Vorwurf

Lehrergewerkschaft: Schmied hungert AHS aus

27. Juli 2011, 10:21

Gewerkschafter Weiss: Bildungsministerin will so ihr Ziel der gemeinsamen Schule durchsetzen

Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will bis 2018 die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule abgeschlossen haben. Sie soll alle Hauptschulen ersetzen. Eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen wird es dennoch nicht geben, denn die ÖVP hält am Gymnasium fest. Die SPÖ-Ministerin sieht sich jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie das Gymnasium finanziell aushungern wolle - um so ihr erklärtes Ziel der gemeinsamen Schule zu erreichen. Das berichtet das Ö1-Morgenjournal. 

Größere Klassen in den Gymnasien

Die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft beruft sich auf den Rechnungshof: Die Prüfer haben herausgefunden, dass die Klassen an den Hauptschulen viel rasanter verkleinert worden sind als an den AHS-Unterstufen. Nur noch 25 Schüler pro Klasse wurde 2006 als politisches Ziel ausgerufen. Zwei Jahre später, 2008, war das an den Hauptschulen laut Rechnungshof praktisch umgesetzt, während immer noch 610 AHS-Unterstufenklassen zu viele Schüler hatten - jede siebente Klasse war überfüllt.

AHS "bewusst kurz gehalten"

Laut Ministerium hat sich die Lage weiter verbessert. Im abgelaufenen Schuljahr habe die durchschnittliche Klassengröße an den AHS-Unterstufen bereits unter 25 Schüler betragen. Für AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiss sagt das aber nichts aus. Die AHS-Unterstufe werde weiter bewusst kurz gehalten, in der Steiermark etwa sei die aktuell vom Landesschulrat vorgegebene Klassengröße 27 statt 25.

"Senkungen der Schulbudgets im AHS-Bereich"

Weiss über das Dilemma der AHS: "Sie hätten mehr Lehrerstunden zugewiesen bekommen müssen. Und nachdem das nicht erfolgt ist, konnten auch die Klassen nicht eröffnet werden - auch wenn teilweise die Räume vorhanden gewesen wären." Das sei aber noch nicht alles, so Lehrervertreter Herbert Weiss: "Das ist in anderen Bereichen auch spürbar. Es gibt heuer zum Beispiel Senkungen der Schulbudgets im AHS-Bereich, wo bis heute nicht klar ist, wohin diese Budgets verlagert werden. Momentan geht's nur darum, dass Budgets gekürzt werden."

Die Gewerkschaft sieht einen logischen Zusammenhang mit dem politischen Ziel der zuständigen SPÖ-Ministerin, die AHS-Unterstufe in der gemeinsamen Schule aufgehen zu lassen. (red, derStandard.at, 27.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
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mountaineer
00
28.7.2011, 12:01
Eingestehen des Scheiterns

Endlich wird einmal deutlich, dass ein (NMS-) Schüler (z. T. mit Migrationshintergrund) viel mehr kostet als ein AHS-Schüler:
In der Regel versteht er die Unterrichtssprache nicht oder nur kaum und lernt daher auch kaum etwas - er muss mit hohem Aufwand, für den die Gesamtheit der Steuerzahler aufkommt, gefördert werden. Leider konfligiert er auch mit den ehernen Werten unserer Gesellschaft (man denke etwa die Emanzipation der Frau...). Wenn er die Schule abgeschlossen hat und - falls üh.- eine Arbeit sucht, bekommt er keine... denn: was kann er schon?

Prototypisch am günstigsten ist der ehrgeizige und talentierte AHS-Schüler aus funktionierendem Elternhaus. Dieser darf auf die SPÖ, wie sie Schmied vertritt, leider nicht hoffen.

