Hungersnot in Afrika

"Pro Tag nur eine kleine Packung Kekse"

27. Juli 2011, 18:36
  • Artikelbild
    foto: ap/schalk van zuydam

    Immer mehr Hungernde kommen in einem der drei Lager von Dadaab an. Die Hilfe dort ist für viele unzureichend.

Die geplante Luftbrücke der Uno für die Versorgung in den Lagern konnte nach Verzögerungen wegen der politisch instabilen Lage gestartet werden

Der Hunger quält die somalischen Dürreflüchtlinge auch im Flüchtlingslager. Wer neu in Dadaab, der riesigen provisorischen Stadt 100 Kilometer hinter der kenianischen Grenze, ankommt, erhalte "pro Tag nur eine kleine Packung Kekse", berichtete am Mittwoch Johann van der Kamp, Regionalkoordinator der Deutschen Welthungerhilfe.

Größere Rationen gebe es erst nach der offiziellen Registrierung. Doch bis dahin könne es leider Wochen dauern, sagte Kamp: "Das ist eine sehr besorgniserregende Situation."

Die Welthungerhife und andere vor Ort tätige NGOs, darunter auch Care (siehe Interview) träfen derzeit Vorbereitungen, um den Neuankömmlingen ein Grundausstattungspaket übergeben zu können. Bis dahin sind die nach tagelangen Märschen ausgehungerten Menschen darauf angewiesen, dass - wie DER STANDARD berichtete - bereits registrierte Flüchtlinge ihre Rationen mit ihnen teilen.

An die 400.000 Menschen leben derzeit in Dadaab, in drei verschiedenen Lagern mit je 130.000 Personen. Die meisten hätten inzwischen ein Zelt, doch viele hausten weiterhin in provisorischen Unterständen aus Stöcken, Pappkarton und Plastikstücken, schilderte Kamp.

Leerstehendes Lager

Eine mit internationalen Hilfsgeldern bereits im vergangenen Jahr errichtete Anlage für 40.000 Menschen nahe Dadaab - samt Krankenhaus, ordentlichen Hütten und Wassertanks - steht hingegen leer: Experten des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen machen dafür die kenianische Bürokratie verantwortlich. Auch von Befürchtungen, die Flüchtlinge könnten für immer in den vergleichsweise komfortablen Unterkünften bleiben wollen, ist die Rede.

Noch dramatischer als in Dabaab schätzt das Welternährungsprogramm die Lage der somalischen Binnenflüchtlinge ein. 70.000 Hungernde sollen allein im Juli in der Hauptstadt Mogadischu angekommen sein. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR - das am Donnerstag den 60. Jahrestag des Beschlusses der Genfer Flüchtlingskonvention begeht (siehe Artikel unten) - berichtet über Plünderungen und chaotische Zustände.

Doch der Start einer Luftbrücke, um 14 Tonnen energiereicher Nahrung aus Kenias Hauptstadt Nairobi nach Mogadischu zu fliegen, verzögerte sich immer wieder. Zuerst haben sich die islamistischen somalischen Shabaab-Milizen den Flügen widersetzt, dann gab der kenianische Zoll die Lieferung nicht frei. Mittwoch startete schließlich das erste Uno-Flugzeug mit zehn Tonnen Nothilfegütern an Bord Richtung Somalia.

In Kenias Hauptstadt Nairobi ist die Nachrichtenlage über die Situation in Dadaab eher dürftig. Die Dürre schaffte es auf die Titelseite der Daily Nation: Die Leser wurden vor Stromausfällen gewarnt. Der kenianische Standard berichtete groß über das Elend - im internationalen Teil. (bri, tob/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Juli 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
Sudokusan
21
30.7.2011, 01:24
Wir sinds

Wir leben wie die Adeligen Könige und Bischöfe vor der französischen Revolution. Wir es noch bitter bereuen so gehandelt zu haben, wenn sich die Geschundenen ermächtigen uns der gerechten Strafe zuzuführen.

thinkonyourfeet
01
28.7.2011, 20:31
Fäkale Postings werden den Afrikanern auch nicht helfen.

