Politik und Justiz

Der unerhörte Fall des Jovan Divjak

Leser-Kommentar | 29. Juli 2011, 09:45

Es ist an der Zeit: Jovan Divjak sollte endlich nach Hause dürfen. Seit fünf Monaten darf er Wien nicht verlassen und nach Sarajewo zurückkehren

Wie auch im letzten Jahr mit Ejup Ganic geschehen, missbrauchen serbische Nationalisten mittels grundloser Anschuldigungen gegen einen unschuldigen Menschen das internationale Rechtssystem zur Verdunklung ihrer eigenen brutalen Geschichte. Im fast identischen Fall Ganic beschied der britische Richter im letzten Jahr entsprechend, dass die kriminellen Anschuldigen haltlos sind und die Beweislage darauf hindeutet, dass das Verhalten des serbischen Staatsanwalts politisch motiviert ist.

Im Gegensatz zu den echten Kriegsverbrechern Ratko Mladic und Goran Hadzik, die jahrelang in Serbien untergetaucht waren und jetzt auf ihr Verfahren vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag warten, ist Herr Divjak ein pensionierter General der bosnischen Armee, der gekämpft hat, um Menschenleben zu retten und Sarajewo vor einer brutalen Besetzung durch serbische Kräfte zu schützen. Er hat sich seitdem jahrelang dafür eingesetzt, das Leben der Bürger Bosniens zu verbessern - egal ob sie Bosnier, Kroaten oder Serben sind.

Dennoch wurde er aufgrund eines serbischen Haftbefehls im März am Wiener Flughafen festgenommen. Seitdem darf Herr Divjak Österreich nicht verlassen, obwohl die österreichischen Behörden schon mehrmals haben verlauten lassen, dass sie nicht beabsichtigten, ihn zu Zwecken eines serbischen Schauprozesses auszuliefern. In Belgrad hat er keine Chance auf ein faires Verfahren - und die serbischen Behörden haben keine Absicht, ihm ein solches zukommen zu lassen.

Es reicht langsam. Die österreichischen Gerichte müssen - so wie es die Londoner Gerichte im letzten Jahr bei ähnlichen Anschuldigungen gegen Herrn Ganic getan haben - ihre Unabhängigkeit mutig beweisen, indem sie die serbischen Anschuldigungen ein für allemal zurückweisen und Herrn Divjak nach Hause gehen lassen. Internationale Gerichte sind den serbischen Anschuldigungen gegen Herrn Divjak schon nachgegangen und haben sie für haltlos befunden. Im Gegenteil, nachrichtliche Videoaufnahmen zeigen, wie er verzweifelt versucht, genau die Tötungen zu verhindern, die Serbien ihm vorwirft, angeordnet zu haben.

Serbien allerdings lässt nicht locker. Herr Divjak ist ein ethnischer Serbe, der Bosnien gegen die serbische Aggression verteidigt hat. Seit seiner Pensionierung vom Militärdienst hat sich Herr Divjak in Sarajewo niedergelassen und sich dort unermüdlich für den Wiederaufbau der Stadt und die Zukunft ihrer Kinder eingesetzt. In Bosnien ist er ein Held, aber viele Serben haben Herrn Divjak seine angeblichen "Fehltritte" nie verziehen.

Der serbische Haftbefehl hat sowohl nationale als auch internationale politische Hintergründe. Innerhalb Serbiens würden der Belgrader Staatsanwalt und die Regierung gerne einen Schauprozess gegen Herrn Divjak veranstalten, um von den echten Fällen von serbischen Kriegsverbrechen, die jetzt in Den Haag verhandelt werden, abzulenken. International wird Bosnien unter Druck gesetzt, eine Vereinbarung mit Serbien zu unterschreiben, die zwar einerseits den Fall Divjak beenden, aber andererseits eine Amnestie für Tausende echter Kriegsverbrecher auf der serbischen Seite bedeuten würde. Tatsache ist, dass Serbien die Anschuldigungen gegen Herrn Divjak trotz einhelliger Proteste aus weiten Teilen Europas teilweise gerade deshalb weiter verfolgt, um diesen Teufelspakt durchzusetzen.

