Klimaschutz

EU-Studien stellen Agro­treibstoffe massiv in Frage

Leser-Kommentar | 28. Juli 2011, 22:18

Agrotreibstoffe sind Studien der EU-Kommission zufolge deutlich weniger klimafreundlich als behauptet. Wann wird Minister Berlakovich aufwachen?

Sind Diesel und Sprit aus Pflanzen eine Wunderwaffe im Kampf gegen den Klimawandel? Das behauptet zumindest die Agroindustrie, die mit Treibstoffen aus Mais, Soja, Palmöl, Raps und Zuckerrohr ein profitables Geschäftsfeld entdeckt hat. Unterstützt wird sie dabei von der Politik - besonders auch in Österreich. Hierzulande werden sogar mehr Agrotreibstoffe beigemengt als von der Europäischen Union als Ziel vorgegeben. Doch nun könnten Studien im Auftrag der EU-Kommission weitreichende Folgen haben.

Fatale Klimabilanz

Die via Reuters durchgesickerten Studien belegen, dass Agrotreibstoffe deutlich weniger klimafreundlich sind als angenommen, was das Aus für die milliardenschwere Industrie bedeuten könnte. Nach den vorliegenden Untersuchungen radieren die indirekten negativen Effekte den Großteil der Vorteile aus. Die Klima-Ziele der EU könnten demnach indirekt zur einmaligen Freisetzung von rund 1000 Megatonnen Kohlenstoffdioxid führen - mehr als doppelt so viel, wie in Deutschland jährlich in die Atmosphäre gelangt. Nach den Berechnungen der EU setzt Palmöl 105 Gramm CO2 pro Megajoule Energie frei, Soja 103 Gramm und Raps 95 Gramm. Fossiler Diesel dagegen nur 84 Gramm.

Agrosprit macht Hunger

Abgesehen vom fragwürdigen Nutzen für den Klimaschutz sind Agrotreibstoffe nachweislich für den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise mitverantwortlich. Die ohnehin prekäre Ernährungslage in vielen Ländern wird weiter verschärft; bereits heute hungern über eine Milliarde Menschen. Durch die ständige Ausweitung der Anbauflächen für Zuckerror, Soja oder Palmöl für den Tank verlieren zudem viele Kleinbauern in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlage. Die Agroindustrie hat sich bereits mehrere Millionen Hektar Land in Afrika, Lateinamerika und Asien "angeeignet" und damit der lokalen Bevölkerung den ausreichenden Zugang zu Land und Wasser entzogen.

Die Befürworter der Agrotreibstoffe, wie etwa Umweltminister Nikolaus Berlakovich, haben jedenfalls Erklärungsbedarf. Anstatt gebetsmühlenartig die angeblichen Vorzüge von Agrotreibstoffen zu wiederholen, ist es längst an der Zeit, die wissenschaftlichen Fakten anzuerkennen und die völlig fehlgeleitete Agrotreibstoffpolitik zu beenden. Die geplante Ausweitung der Beimengung von Agrosprit und -diesel ist inakzeptabel; sie muss vielmehr auf ein sozial und ökologisch nachhaltiges Niveau gesenkt werden. Für wirksamen Klimaschutz müssen etwa energiesparende Transportsysteme und Verkehrskonzepte gefördert werden, nicht aber Alibimaßnahmen, die nur der Industrie zugute kommen. (Leser-Kommentar, Mag. Christian Köpf, derStandard.at, 29.07.2011)

Autor

Mag. Christian Köpf ist Mitarbeiter bei Welthaus Diözese Graz-Seckau

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
Gerald Nessmann
31
29.7.2011, 17:43
Und man ist ueberrascht,

dass eine weitere Linke Menschheitskontrollinitiative klaeglich an der Realitaet gescheitert ist und darueberhinaus etlich Menschenleben am kollektiven Gewissen hat.

Und wo sind die Anklagen und Richter in diesem Fall? Hier geht es nicht um 75 Menschenleben die durch einen Irren ausgeloescht wurden. Hier geht es um Tausende oder gar Millionen die klaeglichst verhungert sind weil ein paar ideologische Knallkoepfe aus Essen Treibstoff gemacht haben.

Aber der internationale Gerichtshof (ein weiteres Geschoepf dieser Ideologie) sieht darin kein Problem ...

F.B.R.
00
Naja, wenn die Raiffeisen das so will,

dann kommt es auch so.

Und warum die Raiffeisen eine "Linke Menschheitskontrollinitiative" sein soll - dass müssens erst mal durchdenken und erklären ...

biodiesel - das moderne lampenpetroleum
00

Auf die Anklage könnens lange warten.

Die oberen Positionen sind durch die Unternehmen besetzt, die davon profitieren wollten. Nicht nur dass sie davon profitieren, über Gen-Saatgut den Anbau zu bestimmen, der Profit war ihnen nicht gut genug. Jetzt wollten diese auch noch den Energiemarkt kontrollieren.

Geht es durch, wäre das eine Katastrophe. Energieabhängigkeit auf Ewigkeit, da man Bauern, die freies Saatgut nehmen, in Grund und Boden klagen wird.

