AUA im Kampf gegen Verluste und Emirates

28. Juli 2011, 17:46
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Das erste Halbjahr lief erwartungsgemäß schlecht. Der Verlust blieb nur unwesentlich unter dem Vorjahreswert

Wien - Die Lufthansa hat mit ihren Töchtern erhebliche Zores. Drei davon, AUA, British Midland (bmi) und Germanwings, schrieben im Halbjahr weiter rote Zahlen. Einzig die Swiss konnte den Gewinn auf 104 Mio. Euro verdoppeln. Wie der Standard bereits Ende Mai berichtete, wurde ein Halbjahresverlust von rund 60 Mio. Euro erwartet. Geworden sind es letztlich 63 Mio. Euro. Bei Germanwings lag das Minus bei 46 Mio., bmi präsentierte einen Verlust von 120 Mio. Euro.

Vom Ziel, heuer eine schwarze Null zu schreiben, hat sich die AUA gewissermaßen verabschiedet. Die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth: "Wenn wir das Ziel heuer nicht erreichen, dann nächstes Jahr. " Der Plan B, was passiert wenn, lautet laut Bierwirth: mehr Erlöse aus den Krisenregionen (Japan, Naher Osten) zu lukrieren. Man ist auch was die Treibstoffkosten anbelangt optimistisch für das zweite Halbjahr. Eine weitere Redimensionierung der Airline komme nicht infrage, andernfalls würde das Netz kollabieren, und das Drehkreuz Wien wäre in Gefahr. Tendenziell sei die AUA noch zu groß. In Summe wurden die Sonderlasten im ersten Halbjahr mit 100 Mio. beziffert. Resultierend aus den Krisenregionen Nahost/Japan, Flugsteuer, Spritpreis und Dollarkurs.

Angriff auf Emirates

Im August beginnen in Dubai auf Beamtenebene die Verhandlungen mit Emirates über eine Verlängerung der zusätzlichen Landerechte in Wien, die Österreich auf Druck der AUA nur begrenzt bis Ende Oktober gewährte. Seit März fliegt Emirates statt bisher siebenmal 13-mal die Woche von Dubai nach Wien. Dies will man abgesichert haben und eventuell auf 21 wöchentliche Flüge erweitern.

Bekäme Emirates zusätzliche Landerechte, sieht Bierwirth die Langstrecke der AUA nach Bangkok, Delhi und Peking gefährdet. Und an die Adresse des Ministeriums gerichtet: "Das wäre ja so, wie wenn die Fans der eigenen Mannschaft zum Gegner hielten."

Dem Standard liegt eine von Emirates in Auftrag gegebene Studie von con. os vor, wonach 2010 erstmals mehr Touristen aus dem Mittleren Osten Österreich besuchten als die Schweiz. Das sei ein Resultat der intensiven Marketingaktivitäten von Emirates und Österreich-Werbung. Weder die AUA noch der Lufthansa-Konzern hätten aus den zusätzlichen Emirates-Flügen auf der Strecke Dubai-Wien Nachteile zu erwarten. "Die durch Emirates generierten, zusätzlichen Incoming-Passagiere stellen insbesondere für die Inlandsflüge von Austrian Airlines potenzielle Passagiere dar", heißt es in der Studie.

Die Touristen aus dem Mittleren Osten geben durchschnittlich 450 Euro pro Tag für Unterkunft, Verpflegung, touristische Infrastruktur etc. in Österreich aus - bei 4,1 Tagen durchschnittlicher Aufenthaltsdauer. Im Vergleich dazu betragen die Ausgaben der übrigen ausländischen Touristen lediglich 280 Euro pro Tag, und ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei nur 2,4 Tagen. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29.7.2001)

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    Der AUA-Betriebsrat (Bord und Boden) hat für Freitag zu einer Pressekonferenz geladen. Thema: "Warnung vor einer weiteren Expansion von Emirates". Die Kosten der aggressiven Expansionspolitik gehen zulasten des Wirtschaftsstandortes Flughafen und der AUA-Beschäftigten. Im Bild: AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth.

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