Banken belehnten Geigen, ohne sie je gesehen zu haben
Wien - In der Causa Stradivari, in der gegen Geigenhändler Dietmar M. wegen
Betrugsverdachts ermittelt wird, kann einer wenig zur Aufklärung beitragen:
Dietmar M. Er sitzt in Auslieferungshaft und hinterlässt laut Bericht des
Masseverwalters Jörg Beirer "den Eindruck, dass er auf Grund des finanziellen
Drucks die Übersicht verloren hat. Eine Kenntnis seiner Vermögenssituation ist
kaum zu erheben", hält Beirer fest. Seine Schilderungen bieten Einblick in eine
lockere Geschäftspraxis. Bloß eine Passage aus dem jüngsten Bericht: "Da werden
Instrumente verkauft und gekauft zum Wert aus Gutachten, die einige Zeit zurück
liegen ... und aus denen sich nicht ergibt, dass das gekaufte mit dem
begutachteten Instrument übereinstimmt. Eigene Gutachten der Käufer sind bisher
nicht bekannt."
Auch die Banken, die Millionen und Abermillionen borgten, spielten dabei mit:
Sie "nahmen die Streichinstrumente als Sicherheit für Kredite, ohne sie gesehen
und bewertet zu haben", konstatiert der Jurist.
Allerdings ist auch das Insolvenzverfahren nicht frei von Skurrilitäten. So
trug M.'s Anwalt jüngst die Bitte an den Masseverwalter (und somit an die
Gläubiger) heran, eine Honorarnote von M.s Arzt zu begleichen. Der
vergleichsweise "lächerlich geringe Betrag" könne "von M.s Versicherung
rückgefordert werden". (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2011)