Kann man live in den USA sehen. Sowohl der Nahrungsmittelsbereich wie auch die Biotreibstoffe sind unter Kontrolle von Unternehmen wie Monsanto und niemand stört es. Gentechnikfreies Saatgut wird bald mehr wert als Gold.

Anton Friesl
00
29.7.2011, 17:38
Biotreibstoffproduktion in Österreich verursacht keinen Hunger.,.

Bei uns können dadurch einfach Brachflächen zur Verringerung von Mineralölimporten eingesetzt werden.

F.B.R.
00
Brachflächen

gibts in Österreich nicht, dafür sorgen EU-, Bundes-, Landes- und Gemeindeagrarförderungen.

luke skywalker
13
29.7.2011, 17:16
Na dann auf in die nächste Runde zur Hetzte gegen alle Ölalternativen

- Dann lassma halt wieder Unkraut bei uns auf den Äckern wachsen wie schon Mitte der 90er
- Die Überschüsse die es trotzdem gibt, verschenk man an die 3.Welt und ruinieren dort nachhaltig deren Landwirtschaft
- da 80% in der 3. Welt von der Ldw. leben, würden auch 80% der Menschen dort von Preisanstiegen profitieren bei Nahrungsmittel
- ......

Aber da glaubt das Gutmenschentum ohne nachzudenken an die einseitige Hetze der Ölindustrie gegen alle denkbaren Alternativen.

Einseitig genug betrachtet kann man jede Alternative zu Öl so schlechtreden, dass am Ende wieder nur Öl übrigtbleibt.

Die Ölindustrie dankt für diese Naivität.

Mops
21
29.7.2011, 19:47
Öl ist nicht die Lösung aber Biotreibstoff schon gar

nicht. Erdöl ist zum Verzehr nicht wirklich geeignet. Die CO2 Lüge Erdöl erzeugt CO2 das vor Millionen Jahren eingelagert wurde, Biotreibstoff erzeugt CO2 das vor einem 1/2 Jahr gespeichert wurde. Aber CO2 bleibt CO2 ob es 70 Mio Jahre oder erst 1 Jahr alt ist. Das CO2 das durch die Biotreibstoff verbrennung entsteht war vorher gespeichert sprich nicht in der Atmosphäre gleiches gilt für Erdöl. Biosprit ist nicht CO2 neutral und mit Hackschnitzeln zu heizen ist auch kein Alternative den Holz braucht 20 - 30 Jahre um wieder Nachzuwachsen und genug Wälder werden nur für die Hackschnitzel Erzeugung gerodet, da sie mit der Produktion durch Abfall nicht nachkommen. Es muss endlich eine Alternative zu den bekannten Brennstoffen gefunden werden!

Heavyweather
01
30.7.2011, 22:01

http://www.youtube.com/watch?fea... TR0Y#at=65

Warum sollte Biotreibstoff nicht Teil der Lösung sein?
Kann man auch aus Algen machen die weder in Konkurrenz mit Lebensmitteln noch mit Lebensraum stehen.
Technologisch gesehen können wir schon lange alles auf Erneuerbare Energien umstellen.
Der Zuwachs an Biomasse in Österreich ist höher als der Verbrauch...was willst du mit Nutzwald machen in Österreich? Den Eigentümern die Nutzung verbieten? Was zahlst du pro Tonne (kurzfristig) gespeichertem CO2?

Apocalypse
00
29.7.2011, 17:59

Importsperre von gentechnisch veränderten Futtermitteln würde reichen. Da geht nix ins Ausland und Ö/Europa ist der Nahrungssouveränität näher, teuer bleibts halt und was die Tiere nicht mögen ins Biogas. Ölimporteur sind wir übrigens auch, also kein Grund für Biodiesel.

Nessus
20
29.7.2011, 16:38
"Sinnvoll" ist doch kein Kriterium

Elektroautos sind durch die hohen Verluste und aufwendigere Herstellung ebenfalls umweltbelastender als normale Verbrennungsmotor-Autos, aber sie sind profitabel für Autokonzerne, die durch gute Lobbyarbeit gesetzliche Förderungen lukerieren können.

Es kommt, wie in der Politik, nicht darauf an, was vernünftig ist, sondern, was man den Leuten als vernünftig einreden kann.

Heavyweather
00
30.7.2011, 22:11

Frei erfunden...
Wo hast du die Vergleiche über die Energetische Bilanz?
Die Herstellung ist ein Bruchteil der Belastung durch den Verbrauch...
Ein Diesel mit 300.000km hat ca. 17-24.000l Sprit verbrannt.
Schau was ein Hersteller im Jahr an CO2 produziert pro Auto. (hier BMW)
http://www.bmwgroup.com/bmwgroup_... zahlen.pdf
und jetzt überlege die Differenz zwischen dem Mehraufwand für ein E-Auto und die Differenz an Schadstoffen zwischen Diesel und Elektrizität.
Die gesundheitlichen Folgekosten durch Feinstaub und Abgase gar nicht eingerechnet...
Wer hat jetzt die bessere Bilanz?

