Anschläge in Norwegen

Experten fordern mehr Politische Bildung

Rosa Winkler-Hermaden, 28. Juli 2011, 16:10

Gertraud Diendorfer: "Demokratiebildung so wichtig wie Lesen und Schreiben lernen" - Gunther Trübswasser: "Rassisten werden nicht geboren, sondern erzogen"

Beim Schussattentat in Oslo sind viele Jugendliche ums Leben gekommen. Die Bestürzung in aller Welt ist groß. Wie sollen Lehrer an österreichischen Schulen mit der Debatte umgehen? Sollen die Geschehnisse von Norwegen in den "Politische Bildung"-Unterricht einfließen? Ja, findet Gunther Trübswasser. Er ist Vorsitzender des Vereins SOS-Menschrechte in Oberösterreich und sagt im Gespräch mit derStandard.at: "Rassisten werden nicht geboren, sondern erzogen". Umso wichtiger sei es, im Unterricht oder auch in Workshops vor Rechtsextremismus und Rassismus zu warnen.

SOS-Menschenrechte hat vor 15 Monaten das Programm "STAND UP" gestartet. In Workshops lernen Schüler über Antirassismus und Zivilcourage. "Man muss in der Schule ansetzen", ist Trübswasser überzeugt. Diskriminierungen würden oft schon als Meinungen abgetan, die Menschen seien sich nicht bewusst, dass es sich oft aber um Tatbestände handle.

Er ist auch der Meinung, dass der "Politische Bildung"-Unterricht in den Schulen ausgeweitet werden soll. Die Lehrer würden auch danach streben, besser ausgebildet zu werden. An der Johannes-Kepler-Uni in Linz wird ein entsprechendes Master-Studium für Pädagogen angeboten und von Interessenten überrannt, so Trübswasser.

Horizont erweitern

Bei den Schülern gehe es in erster Linie darum, ihren Horizont zu erweitern, sie "zum kritischen Denken zu erziehen" und sie zu wappnen, nicht alles zu glauben, was sie hören oder lesen, sagt Trübswasser.

Gertraud Diendorfer vom Demokratiezentrum Wien sagt im Gespräch mit derStandard.at auf die Frage, ob man den Anschlag in Oslo in der Schule thematisieren soll: "Die Lehrer sollen darauf eingehen, wenn die Schüler darüber reden wollen." Sie ist der Meinung, bei Politischer Bildung gehe es nicht darum, ad hoc, nur auf Anlassfälle zu reagieren, sondern Jugendliche vorbeugend gegen extreme Fälle zu wappnen.

Mehr Politische Bildung

Und hier sieht Diendorfer noch Aufholbedarf. Man müsse die Politische Bildung in der Gesellschaft noch stärker verankern. "Demokratiebildung ist so wichtig wie Lesen und Schreiben lernen", sagt sie. Es brauche mehr Lehrer-Fortbildung in diesem Gebiet, mehr Materialien, die man Lehrern und Schülern zur Verfügung stellen soll. Außerdem plädiert sie dafür, nicht nur in der Schule anzusetzen, sondern generell in der Gesellschaft. 

"Wir gehen davon aus, dass Demokratie selbstverständlich ist", dabei vergesse man aber, welche Verantwortung jeder einzelne habe, dass jeder einzelne Verantwortung für Demokratie trägt. "Der Wert der Demokratie muss aufgezeigt werden."

"Plädoyer für mehr Demokratie"

Diendorfer fordert: "Junge Menschen sollen in Hinblick auf demokratisches Handeln befähigt sein, sich selbst ein Urteil bilden zu können". Etwa, ob auf Menschenrechte Rücksicht genommen wird, ob Solidarität herrscht. Diendorfer spricht in diesem Zusammenhang von einem "Plädoyer für mehr Demokratie", das von Nöten sei. (rwh, derStandard.at, 28.7.2011)

WISSEN: Politische Bildung wird an Österreichs Schulen ab der 8. Schulstufe gelehrt. Je nach Schultyp hat man ein bis zwei Wochenstunden. Auch in der Oberstufe hängt es vom Lehrplan ab, wieviele Stunden "Politische Bildung" unterrichtet werden, der Durchschnitt liegt aber auch hier bei ein bis zwei Wochenstunden.

UMFRAGE: Mehr Politische Bildung in der Schule?

