Shopping to go

27. Juli 2011, 13:27
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Der schweißtreibende Einkauf durch ein Labyrinth von Gängen macht den modernen Konsumenten nicht mehr so richtig Spaß, die Antwort des Handels heißt Convenience-Store

Der moderne Mensch hat seine Lebensgewohnheiten geändert. Jung und Alt leben immer öfter alleine. Zeit ist ein kostbares Gut. Zu Hause wird immer seltener gegessen. Freizeit soll sinnvoll genützt werden, Kochen und Einkaufen rasch vonstattengehen. Um den folgerichtig steigenden Bedarf nach rasch zubereiteten Zwischenmahlzeiten zu decken, hat sich die Industrie das so genannte Convenience-Food ausgedacht: "Bequem" auf den Tisch zu bringende Lebensmittel, die mehr oder weniger kochfertig in den Regalen landen. Die Erfindung der Fischstäbchen durch die englische Tiefkühlfirma Birds 1955, die Tiefkühl-Pizza die ab 1968 ihren Siegeszug über die USA nach Europa antrat, und die 1946 zufällig entdecken Mikrowellen, die ab Mitte der 60er-Jahre für Privathaushalte bezahlbar wurden, ebneten solchen Veränderungen den Weg.

Essen unterwegs

Bequem sollen aber nicht nur die Produkte sein. Auch der schweißtreibende Einkauf nach der Arbeit, noch rasch vor Geschäftsschluss, macht den Menschen offenbar nicht mehr so richtig Spaß. Rund 15.000 Artikel muss der Konsument beim täglichen Einkauf sichten, viele Quadratmeter und lange Gänge durchkämmen, auch wenn er sich nur Inspiration und Zutaten für ein brauchbares Gericht holen will. Wer abends schnell Brot und Milch kaufen will, kann dem 4.000-Quadratmeter-Markt eher weniger abgewinnen. "Der moderne Konsument gibt neue Trends in Sachen Einkaufen vor", sagt auch Hans Reisch, Vorstandsdirektor von Spar Österreich. Anlässlich der Eröffnung eines neuen Einkaufstyps in Wien fallen Schlagworte wie "mobile eating", "ready to eat", "ready to heat", "ready to cook". Speziell über die Nahversorgung habe man neu nachgedacht, so Reisch, und mit dem Convenience-Store in der Wiener Babenbergerstraße das Geschäft um's Eck neu interpretiert. Konkurrent Rewe bietet ein vergleichbares Konzept mit der so genannten Billa-Box.

Die richtigen Mengen zur richtigen Zeit

Grundsätzlich basiert ein Convenience-Store auf der Idee, es dem Kunden beim Einkauf besonders bequem zu machen. Die richtigen Mengen zur richtigen Zeit - das ist einer der Vorteile, die geboten werden sollen. Ein relativ breites, aber flaches Sortiment mit nicht mehr als 3.000 Artikeln soll dem Gefühl der Überforderung entgegenwirken. Zeitliche Flexibilität, Schnelligkeit und gute Erreichbarkeit sind die Erfolgsfaktoren dieses Konzeptes. 

Mitte der 90-er Jahre gab es keinen Fachbegriff für dieses Handels-Phänomen. Bis dahin liefen die Shops schlicht unter Bezeichnungen wie "alternative Vertriebskanäle". Das wäre wohl auch so geblieben, wenn nicht die Konsumenten selbst mit ihrem veränderten Kaufverhalten dafür gesorgt hätten, dass hier Umsatzgrößen entstanden sind, die einfach nicht mehr ignoriert werden konnten.

Wie hoch der Anteil der Convenience-Produkte am Gesamtumsatz sei, könne man mangels genauer Eingrenzung des Begriffes nicht beziffern, sagt Reisch, "aber der Anteil wächst kräftig". Fischstäbchen und Tiefkühlpizza spielen im Sortiment der neuen Spar-Niederlassung eine eher untergeordnete Rolle. 2.500 Artikel werden in der Filiale insgesamt angeboten, darunter 250 Bioartikel, 30 verschiedene Suppen, 50 verschiedene Sandwiches, vorgeschnipselte Früchte, essfertige Salate, fertig gebackene Schnitzerl, Desserts, Weinspezialitäten. Pizzen kommen fertig ins Geschäft, manches wird in der vorhandenen Küche frisch gekocht.

Rascher Überblick

Wichtig für diese Art von Shopping-Tempel ist laut Alois Huber, Spar-Geschäftsführer für Wien und NÖ, dass sich der Kunde gleich bei seinem Eintreten auf den 270 Quadratmetern einen raschen Überblick verschaffen kann. Dafür sollen niedrige Regale, große Fensterflächen, übersichtliche Theken, sofort ins Auge springende Produkte und kundenfreundliche Innenarchitektur sorgen. 22 speziell geschulte Mitarbeiter sollen für das Wohlfühlgefühl des Kunden Sorge tragen. Wer möchte, verzehrt die fertigen Speisen, die gleich an der Theke bezahlt werden können, vor Ort. Geöffnet wird wochentags um 7:30 Uhr geschlossen um 20 Uhr.

5.000 Euro Umsatz je Quadratmeter werden in den Spar-Supermärkten im Durchschnitt erwirtschaftet. In den Convenience-Stores soll der Ertrag höher ausfallen, erwartet sich die Spar-Führungsriege, die weitere Standorte bis 2012 ins Auge fasst. Auch wenn der Kunde beim Shopping gustieren soll, im Endeffekt geht es auch hier um Effizienz: Den Wohlfühlort in der pulsierenden Innenstadt kann der Kunde laut Spar - so er sich nicht niederlässt - in zwei bis fünf Minuten wieder verlassen. (Regina Bruckner, derStandard.at, 27.7.2011)

  • "Food in the City" ist der Begriff der Handelskette Spar für die "Neuinterpretation" des Geschäftes um die Ecke.
    foto: spar

    "Food in the City" ist der Begriff der Handelskette Spar für die "Neuinterpretation" des Geschäftes um die Ecke.

  • Viel Übersicht soll hier geboten werden, die Mitarbeiter sollen besonders flott und freundlich sein. Ab Donerstag, 28. Juli kann man prüfen, ob das Konzept der Realität standhält.
    foto: spar

    Viel Übersicht soll hier geboten werden, die Mitarbeiter sollen besonders flott und freundlich sein. Ab Donerstag, 28. Juli kann man prüfen, ob das Konzept der Realität standhält.

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