Altdeutsch essen

  • Tiroler Schlickkrapfen bei Mettnitzer, altdeutsch.
MettnitzerNeuer Platz 17Spittal an der Drau04762 35899
    foto: harald fidler

    Tiroler Schlickkrapfen bei Mettnitzer, altdeutsch.

    Mettnitzer
    Neuer Platz 17
    Spittal an der Drau
    04762 35899

  • Die Kasnudeln habe ein Mann geformt, befand die Kärntnerin, die uns einlud.
    foto: harald fidler

    Die Kasnudeln habe ein Mann geformt, befand die Kärntnerin, die uns einlud.

  • Diese Leber ist nicht sinnlos - die Puffer aber ein bisserl schwer.
    foto: harald fidler

    Diese Leber ist nicht sinnlos - die Puffer aber ein bisserl schwer.

  • Altdeutsch in Kärnten.
    foto: harald fidler

    Altdeutsch in Kärnten.

  • Gar nicht moerisch machte diese Nudel.
Moerisch
    foto: harald fidler

    Gar nicht moerisch machte diese Nudel.

    Moerisch

  • Mirnocklachs, dirnockfleisch- und fischfrei.
    foto: harald fidler

    Mirnocklachs, dirnockfleisch- und fischfrei.

  • Garnele, die erste, begleitet die Nudeln.
    foto: harald fidler

    Garnele, die erste, begleitet die Nudeln.

  • Garnele, die zweite, Hauptgang mit Lachs.
    foto: harald fidler

    Garnele, die zweite, Hauptgang mit Lachs.

Oder kärntnerisch-international: Harald Fidler schwankt zwischen Moerisch und Mettnitzer, zwischen Mirnock und Dirnock, Fleischwerbung und Vegetarismus

Nach dreimal Fleisch bis 18 Uhr und viel Kärtner Italienisch war dem Fidler a) nach Fisch und b) nach einem aus der Gegend. Gut, dass mir nicht nach einem erschwinglichen Auto aus der Gegend war, von denen war auf dem proppenvollen Parkplatz praktisch nichts zu sehen. Solche Kundschaft, ob altdeutsch oder neureich, und Gault Millau wollen vielfältig befriedigt werden.

Wo ich da gerade bin? Im Restaurant des Hotels Moerisch über dem Millstätter See. Und gerade ist jetzt auch schon eine ziemliche Weile her. Aber damit auch schon wieder genug von Zeit und Raum - zurück zur Befriedigung der offenbar nicht ganz armen Gäste hier.

Octopus und Bistecca

Sie finden auf der Karte zum Beispiel das Menü für 49 Euro mit Sülzchen vom Octopus mit Garnelen-Carpaccio auf Safran-Oliven-Vinaigrette, mit Schaumsuppe von Tomaten und Orangen mit Basilikumcrostini, Flusskrebs-Spaghettini, Erdbeer-Champagnersorbet, Bistecca ai Ferri vom Bioochsen mit Rucola, Grana, Olivenöl und knusprigen Erdäpfeln und Kürbiskern-Krokantparfait.

Wie du mirnock, so ich

Aber zum Glück auch Tatare vom marinierten Mirnocklachs, und der Mirnock ist der Berg am einen End vom See, wo sich angeblich auch gleich zwei Kraftlinien kreuzen. Nehm ich, mit Forellennockerl und Sesam. Der Kraftlachsel kommt für meine Verhältnisse ein bisschen kräftig gesalzen daher, ist aber schwer okay.

Die Flusskrebs-Spaghettini aus dem Menü fügen sich ins diesabendliche Beuteschema, auch wenn die Wildbiologin immer sagte, dass die heimischen Krebse weitestgehend den Krankheiten der zugereisten amerikanischen zum Opfer gefallen sind, aber wir wollen da nicht kleinlich wirken. Meine - jedenfalls guten - Flusskrebse lassen sich von einer nicht sehr kärntnerisch aussehenden Garnele begleiten, vielleicht eine Art Personenschutz gegen amerikanische Krebse.

Begleitschutz für Lachse

Sicherheit für Wassertiere wird groß geschrieben, erkenne ich dann beim nächsten Gang: Auch das "Filet von der Kärntner Lax'n" traut sich seine sprachliche Exaltiertheit nur in Begleitung einer Garnele. Überhaupt erinnert das Teller-Biotop der Seeforelle stark an jenes der Flusskrebse - ich vermute, die Küche hat ein bisschen den Überblick verloren, was ich davor hatte, sonst hätte sie die Doppelung wohl vermieden. Bis auf das starke Gefühl von Deja-vu machte der Fisch schon Freude.

Einfache Lokale für schwierige Menschen

Und dennoch: Als schwieriger Mensch fühle ich mich ja in einfacheren Lokalen meist wohler, das mag, da haben Sie schon recht, an ihrer größeren Harmonie mit meinem Gemüt liegen. Den Mettnitzer hatte mir eine Kärntnerin noch ans Herz gelegt, neben der Villa Verdin und dem Kleinsasserhof, der bei meinem Besuch leider zu hatte. Ob ich den richtigen Mettnitzer erwischt habe, wird sie mir hoffentlich noch mitteilen, falls sie auf derStandard.at nicht alleine den Etat liest.

Fleischwerbung macht vegetarisch

Ich fühlte mich jedenfalls ganz richtig im schattigen Gastgarten, da erspart man sich auch eingehendere Blicke auf die altdeutsche Einrichtung, mit der Mettnitzers stolz werben. Auch den Wandschmuck vor dem WC könnte man allerdings noch einmal überdenken - die Fleischwerbung ist trotz aller Rohheit so gebacken, dass ich erst einmal eine vegetarische Vorspeise einlege.

Die Nudel

Die Tiroler Schlickkrapfen gehen in Spittal an der Drau praktisch als lokale Spezialität durch, finde ich, und Kärntner Kasnudeln übernahm eh die damalige Vegetarierin. Beide Nudeln so erfreulich, dass ich zu meinem Hauptgang doch wieder zum Fleische drängte.

Geröstete Leber - ungesund, ich weiß, aber wirklich, wirklich herrlich. Nur so nett portioniert, dass ich den zweiten, für seine Art wirklich guten Kartoffelpuffer einfach nicht mehr geschafft hab. Man sollte sich danach nichts Anstrengendes mehr vornehmen. Aber warum sollte man das auch, so nah zu den Liegen und Stegen des Millstätter Sees? Die man wohl demnächst wieder nutzen kann, wenn's mit dem Wetter so weitergeht. (Harald Fidler, derStandard.at, 27.3.2012)


Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.


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