Politik hat im Rechtswesen nichts zu suchen und die österreichischen Gerichte dürfen nicht zulassen, dass sie zu Komplizen in diesem widerlichen Spiel gemacht werden. Gerichte sind dazu da, Recht durchzusetzen, besonders da, wo Politik zu Unrecht führen würde.

Die Welt hat schon zu lange vor der Plünderung von Sarajewo die Augen verschlossen. Sie darf jetzt nicht dem Mann ihren Rücken kehren, der geholfen hat, die Stadt vor massenhaft verübten Gräueltaten zu schützen und der jetzt bei ihrem Wiederaufbau hilft.

Es ist an der Zeit: Jovan Divjak sollte endlich nach Hause dürfen. (Diana Jenkins, derStandard.at, 29.07.2011)

Autorin

Diana Jenkins ist Gründerin der Sanela Diana Jenkins Foundation, einer internationalen humanitären Hilfsorganisation. Sie etablierte das Sanela Diana Jenkins Human Rights Project an der UCLA Law School, welches sich für die Förderung von Angelegenheiten des internationalen Rechts einsetzt.

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18 Postings
Waach Birn
00
Dnevni avaz oder wo bin ich da

Net bös sein zuerst das und dann der Kommentar von Lunacek. Jetzt fehlt mir nur mehr ein Kommentar von Dodik oder Seselj....
Total überemotionalisiert und sinnlos der Kommentar ich dachte der Standard ist ein Qualitätsmedium und nicht die Leserbriefseite der Krone...

cooldown
00
29.7.2011, 22:43
Oh, mein Gott ...

.. oder wer auch immer, gebt mir die Hoffnung, daß ich diesem Gefühlsausbruch nicht auch im print-standard begegne.

themistokles
01
29.7.2011, 17:15

Die Verfasserin dieses Kommentars schreibt "Politik hat im Rechtswesen nichts zu suchen" und schreibt erst recht politisch motiviert gegen alles Serbische.

Sie schreibt nur von der serb. Aggression und von serb. Kriegsverbrechern und verharmlost auch noch die Morde, welche den beiden Herrn Ganic und Divjak zuzuschreiben sind.
Seit 1991 lese ich nur noch solche einseitigen und verdrehten Darstellungen von Geschichte.

dahofawors
00
29.7.2011, 15:58
wenn das keine gezielten aktionen des österr. aussenministeriums sind,

um ihre unfähigkeit in zusammenhang mit der justiz zu verschleiern, dann fress ich den sprichwörtlichen besen

Harald Herrmann
00
29.7.2011, 13:27
Schon erledigt...

zugegebenermaßen viel zu spät: nach seiner heutigen Enthaftung ist Divjak schon auf dem Weg nach Bosnien und wird heute abend in Sarajewo erwartet.

Markus1975
00
29.7.2011, 11:59
Überraschend finde ich das nict

da wird sich halt niemand für den Herren eingestzt haben, so wie es beim Golowtatov der Fall war ... den haben wir ja trotz Haft Vermerk der Schwechater Polizei einfch weiterreisen lassen ...

Sorglos Monteurstolz
24
29.7.2011, 11:59
Ein unerhört unsachlicher Kommentar

Ungeachtet dessen, wie man zum Fall Divjak steht:

Erstens: Es ist nicht Aufgabe der österreichischen Gerichte, irgendwelche "Anschuldigungen zurückzuweisen". Es ist auch Unsinn, dass eine Zurückweisung ein Beweis der Unabhängigkeit der österreichischen Gerichte wäre.

Zweitens: Wie begründet die Autorin die Behauptung, dass es in Serbien kein faires Verfahren geben wird, es sich um einen Schauprozess handeln wird, um von serbischen Kriegsverbrechen abzulenken? Das sind reine Behauptungen, die angesichts der jüngsten Auslieferungen jeglicher Grundlage entbehren.

Drittens: Wie begründet die Autorin, dass es sich bei dem bosnisch-serbischen Abkommen um einen "Teufelspakt" handelt?

Es ist an der Zeit für sachlichere Beiträge!

