Kunstgegenstände wurden lange vor dem Krieg versteckt

Redaktion, 24. Mai 2003 15:33

In Banken, Bunkern und Tunneln in Sicherheit gebracht - 40.000 Manuskripte und 700 Kunstgegenstände wieder aufgetaucht

Bagdad - Mitarbeiter des irakischen Nationalmuseums und der Nationalbibliothek haben schon lange vor Beginn des Irak-Kriegs am 20. März die wertvollsten Kunstgegenstände in Sicherheit gebracht. Das hat ein zwölfköpfiges Team von Militärs und Museumsexperten festgestellt, das in Bagdad nach verschwundenen oder gestohlenen Kunstgegenstände sucht. Experten hatten noch während des Krieges befürchtet, dass rund 170.000 der antiken Kostbarkeiten aus dem Irak für immer verloren seien. Fast 40.000 Manuskripte und rund 700 Kunstgegenstände sind inzwischen wieder aufgetaucht.

Gold und Schmuck in der irakischen Zentralbank

US-Colonel Matthew Bogdanos sagte am Samstag in Bagdad, schon Jahre vor dem Krieg seien Gold und Schmuck in die irakische Zentralbank gebracht worden. Monate vor Kriegsbeginn seien Manuskripte und Schriftrollen in Bunkern im Westen Bagdads deponiert worden. Einige Wochen vor dem 20. März seien kleinere Gegenstände in Lagerräumen oder an geheimen Orten versteckt worden.

Schatz von Nimrud in Tunnel versteckt

In einem Tunnel der Zentralbank von Bagdad, der nach einem Raketentreffer überflutet worden war, entdeckten die Experten Teile des Schatzes vom Nimrud sowie Gold und Juwelen. In dem Bunker im Westen Bagdads seien 337 Kisten mit fast 40.000 antiken Schriften gefunden worden.

28 der 451 Schaukästen im Museum wurden tatsächlich aufgebrochen

Die Ermittlungen hätten aber auch ergeben, dass 28 der 451 Schaukästen im Museum aufgebrochen worden waren. Wertvolle Gegenstände wie die Vase von Warca (3000 vor Christus) oder die Bassetki Statue (2300 v.Chr.) seien gestohlen worden. Weitere 15 wertvolle Stücke seien beschädigt worden, darunter die Goldene Harfe von Ur.

Lagerraum im Keller von Leuten mit Schlüsseln ausgeräumt

Besorgniserregend sei auch, dass ein Lagerraum im Keller wahrscheinlich nicht von Gelegenheitsdieben, sondern von Leuten ausgeräumt worden ist, die Schlüssel hatten und gezielt vorgegangen seien. So seien nur Gegenstände entwendet worden, die leicht zu transportieren und auch leicht zu versetzen seien, stellt das Team in eine ersten Bilanz fest. Aus über 30 kleinen Kästen sei Schmuck gestohlen worden. Die Eindringlinge hätten dann die Schlüssel verloren und in der Dunkelheit nicht wiedergefunden, so dass zehntausende antiker griechischer oder römischer Münzen nicht in die Hände der Einbrecher gefallen seien. (APA/dpa)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.