"Weiß der Henker, was passiert"

23. Mai 2003, 17:37
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Schlechte Nachrichten für den Finanzminister: Die Wachstumsprognosen sinken erneut - Selbst die Wirtschaftsforscher sind ratlos

Wien - Schlechte Nachricht für den Finanzminister: Die Wirtschaftsforscher werden am 27. Juni, beim nächsten vierteljährlichen Konjunkturbericht, ihre mehrmals nach unten revidierten Wachstumserwartungen für 2003 und 2004 neuerlich zurücknehmen. Schuld ist in erster Linie der Höhenflug des Euro.

Das Budgetdefizit, das sich im Vergleich zu 2002 verdoppelt, dürfte weiter ansteigen. Die exakten Folgen für Staatshaushalt und Steuerreform traut sich noch kein Ökonom abzuschätzen. Der Leiter des Instituts für Höhere Studien, Bernhard Felderer, sagte: "Wechselkursseitig kommt ein Dämpfer. Das ist unausweichlich und sehr beunruhigend. Jeder Aufschwung kam in Europa bisher von der Exportseite. Wenn das jetzt auch wegbricht, dann weiß der Henker, was passiert."

IHS und Wifo senken Prognosen

Als Konsequenz senken sowohl IHS als auch Wifo ihre Prognosen. Die letzte Wifo- Prognose, auf der die Budgetkalkulation von Karl-Heinz Grasser beruht, ging von einem durchschnittlichen Euro- Jahreskurs von 1,08 Dollar aus. Mittlerweile notiert der Euro bei 1,18 Dollar.

Wifo-Experte Ewald Walterskirchen sagte: "Kurzfristig kostet die Euroaufwertung ^einen Viertelprozentpunkt Wachstum. Tritt mit einem halben, dreiviertel Jahr Verzögerung der volle Verteuerungseffekt in den Exporten auf, kostet das bis zu einem halben Prozentpunkt Wachstum. Maßgeblich wird also das Jahr 2004 betroffen sein."

Eurokurs macht Aufschwung zunichte

Im letzten Konjunkturbericht vom 28. März ging das Wifo noch von einem Wirtschaftswachstum für heuer von 1,1 Prozent aus, nächstes Jahr hätten es aus damaliger Sicht noch 1,7 Prozent werden sollen. Walterskirchen heute: "Meine Erwartung ist, dass die Chance auf einen Aufschwung durch diesen Eurokurs zunichte gemacht worden ist." Grasser hatte stets betont, mit dem Doppelbudget 2003/04 auf der sicheren Seite zu sein. Schließlich wären die vorsichtigsten Konjunkturschätzungen, eben jene des Wifo aus dem März, dem Budgetfahrplan zugrunde gelegt worden. (Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.5.2003)

  • Unsicherheit, um nicht zu sagen Angst, geht um.
    montage: derstandard.at

    Unsicherheit, um nicht zu sagen Angst, geht um.

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