Außenminister Azubalis will ehemaligen sowjetischen Staatschef zur "Blutnacht von Vilnius" 1991 zumindest als Zeugen vorladen lassen
Vilnius - Litauen erwägt, gegen den ehemaligen sowjetischen Staatschef
Michail Gorbatschow einen Europäischen Haftbefehl zu erlassen. Außenminister
Audronius Azubalis sprach sich am Mittwoch vor Journalisten dafür aus,
Gorbatschow im Zusammenhang mit der so genannten "Blutnacht von Vilnius", in der
14 Menschen bei der Erstürmung des Vilniuser Fernsehturms starben, jedenfalls
als Zeugen vorzuladen.
Die "Einladung" an den mittlerweile 80-jährigen ehemaligen Präsidenten der
Sowjetunion solle in regelmäßigen Abständen ergehen, so Azubalis laut der
baltischen Nachrichtenagentur BNS. "Die Staatsanwaltschaft muss auf Basis der
ihnen zugänglichen Dokumente entscheiden, ob die Erlassung eines Europäischen
Haftbefehls gegen ihn (Gorbatschow) notwendig ist", so Azubalis.
Die litauische Justiz hat laut BNS bereits mehrfach ein Rechthilfeansuchen im
Zusammenhang mit der Rolle Gorbatschows bei den Ereignissen von Vilnius im
Jänner 1991 an Moskau gestellt. Sämtliche Ansuchen seien unbeantwortet
geblieben. (APA)