür keine organische Ursache entdecken. Deshalb versuchte der junge Schauspieler, das Problem selbst zu ergründen. Er beobachtete sich in zwei Spiegeln und bemerkte, wie sehr verschiedene Gedanken seine Körperhaltung beeinflussen und wie sich daraus vollkommen unbewusst unterschiedliche Bewegungsmuster ergeben. Eine zentrale Bedeutung dabei ist die Relation, in der Kopf und Hals mit dem übrigen Körper stehen. Ist dieses Verhältnis gut ausbalanciert, verlaufen Bewegungen frei und ungestört. "Primary control" nannte es Alexander. Bei einem Missverhältnis können Fehlbelastungen und in der Folge Schmerzen entstehen.

Sein Ansatz: In der Arbeit mit seinen Klienten ging es F. M. Alexander darum, unbewusst ablaufende Bewegungsmuster bewusst zu machen und damit den Fehlgebrauch mental beeinflussbar zu machen. Das ermöglicht bewusste Selbstkontrolle, was zu einer positiven Veränderung des Geistes und des Bewegungsapparates führt.

Alexander begann, sich systematisch mit dieser Geist-Körper-Relation zu befassen, und bewies die Effizienz seiner Theorie nicht nur an sich selbst, sondern auch an vielen anderen. 1904 übersiedelte er nach London, wo er mit seinen Behandlungen zuerst in Schauspielerkreisen Erfolge feierte. Zu seinen Klienten gehörten Aldous Huxley oder George Bernard Shaw.

Schließlich entschloss sich Alexander, seine eigene Karriere ganz aufzugeben und sich fortan nur noch auf die Körperarbeit zu konzentrieren. Seine ganzheitliche Methode etablierte sich unter dem Namen Alexander-Technik und verbreitete sich auch nach seinem Tod 1955 weiter.

Die Alexander-Technik wird in Lektionen von 30 bis 50 Minuten unterrichtet. Nach einem Anfangsgespräch und einer Einschätzung des haltungsmäßigen Ist-Zustandes ist ein Neuorientierungsprozess, der von Alexander-Lehrern durch manuelle und verbale Impulse begleitet wird, das Ziel. Wie lange dieser Prozess des Umlernens dauert, ist individuell verschieden. (pok)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Feldenkrais

Worin besteht der Unterschied zur Feldenkrais-Methode?

Michael J. Gelb "Body Learning":
The Feldenkrais Method has two aspects: Awareness Through Movement and Functional Integration. The former involves directing the attention in association with a sequence of non-habitual body movements to create an experience of more flexibility and body awareness. The latter involves hands-on work toward a similar end ... They are not, however, desigend to be applied in everyday activity.
The Alexander work, on the other hand, IS designed to be applied in every day activity. As I write these words ..., I am practising the Alexander Technique, inhibiting my tendency to hunch down over the keyboard ... If I want to apply Feldenkrais I have to stop writing, lie down ... and do the non-habitual exercises.

wichtig ist bewegung.

und zwar von kleinauf. wenn kinder nicht mehr kraxeln oder rumtoben dürfen, weil sich mutti ins hoserl macht und die kids sehen, dass mami und papi nur rumhängen, dann werden diese kinder eben einfach träge, ungeschickte kartoffeln.

wenn kinder aber nicht in ihrem bewegungsdrang gehindert werden und vielleicht auch noch in einen sportverein kommen (so mit 5, 6 jahren), dann ist eh alles in butter.

Wichtig ist das Üben

- denn ohne bewusstes Üben kommt man nicht dorthin, den entspannt-aufrechten Zustand auch nach den Sitzungen beizubehalten.
Bewusstes Üben bedeutet auch: sich mentalen Stress bewusst zu machen.

Anscheinend wurde der Artikel überarbeitet...

Schätze mal, jemand von EW liest hier mit. Studien zur Wirksamkeit der AT wurden in den Artikel eingearbeitet.

das ist ja eine top-seriöse quelle!

Der Artikel ist tatsächlich schwach

und vor allem veraltet, scheint mir.

Die Studie von 2008, die im Parallelartikel zitiert wird, wird nicht berücksichtigt, auch nicht z.B. Edzard Ernsts Fazit in Trick or Treatment dazu.

