Musikrundschau mit Postironie

28. Juli 2011, 17:32
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Neue Alben der Master Musicians of Bukkake, von John Maus und von HeadCat

THE MASTER MUSICIANS OF BUKKAKE
Totem 3
(Important)
Die Band aus Seattle um den Sunn0)))- und Earth-Produzenten Randall Dunn hat das Problem mit Weißbroten, die sich frank und frei und im Sinne alter Kolonialherren weltmusikalischer Stile bedienen, insofern gelöst, als sie Weltmusik ohne jedwede geografische Anbindung einfach als solche neu erfindet. So trifft auf dem Abschluss der Totem-Trilogie arabische Musik auf Sixties-Psychedelik aus dem Weltraum und wird mit Grunz- und Grummel-Bedrohlichkeits-Metal kurzgeschlossen. Dazwischen geht es ein wenig Richtung keltischer Experimentalfolk und westafrikanischer Sahara-Blues wie er etwa derzeit von der fantastischen jungen Mali-Band Tinariwen produziert wird. Die Band mit dem von einer grässlichen Pornofilmpraktik entlehnten Namen versteckt sich bevorzugt hinter dunklen Sonnenbrillen und arabischen Kufiyas. Wahrscheinlich wird darunter auch ziemlich oft heimlich gelacht.

JOHN MAUS
We Must Become The Pitiful Censors Of Ourselves
(Upset The Rhythm)
Das ist ja wirklich zu lustig, wenn ein halbdepressiver amerikanischer Leidensmann mit gutbürgerlichem Hintergrund über käsige Synthesizerklänge aus dem Mistkübel von Dieter Bohlen hintergründig jammernd postuliert: "Copkiller, let's kill the cops tonight." John Maus aus dem Umfeld des US-Low-Fidelity-Helden Ariel Pink legt seine Alleinunterhalter-Disco-Balladenmusik bewusst schrottig und superbillig verhallt an. Das klingt dann so, wie wenn der Soundtrack von La Boum in einem Pillenmeer aus Antidepressiva versinkt: "Dreams are my reality." Erstaunlich, dass junge hippe Leute für derartigen postironischen Schund Geld ausgeben.

HEADCAT
Walk The Walk ... Talk The Talk
(Niji)
Lemmy Kilmister von Motörhead und Slim Jim Phantom von den Stray Cats rocken sich gemeinsam mit dem nicht ganz so weltberühmten Backenbart Danny B. Harvey seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder einmal äußerst wertkonservativ und rotnackig durch traditionelle Rock'n'Roll- und Rockabilly-Hadern. Aktuell sind Songs aus dem Neandertal wie Shakin' All Over und Let It Rock fällig. Dazwischen streut man nicht weiter spektakuläre Eigenkompositionen, die sich beispielsweise American Beat nennen und genau so klingen. Niemand lacht. Für den gepflegten älteren Herrn, der von Motörhead schon sämtliche Luxus-CD-Boxen und die äußerst seltene Motörhead-Herrenhandtasche aus Saubartel-Leder besitzt, stellt das Album von HeadCat wahrscheinlich einen Pflichtkauf dar. Für den Rest der Menschheit gilt: Wurscht. Aber so etwas von. (schach / DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2011)

  • "We Must Become The Pitiful Censors Of Ourselves"
    foto: upset the rhythm

    "We Must Become The Pitiful Censors Of Ourselves"

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