Start-Up "Whatchado"

Heute Heinz Fischer, morgen Barack Obama

Bericht | Oliver Mark, 27. Juli 2011, 18:56
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    foto: screenshot/whatchado

    Die Video-Plattform "Whatchado" will ein "Wikipedia der Lebensläufe" sein.

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    "Whatchado"-Gründer Ali Mahlodji.

Video-Plattform "Whatchado" will Jobs vorstellen, um Orientierung bei der Berufswahl zu bieten - "Wikipedia der Lebensläufe"

"Das ist mein Lebenswerk, das ich der Welt hinterlassen möchte", sinniert Ali Mahlodji, "sollte mich plötzlich ein Ziegelstein am Kopf treffen". Das "Lebenswerk" von Ali Mahlodji nennt sich "Whatchado" und soll eine Art "Wikipedia der Lebensläufe" sein, wie der Gründer sein Start-Up im Gespräch mit derStandard.at beschreibt: "Theoretisch kann jeder, der das Engagement hat, seine Geschichte hinzufügen." Geschichten sind im Falle von "Whatchado" Video-Clips. Vom Blumenverkäufer über Fußballer bis zum Bundespräsidenten. Jeder soll seinen Weg skizzieren.

"Whatchado" ist als Karriereportal konzipiert, wo sich jeder, der nach beruflicher Orientierung sucht, über Jobs informieren kann. Welche gibt es? Was steckt dahinter? "Kein Mensch wählt einen Beruf aus dem Katalog aus, die kommen über Interessen und Neigungen darauf", sagt der 29-jährige Initiator, der selbst lange auf der Suche war. Vom Schulabbrecher, der sich als Bauarbeiter, McDonald's-Mitarbeiter oder Lagerarbeiter über Wasser gehalten hat, bis zum Unternehmensgründer, der berufsbegleitend zwei Studienrichtungen absolviert hat und sich jetzt als Unternehmer etablieren möchte.

Promifaktor

"Lineare Lebensläufe, die in fixen Jobs münden, gibt es de facto nicht mehr", meint Mahlodji: "Auf dem Portal soll die ganze Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten gezeigt werden." Online ist whatchado.net erst seit wenigen Wochen. Und zwar nur mit einem ersten Vorgeschmack des Portfolios. Der Startschuss für die Vollversion fällt im September. Zurzeit geben noch Leute wie die ORF-Journalisten Armin Wolf, Roman Rafreider oder Karim El-Gawhary Einblicke in ihre Tätigkeiten. Weiters an Bord sind Fußballer Toni Polster, Tänzer Ramesh Nair oder SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch. Bundespräsident Heinz Fischer soll noch heuer dazukommen. "Warum nicht nächstes Jahr Barack Obama?"

Allen gemein ist, dass sie sieben Fragen beantworten müssen. Etwa: "Was steht auf deiner Visitenkarte?", "Wie schaut dein Werdegang aus?" oder "Welche Einschränkungen bietet dein Job? Die Fragen wurden von Mahlodji und seinen Mitarbeitern entwickelt. Sie sollen ein insgesamt rundes Berufsbild ergeben, so das Konzept hinter den - zwischen vier und sechs Minuten dauernden - Videos, die momentan noch vom "Whatchado"-Team selbst produziert werden. In der nächsten Stufe sollen User- und Firmen-Clips das Angebot komplettieren.

"Matching-System" soll Interessen filtern

Ernst wird es ab September. Die "Promidichte" soll ab-, das Spektrum an Jobs zunehmen. Gärtner, Verkäufer, MA 48-Mitarbeiter. Insgesamt hat Mahlodji rund 160 fertig produzierte Videos in petto, die sollen sukzessive online gehen. Werden Jugendliche den perfekten Job finden, indem sie sich einen Clip nach dem anderen reinziehen? "Nein", betont er, den Interviews liege ein Modell zugrunde, das auf den jeweiligen Interessen basiere. "Jede Person, die interviewt wird, muss einen Fragebogen mit 20 Fragen ausfüllen, bei dem die Interessen abgefragt werden." Kommen User auf die Seite, können sie den gleichen Fragenkatalog beantworten. Mit Hilfe der Übereinstimmungen, des so genannten "Matching-Systems", bekommen sie Videos serviert, die ihren Präferenzen entsprechen.

"Albertina-Direktor Schröder tickt zu 90 Prozent genauso wie du oder eben auch ein Gärtner aus Deutschland", erläutert Mahlodji das "neuartige" Matching-System. "So kommt man auf Karrieren, die man niemals im Fokus hatte." Nutzer können ihre Profile speichern, Merklisten erstellen oder sich selbst via Bewerbungsvideo in Szene setzen. "Das darf aber maximal 50 Sekunden dauern." In Zeiten von Smartphones mit integrierter HD-Kamera sei das kein Problem, hofft er und rechnet mit reger Userbeteiligung.

