Wohnbauforscher Oberhuber

"Kleinere Nutzflächen, geringere Wohnkosten"

Martin Putschögl, 28. Juli 2011, 17:29
  • Artikelbild
    foto: standard/newald

    Andreas Oberhuber sieht in den stark gestiegenen Vormerkungen bei heimischen gemeinnützigen Bauträgern "eher eine Bestätigung dafür, dass das Interesse am geförderten Wohnbau in Österreich traditionell sehr hoch ist".

Wohnbauforscher Andreas Oberhuber sieht einen notwendigen Trend zu kleineren Wohnungen, auch bei den Fördermodellen der Länder

derStandard.at: Der Wohnungsmangel in Österreich verschärft sich zusehends. Mit welchen Preissteigerungen müssen wir in den nächsten Jahren rechnen?

Andreas Oberhuber: Der Vorteil des heimischen Wohnbaufördersystems war immer, dass die Wohnungs- bzw. Mietpreise in den letzten Jahrzehnten wenig volatil waren, sie bewegten sich im Bereich der Inflation. Nun haben wir aber Entwicklungen, wo wir die Preissteigerungen aufgrund der Prognosen etwas über der Inflation sehen. In Wien wird beispielsweise mittelfristig mit Mietensteigerungen von jährlich vier Prozent zu rechnen sein.
Grundsätzlich waren die aktuellen Entwicklungen für uns absehbar. Wir weisen schon seit Jahren darauf hin, dass wir einer Wohnungsnot entgegensteuern, vor allem in den Ballungsräumen. Anhand verschiedener Bevölkerungsprognosen wissen wir, dass in den letzten Jahren um 3.000 bis 4.000 Wohnungen jährlich zu wenig neu gebaut wurden. Jetzt haben wir eine Situation, in der es - vor allem im geförderten, aber auch im frei finanzierten Segment, und natürlich auch aufgrund der Finanzkrise - ein Ausmaß an Baubewilligungen gibt, das den Bedarf mit Sicherheit nicht decken kann.

derStandard.at: Der aktuelle Wohnungsmangel lässt sich also auch vom frei finanzierten Sektor nicht "auffangen"?

Oberhuber: Nein, nicht alleine. Seit 2006/07 sehen wir einen ziemlichen Absturz bei der gesamten Wohnungsproduktion in Österreich. Bis 2008/09 konnte das noch durch die geförderte Wohnungsproduktion aufgefangen werden. Wenn jetzt aber die Fördermittel seitens der Länder zunehmend eingeschränkt werden, dann haben wir natürlich auch Einbußen im geförderten Segment. Der frei finanzierte Wohnbau ist sicher nicht imstande, das zu kompensieren.

derStandard.at: Sehen Sie in den so massiv gestiegenen Vormerkungen bei gemeinnützigen Bauträgern dennoch auch eine gewisse "Flucht" vom frei finanzierten Bereich in den geförderten Wohnbau, aus Kostengründen?

Oberhuber: Nein, das ist eher eine Bestätigung dafür, dass das Interesse am geförderten Wohnbau in Österreich traditionell sehr hoch ist. Man darf nicht vergessen, dass der geförderte Wohnbau rund 80 Prozent der gesamten Wohnungsbewilligungen abdeckt.
Die Frage nach der Leistbarkeit des Wohnraums ist sicherlich eine Kernfrage. Das österreichische System der Wohnbauförderung funktioniert seit Jahrzehnten ohne wesentlichen Systembruch, das stabil und vorhersehbar war und Planungssicherheit für die Wohnungswirtschaft bot. Durch die Abschaffung der Zweckzuschüsse bei der Wohnbauförderung im Rahmen des Finanzausgleichs 2008, andererseits aber auch durch verschiedene Finanzierungsprobleme, ausgelöst durch die Finanzkrise, sind die jährlichen Fertigstellungen auf unter 40.000 Wohneinheiten gerutscht.

derStandard.at: Wie ist die preisliche Situation im Wohnungseigentum?

