Landverkäufe nach Asien schadeten Kleinbauern - Hilfslieferungen über Luftbrücke laufen an - Kämpfe in Somalia
Berlin/Addis Abeba/Mogadischu - Der Afrika-Beauftragte der deutschen Regierung, Günter Nooke, sieht die Ursache der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika auch in den umfangreichen Landverkäufen an China. Im Falle Äthiopiens bestehe der Verdacht, dass der Landverkauf für eine kleine Elite sehr attraktiv sei, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Der breiten Bevölkerung würde es jedoch mehr nutzen, wenn sich die Regierung um den Aufbau besserer eigener landwirtschaftlicher Produktionsstrukturen kümmern würde.
Es sei zwar nicht alles schlecht, was China in Afrika mache. "Aber Lebensmittel nur für den Export zu erzeugen, kann noch zu großen sozialen Konflikten in Afrika führen, wenn dadurch Kleinbauern der Boden und damit ihre Lebensgrundlage entzogen wird." Die Katastrophe sei daher auch menschengemacht. Grundsätzlich habe Afrika gute Bedingungen für eine ausreichende Lebensmittelversorgung, sagte Nooke.
100 Tonnen Nahrungsmittel über Luftbrücke
Inzwischen gaben die Vereinten Nationen (UN)
mit dem Start der Luftbrücke nach
Somalia Tausenden Hungernden
neue Hoffnung. Die Bevölkerung in den Krisengebieten sei fast
vollständig von der Hilfe der UNO abhängig, sagte Rose Ogola vom
Welternährungsprogramm (WFP). Unklar war, wann die nächsten Flüge
starten können, ergänzte WFP-Sprecherin Stephanie Savariaud.
Schon der erste Flug hatte sich wegen bürokratischer Probleme
am
Flughafen der kenianischen Hauptstadt Nairobi verzögert. "Wir können
es noch nicht ganz konkret sagen, weil wir stets Start- und
Landeerlaubnis benötigen", erklärte Ralf Südhoff vom WFP Deutschland.
"Aber wir gehen davon aus, dass wir jetzt sehr schnell 100 Tonnen
Nahrungsmittel nach Mogadischu bringen können."
Kämpfe behindern Hilfslieferungen
Behindert werden die Hilfseinsätze auch durch weitere Gefechte in Somalia: Nur einen Tag nach dem Start der Luftbrücke sind bei Kämpfen
zwischen Regierungstruppen und Islamisten in der Hauptstadt
Mogadischu mehrere Zivilisten verletzt worden. Genaue Opferzahlen
lagen zunächst nicht vor, wie der Chef der Notfallärzte, Ali Muse, am
Donnerstag sagte.
Die heftigen Gefechte mit Maschinengewehr- und
Artilleriefeuer begannen nach Angaben von Augenzeugen in der Früh,
als Truppen der Afrikanischen Union (AU), die die regierungstreuen
Einheiten unterstützen, mit Panzern in ein von islamistischen Milizen
kontrolliertes Gebiet eindrangen.
Kritik: "Nur ein Tropfen im Ozean"
Wenn es die Umstände zulassen will das WFP die Luftbrücke
voraussichtlich auf andere somalische
Landesteile ausweiten. Weitere Flugzeuge mit Hilfsgütern speziell für
unterernährte Kinder könnten bald in die Grenzregion Dollo fliegen,
sagte eine Mitarbeiterin. Von dort sollen die Nahrungsmittel dann in
die Gebiete transportiert werden, die besonders von der Dürre
betroffen sind.
Die Aktion sei angesichts der verheerenden Lage in dem
Bürgerkriegsland nur "wie ein Tropfen im Ozean", sagte ein
BBC-Reporter. Am Horn von Afrika brauchen nach UN-Schätzungen rund zwölf Millionen Menschen dringend Nahrungshilfe, 3,7 Millionen davon sind akut vom Hungertod bedroht. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sind in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits mehr als 2,3 Millionen Kinder akut unterernährt.
500 Millionen Dollar im nächsten Halbjahr benötigt
Wie das WFP erklärte, kamen in den vergangenen
Tagen mehr als 250 Millionen Dollar (172 Millionen Euro) an Spenden
von Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen zusammen. Jedoch werde
in den nächsten sechs Monaten der gleiche Betrag benötigt, so die Organisation.
Besonders
großzügig hätten sich Australien, Brasilien, Kanada, die
EU-Kommission, Frankreich und Deutschland gezeigt.
Die österreichische Regierung stellt vorerst 700.000 Euro zur Verfügung, die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol darüber hinaus weitere 170.000 Euro. (APA/red)