Ostafrika

Deutschland gibt China Mitschuld an Hungerkrise

28. Juli 2011, 13:52
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    foto: apa

    Massenhafte Landkäufe in Afrika verhinderten den Aufbau besserer eigener Produktionsstrukturen, so der deutsche Afrika-Beauftragte Günter Nooke.

Landverkäufe nach Asien schadeten Kleinbauern - Hilfslieferungen über Luftbrücke laufen an - Kämpfe in Somalia

Berlin/Addis Abeba/Mogadischu - Der Afrika-Beauftragte der deutschen Regierung, Günter Nooke, sieht die Ursache der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika auch in den umfangreichen Landverkäufen an China. Im Falle Äthiopiens bestehe der Verdacht, dass der Landverkauf für eine kleine Elite sehr attraktiv sei, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Der breiten Bevölkerung würde es jedoch mehr nutzen, wenn sich die Regierung um den Aufbau besserer eigener landwirtschaftlicher Produktionsstrukturen kümmern würde.

Es sei zwar nicht alles schlecht, was China in Afrika mache. "Aber Lebensmittel nur für den Export zu erzeugen, kann noch zu großen sozialen Konflikten in Afrika führen, wenn dadurch Kleinbauern der Boden und damit ihre Lebensgrundlage entzogen wird." Die Katastrophe sei daher auch menschengemacht. Grundsätzlich habe Afrika gute Bedingungen für eine ausreichende Lebensmittelversorgung, sagte Nooke.

100 Tonnen Nahrungsmittel über Luftbrücke

Inzwischen gaben die Vereinten Nationen (UN) mit dem Start der Luftbrücke nach Somalia Tausenden Hungernden neue Hoffnung. Die Bevölkerung in den Krisengebieten sei fast vollständig von der Hilfe der UNO abhängig, sagte Rose Ogola vom Welternährungsprogramm (WFP). Unklar war, wann die nächsten Flüge starten können, ergänzte WFP-Sprecherin Stephanie Savariaud.

Schon der erste Flug hatte sich wegen bürokratischer Probleme am Flughafen der kenianischen Hauptstadt Nairobi verzögert. "Wir können es noch nicht ganz konkret sagen, weil wir stets Start- und Landeerlaubnis benötigen", erklärte Ralf Südhoff vom WFP Deutschland. "Aber wir gehen davon aus, dass wir jetzt sehr schnell 100 Tonnen Nahrungsmittel nach Mogadischu bringen können."

Kämpfe behindern Hilfslieferungen

Behindert werden die Hilfseinsätze auch durch weitere Gefechte in Somalia: Nur einen Tag nach dem Start der Luftbrücke sind bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Islamisten in der Hauptstadt Mogadischu mehrere Zivilisten verletzt worden. Genaue Opferzahlen lagen zunächst nicht vor, wie der Chef der Notfallärzte, Ali Muse, am Donnerstag sagte.

Die heftigen Gefechte mit Maschinengewehr- und Artilleriefeuer begannen nach Angaben von Augenzeugen in der Früh, als Truppen der Afrikanischen Union (AU), die die regierungstreuen Einheiten unterstützen, mit Panzern in ein von islamistischen Milizen kontrolliertes Gebiet eindrangen.

Kritik: "Nur ein Tropfen im Ozean"

Wenn es die Umstände zulassen will das WFP die Luftbrücke voraussichtlich auf andere somalische Landesteile ausweiten. Weitere Flugzeuge mit Hilfsgütern speziell für unterernährte Kinder könnten bald in die Grenzregion Dollo fliegen, sagte eine Mitarbeiterin. Von dort sollen die Nahrungsmittel dann in die Gebiete transportiert werden, die besonders von der Dürre betroffen sind.

Die Aktion sei angesichts der verheerenden Lage in dem Bürgerkriegsland nur "wie ein Tropfen im Ozean", sagte ein BBC-Reporter. Am Horn von Afrika brauchen nach UN-Schätzungen rund zwölf Millionen Menschen dringend Nahrungshilfe, 3,7 Millionen davon sind akut vom Hungertod bedroht. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sind in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits mehr als 2,3 Millionen Kinder akut unterernährt. 

