In Banken, Bunkern und Tunneln in Sicherheit gebracht - 40.000 Manuskripte und 700 Kunstgegenstände wieder aufgetaucht
Bagdad - Mitarbeiter des irakischen Nationalmuseums und
der Nationalbibliothek haben schon lange vor Beginn des Irak-Kriegs
am 20. März die wertvollsten Kunstgegenstände in Sicherheit gebracht.
Das hat ein zwölfköpfiges Team von Militärs und Museumsexperten
festgestellt, das in Bagdad nach verschwundenen oder gestohlenen
Kunstgegenstände sucht. Experten hatten noch während des Krieges
befürchtet, dass rund 170.000 der antiken Kostbarkeiten aus dem Irak
für immer verloren seien. Fast 40.000 Manuskripte und rund 700
Kunstgegenstände sind inzwischen wieder aufgetaucht.
Gold und Schmuck in der irakischen Zentralbank
US-Colonel Matthew Bogdanos sagte am Samstag in Bagdad,
schon Jahre vor dem Krieg seien Gold und Schmuck in die irakische
Zentralbank gebracht worden. Monate vor Kriegsbeginn seien
Manuskripte und Schriftrollen in Bunkern im Westen Bagdads deponiert
worden. Einige Wochen vor dem 20. März seien kleinere Gegenstände in
Lagerräumen oder an geheimen Orten versteckt worden.
Schatz von Nimrud in Tunnel versteckt
In einem Tunnel der Zentralbank von Bagdad, der nach einem
Raketentreffer überflutet worden war, entdeckten die Experten Teile
des Schatzes vom Nimrud sowie Gold und Juwelen. In dem Bunker im
Westen Bagdads seien 337 Kisten mit fast 40.000 antiken Schriften
gefunden worden.
28 der 451 Schaukästen im Museum wurden tatsächlich aufgebrochen
Die Ermittlungen hätten aber auch ergeben, dass 28 der 451
Schaukästen im Museum aufgebrochen worden waren. Wertvolle
Gegenstände wie die Vase von Warca (3000 vor Christus) oder die
Bassetki Statue (2300 v.Chr.) seien gestohlen worden. Weitere 15
wertvolle Stücke seien beschädigt worden, darunter die Goldene Harfe
von Ur.
Lagerraum im Keller von Leuten mit Schlüsseln ausgeräumt
Besorgniserregend sei auch, dass ein Lagerraum im Keller
wahrscheinlich nicht von Gelegenheitsdieben, sondern von Leuten
ausgeräumt worden ist, die Schlüssel hatten und gezielt vorgegangen
seien. So seien nur Gegenstände entwendet worden, die leicht zu
transportieren und auch leicht zu versetzen seien, stellt das Team in
eine ersten Bilanz fest. Aus über 30 kleinen Kästen sei Schmuck
gestohlen worden. Die Eindringlinge hätten dann die Schlüssel
verloren und in der Dunkelheit nicht wiedergefunden, so dass
zehntausende antiker griechischer oder römischer Münzen nicht in die
Hände der Einbrecher gefallen seien. (APA/dpa)