Oberhuber: Im Eigentumsmarkt stellt sich die Situation etwas anders dar, hier hängt es natürlich davon ab, in welchem Ausmaß in Wohnungseigentum überhaupt investiert wurde, egal ob frei finanziert oder gefördert. In Wien wird es durchaus auch zu erheblichen Preissteigerungen kommen, der Trend der letzten Jahre wird sich also fortsetzen - als Konsequenz dessen, dass ursprüngliches Wohnungseigentum in Wien kaum gefördert wird, es also im Prinzip kaum neues Angebot gibt. Eine Lösung sollte hier der so genannte Miet-Kauf sein, also Mietwohnungen mit gesetzlicher Kaufoption. Allerdings hat dieses Modell bisher nicht wirklich funktioniert.

derStandard.at: Was könnte die Politik tun, um gegenzusteuern?

Oberhuber: Die Wiedereinführung der Zweckwidmung wäre aus meiner Sicht sinnvoll, in Kombination mit zum Teil schon erprobten, vielleicht auch neueren Finanzierungsinstrumenten am Kapitalmarkt. Ich denke da an das Instrument der Wohnbauanleihe, das man eventuell auch weiterentwickeln könnte, um günstiges Kapital zu beschaffen und auch zweckgebunden in den Wohnbau zu investieren.

derStandard.at: Welche Auswirkungen hat die Zunahme bei den Wohnungsgrößen und den Singlehaushalten?

Oberhuber: Das ist auch eine Entwicklung, die für uns nicht neu ist. Der Anstieg an Singlehaushalten ist auf verschiedene Umstände zurückzuführen: Die anhaltend hohen Scheidungsraten, in den Ballungsräumen auch Studenten, aber auch der Zuzug. Im Jahr 2001 gab es in Österreich etwa 3,35 Millionen Haushalte, 2010 waren es schon 3,62 Millionen, also um etwa 8,2 Prozent mehr. Bis 2030 wird die Zahl laut Statistik Austria auf 4,06 Millionen ansteigen, bis 2050 sogar auf 4,36 Millionen. Das sind dann gegenüber 2001 über 30 Prozent mehr. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte lag 2001 bei 1,12 Millionen, sie wird langfristig rund viermal so stark ansteigen wie die Zahl der Mehrpersonenhaushalte.
Ich denke also, dass die Nutzflächen der einzelnen Wohneinheiten sich tendenziell reduzieren werden, weil die Wohnungswirtschaft entsprechend vorgehen muss. Auch was die Fördermodelle der Länder betrifft gibt es schon entsprechende Anreizmodelle, indem etwa vorrangig durchschnittliche Wohnungsgrößen gefördert werden, also eher die 70- als die 130-m²-Wohnung, weil die echten Mehrpersonenhaushalte mit 5, 6 Personen unterdurchschnittlich repräsentiert sind. Es geht eher hin zu Kleinfamilien bzw. Singlehaushalte, die auch mit geringeren Nutzflächen auskommen. Mit niedrigeren Nutzflächen sind automatisch auch geringere Wohnkosten verbunden, und das wird vor allem in den Ballungszentren eine zunehmende Rolle spielen. (derStandard.at, 28.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 263
1 2 3 4 5 6
Inno Vision
 
00
Anstatt irrsinnig teurer Tunnels

sollte der soziale Wohnbau wieder aktiv werden.
Aber die Roten sind ja so konzeptlos und schwach.

Inno Vision
 
00
Chinesen können sich leichter Wohnraum

leisten als Österreicher.
So schaut´s aus.
Und Preise in Wien sind eine Frechheit.
Kein Wunder, wenn soviele Banken auch versuchen abzuzocken.
Neben den anderen Haien wimmelt es nur so von Schädlingen.
Traurig, dass die Einkommen so hinter den Preiserhöhungen zurückbleiben und man schon überdurchschnittlich gut und sicher angestellt sein muß, um sich selber, ohne Erbe ein schönes Zuhause leisten zu können.

anyuser
 
00
nieder mit den miethaien

wie Altento, Chocoholic & co

gierige grindvögel

anyuser
 
00

wo sind meine roten stricherl hin, seit wann kann man die im nachhinein entfernen ?

das forum ist gerigged

Wolfgang Lederbauer1
00
31.7.2011, 09:22
...dass die Nutzflächen der einzelnen Wohneinheiten sich tendenziell reduzieren werden, weil die Wohnungswirtschaft entsprechend vorgehen muss...Mit niedrigeren Nutzflächen sind automatisch auch geringere Wohnkosten verbunden...