500 Millionen Dollar im nächsten Halbjahr benötigt

Wie das WFP erklärte, kamen in den vergangenen Tagen mehr als 250 Millionen Dollar (172 Millionen Euro) an Spenden von Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen zusammen. Jedoch werde in den nächsten sechs Monaten der gleiche Betrag benötigt, so die Organisation.

Besonders großzügig hätten sich Australien, Brasilien, Kanada, die EU-Kommission, Frankreich und Deutschland gezeigt. Die österreichische Regierung stellt vorerst 700.000 Euro zur Verfügung, die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol darüber hinaus weitere 170.000 Euro. (APA/red)

Kommentar posten
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Andreas Exner2
00
Deutschland: mit Schuld an Land Grab und Hunger – …und nicht China

Das hab ich hier mit ausführlichen Belegen dargestellt:

http://www.social-innovation.org/?p=2903

Experte für eeh alles
10
29.7.2011, 11:24

Wir alle in der EU fressen den Afrikanern ihren Fisch weg.

Chris Quast
00

fisch hat ka pickerl merk dir das. die af. können mir doch mit ihrem fisch gestohlen bleiben.

esse nur fisch von nicht af.

Eskimo
00
30.7.2011, 19:54

Ich nicht, ich esse nur Fisch aus dem hohen Norden.

www.stattnetz.de
02
29.7.2011, 10:57
Boden...

.. ist eine der Ressourcen, die schon vom Begründer des Widerstandsrechtes Johannes Althusius mit guten Grund zum unveräußerlichen Volkseigentum gezählt wurden.
Statt zu lamentieren sollte den von finanzterroristischer Landbesetzung betroffenen Völkern die Möglichkeiten gegeben werden, sich der kriminellen Landräuber zu entledigen.

www.stattnetz.de
00
29.7.2011, 19:01
Althusius:

Tipp: Sozietaler Föderalismus: die politische Theorie des Johannes Althusius von Thomas O. Hüglin

http://books.google.de/books?id=... um&f=false

www.stattnetz.de
00
29.7.2011, 18:58
Althusius:

Gert Bachmann
 
52
29.7.2011, 10:25
Schuld - geht der Titel noch polarisierender?

Btte um ein wenig mehr journalistische Ethik! Das ist ja beinahe Bild Niveau!
Herr Nooke ist nicht wirklich repräsentativ für Deutschland, und die Erwähnung der fallweisen Problematik von Landverkäufen ist keine Schuldzuweisung an China allein.
Also kann von Schuldzuweisung eines Landes an das andere keine Rede sein. Schlechtes Gewissen?
Bei der Schädlichkeit von Landverkäufen fällt mir eher das von den Hyänen der sogenannten Märkte zerfetzte Griechenland ein, das imho ein Paradebeispiel für einen komplett den Händlern zur Totalfiletierung ausgelieferten Staat zu sein scheint. Das ist Eurokanibalismus pur. An erster Stelle: die deutsche Bank. Deutsche Regierungsbeamte sollten in Sachen destruktiver kolonialismus lieber leisetreten!

Hardcoreboson
11
29.7.2011, 10:48
sie koennen lesen?

da steht 'mitschuld' mein lieber und sie schreiben hier es waere eine 'schuldzuweisung an china allein'?

griechenland mit afrika zu vergleichen ist ein bischen ziemlich fehl am platz. eine hungersnot wo menschen sterben gibts in ersten naemlich nicht.

und ja china aggiert massiv kolonialistisch in afrika aber auch in asien (mal ganz abgesehen von tibet und ostturkestan) und dem pazifischen raum (v.a. papua neuguinea). fuer ein land das selbst immer mein es wurde vom westen erniedrigt weil kolonialisiert (wobei china ja im vergleich zu indien oder vietnam da eh noch gut wegkam) udgl. ist das schon auch ein starkes stueck.

Gert Bachmann
 
00
29.7.2011, 16:38
kann schon lesen, wie stehts mit ihrer selektiven Lesung?

