Gedanken zur globalen Staatsschuldenkrise

Leser-Kommentar | 28. Juli 2011, 11:19

Leider können nicht alle mit dem einfachen Einmaleins der Volkswirtschaft richtig im Kopf rechnen

Wer versucht bei seiner Bank Bundesanleihen zu zeichnen, um sie danach zu Hause im Tresor zu verwahren, wird feststellen, dass dies gar nicht möglich ist und er nur über ein lediglich im Bankcomputer existierendes Depot Miteigentümer eines Teiles der von der Bank gezeichneten Anteilscheine sein kann. Beim Fondsparen wird, von den meisten Bankkunden kaum beachtet, auf einen prozentuellen Anteil solcher Staatspapiere hingewiesen, aber bei Sparbüchern, Pfandbriefen und ähnlichen Sparformen ist die Veranlagung des Geldes durch die von der Bank erworbenen Staatsschuldverschreibungen nicht mehr sichtbar.

Selbst wenn beim Fondsparen gar keine Schuldverschreibungen des eigenen Staates aufscheinen, sondern beispielsweise solche von den fernen Fidschiinseln, dann werden auf den Fidschiinseln sicher irgendwelche Fonds mit Staatspapieren aus beispielsweise Brasilien existieren und irgendwelche Brasilianer haben ihr Geld in einem Fond angelegt, in dem sich österreichische Staatsschulden befinden; damit schließt sich auf oft sehr undurchsichtigen globalen Wegen immer wieder der Kreis und unter dem Strich sind die Bürger von Österreich auch die Gläubiger des österreichischen Staates. - Doch dieser Staat ist doch die Summe seiner Bürger und so ist letzten Endes der Staat Schuldner und Gläubiger bei sich selbst.

Warum ist eigentlich Griechenland bankrott und nicht Österreich?

Wenn die Zeitungsnotizen richtig sind, dann hat jeder Grieche "Staatsschulden" in der Höhe von rund € 20.000,- während wir Österreicher eine Kopfquote von rund € 24.000,- besitzen - warum ist dann Griechenland bankrott und wir nicht?

Liegt es daran, dass die Griechen in Summe nicht einmal die € 20.000,- als durchschnittliche Spareinlagen haben oder liegt es einfach nur daran, dass niemand so richtig weiß, wie viel der Staatsschulden durch die Spareinlagen seiner Bürger neutralisiert werden? Selbst nach geheimen Wahlen sind Statistiker in der Lage uns in Wählerstromanalysen genau aufzulisten, wie viele Wähler eine andere Partei gewählt haben, und so müsste es trotz der globalen Vernetzung der Geldströme doch möglich sein, den rechnerischen Anteil der eigenen Bürger eines Staates an den Anleiheschulden festzustellen. Doch nichts dergleichen habe ich in den Medien gelesen oder gehört.

Panikmache durch Horrormeldungen

"Tu Gutes und rede darüber" ist der Titel eines vor 40 Jahren erschienenen Buches, in dem der Begriff "Public Relations" auf 488 Seiten erläutert wird. Betrachtet man die heutigen Krisenmeldungen, dann scheint diese deutsche Übersetzung wohl nicht mehr richtig zu sein.

Panikmache durch Horrormeldungen mit Halbwahrheiten wie zuletzt bei der EHEC-Krise, die unschuldigen Gurkenbauern den Ruin brachten, sind offenkundig die neue Strategie, und das Herbeireden einer eigentlich nicht wirklich existierenden Staatsschuldenkrise ist nur ein weiteres Beispiel. Cui bono fragt man sich unwillkürlich? Handelt es sich hier nicht um eine besonders miese Form von Terrorismus, der unsere Neugier nach Katastrophenberichten schamlos ausnutzt und oft ahnungslose Fanatiker als Werkzeuge benutzt?

Durch die spektakulären Ereignisse des 11. September 2001 ist die für die folgenden Wirtschaftskrisen verantwortliche Insolvenz vom 2. Dezember 2001 aus den Schlagzeilen verdrängt worden: die Pleite der "World's Greatest Company", wie sich die texanische Energiefirma ENRON selbst bezeichnete.

Nachdem die US-Bürger ihr Pensionsgeld vorwiegend in Aktienkapital steuerbegünstigt anlegen, hatten durch diese Pleite sehr viele ihre Ersparnisse verloren. Deshalb wechselten danach immer mehr zu Immobilien, wodurch deren Preise rasant anstiegen. Bis zu 39% jährliche Preissteigerung beispielsweise in Florida, wo mit zusätzlichen Steuerbegünstigungen auch die Spekulanten angelockt wurden, sich mit Kredit ein Condominium zu kaufen. Als dieses Pyramidenspiel 2007 platzte, stellte sich heraus, dass die US-Kreditinstitute ihr Risiko mit diversen Fonds über die ganze Welt verteilt hatten und damit eine Weltfinanzkrise auslösten.

Die Folgen der geplatzten Immobilienblase

Als Folge der geplatzten Immobilienblase haben sich viele europäische Staaten hoch verschuldet, um so ein Zusammenbrechen ihrer betroffenen Banken zu verhindern. Doch woher stammt der Großteil des dafür notwendigen Geldes?