Denker9
00
28.7.2011, 15:32

Dass Schüler mit Migrationshintergrund generell nichts lernen wollen, ist ausgemachter Blödsinn! Es gibt sehr viele positive Beispiele! Außerdem muss man bedenken, dass diese Schüler ZWEI Fremdsprachen gleichzeitig lernen müssen- Deutsch UND Englisch. Wie schnell sie Deutsch lernen, hängt vor allem- wie auch bei den anderen Schülern- von der Unterstützung im Elternhaus ab. Um ein Beispiel zu nennen: Gerade viele Kinder aus Afghanistan machen relativ schnell große Fortschritte, ebenso Kinder aus Ex-Jugoslavien!
Eine große Dummheit besteht aber darin, Kinder ohne die geringsten D-Kenntnisse in Regelklassen zu setzen, anstatt sie vorher für ein Jahr intensiv in Deutsch zu beschulen.

Daisy Lord
01
28.7.2011, 12:40

Eigentlich sollte tatsächlich in den Hauptschüler mit Migrationshintergrund und ohne unterstützendes Elternhaus viel investiert werden...eben, damit er (und die vielen anderen) nicht einmal arbeitslos und womöglich kriminell werden - das wird uns nämlich sonst irgendwann ganz schlimm auf den Kopf fallen, siehe Frankreich usw.
Ich kann Sie aber beruhigen: In den Wiener Hauptschulen werden ab Herbst die Förderstunden, Deutschkursstunden und Doppelbesetzungen stark gekürzt oder ganz gestrichen. Diese Kinder werden also keinesfalls mehr bevorzugt behandelt.

mountaineer
23
28.7.2011, 11:54

Der Unterschied zwischen der NMS und dem Gymnasium ist folgender:

für das Geld, das in die AHS investiert wird, bekommt man bestens gebildete, kritische (gerade das fürchtet Schmied wie der Teufel das Weihwasser) Absolventen.

Die NMS dagegen ist ein Fass ohne Boden, bei dem man froh sein kann, wenn die Absolventen in der Lage sind, die auf dem Markt angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu konsumieren...

Carla Sociale
03
28.7.2011, 09:19
Das glaube ich nicht,

weil unsere Frau Bundesminister ist natürlich für die bestmögliche Förderung aller Schüler. Unterstützt wird sie dabei von Experten, die keine vorgefassten Meinungen vertreten oder gar ideologisch agieren.

Truhe
 
11
27.7.2011, 20:02

Hat man den Herrschaften schon mal mitgeteilt dass der/die UnterrichtsministerIn sich nicht aussuchen kann wie hoch das zur Verfügung stehende Budget ist?

JA, der Bildungssektor wird ausgehungert, weshalb sollten ausgerechnet die Privilegienritter in der AHS davon verschont bleiben?

tes5
07
27.7.2011, 21:38
In diesem Fall

gehts aber um eine Umverteilung: NMS bekommt mehr, AHS weniger. In anderen Zeitungen wird das von Bildungsexperten auch so bestätigt - und für gut befunden. Ich verstehe ja grundsätzlich, dass man leider nicht für jedes Kind alles tun kann. Wenn man aber Geld aus politischen und nicht pädagogischen Gründen verteilt, dann heißt das, dass man nicht das bestmögliche schulische Ergebnis anstrebt, sondern versucht, Klientelpolitik zu machen oder wie in diesem Fall die Lernergebnisse zugunsten der NMS zu manipulieren. Wie gesagt, auf Kosten der Kinder insgesamt, denn das Geld wird nicht so effizient wie möglich eingesetzt.

Truhe
 
20
28.7.2011, 01:51

Was heißt denn da "aber"?? Natürlich gehts um eine Umverteilung, zusätzliches Budget gibt es halt einfach nicht und von irgendwo muss die Kohle herkommen oder soll da die neue Mittelschulfee angeflattert kommen und simsalabim eine neue Schulform herzaubern?
Und JA eine neue Schulform wird zur Einführung etwas kosten, das ist sowohl völlig normal als auch völlig logisch - wie soll denn das sonst funktionieren??

D/E
13
27.7.2011, 22:00
Die "Bildungsexpertin" (recte pensionierte AHS-Direktorin) Christa Koenne

erklärte deshalb auch gegenüber dem ORF, es sei ganz natürlich, dass die Mittel zur gewünschten Schulform umverteilt würden.