Ado Wien
 
00
29.7.2011, 13:07

Erstens Gericht muss klären ob es um politik handelt oder ob es ernste beweisse gibt. In diesen fall nur Vermutungen, keine Beweise, was nähe legt das es um Politisches prozes geht.
Zweitens: War Serbien im krieg mit Bosnien oder nicht? Wenn nicht was wollen die? Bosnien ist ein Statt und hat eigene Gerichte.
Dritten:Begründung ist das mit diesen Pakt tausende echte Kriegsverbrecher nicht vor ein Gericht kommen. Wie soll man so was nennen?

daniel joksimovic
00
29.7.2011, 15:01

orf in den 90-er; 5000 mudzahedinnen warten auf befehl serbische armee anzugreifen; wurde in einem serb. dorf aufgenommen mit den österr. reportern; vor dem krig 59-41 % auf serbische seite (landbesitz); heute????? 49-51%; ist sarajewo nicht etnisch moslemisch???? war sie vor dem krieg??? bih sind nicht moslemen sondern serben, croaten un moslemen!!!!und divljak gehört vor gericht, den haag; die osterreicher sind bekannt als beschutzer der nazisten

docNukem
00
29.7.2011, 16:51
Die kleinen Massaker der Serbischen Tschetniks gab es nicht?

oder warst du vielleicht selber bei diesen Mordbrennern? hört sich fast so an. Zumindest Argumentierst du mit den selben Argumenten wie diese Mordbrenner.

HisHasH
00
29.7.2011, 14:38

zu erstens:
im bericht steht: "Politik hat im Rechtswesen nichts zu suchen und die österreichischen Gerichte dürfen nicht zulassen, dass sie zu Komplizen in diesem widerlichen Spiel gemacht werden."
rechtlich ist divjak als kommandeur der territorialeinheiten unbestritten verantwortlich für kriegsverbrechen, begangen durch seine truppen an abziehenden soldaten der JNA. dass "nachrichtliche Videoaufnahmen zeigen, wie er verzweifelt versucht, genau die Tötungen zu verhindern", sollte vom gericht in belgrad richtig gewürdigt und die Gesetze korrekt angewendet werden.

zu zweitens:
pinochet beging seine verfehlungen in chile und
wurde dafür in spanien zur rechenschaft gezogen, obwohl auch chile ein staat mit ordentlichen gerichten ist. und?
.

Der_Klingone
01
29.7.2011, 12:21

Der ganze Beitrag ist sehr einseitig geschrieben und spart auch nicht mit blumigen Schuldzuweisungen etc.

Angesichts der Autorin aber auch kein Zufall, da es sich ja um eine - zu dem Thema offensichtlich aufgewühlte - Bosniakin handelt.

Com Pirx
00
29.7.2011, 11:44

Der Moment ist gut gewählt. Respekt.

Kohlhaas1
01
29.7.2011, 11:26
DEn Kampf um Menschenleben zu retten behauptet JEDER Beteiligte !

Aber klar der Standard springt wie in anderen Fällen auch auf die Propaganda auf.

Der_Klingone
03
29.7.2011, 10:25
Also ab hier:

"Wie auch im letzten Jahr mit Ejup Ganic geschehen, missbrauchen serbische Nationalisten mittels grundloser Anschuldigungen gegen einen unschuldigen Menschen das internationale Rechtssystem zur Verdunklung ihrer eigenen brutalen Geschichte."

... wollte ich eigentlich gar nicht mehr weiterlesen. Tat es aber doch. Wieso gibt der Standard jemandem Raum, der derart undifferenziert und subjektiv schreibt? Die Dame bezieht ja offensichtlichst ganz klar Position (soll mir ja auch recht sein), bedient sich dabei aber einer regelrecht hetzerischen Wortwahl (der "Beobachter" lässt grüssen - was mir wiederum nicht so recht ist).

Bei aller Liebe für journalistische Freiheit bzw. Meinungsfreiheit, aber so etwas ist auch nicht nötig.

Bitte drei Bier!
11
29.7.2011, 10:19
Wieso bin ich als Österreicher nicht überrascht?

Anna Wolymilowana
00
29.7.2011, 16:18

in österreich lebender serbe?

Tschusch5
00
29.7.2011, 10:11
reine wahrheit

"Er hat sich seitdem jahrelang dafür eingesetzt, das Leben der Bürger Bosniens zu verbessern - egal ob sie Bosnier, Kroaten oder Serben sind."

das ist etwas, womit nationalisten - egal welcher farbe - nie werden leben koennen. es waere wirklich zeit, dass oesterreichische politik umdenkt.

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