Während die Österreicher durch ihre Beiträge in die Pensionsversicherung nur ein verbrieftes Anrecht auf eine spätere Pensionszahlung aus den Beiträgen der Arbeitenden erhalten, werden in den USA und einigen anderen Ländern die Beiträge vorwiegend als Aktienkapital gesammelt, und da kommt bis zum Pensionsantritt eine sehr große Kapitalsumme zusammen. Dieses für die späteren Pensionszahlungen durchaus entbehrliche Kapital (die Pensionisten verkaufen ja ihre Aktien an die Arbeitenden, was im Prinzip unserem Umlageverfahren entspricht) sucht weltweit nach lukrativen Anlagemöglichkeiten, und da kommen die zusätzlichen europäischen Staatsanleihen gerade recht.

Die mittlerweile in Verruf gekommenen Ratingagenturen versuchen nun durch ihre schlechten Bonitätseinstufungen etwa für Griechenland den Kapitalertrag durch höhere Zinsen anzuheben, ausgerechnet jene Ratingagenturen, die schon 2001 der ENRON und 2008 Lehman Brothers Inc. bis zu deren Pleite (aufgrund massiver Bilanzfälschungen, siehe Wikipedia) beste Bonität attestierten.

Angesichts des unverständlichen Terroranschlages in Oslo vom 22.7.2011 erhebt sich nach der obigen Erörterung der Ereignisse des letzten Jahrzehnts die bange Frage, welcher Raub von Sparguthaben diesmal, von der Presse möglichst unbemerkt, erfolgen wird? Bisher hat noch jede Reaktion des Marktes und der Regierungen zu neuen Problemen geführt und wenn die Regierungschefs der EU so zögerlich und bisweilen ratlos wirkend agieren, ist dies nur allzu verständlich. Unsere Computer haben keine Patentlösungen programmiert, und nicht alle können noch mit dem einfachen Einmaleins der Volkswirtschaft richtig im Kopf rechnen. - Das ist die tiefere Ursache der Staatsschuldenkrise. (Leser-Kommentar, Karl Plankensteiner, derStandard.at, 28.7.2011)

Autor

Dr.-Ing. Karl Plankensteiner war Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Kraftfahrwesen und Fotogrammetrie.
Web: http://members.aon.at/kplankensteiner/Startseite.htm

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18 Postings
Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
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Heiliger Confusius!

round_world
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Da steht nicht so wenig drin:

(1) Gut ist der Vegleich 24.000 für jenden Össi und 20000 für jeder Greecen. GR wird bedrängt AT nicht. Seine Aussage: Es ist relevant wo ein Land/Leute/Staat (ob das für alle das gleiche ist?) sich verschuldet. Bei den geduldigen Staatsbürgern, oder bei den ausl Banken (wie GR).
Weiss ein jeder, wenn die Bank einen Kredit fällig stellt, schauts schlecht aus (vgl Stronach ...).

(2) Aussage 2: Das Aktien-Fond-Sparen der US im Vergleich zu unserem Umlageverfahren, ist ebenfalls ein Umlageverfahren, nur mit Bankspesen dazwischen.

(3) Aussage 3: Die internationalen Geldstatistiken sind erbärmlich. Von einem Shadow Banking Sektor (der zu Schluss größer war als der sichtbare) hat man so gut wie nichts gewusst, bis er pleite ging.

michael126
01
30.7.2011, 23:56
Verworrener Artikel

Wie hat schon ein seliger Bundeskanzler gesagt: "Es ist alles sehr kompliziert".
Ihr Artikel bringt aber auch nicht mehr Klarheit in die Sache.

das ist fix
00
31.7.2011, 19:24

verworren ist der artikel tatsächlich

aber das macht nichts, wenn sich leute wie stephan schulmeister "wissenschafter" nennen dürfen, dann kann man das oben geschriebene auch durchgehen lassen
http://diepresse.com/home/mein... rte-Europa

Queen of Sheba
 
22
29.7.2011, 04:21
Bleiben Sie bei Kraftfahrwesen und Fotogrammetrie.

Hans Hosendonner<<3
02
29.7.2011, 09:31

dieses argument kommt bei fast jedem leserkommentar wie das amen im gebet. dennoch ist es nicht stichhaltig.

gehen sie doch lieber auf den inhalt ein, anstatt dem autor seinen beruflichen hintergrund vor zu werfen.
was ist denn IHR beruf, dass sie meinen es deshalb besser beurteilen zu können ?
sie sie nationalökonomin?

Queen of Sheba
 
00
30.7.2011, 05:55
Ich habe leider auch bei Leuten, die auf ein höchst verdienstvolles Lebenswerk zurückblicken können, zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie sich in Bereiche wagen, in denen sie nichts beitragen können.

Kritiker1A
00
28.7.2011, 23:16
Vieles im Artikel sind nur Halbwahrheiten, anderes ist schlichtweg falsch.

Die Subprime Krise wurde ausgelöste, weil Bush dem volk zeigen/beweisen wollte, dass der Krieg den US-Bürgern keine finanziellen Nachteile bringt.