Denn wenn "gibt China Mitschuld" getitelt wird steht dort eben nur China plakativ am Pranger, weil sonst keine Nation namentlich erwähnt wird.
Aber: was verstehen Sie unter "eh noch gut weggekommen" ... lesen Sie mal nach unter http://de.wikipedia.org/wiki/Boxeraufstand und dann relativieren Sie das u.U.
Und da haben Sie schon recht: China betreibt eine kalte Kolonialisierung die durch die eigene Geschichte nicht zu rechtfertigen ist. Nur: das ist genau das selbe, was Europa und USA (Weltbank) als "gutes" Beispiel" vorgeben. Ich will sicher keine aktive Rolle an einer Hungersnot herunterspielen, nur Deutschland braucht hier keine Steine aus dem Glashaus zu werfen.

Ich Bins6
24
29.7.2011, 10:22

Muahaha wenn grade die EU! und GER sich hier aufregen muss eingentlich alles zu lachen anfanngen.

die EU-Agraförderungsmaschine mit ihren hunderten Milliarden zerstörrt dort unten mehr Bauern als es China Indien und co je schaffen könnten.

Johannes Benn
02
29.7.2011, 11:03
.

es ist schon schwer zu akzeptieren wenn das westliche schuldmonopol angegriffen wird

Maria S2
22
29.7.2011, 10:16
Die EU lenkt mal wieder von der eigenen Schuld ab

Dass nämlich die riesigen Agrarsubventionen an EU Landwirte die afrikanischen Bauern viel, viel mehr schädigen als die Landverpachtungen an Inder und Chinesen, das kommt wieder mal nicht zur Sprache. Herr Nooke sollte sich mal an der eigenen Nase packen.

Hardcoreboson
11
29.7.2011, 10:52
waehrend sie bei den agrafoerderungen schon recht haben

ist ihnen einfach die dimension des chinesischen einflusses bzw nennens wir beim namen kolonalismus dort nicht bewusst. sie haben sicher recht das sich die EU auch mal hier selbst an der Nase nehmen muss, aber das spricht China nicht frei. Die chinesischen Fischereisflotten dort sind die aller aggressivsten - und die anderen (spanischen und co) sind schon nicht zart beseitet.

georgesoros
00
29.7.2011, 10:04
Hier ein paar Dokus zum Thema Hunger in Afrika

!!!!! leider auf deutsch nicht mehr zu finden aber mit untertitel - unbedingt ansehen: http://planete-a-vendre.arte.tv/de/saudi-arabian/ !!!!!!

Der große Ausverkauf - The big sellout: http://www.youtube.com/watch?v=E... re=related

Hunger und Wut: http://www.youtube.com/watch?v=J... kKudY&NR=1

Hüner für Afrika Vom Unsinn des globalen Handels: http://www.youtube.com/watch?v=W0UvymYX3m4

Wut im Bauch Börsenhandel mit Lebensmittel: http://www.youtube.com/watch?v=2... re=related
Ich wünsche euch viele augenöffnende momente

Chris Quast
00

ja genau, die hühner !! ich habs an anderer stelle schon mal erklärt. das problem, der af. ist privmitiv (in unserem sinne), der af. ist arm, aber leider nicht mehr so primitiv und arm wie ihr ihn gerne haben wollt.

den meisten af.n, genau so wie den wohlstandsversauten europäern sind günstig hendlhaxln lieber, als das tratitionelle lebendhuhn.

das er zuerst schlachten muß
das er abkochen muss damit er es rupfen kann
das er ausnehmen muss damit er es weiterverarbeiten kann
das er zerlegen muss, damit er es zubereiten kann.

sorry, wir haben da nun mal für viele das bessere und billigere produkt.
wollen wir den af.n verbieten statt 3 stunden ein hendl zubeareiten um es essen zu können, schmackhafte flügerl und haxl zu kaufen ?

Wernael Spindelmann
13
29.7.2011, 09:48
Die einzige nachhaltige Hilfe wäre ein landesweites Sterilisationsprogramm und eine strikte Ein-Kind-Politik wie in China.

Die einzige nachhaltige Hilfe wäre ein landesweites Sterilisationsprogramm und eine strikte Ein-Kind-Politik wie in China.