Sie dienen nur dem Ego gewisser Diskussionsteilnehmer.
Wer solche Kraftausdrücke braucht, um seine Überlegenheit gegenüber allen anderen zu "beweisen", ist ein armer Kerl...

thinkonyourfeet
01
28.7.2011, 19:43
@bAuminger Sie WOLLEN über die Probleme Afrikas gar nicht nachdenken.

Viel wichtiger ist Ihnen Ihre markige (um nicht zu sagen fäkale) Ausdrucksweise. Deshalb vermute ich, dass Sie dieses Posting gar nicht wirklich durchlesen wollen. Ich versuch's trotzdem:
Ich habe den Begriff der 'nachhaltigen Selbstversorgung' verwendet, und zwar im folgenden Satz: "Wenn diese Firmen aus dem Brachland reiche Ernten erwirtschaften,
dann ist das überaus erfreulich. Das zeigt doch nur, dass mit den richtigen Methoden alle Voraussetzungen für eine nachhaltige Selbstversorgung gegeben sind." Niemand hat behauptet, dass diese Firmen die Absicht haben, eine nachhaltige Versorgung zu sichern. Aber offensichtlich sind Sie nicht willens, ganze Sätze zu lesen. Das tut mir leid.

bAuminger
52
28.7.2011, 12:21
Nach dem Durchlesen vieler Postings zu den Somalia-Artikeln

ist mir fast übel. Da ist von fehlenden Investitionen die Rede. Davon, dass nur ein freier Markt für eine gleichmäßige und gerechte Verteilung von Lebensmitteln sorgen kann. Von einer "nachhaltigen Selbstversorgung" (wörtlich!) dieser Länder, angetrieben von durch ausländische Konzerne initierte industrielle Landwirtschaft. Mir ist schon klar, dass auch die somalische Regierung und Teile der Bevölkerung eine Teilschuld tragen. Aber immer und immer wieder drängt sich mir die Frage auf:

Werdet ihr für's posten bezahlt, seid ihr nur dermaßen genial zynisch dass ich's nicht merk, oder hat euch wer ins Hirn geschissen? Nach sorgfältiger Analyse bleiben nur diese drei Möglichkeiten übrig. Und ich hoffe für euch und uns alle, dass Nr. 1 stimmt..

prusiner
11
28.7.2011, 17:23
aus einer humanitären Krise

wird durch Banden wie die al-shabab-Milizen eine Katastrophe;

ohne solche Mörderbanden kann geholfen werden, bei allen Schwächen von solchen Hilfskonzepten

Barbarin
02
Ursache/Wirkung...

...Ursache: Ausbeutung Europa Kolonien, späte USA & UDSSR Kalter Krieg....Ausbeutung/Rassismus (Rassentrennung in Herrenrasse u. Sklaven/Zerstörung der Umwelt - Monokulturen/soz. Strukturen/Erschaffung/Förderung von Radikalen (Warlords) für Drogen und Waffenschieberei &Stellvertreterkriege; nun USA & EU & China - Globalisierung (Schürfrechte) - insges. Dauer rund 300-400 Jahre!!

Wirkung: das Land (Wirtschaft, soz. Strukturen) ist korrupt und zerstört, Menschen demoralisiert und verwirrt und HUNGRIG!

thinkonyourfeet
00
@Barbarin Die Analyse finde ich gut,

wenn ich auch nicht ganz derselben Meinung bin. Ich glaube, man sollte nicht ALLES den Europäern und Amerikanern und Asiaten anlasten. Einen Teil der Schuld an der Misere tragen auch die Afrikaner selbst. Ich denke da nur an die Milizionäre, die aus der Hungerkatastrophe Kleingeld (Bestechungsgeld) lukrieren wollen.
Über Soforthilfe wird kaum jemand ernsthaft diskutieren, auch wenn Schmiergelder dafür notwendig sind. Eine Langfriststrategie ist da schon schwieriger, auch wenn Ursache und Wirkung analysiert sind...

Barbarin
01
Schuld....

...ich mag das Worte/Begriff Schuld nicht....Ursache und Wirkung beschreibt das Drama besser.

Aber natürlich stimmt, dass hier Afrikaner (da vom Osten/Weste verführt) gegen Afrikaner werken.

So wie Österreicher Österreicher im 2. WK denunziert und ermordet haben...weil verführt!

Wie die kath. Iren gegen die protestantischen...verführt!