Deshalb wurden die Kreditgeber angewiesen großzügigst Kredite zu vergeben.

Nachdem die Banken zu wenig Geld hatten, kam man auf die Idee diese Kredite ins ausland zu verkaufen. Da hier die Abschläge zu groß gewesen wären, hat man diese paketiert und mit Hilfe der Ratingagenturen auf 100% Kurs gebracht und ins Ausland verkauft.

round_world
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klingt nach verschwörungstheorie

Das ist nicht mehr notwendig. Es gibt mittlerweile genug Material darüber. Es sei ihnen aber unbenommen. UFOs hat es wird es wieder geben.

Querdenker08
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Immobilienblase

In Florida hat die Befreiung von der Property Tax (1% vom Kaufpreis) bei einem Jahreseinkommen unter $ 25.000,- die Nachfrage nach Wohnungen und damit die Preissteigerungen zusätzlich angeheizt. Die dafür gewährten Kredite ohne Rückzahlungen waren von vorneherein für jeden der das 1x1 inflationärer Preissteigerungen beherrscht als hochriskant zu erkennen und es hat auch nicht an Kassandrarufen aus Expertenkreisen gemangelt. – Dass ausgerechnet diese Kredite wegen Geldmangels von den Banken ohne Risikoabschlag ins Ausland verkauft worden sein sollen ist nur schwer vorstellbar.

Kritiker1A
10
28.7.2011, 23:12
Selbst nach geheimen Wahlen sind Statistiker in der Lage uns in Wählerstromanalysen genau aufzulisten, wie viele Wähler eine andere Partei gewählt haben,

Stimmt ja so nicht, dass können die ja nicht, sondern die behaupten dass nur auf Grund von mathematischen Regeln die irgend Jemand einmal aufgestellt hat, und die nun von Computern berechnet werden.

Und den Parteien ist dass viel Geld Wert und die bezahlen dafür, also wird es gemacht. Obs stimmt kann sowieso niemand nachweisen.

poster1231
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meines wissens gehen die berechnungen auf basis der wahlsprengel - und die sind nicht sehr groß (in wien geschätzt ein häuserblock) und das bisserl das dann noch unklar ist, wird aufgrund der menge von sprengel relativiert.
wenn in einem sprengel einmal 10 die spö, 9 die övp, 3 die grünen wählen, und das nexte mal 5 die spö, 9 die övp und 8 die grünen wählen, würde ich schon eine einfache analyse anstellen können. wobei der rest ist noch etwas tricky mit dem zusammenzählen der sanalysen je sprengel...

Heefcleeve
01
28.7.2011, 22:19

Der Artikel hat eigentlich vielsprechend begonnen, indem auf die saldenmechanischen Zusammenhänge bzw. Identitäten (Staatsschulden=PrivatGuthaben) hingewiesen wurde. Das ist tatsächlich das vwl. 1x1 (vgl. Stützel), auch wenn viele nur die "bösen" Schulden als Problem sehen, die "guten" Guthaben dagegen aber glorifizieren.
Darum verstehe ich aber nun erst recht nicht, warum der Autor den Terminus "Raub" in Zusammenhang mit den Sparguthaben gebraucht. Wäre es nicht vielmehr angebracht, - frei nach Keynes - die Rentiere langsam aber sicher auf einen sanften Tod vorzubereiten?

der schwitzbär der schwitzt sehr
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28.7.2011, 19:55
Die Frage, WEM Österreich 200 Mrd. Euro schuldet

ist geheim

Tja so ist das.

pox vobiscum
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28.7.2011, 19:09

Dass das Einmaleins der Volkswirtschaft einfach wäre, ist mir bis jetzt entgangen, aber vielleicht bin ich nur durch die vielen grundverschiedenen angeblichen Lösungsmöglichkeiten verwirrt.

Fritz Wunderlich
00
28.7.2011, 17:44

völlig d`accord bis auf den unverständlichen einschub mit dem rechtsextremen norweger

anma -
00
28.7.2011, 16:57
Jetzt weiß ich genauso wenig wie vorher

"Leider können [...] im Kopf rechnen" ... darum würde ich mir wünschen, dass der Kommentar ein wenig hilft.

Leider verstehe ich den Beitrag nicht - oder, das was ich zu verstehen glaube, ist billige Polemik - nichts, was ich als volkswirtschaftliche Erklärungen erkennen kann. Welcher unbemerkter Raub nach 9/11? Klar, alles ist vernetzte, aber wie wurde da die mediale Nichtaufmerksamkeit ausgenützt?

Darüber hinaus: Bin ich mit dem Kauf einer Staatsanleihe wirklich nur Miteigentumer an einer Forderung der Bank gegenüber dem Staat? Dass eine Anleihe nicht mehr auf Papier gedruckt wird, ist schon lange so, darum bin ich aber schon Eigentümer!

Jedenfalls: tut mir leid, der Kommentar trägt eher zur Verwirrung bei, als das er aufklärt.

Mika Eskimo
 
05
28.7.2011, 13:15

Danke für diesen interessanten Kommentar.

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