Wien im Zeichen von Gewinnmitnahmen

23. Mai 2003, 18:46
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Der ATX verzeichnet nach dem jüngsten Aufschwung ein Wochenminus - Mit Konsolidierung auf hohem Niveau wird gerechnet

Wien - Schwache Konjunkturaussichten und der ungebremste Höhenflug des Euro haben in dieser Woche nicht nur die großen europäischen Börsen belastet, sondern auch den kleinen Wiener Aktienmarkt. Wie Händler berichteten, war das schwache Umfeld für das Gros der Anleger der Anlass, nach der steilen Bergfahrt in den Wochen davor Aktien nunmehr zu verkaufen und damit die zuletzt erzielten Kursgewinne zu Geld zu machen. Im Wochenvergleich fiel der ATX, der Index der 21 wichtigsten heimischen Aktien, um 1,4 Prozent auf 1.307,24 Punkte zurück.

Konsolidierung auf hohem Niveau

"Die jüngste Entwicklung lässt eine Konsolidierung auf hohem Niveau erwarten", meinen Analysten der Erste Bank. Für die kommende Woche, in der feiertagsbedingt nur an vier Tagen gehandelt wird, sei daher ein Rückgang bis zur charttechnischen Unterstützungsmarke von 1.290 ATX-Punkten nicht auszuschließen. Für den Fall steigender Kurse rechnen die Börsenexperten mit maximal 1.330 Punkten im Wiener Leitindex. Am Dienstag geben Telekom Austria und Semperit AG Holding Zahlen zum ersten Quartal bekannt, am Mittwoch folgen Generali und EVN mit Zwischenberichten, am Freitag dann UNIQA.

Deutlich unter die Räder kamen in dieser Woche die Aktienkurse von Wienerberger und voestalpine. Wienerberger gaben um 7,2 Prozent nach, Grund für das deutliche Kursminus war vor allem der Dividendenabschlag für 2002. Voestalpine verloren 5,4 Prozent, nach Aussagen von Händlern waren hier Gewinnmitnahmen nach den kräftigen Kurssteigerungen in der Vorwoche dafür verantwortlich.

EVN und Verbund schwach

Schwach waren auch EVN und Verbund, die - möglicherweise wegen des neuerlichen Tauziehens um die Austro-Stromlösung - um 2,1 bzw. 3,6 Prozent an Wert einbüßten. Andritz verbilligten sich um 3,2 Prozent, Mayr-Melnhof um 2,7 Prozent.

Zum Wochengewinner avancierte die VA Tech-Aktie mit plus 6,4 Prozent. Der Anlagenbauer hält am bisherigen Ziel für 2003, das operative Ergebnis bei stabilem Auftragseingang und Umsatz um mindestens ein Drittel auf 110 Mio. Euro "oder ein bisschen mehr" zu steigern, weiter fest. Für das erste Quartal hat VA Tech von deutlich besseren Ertragszahlen berichtet.

VA Tech positiv gestimmt

Als "sehr positives Zeichen" wertet Konzernchef Erich Becker den überraschenden Einstieg der Kovats-Gruppe, mit dem nun Bewegung in die Eigentümerstruktur der VA Tech gekommen ist: "Wenn jemand Geld in die Hand nimmt und Vertrauen in uns setzt, ist das zu begrüßen." An die Adresse der Staatsholding ÖIAG richtete Becker am Donnerstag den Appell, jetzt rasch für Klarheit bei der geplanten Privatisierung des 24 Prozent-Anteils zu sorgen.

Böhler-Uddeholm, ebenfalls ein Privatisierungskandidat, verloren im Wochenverlauf um 0,6 Prozent. Der Edelstahlerzeuger hatte am Montag für das erste Vierteljahr leicht bessere Ergebnisse bekannt gegeben. Wegen der Konjunkturflaute wird das Gesamtjahr 2003 weiterhin vorsichtig beurteilt. Die Analysten der Erste Bank bestätigten daraufhin ihre "Hold"-Empfehlung für den Titel, die Raiffeisen Centrobank empfiehlt Böhler-Uddeholm dagegen weiter zum Kauf mit Kursziel 58 (aktuell 47,21) Euro.

Die BBAG/Brau Union-Gruppe, die vor dem Verkauf an den holländischen Brauriesen Heineken steht, erwartet trotz gedämpften Geschäfts im ersten Quartal auch für dieses Jahr nachhaltige Ergebnissteigerungen. Bis zum 13. Juni haben die mehr als 600 BBAG-Familienaktionäre Zeit, das Kaufangebot von Heineken anzunehmen. Danach beginnt das Kartellverfahren für die EU sowie für Ungarn und Polen. Abhängig von der Dauer der Behördenverfahren rechnet die BBAG im Oktober mit dem von Heineken Anfang Mai angekündigten öffentlichen Übernahmeangebot für den Streubesitz. Die Aktien von BBAG und Brau Union kamen zuletzt bereits ziemlich nahe an die Preismarken von 124 bzw. 127,27 Euro heran. (APA)

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