Die geplante Luftbrücke der Uno für die Versorgung in den Lagern konnte nach Verzögerungen wegen der politisch instabilen Lage gestartet werden
Der Hunger quält die somalischen Dürreflüchtlinge auch im Flüchtlingslager. Wer neu in Dadaab, der riesigen provisorischen Stadt 100 Kilometer hinter der kenianischen Grenze, ankommt, erhalte "pro Tag nur eine kleine Packung Kekse", berichtete am Mittwoch Johann van der Kamp, Regionalkoordinator der Deutschen Welthungerhilfe.
Größere Rationen gebe es erst nach der offiziellen Registrierung. Doch bis dahin könne es leider Wochen dauern, sagte Kamp: "Das ist eine sehr besorgniserregende Situation."
Die Welthungerhife und andere vor Ort tätige NGOs, darunter auch Care (siehe Interview) träfen derzeit Vorbereitungen, um den Neuankömmlingen ein Grundausstattungspaket übergeben zu können. Bis dahin sind die nach tagelangen Märschen ausgehungerten Menschen darauf angewiesen, dass - wie DER STANDARD berichtete - bereits registrierte Flüchtlinge ihre Rationen mit ihnen teilen.
An die 400.000 Menschen leben derzeit in Dadaab, in drei verschiedenen Lagern mit je 130.000 Personen. Die meisten hätten inzwischen ein Zelt, doch viele hausten weiterhin in provisorischen Unterständen aus Stöcken, Pappkarton und Plastikstücken, schilderte Kamp.
Leerstehendes Lager
Eine mit internationalen Hilfsgeldern bereits im vergangenen Jahr errichtete Anlage für 40.000 Menschen nahe Dadaab - samt Krankenhaus, ordentlichen Hütten und Wassertanks - steht hingegen leer: Experten des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen machen dafür die kenianische Bürokratie verantwortlich. Auch von Befürchtungen, die Flüchtlinge könnten für immer in den vergleichsweise komfortablen Unterkünften bleiben wollen, ist die Rede.
Noch dramatischer als in Dabaab schätzt das Welternährungsprogramm die Lage der somalischen Binnenflüchtlinge ein. 70.000 Hungernde sollen allein im Juli in der Hauptstadt Mogadischu angekommen sein. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR - das am Donnerstag den 60. Jahrestag des Beschlusses der Genfer Flüchtlingskonvention begeht (siehe Artikel unten) - berichtet über Plünderungen und chaotische Zustände.
Doch der Start einer Luftbrücke, um 14 Tonnen energiereicher Nahrung aus Kenias Hauptstadt Nairobi nach Mogadischu zu fliegen, verzögerte sich immer wieder. Zuerst haben sich die islamistischen somalischen Shabaab-Milizen den Flügen widersetzt, dann gab der kenianische Zoll die Lieferung nicht frei. Mittwoch startete schließlich das erste Uno-Flugzeug mit zehn Tonnen Nothilfegütern an Bord Richtung Somalia.
In Kenias Hauptstadt Nairobi ist die Nachrichtenlage über die Situation in Dadaab eher dürftig. Die Dürre schaffte es auf die Titelseite der Daily Nation: Die Leser wurden vor Stromausfällen gewarnt. Der kenianische Standard berichtete groß über das Elend - im internationalen Teil. (bri, tob/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Juli 2011)