Schwerpunkt Lehre

Auswanderer mit Lehrabschluss

2. Oktober 2011, 17:00
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    foto: privat

    Der Oberösterreicher Gerald Venzl lebt derzeit als Informatiker in New York. Er hatte Glück: Die internationale Firma, für die er in Österreich tätig war, bot ihm diese Möglichkeit.

Wie schafft man es, mit einer Lehre erfolgreich im Ausland durchzustarten? Was wird wo angerechnet? derStandard.at hat nachgefragt

In Akademikerkreisen sind internationale Jobausschreibungen gang und gäbe, berufliche Stationen im Ausland keine Seltenheit. Aber wie gestaltet sich die Situation für Lehrabsolventen? derStandard.at hat nachgeforscht, wie es mit der Anerkennung der österreichischen Lehre im Ausland steht und wie realistisch die Chancen sind, in anderen Ländern beruflich Fuß zu fassen.

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Rechtlich gleichgestellt ist man auf jeden Fall in Ungarn, Deutschland und Südtirol. Aufgrund von Berufsbildungsabkommen mit den beiden Ländern beziehungsweise der autonomen Provinz werden dortige vergleichbare Ausbildungen mit der österreichischen Lehrabschlussprüfung gleichgesetzt und umgekehrt. Auch mit dem Nachbarstaat Tschechien wird derzeit an einem solchen Abkommen gearbeitet. 

Rechtliche Absicherung

Wer also ein heimisches Prüfungszeugnis in Händen hält ist so gestellt, also ob er oder sie die Prüfung nach den geltenden Bestimmungen des jeweiligen Landes absolviert hätte. Wichtig ist das vor allem im Bezug auf Kollektivverträge oder sozialversicherungsrechtliche Fragen. In der Regel reicht es aus, im Bewerbungsschreiben auf das jeweilige Abkommen zu verweisen. Eine Liste der jeweils anerkannten Berufe liegt beim Wirtschaftsministerium auf.

Jobportal EURES

Anders ist die Situation für alle anderen EU-Mitgliedsstaaten, laut EU-Vertrag ist die Anerkennung im Ausland absolvierter Ausbildungen Ländersache. Das heißt: Es hängt vom jeweiligen Land und vom dortigen nationalen Verfahren ab, ob und inwiefern österreichische Abschlüsse anerkannt werden.
Europaweit haben Jobsuchende jedenfalls durch das Jobportal EURES (EURopean Employment Services), das von der Europäischen Kommission koordiniert wird, Zugriff auf die von den jeweiligen Arbeitsmarktservicestellen ausgeschriebenen Stellen.

Europass soll Transparenz schaffen

Eine praktische Hilfestellung beim Bewerben soll der Europass bieten, eine europaweit einheitliche Vorlage für Arbeitssuchende, die Qualifikationen, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung etc. transparent und vergleichbar macht. Das heißt: Ein potenzieller Arbeitgeber in Spanien kann zwar vielleicht nicht viel mit dem österreichischen Lehrabschlusszeugnis anfangen. Fügt der Bewerber aber eine Europass-Zeugniserläuterung hinzu, wird daraus ersichtlich, welche Fähigkeiten mitgebracht werden.

Absolventen einer Lehre erhalten das Dokument entweder in der Schule zusammen mit dem Abschlusszeugnis oder können es sich auf der Europass-Webseite herunterladen. An der Initiative beteiligen sich 31 Länder - neben den 27 EU-Mitgliedstaaten auch die EFTA/EWE-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen, sowie die Türkei.

"Europäischer Qualifikationsrahmen"

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist der "Europäische Qualifikationsrahmen", der derzeit ausgearbeitet wird und als Übersetzungsinstrument dient, das nationale Qualifikationen verständlich macht. Im Vorfeld arbeiten die einzelnen EU-Staaten derzeit an einem nationalen Qualifikationsrahmen, der alle Berufs- und Schulausbildungen in einem Referenzrahmen von 1 bis 8 einstuft.

Derzeit wird verhandelt, den Lehrabschluss, den es in dieser Form nur in Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt, auf 4 einzustufen. "Es ist wichtig, dass die Lehre nicht unter die Räder kommt, denn eine Stufe unterhalb wäre sie nur mehr mit einer einfachen Anlehre, wie es sie zum Beispiel in Großbritannien gibt, vergleichbar", erklärt Robert Hörmann, Lehrlingsexperte bei der Arbeiterkammer Niederösterreich.

Der Europäische Qualifikationsrahmen soll ab 2012 angewandt werden, eine tatsächliche rechtliche Anerkennung des Lehrberufes und damit verbundene kollektivvertragliche Verpflichtungen gibt es aber nicht. "Über kurz oder lang, wenn sich das System erst einmal etabliert hat, wird es aber dazu kommen", ist Hörmann überzeugt.