Wäre es nicht an der Zeit, völlig neue Konzepte für dem mehrgeschoßigen Wohnbau und eine langfristige Finanzierung zu erarbeiten?

Wir arbeiten daran. Wahrscheinlich sind die Chancen hiefür im Auslang größer. Man wird sehen.

http://so-for-humanity.com2000.at

peter schlesinger
00
Herr Lederbauer, wäre es nicht an der Zeit,

die Einkommen jener zu überprüfen die im geförderten Wohnbau wohnen und durch den Anstieg ihrer Einkommen gar nicht mehr zu diesen Mietpreisen wohnen sollten?
Wie kann es sei daß ein LH nur eine Miete von € 4,-/m2 bezahlt? daß ein Minister jahrzehnte lang im Gemeindebau wohnt und nur die geförderte Miete bezahlt? daß ein Geschäftsmann mit EK pa €300.000 gefördert wird?
würden diese Personen um eine Förderung ansuchen, würde man sie hoffentlich hochkantig hinausweisen, hier gäbe es genug 'Einkommen' um wirklich Bedürftige zu unterstützen, doch solange hier nicht eingegriffen wird, so lange wird man die billige Gemeindewohnung für Kinder u. Enkelkinder halten und der Steuerzahler wird immer neu zur Kasse gebeten.

Wolfgang Lederbauer1
00
... wäre es nicht an der Zeit...

Es wäre sicher an der Zeit, vielfältige grundsätzliche Überlegungen im Bereich des Wohnbaus anzustellen.

Dazu gehört ua auch die Relation Einkommen - Mieten im geförderten Wohnbau.

Wir konzipieren derzeit völlig neue Lösungen und haben diese im Ausland zur Diskussion gestellt.

Wir nehmen an, dass diese Lösungen in einigen Jahren oder Jahrzehnten in Österreich zur Kenntnis genommen werden.

Mal sehen.

http://so-for-humanity.com2000.at

Chocoholic
10
Miete Einkommen. Gut. dann dumpen wir halt selbst die Lohnpreise,

weil wenn ich um 200 Euro mehr verdien, muss ich ausziehen....

hanslblasta
00
31.7.2011, 08:43
die Ballungsräume zu "entballen"

wird nicht in Betracht gezogen; klarerweise gewinnen die urbanen Gebiete an Attraktivität, wenn zgl die ländlichen Gegenden infrastrukturell immer weiter ausgedünnt werden ...

José Atento
30
29.7.2011, 20:59
?

<Man darf nicht vergessen, dass der geförderte Wohnbau rund 80 Prozent der gesamten Wohnungsbewilligungen abdeckt.>

Was heißt das? Wieso muss ich eine Wohnung bewilligen, wenn ich sie mieten möchte?

Der Trend geht in Richtung japanischer Verhältnisse. Wohnungen so klein wie Hundehütten.
Das Schuldendilemma zeigt auch hier siene Spuren.
Der Trend zum Singlehaushalt wird aber auch eine Wende erleben.

Heavyweather
00
31.7.2011, 17:17

Meine Wohnungen/Häuser werden immer größer.
Aber wer brauch schon so viel Platz.

peter schlesinger
00
31.7.2011, 15:55
Wieso muss ich eine Wohnung bewilligen, wenn ich sie mieten möchte

ist es nicht so daß jeder Bau genehmigt werden muß?, sonst könnte doch jeder bauen wo er grad will.

José Atento
13

Ja, so war das gemeint.
Aber extrem arg ist, dass schon 80% gefördert werden! Die Anhängigkeit vom Staat ist im Wohnbau enorm hoch.
Die Glücklichen zahlen (wenig) Steuern und holen sich diese in Form von hohen Förderungen wieder zurück.

Ich zahle hohe Steuern, habe ein altes Haus, saniere es und baue einiges um. Als Privater (Förderung gibt es da keine) ist man ganz schön der Dumme. Die Kosten gehen wegen dieser Förderungen massiv in die Höhe. Aber was kümmert das die Politiker. Die erfreuen sich an der allgemeinen Umverteilung. Dann schreien die Linken unaufhörlich, dass man den "Reichen" doch mehr wegnehmen müsste?