Weil, Propaganda von Politikern (früher Könige/Kaiser/Kirchenfürsten), die in die Taschen des Geldadels arbeiten, wie unser Geschichtsbücher traurigerweise belegen!

1 % halten 99 % dumm und arm...

Die Lösung: Gute Frage und wichtige Frage...meine persönlich wäre nicht umsetzbar ohne Abschaffung von Hirachien, Militär und der Religion Wirtschaft...

LG
B

thinkonyourfeet
00
Ich glaube, dass man nicht alles durch "Verführung" entschuldigen sollte.

Nicht alles Böse in Afrika ist aus Europa importiert. Auch die Afrikaner selbst haben eine grauenvolle Geschichte (nicht nur wir Europäer), in der sie durchaus als Täter vorkommen.
Ich glaube, wir können und sollen die Afrikaner nicht als Kinder betrachten, die selbst zu einer bösen Tat gar nicht fähig sind, weil sie ja noch so klein sind.
Noch vor der Ankunft der Europäer in Westafrika war der Sklavenhandel dort schon 500 Jahre alt. Bis zu einem Drittel der Eingeborenen waren Sklaven (Senegal, Ghana).
Um zum Thema zurückzukommen: Eine nachhaltige Verbesserung der Situation in Afrika muss von den Afrikanern getragen werden. Wenn wir seit 30 Jahren behaupten, wir würden "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten, wo ist dann heute die Selbsthilfe?

< silence >
11
28.7.2011, 16:49
jetzt bin ich aber gespannt

auf ihre Analyse samt Lösungsstrategie. Auf los gehts los.

DarwinsHammer
32
28.7.2011, 11:39
Darf man die Schuldigen noch benennen?

Jetzt, nach Oslo? Darf man es noch offen aussprechen, wer die Hilfslieferungen blockiert? Wer diese erst nötig gemacht hat? Darf man?

Kowosch
 
00
29.7.2011, 02:22

Ja, ideologieverblendete Spinner sollte man immer als solche bennen, da die nie irgendetwas verbessern, sondern anderen nur Stagnation, Rückschritt, Leid, Elend und Gewalt zum Zwecke der eigene Bereicherung bzw. Erbauung oder der psychischen Kompensation bringen.

Da sind die islamistischen Milizien Somalias und die rechtsextremen Deppen Nord- und Mitteleuropas (und anderswo) ganz dicht beieinander.

Wobei es für die aktuelle Hungersnot selbst, nicht deren unnötig schwierige Bewältigung, schon noch weitere Ursachen gibt.

Barbarin
00
28.7.2011, 17:09
Ja, EU & USA & Russland und China...

...ja solange gestohlen gemordet...das über Jahrhunderte....und wie Taliban (kalter Krieg von USA gegründet - für Waffen und Drogenschiebereien), sind diese "pösen warloards" bezahlte Söldner genau dieser Länder, damit die Rohstoffe auch schön billig/gratis bleiben!

Querschädl
22
28.7.2011, 12:14

und was wollen Sie uns jetzt damit sagen? Daß die Geschehnisse in Oslo Ihre Schwarz-Weiß-Welt ins Wanken gebracht haben? Daß Sie vielleicht nachzudenken beginnen, ob die allgemeine Propaganda, der wir alle täglich ausgesetzt sind, doch nicht ganz die komplexe Wirklichkeit widerspiegelt?

Dann haben die Ereignisse in Oslo tatsächlich wenigstens etwas gutes, daß die Menschen nämlich die oberflächlichen Stammtischwahrheiten wenigstens eine Zeit lang hinterfragen.

DarwinsHammer
12
28.7.2011, 13:37

Welche komplexe Wirklichkeit? Dass es in Somalia die Islamisten sind, die die bösen westlich-ungläubigen Hilfslieferungen blockieren?

bAuminger
12
28.7.2011, 12:09
Nein, man MUSS!

bAuminger
24
28.7.2011, 11:28
Irgendwann...

sobald wir den modernen Feudalismus überwunden haben, werden auch diese Menschen in der Lage sein, sich zurückzuholen, was ihnen zugesteht. Jetzt sollten so viele Menschen wie möglich spenden, aber wir dürfen es nicht bei dieser Symptombekämpfung belassen! Wir müssen in Zukunft AKTIV verhindern
- dass ein Großteil der Nahrungsmittel in die Fleischmast geht
- dass die Ausbeutung und Verschwendung von Ressourcen finanziell belohnt wird
- dass sich ein geringer Prozentsatz der Weltbevölkerung in absurden Dimensionen bereichert, ohne auch nur den geringsten Beitrag zum allgemeinen Wohlergehen zu leisten - ganz im Gegenteil
(...)
Lassen wir dieses MÖRDERsystem endlich kaputtgehen! Eine bessere Welt für ALLE!

