US-Schuldenkrise: Was heißt schon AAA?

Kommentar | Daniela Rom, 29. Juli 2011, 12:12

Die USA gelten laut ihren Ratings als Top-Schuldner - die nun doch mögliche Staatspleite stellt die Ratingagenturen einmal mehr in Frage

Die Ratingagenturen sind schuld. Die europäische Schuldenkrise ließ von allen möglichen Seiten alt bekannte - teils berechtigte, teils übertriebene - Schuldzuweisungen aufpoppen: Die Ratingagenturen schüren die Nervosität an den Märkten mit ihren unbegründeten Abstufungen; die Ratingagenturen sind alle gekauft und handeln vor allem im Interesse ihrer Auftraggeber; und: Was wissen die US-amerikanischen Ratingagenturen schon über die Europäer, über die sie gönnerhaft richten? Ja, aber was wissen denn die US-amerikanischen Ratingagenturen eigentlich über die USA selbst?

Während sich Republikaner und Demokraten derzeit eifrig im Spielen von "Deal or No Deal" üben und versuchen ihr Schuldenlimit im Konsens nach oben zu schrauben, ist diese Frage ganz und gar nicht unberechtigt. Die USA verfügen nämlich noch immer über den Heiligen Gral, den die Ratingagenturen in ihrer Währung ausgeben: Ein Triple-A-Rating. Damit ist man im Universum der Staatsanleihen quasi König. Den Thron besetzen die Amerikaner natürlich nicht allein, Österreich zählt genauso zu den Glücklichen Drei-A-lern, wie auch Deutschland.

Dass die USA jetzt aber den Ansprüchen eines dreifachen As nicht wirklich genügen, dürfte mittlerweile aber allen klar geworden sein. Nichts weniger als der Zahlungsausfall, drastischer ausgedrückt, eine Staatspleite droht den Vereinigten Staaten. Wie sich dies mit einem Top-Rating in der Bonität vereinbaren lässt, bleibt ein Rätsel. Klar, Experten und Marktbeobachter gehen nicht ernsthaft vom Worst-Case aus. Selbst wenn er eintreten sollte, glaubt niemand wirklich an eine echte Insolvenz und einen Ausfall des Schuldendienstes seitens der USA.

Aber warum eigentlich nicht? Weil das Land so groß ist? Weil, wie Analysten meinen, es keinen anderen alternativen Markt für die Volumina aus US-Staatsanleihen gibt? Weil Amerika einfach nicht untergehen kann? Sehr weit weg vom oft vorgeworfenen Kaffeesudlesen sind die Ratingagenturen dann vielleicht doch nicht, wenn sie die durchaus reale Bedrohung einer US-Staatspleite so gar nicht einberechnen konnten. Fraglich bleibt auch immer noch, warum die Ratingagenturen den USA nicht schon vor einigen Monaten mit einer Abstufung auf die Finger geklopft haben. Die Schuldendebatte führt man in den USA schließlich nicht erst seit gestern. Jedenfalls dürften die Ratingagenturen auch in der US-Schuldenkrise einmal mehr eine unrühmliche Figur machen und damit auch an dem Ast sägen, auf dem sie selber sitzen. (derStandard.at, 29.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
Raunzerle
 
01
Aufforderung an unsere Politiker zum Handeln

Einen der drei Grundvoraussetzungen und somit Lebensberechtigungen einer Ratingagentur stellt die Objektivität dar.

Diese kann selbst bei wohlwollender Betrachtung der Vorgänge in den Vereinigten Staaten nicht als gegeben betrachtet werden.

Somit wären die Finanzminister der EU Staaten sowie die EZB aufgrund ihrer Funktion zum Handeln gezwungen und müssten die Zulassung dieser Agenturen nach Setzung einer Nachfrist entziehen.

Weiter wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen das Monopol dieser drei Unternehmen zu brechen und eine eigene EU Ratingagentur ins Leben zu rufen.

Sarang He
01
31.7.2011, 17:25
Es ist eigentlich allgemein bekannt, dass Ratingagenturen 2 Hauptzwecken dienen

1. Topmanagern Verantwortung abzunehmen und Rechtssicherheit gegenüber ihren Handlungen zu geben

2. Grosskonzernen, Fondgesellschaften und Banken, die mit denRatingagenturen akitv paktieren durch billigere Gelder einen signifikanten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

_Mickey_
10
31.7.2011, 17:24
der A AAler

österreichischer staatlich geprüfter fäkalexperte.

tock tock tock
00
31.7.2011, 16:29
Auch wenn einem die Ratingagenturen auf den Keks gehen:

Die Schulden haben die Griechen allerdings selbst gemacht - und dass sie dann irgendwann das ganze nicht mehr zurückzahlen können, dafür können die Argenturen nix. Die sprechen das Ganze dann nur aus!