Als Informatiker in die USA

Außerhalb Europas gibt es keine Regelungen oder Bestrebungen in diese Richtung. Es ist aber nicht utopisch, mit einer Lehre in der Tasche auszuwandern. Ein Beispiel: Der Oberösterreicher Gerald Venzl lebt und arbeitet seit mehr als zwei Jahren in New York. Der Mitt-Zwanziger hat zu Hause eine Informatik-Lehre absolviert. Als das Österreich-Büro des internationalen Unternehmens geschlossen wurde, wechselte er gemeinsam mit seinem Chef nach New York.

Wer das Auswandern auf Eigeninitiative versucht, wird es in den USA allerdings schwerer haben, weiß Venzl: "Das Ausbildungssystem der USA wertet die österreichische Lehre gleich wie ein "apprenticeship", das aber leider geringer bewertet wird. Was hier zählt ist ein College Degree." (red, derStandard.at, 3.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
living reef
00
5.10.2011, 14:45
Was hier zählt ist ein College Degree

also übersetzt ein "BSc.Tischlerei"?

Bösmensch (oft zensiert)
 
73
3.10.2011, 07:59
Das finde ich jetzt etwas erstaunlich, denn ich empfinde es immer als genau umgekehrt

Man braucht sich nur die "Skilled Worker"-Jobs in Kanada ansehen. Darauf stehen fast nur Berufe, die man hier als Lehre abschließen kann, wie bspw. Restaurantfachkraft.
Als Software-Entwickler mit einer Hochschulausbildung hätte man nur wenige Chancen.
Dabei fiel mir auch etwas interessantes auf. Bei vielen Stellenausschreibungen in den USA findet man den Zusatz "Citizens only", was auch deren gutes Recht ist. Und die USA sind weit davon entfernt ein rechter Staat zu sein. Hier hingegen beginnen Gutmenschen bereits zu hyperventilieren, wenn Jobs nicht "gendergerecht" ausgeschrieben werden, man bekommt dafür sogar eine Geldstrafe.

nuts1
02
3.10.2011, 10:33

ich lebe in den usa und dieses citizen hat nix mit ideologie zum tun, ausserdem sind si ein den usa viel genauer mit gender udn diskrimminierung....ihre sbjektive wahrnehmung failed.."!!

citizen deswegen weilo nur amerikaner oder personen mit greencard oder arbeitsvisu erlaubt sind... die meisten amerikaner wissen dass nciht deswegen steht citize dort sie koennen sich trotzdem bewerben, es geht darum zu sagen "hier werden keine illigalen immmigranten" eingestellt....

Wicked Vienna
20
3.10.2011, 10:18

very funny

Bösmensch (oft zensiert)
 
00
3.10.2011, 11:03

Was ist very funny?

QUMI
00
3.10.2011, 13:09

Hätten Sie "nuts1" gelesen, wüssten Sie es!

Bösmensch (oft zensiert)
 
00
3.10.2011, 15:03

Kann man im Nachhinein leicht sagen.

Gobi Todic
43
3.10.2011, 09:24

"die USA sind weit davon entfernt ein rechter Staat zu sein."

Der war gut.

Bösmensch (oft zensiert)
 
21
3.10.2011, 11:04

Bei deinesgleichen wäre vermütlich alles rechts, das nicht Grün oder KPÖ ist, stimmt's?

Gobi Todic
00
3.10.2011, 18:34

HAHA. du machst dich wirklich, kann ich dich als politkabarett clown buchen?

O5
13
3.10.2011, 01:53

Das Hauptproblem der Lehre ist ganz einfach dass sie auf einem sehr geringen Allgemeinbildungsniveau aufbaut.

Wer einmal in einer Berufsschule beim Mathematikunterricht zugeschaut hat weiß wovon ich spreche. Dasselbe bei Sprachen, wenn wir schon von Auswanderern sprechen: es gibt sogar viele Maturanten die Probleme mit der englischen Sprache haben - bei Lehrabsolventen siehts logischerweise noch viel düsterer aus.

Und genau deshalb haben es Lehrabsolventen im Ausland schwer. Außerdem behaupte ich mal dass das geringe Allgemeinbildungsniveau von Lehrabsolventen auch bedeutet dass sich die meisten für eine Arbeit im Ausland ohnehin nie interessieren würden - "Ausland" gilt in diesen Kreisen oft ja eher als diffuse Bedrohung.

josefa maier449
00
16.11.2011, 11:14
Haben Sie die Erfahrung im Ausland gemacht?

Oder glauben Sie das nur und arbeiten immer schon hier in Österreich?
Ich habe einige Zeit in den USA verbracht, es ist eine komplett andere Arbeitswelt und mit Österreich überhaupt nicht zu vergleichen.

Knochenmann
00
9.10.2011, 15:56

Vorurteile und Unwissenheit.

Gruß aus Japan,
Ein Lehrling.

Psycopeat
 
00
20.10.2011, 13:33

Da schließe ich mich an.