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Der Kluge
00
29.8.2011, 23:51

"In Workshops lernen Schüler über Antirassismus und Zivilcourage"

In Wahrheit wird hier linke Ideologie gelehrt und Kinder indoktriniert.
Zivilcourage ist Codewort für das Schüren von Angst vor angeblichen rassistischen Übergriffen. Diese Übergriffe gibt es im Gegensatz zu Jugendbanden mit internationalem Flair allerdings nicht wirklich.

asinus
01

Mich hat immer gewundert, mit welcher Leichtfertigkeit die beiden Großparteien die FPÖ (und Teile des BZÖ) salonfähig gemacht haben, wenn es um das Stimmenbuhlen ging. Jeder weiß, wer sich dort herumtreibt, welche reaktionären Ansichten die Herren (und auch Damen) haben, und trotzdem werden sie immer wieder beworben; der Gipfel der Frechheit ist die Stellung des Hr. Graf als 3. Präsident des Nationalrates. Es ist immer das gleiche: Unten soll dem entgegengewirkt werden, auch durch die berechtigte Forderung nach mehr politischer Bildung, und oben machen sie genau das Gegenteil.

Cielito Lindo
00
31.7.2011, 22:21

Mehr politische Bildung für unsere Politiker, für alle in den Führungsetagen - dann hätte die Jugend Vorbilder und nicht nur theoret. Wissen, dem die Praxis widerspricht.

Aracni Santini
01
31.7.2011, 22:18
die politischen Führer bekommen mehr Sozialunterricht?

mehr Ethik? Mehr Verantwortung für die Verwaltung von Steuergeld?

per verser
00
31.7.2011, 20:43

an meiner ehemaligen schule wurde die politische bildung quasi als freiwilliger zwang besucht. der lehrer war zufällig offizier der reserve, fpö-mitglied und auch klassenvorstand. er fand, dass die ideale regierungsform die einer "wohlwollenden diktatur" sei. soviel zur österreichischen version des themas.

Daisy Lord
01
31.7.2011, 18:58
Experten fordern

- mehr Politische Bildung
- mehr Leseerziehung
- mehr PC/Internet-Unterricht
- mehr soziales Lernen
- mehr Sport
- mehr Gesundheitserziehung
- mehr Wirtschaftsunterricht...

....usw.
Wo und wie das untergebracht werden soll, darüber schweigen sich die Experten aus. Sollen die Kinder 8 Stunden täglich Unterricht haben? Oder streichen wir noch ein paar D-, E- und M-Stunden?

MichseXY
03
30.7.2011, 19:00
Immer wenn ein Experte mehr...

... "politische Bildung" fordert bekomm ich Bauchschmerzen. Vielleicht ist es ja gut gemeint, aber es werden sicherlich die "Richtigen" damit beauftragt und - tata - wird Propaganda-Unterricht daraus.

Und alle krampfhaften Versuche die Leute in eine Richtung zu drängen wird genau in die andere (falasche?) Richtung ausschlagen. Das zumindest hat die Geschichte gezeigt...

Seria
10
30.7.2011, 13:26

sagt einem das nicht schon der gesunde Menschenverstand? All diesen Verbrechern, Neonazis etc mangelt es an gesundem Menschenverstand u (Herzens) Bildung

Pauli Feuerstein
01
31.7.2011, 00:15
sie irren, der mann war hochintelligent

und er hatte einen menschenverstand, aber nicht den selben wie sie, er war anders.

jepp eh
01
30.7.2011, 12:25

deswegen haben sie auch in den meisten Schulen in der 6. Klasse Oberstufe Geschichte und politische Bildung gestrichen.........

(Erklärung: weil die SchülerInnen sonst in der 5. und in der 6. Klasse nur je 1 Stunde pro Woche hätten, was völliger Blödsinn ist, haben die meisten Schulen 2 Stunden Gesch. u. pol. Bildung in der 5. und dafür in der 6. gar nicht.)

srinivasa
00
30.7.2011, 11:45

und Ich fordere mehr politischen Anstand.

EricderRote
03
30.7.2011, 09:32
völlig sinnlos

mehr politische Bildung? Demokratisches Verhalten lernt man nicht einfach im Kopf, sondern durch Vorbild und Beispielwirkungen. Für weitere Stunden ist soweiso kein Geld da, die wenigen Stunden hat man vor Jahren gestrichen (und jammert jetzt scheinheilig). Politische Vorbilder in den Führungsetagen zeigen es jeden Tag vor, wie man durch Trickserei, Lügen, Halbwahreiten und Intrigen sich durchsetzt und da sollen Jugendliche dann anders sein? Selbst bei der Schulreform wird seit Jahren ein desaströses Dilettantenum vorgelebt, wo man den Jugendlichen es nur mehr als Beispiel hinstellen kann: "So nicht"

bycicle
01
30.7.2011, 13:38
so ist es!

im österreichischen bildungssystem wurde und wird alles kaputtgespart. es gibt einen fortbildungslehrgang für polit. bildung für lehrer, der kostet aber ein paar tausend euro..... und das ist für die österreichischen bildungspolitiker "QUALITÄT"!!!!!!!! zum weinen.....

Fritz Meyer
03
29.7.2011, 15:11
Siehe auch...