Audimax
01
30.7.2011, 21:34
Der Trend

zeigt, dass wir alle über unsere Verhältnisse leben.

Karl Bergerle
10
29.7.2011, 15:29
die ARMUT von 2011

in Salzburg will man keine 1-Zimmer-Wohnungen mehr bauen, es gibt zu wenig Nachfragen, also mindestens eine 2-Zimmer-Wohnung muß her.

Also wenn die Armut so groß ist, dann sollte man noch zuwarten bis gewisse Anspruchsteller froh sein werden, wenn sie eine Schlafstelle von 20 - 6 h angeboten bekommen.

José Atento
00
29.7.2011, 21:01

Geld spielt eigentlich keine Rolle. Die Kredite sind noch immer saubillig. Besonders FW- Kredite in CHF.

Daher wird die Nachfrage hoch bleiben. Zumindest bis zur nächsten Finanzkrise.

Herr Plumm
00
29.7.2011, 12:58

wird beispielsweise mittelfristig mit Mietensteigerungen von jährlich vier Prozent zu rechnen sein.

komisch. das hatte ich in meinem fall schon die letzten jahre...es waren immer so 3-4% steigerung...

gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen
00
29.7.2011, 13:17

die haben keine anderen Lehrbücher und auch keine Intelligenten Leute die eine andere Richtung vorgeben können.

Das Rad - welches kein Rad ist - eiert nach wie vor

Sepp Maier
00
29.7.2011, 13:15

Hauptmietzins od. Betriebskosten?

danillal
33
29.7.2011, 11:56
der bequeme ösi...

gute lage mit perfekter infrastruktur, (dh. supermarkt, schule und arzt in max 5 minuten fußweg), tolle größe, gute qualität - und das natürlich günstig und wenn geht mit förderung.
wie wäre es mit bissl anstrengen für komfort? "normale" häuser sind auch für leistbare preise möglich, aber wenn ALLES stimmen muss, dann wird es schwierig mit günstig...
aber der österreicher kann ja nur raunzen...

anyuser
 
00
es gibt keine "ösis"

du piefke

Heavyweather
00
31.7.2011, 17:19

Was ist daran falsch? Das Problem ist einfach die Verkehrspolitik. Wir haben zu viele Autos, zu viele Straßen und zu wenig lokale Infrastruktur in Gehreichweite.

http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd... 6a312.aspx

José Atento
32
29.7.2011, 21:06
Der typische Österreicher

läuft zum Staat und erwartet sich dann, dass er eine optimale Wohnung bekommt, die auch noch billig ist.

Er kommt kaum auf die Idee flexibel zu sein und vielleicht nicht so ganz zentral und mit Fernblick auf den Stephansdom zu wohnen.

Dann beschwert er sich noch, warum die Abgaben und Steuern SO hoch sind.
Die "Dummen" sind in Wirklichkeit diejenigen, die niemals in ihrem Leben eine Wohnbauförderung in Anspruch nehmen. Ich gehöre auch dazu.

peter schlesinger
01
31.7.2011, 16:03
typisch österreichische Schmarotzer

Einkommen ist nicht gleich Einkommen - als Steuerzahler muß ich jährlich mein Einkommen dem Finanzamt melden, als Bewohner einer geförderten Wohnung mit Billigstmiete, brauche ich mein Einkommen nur ein einziges Mal vorzeigen, auch wenn man nach Jahren ein Spitzengehalt bezieht, bleibt man weiterhin unterstützungswürdig - und der Staat, die Länder und Gemeinden schauen zu und wundern sich, warum sie viel an Sozialleistungen auszugeben haben. Nur bei den Wohnungsmieten kann man die Sozialleistungen um 30% reduzieren.

José Atento
10
Richtig, dieses verkommene System bringt die hohe Staatsverschuldung.

Aber niemand will daran etwas ändern. Wen wundert das?
Die großten Profiteure sind Politiker und die Bürger, die all diese Leistungen in Anspruch nehmen dürfen.

Förderungen gehören generell weg, denn damit kaufen sich Politiker ihre Stimmen. In der Regel wird dadurch auch die Struktur verschlechtert (positive Rückkoppelung!).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 263
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.