Ernst hat dem Thema zwar nur eine Seite gewidmet, aber vor allem das Preis/Leistungsverhältnis kritisiert. 24 Sitzungen mit einem Trainer gehen nun mal ins Geld. Wenn man das mit der Studie kombiniert, die aussagt, dass bereits 6 Sitzungen + eigenes Weiterüben genügt, fällt auf einmal Ernsts Hauptargument weg ;)

GWUP & Co ...

... laaaaangweilig, grundlegend falsch und dumm.
Alles, was nur irgendwie nach nicht-schul- und pharmamedizinisch aussieht, wird gleichmässig verdammt: weiß und schwarz eben
Das ist schon so dumm, dass es weh tut. Denn so ist das Leben nun mal nicht.
Die Seite kann man sich sparen.

GWUP != Esowatch

Bitte das mal geistig vermerken, danke!

Ach Marty, lassen Sie immer noch bei esowatch denken? Was für ein Armutszeugnis!

nun, so ich das erkennen kann kommt die alexandertechnik durchaus gut weg bei esowatch.

Man übt effizientes Aufstehen vom Sessel samt dazugehörigem Bewusstsein für den Körper - und schon ist es Esoterik? Geh bitte.

Wer schreibt was von Esoterik?

Ah, verstehe...Artikel im Link nicht gelesen...

Wenn es nicht Esoterik ist, warum dann bei ESOwatch?

ESO steht ja wohl für Esoterik?
Dann sollten sich die auch nur um Esoterik kümmern.

Auch aus schlichtem Laufen machen manche eine Religion - also auch ein Fall für Esowatch?

Naja,

Hauptseite anklicken...gucken...dann geht auch ihnen ein Licht auf!

Tatsächlich ist mir ein Licht aufgegangen ...

... aber wohl ein anderes als ihnen!

Den hab' ich schon gelesen, er arbeitet mit dem Schema, dem Zielobjekt Sachen unterstellen und dann zeigen dass die Unterstellungen falsch sind, und auf der Basis behaupten dass das Zielobjekt schlecht sei. Kampfargumentation halt.

Liest man in einer Quelle nach die mehr Sachkenntnis hat, dann stellt sich das alles ganz anders dar, und es wird sofort klar dass die vorgebrachten Anschuldigungen nichts anderes als haltlose Unterstellungen sind.
http://www.alexander-technik.at/alexander... ruppe.html

Sie sollten wirklich die Qualität Ihrer Quellen prüfen, bevor Sie da so wirres Zeug herumposten. Ist ja wirklich blamabel, das.

Was ist an der Unterstellung falsch,

dass es sich aufgrund der aktuellen Evidenz nicht behaupten lässt, ass diese Technik nachweislich wirksam sei?
Kommen's mir jetzt nicht mit einer Alexandertechnik Website...zeigen sie mir doch bitte eine Studie, dann bin ich gerne bereit meine Meinung zu ändern...ansonsten blamieren sie sich!

Unterstellung sind grundsätzlich falsch!

Im Unterschied zu anderen haben sie gar kein Argument gebracht!

"Unterstellungen sind grundsätzlich falsch" ist ein Argument!

Studie zur Wirksamkeit von Alexander-Technik

Bitteschön - hier eine Studie - hier für uns schön zusammengefasst auf der Website des deutschen Ärzteblattes:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/33433/

Herzliche Grüße,
Stefan

Wenn man oft genug die gleiche Sinnlosseite angibt, kommen irgendwann alle drauf, womit sie es zu tun haben.

Lieber Marty Fink, AlexanderTechnik ist BewegungsPÄDAGOGIK, keine Medizin und braucht deshalb auch keine Studie, die irgendwelche Heilwirkungen belegt, weil es gar nicht um "Heilung" geht, sondern nur um Lernen.

Da aber die großartigen Fachleute von Esowatch den Unterschied zwischen Pädagogik und Medizin nicht kennen und wahrscheinlich auch keine Ahnung von entsprechenden gesetzlichen Regelungen haben, brauchen wir über die Qualität ihrer Beurteilung nicht einmal zu diskutieren.

Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.