- Medienkompetenz

-> Passt der Politik und den Medien so gar nicht, wenn die Jugend ihre Worthülsen und Lügen durchschaut und "Jugendschützer" werden überflüssig (OK, mehr in Deutschland ein Aspekt.)

- Hygiene

-> Mehr gesunde Menschen werden von der Ärztekammer und Pharmaindustrie wohl eher als "geschäftsschädigend" angesehen.

- Ernährungskunde

-> Zuckerdrinkfirmen und Süssigkeitenhersteller, sowie MacDonald & Co. fänden das höchst unschön! Ganz zu schweigen von der Ärztekammer und der Pharmaindustrie, die über mehr Kranke immer glücklicher ist.

Und schliesslich der Klassiker:

- Geschichte (inkl. politischer Bildung)

Da haben's ALLE was dagegen! Politik und Wirtschaft wegen ihrer Schweinereien und der Klerus sowieso.

bycicle
01
30.7.2011, 13:42
und...

... in fast allen schulen gibt es mittlerweile getränkeautomaten, wo cola und red bull verkauft wird - DAS ist das österreichische bildungssystem
die schulen bekommen von den firmen ein bissl geld, das der staat anscheinend nicht mehr hat. jetzt trinken sehr viele schüler das süße glumpert, was aber im endeffekt in etlichen jahren dem österreichischen gesundheitssystem viel kosten wird.... DAS ist österreichische schule.

andreas lamers
 
01
29.7.2011, 14:30
in anderen laendern

ist demokratieverstaendniss, politische bilund und dikutieren teil des stundenplans. andere laender bevorzugen eben sklaven die still sitzen und sich berieseln lassen.

polytropolis
03
29.7.2011, 14:21
Das wird aber gewussen politischen Kreisen

und vorallem der Wirtschaft gar nicht passen!
Desinteresse an Politik, Unkritische Haltung der Konsumenten gegenüber dem Wirtschaftssystem spielen der herrschenden Klasse doch voll in die Hände!!!
Am liebsten wäre denen doch wenn Sie diese schreckliche Attentat dazu nützen könnten den Polizeistaat weiter voranzutreiben, anstatt der sozialen und politischen Bildung wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zu geben... (Beispiel CDU/CSU Deutschland)

Den norwegische Ministerpräsident und die Bürger Norwegens einmal ausgenommen!Ich war sehr positiv berührt wie die Norweger die Aufarbeitung diese Massakers angehen und welche Konsequenzen die Politik daraus zieht...

Fritz Meyer
00
29.7.2011, 15:11
Stimme Ihnen uneingeschränkt zu!

Jetzt neu: Kernschmelzkäse
03
29.7.2011, 13:52
naja

aber nur solange man "politische Erziehung" (dabei stellts mir eh schon fast die Nackenhaare auf) nicht mit "Ideologieindoktrination" gleichsetzt. Was leider im Augenblick sehr viele fordern.
Ich bin aber davon überzeugt, dass man so sehr leicht das genaue Gegenteil erreichen kann.

Ich finds ja auch schon grenzwertig, dass ausnahmslos jeden Tag irgendeine Nazi-Doku am N24 läuft. Aufklärung recht und gut, aber das geht schon langsam in Richtung Verehrung.

Miguel Rodrigez
03
29.7.2011, 13:31

Viele junge Menschen werden durch böse Erfahrungen zu sogenannten Rassisten

Lichtfreak
00
29.7.2011, 13:30
Was denkt ihr

bekommen Kinder mit, wenn sie in einem FPÖ oder Burschenschaftler Umfeld aufwachsen?

Das prägt!

chrimu1
01
Erziehung vs. Erfahrung

Ich denke, dass Kinder meist das Gegenteil von dem wollen, was sie von ihren Eltern her kennen. Die Erziehung hat schon Auswirkungen, aber nicht immer in die logische Richtung.

Die Einstellung zu anderen Menschen dürfte erst mal neutral sein, durch positive und negative Erfahrungen ändert sie sich dann.

Wenn ich zB von einem Franzosen niedergeschlagen werde, werde ich Franzosen gegenüber in Zukunft vorsichtiger sein.

Versetzt mir dann einige Jahre später ein anderer Franzose eine Ohrfeige, so sind vom Gefühl her alle Franzosen für mich Schläger.

dahofawors
00
29.7.2011, 13:26
die schüler sollten camps für basisdemokratie machen dürfen

ohne praxis wäre "politische bildung" ein humbug!

Otsch1
 
00
31.7.2011, 14:09
Was ist "Basisdemokratie"?

Vorerst müsste überhaupt allgemein gültig geklärt werden, was heute unter dem altgriechischen Begriff "Demokratie" verstanden werden soll. Menschenrechte, Gerechtigkeit und Solidarität zum Beispiel haben mit Demokratie an sich gar nichts zu tun.

Nick Knattertoni
00
29.7.2011, 13:29

:) boot-camps für demokratie

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