Und falls es bei den Griechenlandpaketen zu einer Beteiligung der Banken kommt, dann IST das ein (Teil)ausfall und die schlechte Wertung ist gerechtfertigt! Alles andere erinnert a bisserl stark an "des Kaisers neue Kleider".

Ich mein: es käm ja auch keiner auf die Idee jemanden Geld zu leihen, wenn man schon vorher weiß, dass man zB nur 2/3 davon wieder sieht!

Debaser73
 
02
31.7.2011, 11:13

Es vergeht kaum ein Tag ohne Panikmache von den amerikanischen Ratingagenturen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden Volkwirtschaften in Bedrängnis gebracht, letztendlich um die eigene Lobby zu bedienen, die sich im Endeffekt am Elend anderer (Arbeitslosigkeit in Griechenland, Sozialabbau, Privatisierungswelle,etc.) bereichert.
Es kann und darf nicht sein daß private Ratingagenturen in der Lage sind Volkwirtschaften zu dirigieren. Wer bestimmt über Veränderungen im Land, die Bürger? die Politiker? Wahlen ?
Leider nein, mittlerweile geben Ratingagenturen den Ton an und zwingen Staaten in konjunkturell schwierigen Zeiten zu rigorosen Sparverhalten, was wiederum zu erhöhter Arbeitslosigkeit und schwachem Wachstum führt.

Karl-heinz Grill
00
31.7.2011, 06:31
ich bin gespannt

ob das us-system gleich unspektakulär untergeht wie die udssr.

Meingott Schrammel!
 
00

Interessante Frage. Tritt das tatsächlich ein, wer übernimmt die "Weltführung"? China? Russland? Da sind mir ja sogar noch die Cowboys lieber.
Keine schönen Aussichten.

The Magic
01
30.7.2011, 18:29

"Die Ratingagenturen (...) mit ihren unbegründeten Abstufungen"

Das würd mich genauer interessieren, sollte GR AAA haben, oder was genau ist gemeint? Und vor allem wenn sie die USA eben NICHT abwerten, ists auch nicht recht.

"die Ratingagenturen sind alle gekauft und handeln vor allem im Interesse ihrer Auftraggeber"

Stimmt natürlich. Man beißt selten die Hand, die einen füttert. Aber wenn wirklich so willkürlich bewertet wird, warum glaubt ihnen "der Markt"?

"Was wissen die US-amerikanischen Ratingagenturen schon über die Europäer, über die sie gönnerhaft richten?"

Wieso richten? Sie haben nur soviel Macht, wie ihnen gegeben wird, von den Leuten, die ihnen glauben. "Der Markt" richtet.

Elio Ambrosi
 
01
31.7.2011, 12:43
wenn GR AAA

hätte, könnte es sich selbst sanieren ohne EU-Millionen, weil die Schuldentilgung um 60% sinken würde

The Magic
00
31.7.2011, 16:09

mag sein, aber da krankt es doch am Gesamtsystem. Die Ratingagenturen sind nur ein Puzzlestein, aber nicht der Auslöser.
Bzw. wie sollte sich eine Ratingagenur verhalten, wenn einem Staat das Budgetdefizit aus dem Ruder läuft?

Klar, wenn ein Staat Probleme hat, kommt zusätzlich auch noch die höhere Zinslast dazu. Das machts dann noch schwerer.

Nur was wäre die Lösung? Eine öffentliche Ratingagentur gründen, die prinzipiell alles AAA ratet?
Wäre natürlich sinnlos. Also was wäre die Lösung? Ich weiß es nicht!

pago1
08
30.7.2011, 06:40
diese ratingagenturen sind doch nur ein machtinstrument

der spekulanten und der neoliberalen um die umverteilung von unten nach oben voran zu treiben

chrilly donninger1
02
29.7.2011, 22:36
20-Jährige US-Staatsanleihen

sind heute um 2% gestiegen (ETF TLT). 10-Jährige um 1.2% (IEF). Sie steigen schon seit 2 Wochen. Noch stärker als Gold.
Offensichtlich werden sie von den Märkten als sicherer Hafen gesehen und es wird Geld von den fallenden Aktien in Staatsanleihen umgeschaufelt.

Ich halte jeden Versuch das irgendwie rational zu erklären als vollkommen hoffnungslos. Man muss es einfach als Zeitreihe sehen. Es könnten auch die Sonnenflecken, die Anzahl der geraubten Handtaschen im Hyde-Park oder der Wasserstand des Nils sein.
Das Model spuckt allein auf Grund von statistischen Kriterien Prognosen aus. Ohne Kenntnis, ob es eine Staatsanleihe, IBM, der Goldpreis oder sonstwas ist.

maxxxl
02
31.7.2011, 08:01
Aber wenn wirklich so willkürlich bewertet wird, warum glaubt ihnen "der Markt"?

