Insgesamt erhalten Frauen 173 der 360 Studienplätze, Männer 187 - Ergebnisse von Wien und Innsbruck im August
Graz - Beim jüngsten Auswahlverfahren für einen Studienplatz
an der Medizinischen Universität Graz haben in diesem Jahr Frauen mit
österreichischem Maturazeugnis erstmals besser abgeschnitten als ihre
inländischen männlichen Kollegen. In der "österreichischen Gruppe" -
für sie sind 75 Prozent der Plätze reserviert - gehen 136 der
Studienplätze (rund 51 Prozent) an Frauen und 132 an Männer, hieß es
am Mittwoch vonseiten der Med-Uni. Im Vorjahr betrug dieser Anteil
nur 43 Prozent.
1.702 Maturanten aus Österreich, der EU und Drittländern haben
am
diesjährigen Auswahlverfahren teilgenommen: 968 Frauen und 734 Männer
stellten sich dem über viereinhalbstündigen Verfahren mit Tests zu
medizinrelevanten Grundlagenfächern, Textverständnis sowie
Situational Judgement, um einen der insgesamt 360 Studienplätze in
Human- und Zahnmedizin zu ergattern. Insgesamt erhalten Frauen 173 der 360 Studienplätze, Männer 187.
Zweifel an der
Gendergerechtigkeit
75 Prozent der Plätze sind für Österreicher, 20 Prozent für
EU-Bürger und fünf Prozent für Maturanten aus Drittländern
reserviert. Das beste Ergebnis der Bewerber wurde von einem
männlichen Maturanten aus Österreich erzielt. Sonst aber waren
diesmal Frauen mit österreichischem Maturazeugnis erfolgreicher: 51
Prozent bzw. 136 der insgesamt 268 für inländische Maturanten
reservierten Plätze gehen diesmal an Frauen (2010: 43 Prozent). Die
österreichweit schlechteren Ergebnisse von Frauen bei den
Zulassungstests an den Med-Unis haben Zweifel an der
Gendergerechtigkeit der Tests und der Bildungssozialisation der
Mädchen durch die Erziehung der Eltern und die Schule aufkommen
lassen.
"Was uns besonders freut, ist der Umstand, dass der Gap
zwischen
den angetretenen und erfolgreichen Frauen kleiner geworden ist", so
Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Studium und Lehre. Demnach waren
in diesem Jahr 58 Prozent der österreichischen Bewerber Frauen, sie
erhalten mit 51 Prozent nun auch mehr als die Hälfte der für
österreichische Maturanten reservierten Studienplätze. Im Vorjahr
waren 56 Prozent der österreichischen Bewerber Frauen, erhielten
jedoch nur 43 Prozent der Studienplätze.
Probetest im Internet
Seitens der Med-Uni hat man sich zuletzt bemüht, die
Information
der Bewerberinnen und Bewerber zu verbessern. Ihnen stand erstmals
ein Probetest im Internet zur Verfügung, um das eigene Wissen zu
überprüfen und sich auf den Umgang mit Multiple Choice-Fragen
einzustellen: "Das scheint den Frauen entgegengekommen zu sein", so
der Vizerektor. Der Test sei rund 1.700 mal abgerufen worden. Zudem
habe man die Kooperation mit den Schulen verstärkt, was sicher auch
zum Aufholprozess beigetragen habe.
Das endgültige Ergebnis des Aufnahmeverfahrens der Med-Uni Graz
steht nach einer Einspruchsfrist am 12. August fest. Die Ergebnisse
der Aufnahmetests an den Medizin-Unis Wien und Innsbruck werden für
Anfang August erwartet.
(APA/red)
Link zum provisorischen Ergebnis des Aufnahmeverfahrens der Med-Uni