Geh!danke
22
29.7.2011, 14:35
Schweizer Studien stellen auch

Pelletsheizungen massiv in Frage, weil sie außerordentlich hohe Feinstaubanteile produzieren.

-blos so-
00
29.7.2011, 17:14
bla bla bla

bin gespannt wann das andere Posting erscheint...

jede auf Verbrennung basierende Maschine erzeugt Feinstaub...

jede Maschine hat durch Abrieb Feinstaub erzeugt...

Take your protein pills and put your helmet on
00
29.7.2011, 14:32

was für eine überraschung...

00nix
11
29.7.2011, 14:06

in Österreich wird ausschließlich B und C Getreide zu Ethanol verarbeitet, das man für die Nahrungsmittelproduktion nicht einmal verwenden kann und das meiste davon ist nach wie vor heimische (Über)Produktion.

Beim Diesel schauts natürlich wieder anders aus...

Dietrich v. Fürstenberg
21
29.7.2011, 12:24

Die Menschheit hat noch für Jahrzehnte (wenn nicht sogar für Jahrhunderte) genügend Erdöl, um den Energiebedarf zu decken, danach - bzw. daneben kann man umwelt- und CO2 freundlich de facto unbegrenzt Energie aus Atomkraft gewinnen.

Es gibt keinen einzigen Grund (ausser den, dass damit die Wünsche der sp1nnaten gruen und inInnen befriedigt werden), Lebensmittel dafür zu verfeuern.

oas
00
29.7.2011, 15:49
Ihro Gnaden!

Das mit der fehlenden Umweltverschmutzung - haben Ihro Gesandter das den ah. Kreisen in Japan schon zukommen lassen?

Carlito336
42
29.7.2011, 12:15
Agrotreibstoffe sind ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Jean Ziegler),

sind verantwortlich für den Hunger von Millionen.
Seit Jahren ist das bekannt.
Unser Landwirtschaftsminister ist zwar in seiner Materie nicht grad bewandert, doch diese Info kann nciht an ihm vorbei gegangen sein.
Aber die Anordnungen kommen doch von Raiffeisen... Die Investitionen der Agrana müssen sich rechnen..

walterbasler
01
29.7.2011, 11:31
""Wann wird Minister Berlakovich aufwachen?""

Der schläft nicht, der ist immer so !

Pullutbay
04
29.7.2011, 11:27
differenzierungen, bitte

Ich waere sehr dankbar wenn diese Studien endlich einmal die Agrotreibstoffe differenzieren wuerden zwischen Zuckerrohr und all den anderen Treibstoffe, weil die Energiebilanz bei Zuckerrohr einfach unschlagbar ist.

Ausserdem wuerde ich gerne einmal eine differenziertere Anschauung habe, wo solche Treibstoffe angebaut werden und was fuer Auswirkung dies hat. Der "Kleinbauer", der da erwaehnt wird, schaut in Brasilien, Indonesien oder Kongo ganz anders aus, Landeigentumssituationen sind anders und die Monitoringkapazitaet der Regierung sind wichtige Elemente bevor pauschal von Flaechenverengung und Regenwaldabholzung gesprochen werden kann.

edurkheim
23
29.7.2011, 11:09
Agro geht also nicht,

Wind acuh nur am Meer weil sonst braucht man zu viele Leitungen bzw müsste man die Berge zufplastern

Solar regnets zu viel ist daher extrem unwirtschaftlich

Wasser ist ein No-Go für die Grünen, Atom sowieso

Also bleibt nur noch Energiesparen, aber das geht auch nicht weil ein moderner Grüner schon ohne iPhone verloren ist.

luke skywalker
21
29.7.2011, 17:09
Das einzige was beim mitteleuropäischem Gutmenschentum noch vertretbar wäre

ist kolletiver Massenselbstmord.

Weil alle anderen Alternativen scheiden eben aus von Ihnen genannten Gründen kategorisch aus.

schmeck.mein.smegma
10
29.7.2011, 10:18
wir retten die welt, alter wein in neuen schläuchen

da berichteten uns die unerschrocken unerbittlich uneigennützig (haha) kämpfer für die umwelt noch vor einigen jahren wie groß doch das potential dieser technologie wäre. aua

der widerstand gegen klein-wasser-kraftwerke steigt, von greenpeace studien bis zum österr. dachverband für umwelt. dabei erklärte man mir im forum noch vor kurzem hainburg wäre ein fehler weil klein und lokal müßte man mit wasser strom erzeugen.

die benötigten stromkabel für den umstieg seien kein problem, unter die erde damit, da seien sogar weniger verluste zu erwarten. und wenn die kosten auf jeden haushalt abgewälzt werden, die ersten unkalkulierten störungen behoben werden müssen und die trassen aufgrund von erwärmung versteppt sind, haben es alle vorher ..

princess of austria
22
29.7.2011, 09:45
Also doch. Die Öllobby hat auch den Standard fest im Griff

Ein Hinweis auf den EV1 kommt einfach nicht durch.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.