In Schulen

Kein gutes Haar lässt er an Methoden, wie sie zum Beispiel vom AMS oder Berufsorientierungsmessen praktiziert werden: "Hier gibt es Fragebögen, die ewig lange sind und wo dann am Ende steht, du sollst Projektmanager werden." Das gehe an der Lebensrealität von Jugendlichen vorbei. "Ein völliger Schwachsinn." Um Schülern Unterstützung auf ihrem Karriereweg zu geben, strebt "Whatchado" Kooperationen mit Bildungseinrichtungen an. Mahlodji unterrichtet selbst an Gymnasien. Ein gutes Sprungbrett.

Die Idee für das Portal hatte er im Alter von 16 Jahren, 13 Jahre später steht die Realisierung auf dem Programm. Altruismus ist schön, Hilfe für den Lebensweg gut, aber weil sich Herzblut nicht automatisch in Geld transformiert, wird ab September das Geschäftsmodell implementiert. "Es wird eigene Business-Seiten geben, wo sich Unternehmen präsentieren können", verrät er, "für diese Videos verlangen wir dann Geld". Präsentiert werden kann das Firmenprofil. "Nicht wie toll der Betrieb ist, sondern um was es bei der Tätigkeit geht", müsse im Vordergrund stehen. Die Business-Seiten sollten nicht als reiner Marketingkanal missbraucht werden: "Promotion für irgendwelchen Sales-Aktionen werden wir nicht erlauben." Weiters auf der Schwarzen Liste der Monetarisierungsmöglichkeiten: Banner-Werbung. "Die wird es nicht geben."

Community, Business, Channel

Das Fundament der Plattform sind drei Säulen. Neben diesen Business-Seiten existiert noch der Community-Bereich. "Hier kommen alle Videos rein, die wir produzieren und jene, die uns User schicken." Als dritte Säule sollen Channel-Seiten fungieren, die mit themenspezifischen Clips befüllt werden. "Etwa für Migranten, Frauen und Technik oder Lehrlinge." Bereiche, die Mahlodji, der als Zweijähriger mit seinen Eltern aus dem Iran flüchten musste, besonders am Herzen liegen. Neben den Business-Seiten entstünden hier weitere Präsentationsflächen für Firmen. Etwa als Sponsoren, "aber niemals exklusiv", versichert er: "Wir werden nicht einen ganzen Channel nur einer Firma überlassen."

Von Seiten der Betriebe ortet er "Riesenpotenzial". Viele hätten schon Interesse an einer Präsenz signalisiert. Mahlodji glaubt, dass "Whatchado" bereits am Jahresende profitabel sein wird. Bis jetzt wurde zwar viel Zeit, aber wenig Geld investiert. In seinem Kernteam arbeiten sieben Mitarbeiter - keiner Vollzeit. Sie schwärmen mit ihren Kameras aus, schneiden Videos, feilen am Design der Seite oder programmieren durch die Gegend. Wie es dann, wenn das Projekt Geld abwirft, mit der Bezahlung aussieht, stehe noch nicht fest. Von einer Unternehmensbeteiligung über Projektarbeit bis zu fixen Anstellungsverhältnissen stünden einige Modelle im Raum. "Derzeit läuft das über eine gegenseitige Vertrauensbasis."

Teil von Super-Fi

Der Gründer selbst werkt neben dem noch unbezahlten Vollzeitjob namens "Whatchado" beim Mikromischkonzern Super-Fi. Als Projektmanager für interaktive Medien und Social Media. Super-Fi hat sich via Joint Venture am Start-Up beteiligt. Laut dem 29-Jährigen gab es zuvor noch andere Interessenten. "Ich wollte aber keinen Investor, der nur Geld hineinpumpt, sondern kontinuierliches Wachstum." Der Gründer selbst hält noch 70 Prozent an "Whatchado". Damit will er verhindern, dass die ursprüngliche Idee zweckentfremdet wird: "Aus der Hand werde ich das nie geben." Eine Idee, die bereits prämiert wurde. Mit dem Publikumspreis beim "Social Impact Award 2011", der 4.000 Euro gebracht hat.

Untertitel für Videos

Das "Baby" Mahlodjis soll nicht an den Grenzen Österreichs Halt machen. Deutschland und die Schweiz sollen in "spätestens zwei Jahren" folgen. Ein Kanal auf Englisch ist in Planung. Wichtig sei neben dem internationalen Ansatz auch das Thema Barrierefreiheit: "Wir arbeiten derzeit an einer Lösung, um die Videos mit Untertiteln zu versehen." Dann stehe die Welt sowieso offen, so der Initiator, denn: "Wenn du einen Clip untertitelt hast, jagst du diesen durch den Translator und du kannst ihn in allen Sprachen haben."

