Keine Höchstgrenze für Managergage

7. August 2003, 18:34
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Nach einem Aufschrei der Wirtschaftsbosse macht Berlin einen Rückzieher: Es wird vorerst keine Regelung zur Offenlegung von Gehältern geben

Die rot-grüne Regierung in Deutschland will nun doch kein Gesetz zur Begrenzung von Managergehältern erlassen. Die Regierung vertraue auf die Selbstregulierungskräfte der Wirtschaft, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Er schränkte aber ein: Man werde beobachten, wie die Empfehlungen der Regierungskommission zum Corporate-Governance-Kodex - eine Benimmregel für Unternehmen - umgesetzt werden.

Begrenzung von Aktienoptionen Das Gremium hatte sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, in bestimmten Fällen Aktienoptionen für Unternehmensvorstände zu begrenzen. Weiters schlug die Kommission unter Leitung des ThyssenKrupp-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme die grundsätzliche Offenlegung der Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten der börsennotierten Aktiengesellschaften vor. Wie in Österreich auch, sind die Gehälter von Deutschlands Topmanager zumeist ein Geheimnis. Insgesamt sechs Manager von Unternehmen, die zum Dax gehören, legten bisher die Karten auf den Tisch: Die Deutsche Bank, der Stahlriese ThyssenKrupp, die Softwareschmiede SAP, das Pharmazieunternehmen Bayer, der Chemiekonzern Altana sowie die Deutsche Börse.

Automobilindustrie bremst Der deutschen Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) ist dies eindeutig zu wenig. Aber angesichts des Aufschreis in der Wirtschaft ist sie auch von Plänen abgerückt, eine gesetzliche Höchstgrenze für die Bezahlung von Managern einzuführen. Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hatte diesen Vorstoß abgelehnt: Wenn man über Obergrenzen rede, müsse man auch über Untergrenzen nachdenken. Schering-Chef Hubertus Erlen verwies da^rauf, dass die Vergütung "allein die Aufgabe des Unternehmens und seiner Aufsichtsräte" sei. Zu den stärksten Bremsern gehören die deutschen Autokonzerne, obwohl sich Volkswagen, DaimlerChrysler und BMW den Regeln der Cromme-Kommission unterworfen haben. Von einem Aktionär auf die Forderung nach mehr Bezugsoffenheit angesprochen, sagte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bei der vergangen Hauptversammlung: "Die deutsche Gesellschaft ist dafür noch nicht reif." (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.5.2003)

  • Wieviel Top-Manager "nehmen" bleibt wohl noch länger ein gut gehütetes Geheimnis.
    montage: derstandard.at

    Wieviel Top-Manager "nehmen" bleibt wohl noch länger ein gut gehütetes Geheimnis.

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