Wohnungsmarkt

40.000 suchen eine geförderte Wohnung in Wien

Claudia Ruff, 27. Juli 2011, 18:02

Während in der Vergangenheit der Wohnungsleerstand kritisiert wurde, ist jetzt das Gegenteil der Fall

Es gibt kaum noch günstige Wohnungen. Salzburger weichen bereits nach Deutschland aus.

***

Wien - Wer heute in den Ballungszentren, allen voran Wien, Salzburg und Innsbruck (die auch als Universitätsstädte enormen Zuzug haben), eine kostengünstige und qualitativ ansprechende Wohnung sucht, tut sich schwer. Die Neubauwohnungen im mehrgeschoßigen Wohnbau gingen in den letzten Jahren spürbar zurück, weil die Wohnbauförderung von den Ländern großteils anderweitig verwendet wurde. Und der klassische günstige Altbaubestand schrumpft: Wohnungen wurden saniert und zusammengelegt und unterliegen seitdem nicht mehr dem gesetzlichen Mietzins; oder sie wurden im Eigentum abverkauft.

Vormerkungen rasant gestiegen

Allein in Wien sind beim städtischen Wohnservice Wien derzeit 40.000 für eine geförderte Wohnung angemeldet. Und das sind "aktive Wohnungssuchende und keine Karteileichen", wie Claudia Nekvasil-Kelnhofer vom Wohnservice Wien dem STANDARD bestätigt. Es ist die höchste Zahl seit der Gründung des Wohnservices Wien vor zehn Jahren. 

Klaus Lugger, Chef der neuen Heimat Tirol, bezifferte die Wohnungssuchenden in Innsbruck mit "stabil bleibenden 2000 Wohnungssuchenden". Der geförderte Neubau kostet bis zu acht Euro/m², das entspricht in etwa 30 Prozent unter dem üblichen Marktdurchschnitt in Innsbruck.

Christian Struber, Chef von Salzburg Wohnbau, spricht von 4200 Vormerkungen in der Stadt Salzburg (vor zehn Jahren waren es noch 2500), bei Preisen von 8,50 Euro/m² für geförderte Mietwohnungen und jenseits der zehn Euro/m² am freien Markt. "Die Leute weichen bereits nach Deutschland aus, in die Grenzregionen Freilassing oder Bad Reichenhall, weil die Mieten dort billiger sind", sagt Struber.

Die Baubewilligungen für Neubauten liegen derzeit österreichweit bei 35.000. Vor einigen Jahren waren es noch 48.000.

Kein Leerstand

Die Preise für halbwegs annehmbare Mietwohnungen (nicht gefördert) liegen in den Ballungszentren bei zehn bis zwölf Euro/m² und mehr. In der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft sind es quer über den Bestand knapp unter fünf Euro/m².

Sozialwohnungen im Neubau, so welche gebaut wurden, kosten in Wien etwa sechs Euro/m². Der strategische Wohnungsleerstand in Wien (damit jeder, der eine Wohnung sucht, auch eine bekommt), der vor einigen Jahren in Wien noch massiv kritisiert wurde, ist dahin.

Raue Sitten

Da kann es schon vorkommen, dass die Sitten der Vermieter rauer werden: Wohnungssuchende am freien Markt berichten von Vermietern, die Einlass in die aktuelle Wohnung fordern, mit dem Argument, nur so beurteilen zu können, ob der Mieter für einen infrage kommt.

Die Wohnungsknappheit in den Universitätsstädten beschert auch den Studentenheimen regen Zustrom. Die gemeinnützige Studentenwohnheimgesellschaft Stuwo eröffnet im Oktober ihr siebentes Haus in der Wiener Donaufelderstraße. Die 329 Plätze (knapp 100 an Österreicher, 60 an Deutsche, der Rest aus anderen Ländern) sind vergeben, bei Preisen von knapp 370 Euro pro Zimmer in einem Zweier-Appartement. Wäre das Heim nicht gefördert, käme ein Heimplatz auf monatlich rund 500 Euro, sagte Stuwo-Chef Walter Tancsits. Auch die Stuwo verlangt eine "Selbstauskunft", was die Einkommenssituation anbelangt. Das sei notwendig, weil bei Überfüllung die soziale Bedürftigkeit Vorrang habe, argumentiert Tancsits. Bei der Stuwo beziehe ein Drittel der Bewohner Studienbeihilfe. Österreichweit sind es 20 Prozent.