< silence >
01
28.7.2011, 16:55
stimmt

- In Somalia gelten Rinder, Ziegen etc. als Statussymbol. Viel Land, das eigentlich zur Bewirtschaftung geeignet wäre wird von Vieh abgegrast. Diese Fleischmast ist ein Problem. Die Männer bleiben mit dem Rind zurück, die Frauen werden mit den Kindern auf den Todesmarsch geschickt.
- Die absurde Bereicherung kommt auch vor. Piraten erpressen Milliarden, weitere Milliarden werden von den lokalen Machthabern in Waffen investiert, die Menschen hungern. Es gibt keine Umverteilung!

Die Frage ist - wie wollen sie dieses Mördersystem ändern??

fdcjn
00
28.7.2011, 12:51

WORD!

hismaster
00
28.7.2011, 12:31

es ist naiv

bAuminger
00
28.7.2011, 13:09
Was ist naiv?

Bitte genauer benennen!

_mimmi
02
28.7.2011, 11:07
wie der dicke satte mensch, der einem verhungernden das letzte stückchen brot vorenthält

"Eine mit internationalen Hilfsgeldern bereits im vergangenen Jahr errichtete Anlage für 40.000 Menschen nahe Dadaab - samt Krankenhaus, ordentlichen Hütten und Wassertanks - steht hingegen leer...Befürchtungen, die Flüchtlinge könnten für immer in den Unterkünften bleiben wollen..."

wie grausam kann man sein, menschen eine notunterkunft zu verweigern? diese wurde sogar schon gebaut und ist angeblich einsatzbereit. und jetzt verwiegert man sie den menschen weil man angst hat sie wollen da nachher nicht mehr raus?
wie kann man nur so grausam zu menschen sein, die so arm sind, dass für sie eine flüchtlingsanlage mit fließendem wasser und sanitärer einrichtung eine so bessere lebensmglichkeit darstellt?

maverick
21
28.7.2011, 10:59
so hart es ist

aber was da momentan passiert ist mord! von jedem von uns, von jedem, dem es besser geht, der zusieht und nicht bereit ist auch nur 1€ zu spenden.
noch schlimmer steht es da um die regierungen der 1. und 2. Welt Länder - nur weil es dort kein Öl gibt und keine großen handelspartnerschaften, dröhnen nicht tag ein und aus die motoren der hilfsmannschaften!

bAuminger
44
28.7.2011, 11:45
Ich bin nicht einverstanden!

Da wird seit Jahrzehnten institutioneller, politisch legitimierter Mord betrieben. WTO, IWF und andere "westlich" dominierte internationale Institutionen drücken der Welt ein Wirtschaftssystem auf, dass MASSENMORD in Kauf nimmt, um die Interessen von ca. einem Prozent der Weltbevölkerung zu schützen. Die EU fördert massiv eine Landwirtschaft, die MORDET. Jeder Tag, an dem wir unsere Regierungen weiter legitimieren, ist MORD. Jeder Tag, an dem wir den Banken weiterhin Geld in die Arme treiben, ist BEIHILFE ZUM MORD. Jedes Schnitzel, das wir im Supermarkt kaufen ist MORD. Großer Respekt vor allen, die spenden, aber pass auf, bevor du jemanden als Mörder bezeichnest, nur weil er nicht gleich zur PSK rennt. URSACHENBEKÄMPFUNG statt SYMPTOMBEKÄM

thinkonyourfeet
01
28.7.2011, 21:31
@bAuminger Sie haben ein Problem.

Ihre Theorien sind nichts anderes als Fundamentalismus. Ein Fundamentalist interessiert sich nicht für Tatsachen und für die Wirklichkeit. Solche Menschen haben ein Problem. Und sie sind eines...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.