Weil der Markt aus dummen hysterischen Schafen besteht, die jemanden brauchen, der ihnen was vorblökt!

tomato tirol
00
31.7.2011, 10:08
und warum glaubt jemand an gott?

diese und ihre frage nach dem gläubigen markt ist nicht gerade besonders gut :-)
ratingagenturen sind die propheten derer, denen das goldene kalb ein gott ist

maxxxl
00
31.7.2011, 14:16

Wenn Sie genauer gelesen hätten: Die Frage war die meines Vorposters!

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
01
30.7.2011, 11:19

Ich seh's einfach als Wette darauf dass die Anleihen mit ein paar Tricks weiter bedient werden und bald doch das Schuldenlimit erhöht wird. Downside risk wenn man's aussitzen kann: wenig. Im Notfall monetarisiert die Fed die Schulden, bis sich das in Inflation umsetzt dauert etwas.

Nur nach den Maßstäben der Ratingagenturen müsste das AAA schon lang weg sein.

FinalDestinati0n
02
29.7.2011, 23:25

Natuerlich steigen sie.

Rationaler Versuch?

Ok.

Man weiss, dass die USA, wollen sie in Zukunft noch Geld leihen, keine, aber auch gar keine andere Wahl haben, die Anleihen zu bedienen.

Was die Anleihen noch sicherer macht, logischerweise.

Darum steigen sie rasant an, US-Anleihen duerften im Moment die sichersten Anleihen auf dem Planeten sein, ganz einfach weil sollten sie defaulten, die USA am Ende sind.

Not gonna happen.

Wenn das so weiter geht, kaufe ich mir am Montag noch ein paar dazu, ist ja gutes Geld.

Elio Ambrosi
 
01
30.7.2011, 10:20
das gilt genauso für die Griechen

es geht nicht ums Wollen, es geht ums Können. und die Psychologie des Marktes könnte sich auch plötzlich gegen die US-Amerikaner richten.

chrilly donninger1
03
30.7.2011, 10:03
Kann schon sein, dass viele so argumentieren

und es deswegen steigt.
Aber für mich gibt es kein "natürlich". All die scheinbar logischen Gesetze der Ökonomie und Finanzwelt gelten immer nur bis zum nächsten Krach.

FinalDestinati0n
41
29.7.2011, 21:34

Der Artikel ist vom ersten bis zum letzten Buchstaben Schwachsinn.

Bravo!

Utrilitn
01
31.7.2011, 05:18

Da befinden Sie sich ja mit Ihren Argumenten in derselben Liga.

chrilly donninger1
01
29.7.2011, 22:41
Wer von der Sache eine Ahnung hat

wird nicht relativ schlecht bezahlter Wirtschaftsjournalist. Als Hedge-Fond Manager konnte man zumindest bis vor kurzem wesentlich mehr verdienen.

Ursula Hörl
00
29.7.2011, 18:59
Mit welcher Wahrscheinlichkeit würden Sie heute in Europa ...

... USA-Staatsanleihen kaufen?

AAA ... auf jeden Fall
A ... eigenlich eine gute Anlage
C ... ich geh sowieso täglich ins Kasino
D ... auf gar keinen Fall

chrilly donninger1
01
29.7.2011, 22:49
Im Sibyl-Fond

haben wir im Moment 15% 10-Jährige und 10% 20-Jährige US-Staatsanleihen. Sie wurden aus rein statistischen Gründen ausgewählt. Sie haben sich in den letzten Tagen auch sehr gut entwickelt. Wir haben extra andere Titel abgestossen um im Falle eines kurzzeitigen Crashes weitere Anleihen günstig erwerben zu können. Es werden quasi ein paar extra Chips fürs "All-In" gehortet.
Das kann natürlich auch in die Hose gehen. Aber so ist halt das Börsespiel. No risk, no fun.

Der Sibyl-Fond verwaltet Geld eines Mitglieds der Königl. Familie in Abu-Dhabi. Ich mach die statistischen Modelle.

chrilly donninger1
01
29.7.2011, 23:05
Ergänzung

Es wäre russisches Roulette nur auf US-Staatsanleihen zu setzen. Aber wenns die Amis aufprackt steigt mit einiger Wahrscheinlichkeit der Yen und der Goldpreis.
D.h. man muss zur Absicherung vor einer etwaigen US-Pleite auch noch solche gegenläufigen Titel im Portfolio haben. Genau weiss man es aber nie. Im Crash ist alles anders. Im Crash vereinigen sich die Börsen dieser Welt und springen gemeinsam über die Klippe.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.