Auslandsnachfrage

Studentenheime sind vor allem für die immer größer werdende Zahl von ausländischen Studenten attraktiv, die am heimischen Wohnungsmarkt sonst nicht unterkämen. Wie überhaupt die Mär, dass die Eltern oder Großeltern dem Nachwuchs Geld für die Studentenwohnung in Wien in die Hand drücken, nicht stimme, sagen Involvierte. Die Einkommens- und Familiensituation (mit Kindern aus der Erst-, Zweit- und Drittbeziehung) lasse das einfach nicht mehr zu.  (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2011)

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Politische Herausforderung - Von Claudia Ruff

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Gerlinde Berghammer
10
30.7.2011, 01:26

Ich wohn zwar in einem Gemeindebau in wien (beziehungen über wiener wohnnen) hab aber ein haus im Weinviertel. (bin schlauerweise nur in wien gemeldet) Ist allerdings sehr alt und weit hinter stockerau.. Wenn die Leute in wien wohnen wollen dann sollen sie sich eine wohnung doch kaufen ! Zum Spottpreis von nur 300.000 euro bekommt man schon was neues.

peter schlesinger
00
31.7.2011, 16:36
und genau für solche Leute wie Sie

gehört eine jährliche Kontrolle des Einkommens, wird eine bestimmte Höhe überschritten, dann wird die Miete erhöht und mit Ihrer höheren Miete wird jemand unterstützt der es wirklich benötigt.

peter schlesinger
03
31.7.2011, 16:34
Sozialschmarotzerin erster Klasse

violavioletta
 
00
30.7.2011, 20:17
in stockerau..

wärst du uns lieber gerlinde...oder gleich in einem anderen kontinent am besten

Jimmy Deen
00
29.7.2011, 10:47

wohnungsknappheit und das ringen um facharbeiter können sich die hand geben

py rx
61
28.7.2011, 17:01

ach ja, jedem konservativen / neoliberalen obergescheiten hier steht es natürlich frei, aus der tatsache, dass in wien zigtausende wohnungen aus spekulationsgründen leerstehen andere schlüsse zu ziehen, ich aber schlage vor: enteignen, mehr als zwei wohnungen dürfte in einer demokratie niemand besitzen!

Wolf X
17
28.7.2011, 18:22
Zu spät!

Die Enteignung durch unbefristete Mietverträge, die nur der Mieter kündigen kann, durch gesetzlich verordnete und nicht kostendeckende Mieten oder durch Mietverträge die nur mieterseitig abgeändert werden können ist doch schon längst Realität!

Ob sich die Demokratie allerdings darin erschöpft, dass niemend mehr als zwei Wohnungen besitzen darf, wage ich zu bezweifeln. Meines Wissens hat es solche Tendenzen nur im Kommunismus gegeben, und der ist bekanntlich ziemlich weit von der Demokratie entfernt.

Javert
00
30.7.2011, 16:02

die ausgangsforderung ist nicht kommunismus, sondern schlicht asozial

kommunisten sind keineswegs weltfremd

violavioletta
 
00
29.7.2011, 13:29
welche demokratie bitte?

das ist doch nur eine getarnte diktatur!

liberte
41
28.7.2011, 15:49
wann kommt den die Steuer auf Leerstand ?!

Dias Finance-ministerium sucht doch verzweifelt nach Einnahmen und win-win Situationen , also wie wärs mit sozial zur Abwechslung ?

Chocoholic
01
28.7.2011, 17:45
Steuer auf nicht verwendete Gehirnzellen.