Angst, mit "Whatchado" zu scheitern, hat er nicht: "Ich bin mir sicher, dass sich die Seite tragen wird." Die positive Resonanz nähre die Hoffung. "Es soll schließlich nicht einmal heißen, da hatte jemand eine nette Idee. Leider wurde nichts daraus." (Oliver Mark, derStandard.at, 27.7.2011)

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16 Postings
Hubert Hawkins
03
29.7.2011, 11:13

Bin schon gespannt auf das "Wie werde ich Staatssekretär?"-Video vom Kurz.

Sunburst
00
23.8.2011, 18:03
taraaa!

der Herr Staatssekretär im whatchado Interview

http://whatchado.net/videos/se... stian_kurz

Carlos Clementin
00
29.7.2011, 07:42

Gute Idee an sich ...
Wenn man aber selbst ein video erstellen und hochladen kann, dann wird das extrem schwer - denn viele haben schon Probleme einen lebenslauf zu verfassen, wer mal mit Medien gearbeitet hat weiss, das in einem Video noch viele schweirige und neue aspekte hinzukommen....
Versuchen sie selbst mal einen Lebenslauf oder Beschreibung ihres Arbeitsplatzes NUR akustisch wiederzugeben..
2. Bei einigen Firmen werden sich Angestellte hüten sowas zu tun ... als Angst um den Arbeitsplatz.

Sunburst
00
29.7.2011, 16:22
Nicht Videos über sich sind der Kern ...

... sondern Videos von Menschen aus dem direkten Umfeld.

Peter Mahn
00
29.7.2011, 01:16
Geile Idee Herr Ali, ich denke das Unterfangen funkt für die Kids als auch Dich!

Chem. Surfer
00
28.7.2011, 20:43
gläserner mensch

Ich habe ein wenig bedenken wegen der privatspäre: Angenommen mensch ist auf facebook mit echtem namen, unterschreibt ein paar petitionen, stellt ein video mit seinem/ihrem lebensweg ins internet, hat bei paar shops ne mitgliedskarte (Billa,...) etc.
Am Ende des Tages gibt mensch extrem viel Infos von sich her und kriegt die nie wieder zurück.

So gut dieses projekt auch ist, es gibt auch schattenseiten. Mir fehlt dazu die notwendige diskussion.

Sunburst
00
29.7.2011, 01:15
Jeder Mensch weiß bei whatchado was er oder sie freigibt

Da jede Person die selben 7 Fragen zu Karriere und Lebenslauf zu beantworten hat, ist hier die Gefahr des gläsernen Menschen sehr gering. Bei whatchado haben Menschen ja nicht mal die Chance, noch mehr über sich bekannt zu geben. Auch wenn sie wollen würden.

Post(er)
00
28.7.2011, 18:46

Ali Mahlodji lässt Karrieremenschen auftanzen.

Noch 10 Jahre und der Lebenslauf ist ausgestorben. Welcher denkende Mensch arbeitet da noch?

Aber für aufstrebende "Sales People" ist das sicher eine Plattform.

Sunburst
01
29.7.2011, 01:16
Karrieremenschen?

Wie das? Es werden ja Berufe quer durch alle Sparten dargestellt, aber immer anhand der Menschen, die diese ausüben. Das hat nichts mit Salesmenschen zu tun oder ähnlichen Kalibern. Auch nicht mit Karrieremenschen, da einfach jede Person mit einem Beruf auch eine Karriere hat.

Post(er)
00
30.7.2011, 16:21

Ok also ich unterscheide zwischen Werdegang mit und ohne Karriere. Kann mir gut vorstellen, dass sich viele für intelligent halten (muss ja so sein), glauben eine Karriere zu machen und der Mittelschicht anzugehört. Und das bei oft 1500 netto oder so.

Sunburst
00
30.7.2011, 18:03
wer legt denn fest ...

... wer Karriere gemacht hat und wer nicht?
Im ernst, wenn jemand 1500 EUR verdient und damit zufrieden ist, dann ist es ja doch dieser Person überlassen, es als Karriere zu sehen.

Und so nebenbei, mit Karriere ist immer die Laufbahn selbst gemeint. Es hat nichts mit Erfolgt, Status, etc. zu tun.

Deathflyer
02
28.7.2011, 18:42

Gute Idee!

sinem d.
01
28.7.2011, 15:27

cool ;)

Herbert Lauritz
01
28.7.2011, 10:54
Sehr schön

Hört sich grundsympathisch an. Nur: ob die Leute wirklich ihre eigenen Videos hochladen werden?

Sunburst
00
29.7.2011, 01:17
man wird sehen

es gibt derzeit Personen, die Interiviews in ihrem Umfeld drehen und diese dem whatchado Team zur Verfügung stellen.

marlow
01
28.7.2011, 09:52

der ansatz gefällt mir: viel erfolg!

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