Einblick noch ein Fremdwort

7. August 2003, 18:34
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Bislang geben nur zwei heimische Unternehmen detaillierten Einblick in die Gagen der Vorstände

Wien - In Österreich geben derzeit nur zwei Unternehmen ihren Aktionären detaillierten Einblick in die Vorstandsgagen: der Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm und der Erdölkonzern OMV. Der Rest beruft sich darauf, dass eine solche Transparenz im heimischen Corporate-Governance-Kodex (Benimmregeln für lautere Unternehmensführung) ja "nur" empfohlen und nicht vorgeschrieben sei. Oder lehnt dies mit Hinweis auf eine vermeintliche "Neidgenossenschaft" ab.

Privatanleger erfahren in Österreich höchstens in alljährlichen Magazinrankings die geschätzten Gagen ihrer Firmenbosse. Ein Zustand, den heimische Aktionärsvertreter schon lange kritisieren. Rupert-Heinrich Staller, Mitglied in der heimischen Corporate-Governance-Kommission, ist allerdings überzeugt: "Das eitle Gemurkse mancher Vorstände in Österreich wird bald ein europäisches Ende finden."

Denn laut einer Mitteilung der EU-Kommission vom Mittwoch soll "als Grundvoraussetzung, um das Vertrauen wieder herzustellen", allen Aktionären künftig nicht nur einzeln und detailliert Übersicht über die Direktorengehälter ermöglicht werden. Auch die künftigen Vergütungsstrategien im Zusammenhang mit den Unternehmensergebnissen und sämtlichen Aktien- und Bezugsrechtspläne sollen bald ausgewiesen werden müssen.

Es gehe dabei, so Staller, um echten Aktionärsschutz und tatsächliche Transparenz, nicht bloß um einige kosmetische Darstellungen. "Das lässt sich nicht aufhalten." Er erinnert daran, dass seit Jahresbeginn in Großbritannien sogar die Hauptversammlungen die Führungsgagen absegnen müssen. (kbau/DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.5.2003)

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