Gruß aus China,
noch ein (Ex-)Lehrling.

Nevim
00
3.10.2011, 22:36

Und genauso wie Maturanten nachher blitzschnell gscheites Englisch lernen, wenn es für die Arbeit gebraucht wird, können das Lehrlinge auch.

andreas lamers
 
00
3.10.2011, 15:53
intressant

ich habe die hauptschule abgeschlossen, arbeite seit meinen 15ten lebensjahr fast durchgehen(kurze erzwungene pause durch den staat), ok arbeite nicht mehr in meinem erlernten beruf sonder bin IT spezilist (in ettlichen spezialkursen neben der arbeit erworben) und lebe und arbeite nun auf einer insel wo englisch gesprochen wird. mut und kreativitaet gehoert dazu.

Der junge Jim Kirk
01
3.10.2011, 11:48

Man kann genausogut eine Lehre nach der Matura absolvieren, ist weder ungewöhnlich noch selten.

Waldorf
 
02
3.10.2011, 10:56

Niemand kann sich in Sachen Allgemeinbildung auf sein Schulwissen verlassen, denn oftmals, je nach Dauer des Abganges, ist vieles schon wieder veraltet.

Allgemeinwissen, egal ob Facharbeiter o. Akademiker, gehört jeden Tag erweitert. Je nachdem, welche Interessen ein Mensch hat. Alles kann man heutzutage eh nicht mehr wissen. Für sowas gibt es dann Wiki und Konsorten.

The Chaos Path
00
3.10.2011, 11:33
Allgemeinwissen, egal ob Facharbeiter o. Akademiker, gehört jeden Tag erweitert. Je nachdem, welche Interessen ein Mensch hat. Alles kann man heutzutage eh nicht mehr wissen. Für sowas gibt es dann Wiki und Konsorten.

ausgesprochen naiv. jemand, der wissen nicht zu schätzen weiss, wird sich auch nicht darum kümmern.

Waldorf
 
11
3.10.2011, 11:52

Dann hat es ihn in der Schule aber auch nicht interessiert. So what?

The Chaos Path
00
4.10.2011, 09:09

wer interessiert sich schon für wissen/fürs lernen im alter von 14... diese reife haben wohl nur die wenigsten. die erkenntnis, dass wissen wichtig ist, kommt i.a. erst später. hat man allerdings den menschen schon weit genug davon entfernt, kommt sie wohl eher gar nicht.

Drughi
00
3.10.2011, 10:08

da kann man meiner meinung nach nicht pauschal einfach drüber fahren, es gibt auch bei lehren unterschiede , alleine was die berufswahl, bzw. auswahlkriterien der unternehmen betrifft. auf manche mag das zutreffen , auf andere wieder so wenig, dass man im gespräch die rollen von maturant und lehrling verwechseln würde. weil nur eine matura mittlerweile auch nicht mehr das ist was sie einmal war, oder auf allgemeinbildung dort auch weniger wert gelegt wird.

indi mozart
 
17
2.10.2011, 21:20
LEIDER, LEIDER...

wird die lehre wieder einmal zu niedrig eingestuft. international gesehen bin ich mit einem lehrabschluss als nachrichtenelktroniker +- auf demselben niveau wie ein ing. in spanien, auf dem papier steht es aber anders. ist echt schade das es oe nicht geschafft hat dieser ausbildungsform einen hoeheren stellenwert zu verschaffen. da haette halt in den letzten jahren wirklich etwas getan werden muessen und nicht bloss werbung a la "karriere mit lehre". so a bledsinn. davon wird der abschluss nicht mehr wert. aber danach z.b. 2 jahre kurzstudium dran haengen (oder derartiges, darum ginge es halt.in der aufbesserung des lehrberufs) und einen titel dafuer zu bekommen schon. nur einer der vielen moeglichkeiten lehre attraktiver zu gestalten.

RS69
 
20
3.10.2011, 07:42

Sinn macht's, wenn 's die MAtura nachmachen, dann 3 Jahre studieren und einen BAc machen.

Dann haben's nict nur das Papier geschenkt bekommen, sondern auch das KnowHow dazu erworben

indi mozart
 
10
3.10.2011, 09:16
da liegt jetzt halt das problem...

zuerst matura nachmachen und danach 3 jahre weiterstudieren mit den 3 1/2 jahre ausbildung welche ich bereits absolviert habe komme ich locker auf 7 jahre. letztendlich wird aus der lehrzeit nichts angerechnet. ich habe auch die studienberechtigungspruefung nachgeholt aber anrechnen im sinne von zeit hat die lehre keinerlei stellenwert. wie gesagt, ich habe auch nicht DIE loesung aber finde ganz einfach das man den lehrberuf eben in oe viel zu oft abschaetzig behandelt anstatt zu versuchen dieser ausbildungsform etwas mehr zukunftschancen einzuraeumen.

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