Volleyball
00
28.7.2011, 18:40

quasi, ein UNvermögensteuer - es gilt keine UNschuldsvermutung.

supersheriff
22
28.7.2011, 15:55
Steuer auf freie Sitzplätze in privaten PKW!

gracchus l'ouverture
30
28.7.2011, 16:17
eine sehr gute Idee

die zb in den USa bereits verwirklicht ist (Spuren, auf denen nur Autos mit mehreren Insassen fahren müssen. Die anderen kriegen um die gleiche Kfz Steuer "weniger Straße.")
Aber im Ernst: Wohnungsbau hat staatliche zu erfolgen, zumindest im Prinzip. Alles andere ist Blödsinn - gibt man den Privaten einmal einen Finger, werden sie immer mehr fordern und sich sukzessive immer stärker hinter den armen, fleißigen, gerechten Kleinimmoeigentümer verschanzen, die ach so schlimm leiden unter der Wettbewerbsverzerrung.
Die Häuser den Besitzern, die Eigentümer enteignen!

peter schlesinger
00
31.7.2011, 16:39
Wohnungsbau hat staatliche zu erfolgen

wenn Sie das ernst nehmen, dann müßten Sie heute noch mit 4-6 Personen auf 35 m2 wohnen.

max ritz
00
28.7.2011, 19:30
Spuren, auf denen nur Autos mit mehreren Insassen fahren

da brauchen wir zuerst die Spuren, damit man auf eine andere ausweichen kann

Wolf X
13
28.7.2011, 18:42
Und wer

zahlt dann die neue Fassade um 200.000 Euro - oder die Dachsanierung um 100.000 Euro? Der Ex-Eigentümer wird sich nicht enteignen lassen und dafür auch noch die Erhaltungskosten zahlen!

jaeh74
10
28.7.2011, 15:47
Jo, da es zuwenig Wohnungen gibt

einfach die Geburtenrate heruntersetzen. Werden jetzt einige schreien, tatsächlich aber wäre es für vieles die richtige Lösung.

violavioletta
 
00
29.7.2011, 13:32
noch weniger geburten??

na superidee herr JO, da wird einem ja gleich schlecht bitte..aber dann jammern wenn keiner mehr deutsch redet....weil der durchschnittsösterreicher gerade mal 1,5 kinder hat, ist ihnen das vielleicht schon zuviel???

jaeh74
00

die erde hat nunmal nur soundsoviel resourcen und eins ist sicher: im moment brauchen wir zuviel davon. Eine schrumpfung der bevölkerung auf ein erträgliches maß wäre hier sicher nicht verkehrt. das hat im übrigen überhaupt nichts mit ausländern zu tun, den die gibt es seit der globalisierung eh nur mehr auf dem papier...

Wolf X
11
28.7.2011, 18:39
Sobald

Du wegen der sinkenden Bevölkerung arbeitslos bist, reden wir weiter.

Außerdem gibt es nicht "zuwenig Wohnungen" sondern nur zu hohe Ansprüche. Eine 4-Personen-Familie auf 80 m²? Igitt! Ein Single auf 40 m²? Erniedrigend! Wessen Ansprüche steigen, dessen Ausgaben steigen auch.

Volleyball
12
28.7.2011, 18:09

wenn man bei der Abtreibung die Spekulanten meint, dürftens recht haben

Workdesk
01
28.7.2011, 15:41
was ist eigentlich passiert?

meine großeltern hausten gemeinsam mit meiner mutter auf 16m². das war ein zwischenquartier für sie von der gemeinde wien, so lange bis sie eine größere gefunden haben. die "größere" war dann 70m². für drei personen nicht wirklich groß.

meine mutter allerdings wohnte als erwachsene in einer 2 zimmer wohnung. kaufte sich nur kosmetikprodukte von clinique, kaufte sich schuhe in der innenstadt und ging mehrmals die woche mit ihren freundinnen auf tour. das alles konnte sie alleine mit ihrem gehalt als kindergärtnerin finanzieren.

kindergärtnerinnen bekommen heute beim einstieg 1.300 netto. da könnte man sich den lebensstil meiner mutter nicht leisten.

da frag ich mich schon was da passiert ist.

violavioletta
 
00
29.7.2011, 13:33
das nennt..

man entwertung und inflation.

Karl Bergerle
00
29.7.2011, 14:26
Entwertung u. Inflation

erklären Sie das etwas genauer:
1940 - wohnten 3-4 Personen auf 16 m2
2010 - wollen 2 Personen auf 80 m2 wohnen?

wo ist da die Entwertung und wo die Inflation versteckt?

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