Wie kann man in einem Land ohne Lebensgrundlage Millionen Kinder in die Welt setzen? Am Nordpol oder am Himalaya gibt es auch keine Lebensgrundlage - und die Menschen dort verhalten sich auch dementsprechend. Nur in Afrika ist man chronisch verantwortungslos.

Johannes Benn
00
29.7.2011, 11:05
.

dafuer wuerde ich auch mal spenden

Hardcoreboson
11
29.7.2011, 10:57
Ich darf ihnen mal ein bischen was ueber 'Ein-Kind-Politik' erzaehlen:

Wissen sie warum die ein-kind-politik in China erst ueberhaupt notwendig wurde? Das liegt daran weil ein gewisser chairman Mao der Meinung war Chinas Bevoelkerung muesse wachsen, China kann auch leicht 2 Billionen Menschen ernaehren und das ist ja auch gut fuer die kommunistische Weltrevolution wenns mehr Chinesen gibt. Damit wurden chin. Frauen die viele Kinder zur Welt brachten zu Volksheldinnen. Eine Folge dieser Politik waren zunaechst mal Hungersnoete und jetzt noch immer die Ein-Kind-Politik. Dieser fuehrte zu massiven sozialen Problemen und zu geschlechterspezifischen Abtreibungen sowie Kindesmord (wenn Maedchen). Eine Abtreibung im neunten Monat ist meines wissens nach dort noch immer legal (bzw sogar erzwungen!).

Wolfgang Gleich
 
25
29.7.2011, 09:45
Diesmal also die Chinesen!

An der letzten Nahrungsmittelkrise waren laut der deutschen Bundeskanzlerin übrigens die Inder schuld: unter denen, so verlautbarte sie auf einem Unternehmerforum, breite sich immer mehr die Unsitte aus, zweimal am Tag zu essen.

120 Jahre Karl Schranz
01
29.7.2011, 09:57
nein, auch das stimmt so nicht.

man sollte einfach keine verzerrenden APA-meldungen lesen, sondern immer die original-aussagen. angela merkel hat niemandem "die schuld" (ein wort, dass nachrichtenagenturen und online-redakteure aufgrund der sicheren klick-zahlen lieben), sondern gegeben, sondern einen der gründe für die gestiegenen nahrungsmittelpreise angeführt.

"Ein weiterer Grund sei die nicht ausreichend vorhergesagte Änderung der Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern. In Indien etwa nähmen inzwischen rund 300 Millionen Menschen eine zweite Mahlzeit am Tag ein, sagte Merkel."

das ist ein ziemlicher unterschied.

sprung
 
01
29.7.2011, 11:12
Moment - Und weiter:

"Wenn die plötzlich doppelt soviel Nahrungsmittel verbrauchen als sie das früher gemacht haben und dann auch noch 100 Millionen Chinesen beginnen Milch zu trinken, dann verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere"

http://www.n-tv.de/politik/M... 62206.html

Und das war ihr Argument, warum nicht die Biospritproduktion "schuld" ist. Gegen solche Aussagen ist ein bisschen Polemik schon sehr angebracht.

120 Jahre Karl Schranz
00
29.7.2011, 11:19
nein, polemik ist nie angebracht.

die biosprit herauszunehmen ist falsch. das argument mit der steigenden nachfrage nach nahrungsmitteln in den schwellenländern bleibt trotzdem vollinhaltlich richtig. da hat auch das wort "schuld" nichts verloren.

D.S.1
11
29.7.2011, 09:33
Aha,

Schuld sind immer die anderen, wie China.
Ganz vergessen hat Herr Nooke, dass es in Deutschland, USA, Starbucks, etc. äthiopischen Hochlandkaffee zu kaufen gibt, der fast auschließlich den Westen Geld bringt. Den Bauern bleibt fast Nichts von dem Geld, und natürlich haben sie auch keine gute, feuchte Anbaufläche mehr für die eigene Nahrung, da diese schon für den Kaffee reserviert ist.

http://www.spiegel.de/spiegel/p... 04462.html

J R
03
29.7.2011, 08:02

ein guter Deal für die Chinesen. Der lokalen Bevölkerung Grund und Boden abnehmen und die Armutsflüchtlinge landen irgendwann in Europa.

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