Erste Lektion des Kasteiens: Kreuzweh kommt von der Ungeduld

Blog28. Juli 2011, 12:18
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Oder wie ich lernte, dass ich bei weitem nicht so locker bin, wie ich gern tue

Eine gewisse Alltagsroutine ist mittlerweile in der Fastenwoche eingekehrt, auch wenn ich die vergangenen drei Tage ziemlich gelitten habe. Jetzt gar nicht darunter, weil mir im Traum dauernd die Käsekrainer-Hotdogs und 16er-Bleche plus After-Junk-Tschick in den Mund fliegen, sondern unter extremen Verspannungen im ganzen Körper.

Begonnen hat es wie immer im Kreuz und in der linken Hüfte. Dann ist der Schmerz die gesamte Wirbelsäule hinaufgezogen, hat sich zwischen den Schulterblättern ganz massiv eingenistet, um schließlich im Nacken eine finale Niederlassung zu finden. Dazu kommt noch ein maximaler Muskelkater in den Waden.

Ich habe drei Nächte extrem schlecht geschlafen und bin mehrmals vor lauter Schmerzen in der Hüfte und im unteren Rücken aufgewacht. Ein böses Gefühl, wenn die Erschöpfung und das Schlafbedürfnis noch enorm sind, aber das dauernde Ziehen und Stechen einen aus dem Bett treibt, weil das Liegen einfach nicht mehr erträglich ist. 

Zu viel Kampf verkrampft

Dabei versuche ich alles möglich, um dem Schmerz beizukommen: eine Shiatsu-Behandlung und eine einstündige Yoga-Pilates-Einheit am Dienstag, zwei Sauna-Gänge und ein Base-Vollbad am Mittwoch. Zusätzlich jeden Tag zwei ausgedehnte Spaziergänge sowie ein Einlauf, um auch das festgesetzteste Gift aus dem Verdauungstrakt zu spülen. Ich trinke auch täglich mindestens zwei Liter verschiedenster Tees und noch mehr Wasser sowie zwei Mal eine Magnesium-Brause. 

Alles recht gut, schön und wichtig, aber die Wurzel des Übels dürfte wieder einmal in meiner Ungeduld begraben liegen: in meiner Ho-Ruck- und "Gibt's doch net, dass des net geht"-Mentalität - wenn nötig sogar mit etwas Gewalt. Aber wo sonst sollen denn Schmerzen herkommen, als durch übermäßige unnatürliche Einwirkungen - vor allem durch sich selbst? 

Heute Morgen bin erstmals nicht von der Rücken-Hüftpein geweckt worden. Nicht, dass sich die Schmerzen aufgelöst hätten wie Magnesiumtabs, aber zumindest war's auszuhalten. Dass mich bei der kurzen Morgengymnastik dann gleich wieder der Ehrgeiz gepackt hat und ich ein bisschen mehr wollte, als mir gut tut, ist wohl auch Teil des Lernprozesses zur Entkrampfung. Vielleich kann ich ja schon morgen über jene Glücksgefühle und Leichtigkeit berichten, von denen Fastenerfahrene dauernd schwärmen. (Martin Obermayr, derStandard.at, 28.7.2011)

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    Muskelverspannungen im Rücken: Eine Fastenwanderung könnte Abhilfe schaffen.

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