Schrittfolgen einer umstrittenen Festival-Entscheidung

16. September 2003, 10:20
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Neue Diagonale-Leitung statutengemäß noch in der Warteschleife

Wien/Graz - Um die neue Diagonale-Leitung, die am Donnerstagnachmittag vom Kunststaatssekretariat bekannt gegeben wurde, herrscht nun eine paradoxe Situation: Aus der Ausschreibung sind, wie berichtet, der Belgrader Festival- und Filminstitutsleiter Miroljub Vuckovic und Ex-ATV-Chef Tillmann Fuchs als künstlerischer bzw. kaufmännischer Intendant hervorgegangen.

Träger der Diagonale ist allerdings der Verein "Forum österreichischer Film". Die Vereinsstatuten, die im Zuge der Neuorganisation der Diagonale 1997 in Kooperation mit dem damaligen Kunstministerium beziehungsweise der Kunstsektion ausgearbeitet wurden, sehen als Aufgabenbereich der Generalversammlung unter anderem Folgendes vor: "Bestellung und Enthebung der vom jeweils für Kunst zuständigen Bundesminister berufenen bzw. abberufenen Mitglieder der Intendanz, Abschluss von Dienstverträgen mit den Intendanten in einer engen Koordination mit den Subventionsgebern und nach Maßgabe der Finanzierbarkeit."

Auf Anfrage des STANDARD bestätigte die bisherige Kointendantin Dollhofer, dass die Generalversammlung, sobald der Verein vom BKA schriftlich über die nominierten Leiter informiert werde, in diesem Sinn zusammentrete.

Morak-Pressesprecherin Katharina Stourzh sieht darin kein Problem - das seien die vorgegebenen Statuten, und nun sei der nächste Schritt zu setzen: "Alles weitere wird sich zeigen." Zugleich bestätigte sie, dass der künftigen Leitung seitens des Bundes eine höhere Fördersumme zur Verfügung stehen werde. Konkrete Zahlen gebe es allerdings noch nicht.

Heftige Reaktionen auf die Bekanntgabe der neuen Leitung kamen derweil von Viennale-Direktor Hans Hurch, der von einer "zutiefst undemokratischen, willkürlichen, rachsüchtigen Aktion" von Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) sprach, die die österreichische Filmkultur zerstöre. Die österreichischen Filmschaffenden und Journalisten sollten die künftige Diagonale boykottieren. Die Viennale werde sich angesichts dieser Entscheidung mehr als in den letzten Jahren dem österreichischen Film öffnen.

Auch im Hinblick auf die Novellierung des Filmförderungsgesetzes meinte Hurch, einer Reihe von Institutionen könne "das Gleiche blühen" wie der Diagonale: "Aus Rachsucht und Ressentiment sind ein paar wild gewordene, ignorante CVler im Auftrag des Staatssekretärs dabei, die heimische Filmszene zu zerschlagen. An ihren Taten wird man sie messen." (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2003)

Von Isabella Reicher
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