Ich finde interessant, dass offenbar niemand (und schon gar keiner unserer kompetenten, kritischen Journalisten) auf dieses indirekte Geständnis aufmerksam geworden ist: Die NMS funktioniert offenbar nur als privilegierte Schulform.

hannsib
 
33
28.7.2011, 07:52
Die einzige wirklich privilegierte Schulform ist die AHS:

Sie funktioniert auf Kosten aller anderen Pflichtschulen (Restschulen). Unbequeme Schüler werden nämlich dorthin abgeschoben, was sich fürs Klassenklima der AHS zwar positiv, für das der HS (oder NMS) eindeutig negativ auswirkt. Und dafür bekommen unsere AHS Lehrer dann mehr bezahlt (ok, is sehr provokant!).

Es ist daher völlig logisch, dass bei schwierigeren Schülergruppen ein erhöhter Personalaufwand notwendig ist, um möglichst gute Erfolge zu erzielen. Es ist natürlich fraglich, ob AHS Lehrer das wollen, weil zu viel gute Konkurrenz letztendlich dem eigenen Geschäft schadet.

Denker9
00
28.7.2011, 09:25

Pivilegiert durch den Willen der meisten Eltern!

Denker9
00
28.7.2011, 09:04

In Wien gibt es relativ wenig Rückfluter an die HS. "Ausgemustert" wird meistens am Ende der 4.Klasse AHS. Bis dahin werden- mit viel bezahlter Nachhilfe seitens der Eltern- die Schüler durchgeschleust.
Dass das so ist, hängt mit dem Prestigedenken vieler Eltern zusammen (AHS ist die bessere Schule!?) und der Angst vor den doch relativ vielen Kindern mit Migrationshintergrund in den HS. Die Eltern haben Angst, dass ihre Kinder dort zu wenig lernen (das ist die vordergründige Behauptung).

D/E
11
28.7.2011, 08:25
Es mag schon, dass die Hauptschulen durch das System benachteiligt werden oder worden sind.

Das hat allerdings wenig mit der aktuellen Umverteilungspolitik zur Neuen Mittelschule zu tun.

Wie schon mit der IGS in den Siebzigern wurde hier eine rechtlich privilegierte (übrigens wirklich privilegierte!) Schulform geschaffen, die man nun auf Kosten der anderen auch finanziell bevorzugt.

Das ist unredlich (und kurzsichtig). Man kann sich jetzt schon ausrechnen, wie schnell der angebliche Erfolg der NMS verpufft, wenn die Kohle weg ist. Auch hier drängt sich der Vergleich mit der gescheiterten IGS auf.

Hubert Ungeist
 
01
28.7.2011, 07:46
Das überrascht sie?

Das ist was ich die ganze Zeit angeprangert haben.

EIne Schulform Gesamtschule, die nur die beste ist wenn ich alle anderen verbitte, ist halt angestrebt.

Das war ja auch so im realens Sozialsimus - wenn es nur eine Partei gibt - ist die selbstverständlich die beste existierende.

Langfristig wird die Bildung Österreichs zerstört.

Truhe
 
01
27.7.2011, 21:56

Naja, aber wenn ich mir das jetzt mal rein billig-logisch überlege:

Ich habe A) eine jahrzehntealte, eingespielte aber teure AHS, B) eine neue sich im Aufbau befindliche NMS und insgesamt sowieso zu wenig Geld. NAtürlich kostet das neue, sich im Aufbau befindliche System vor allem am Anfang mehr, das ist relativ logisch und wer dann in der Konstellation bei der Umverteilung in den sauren Apfel beißen muss ist auch logisch - was daran jetzt so bös' politisch sein soll ausser das prinzipiell zuwenig Geld für die wichtigste Zukunftsinvestition da ist will mir nicht ganz einleuchten.

D/E
12
27.7.2011, 22:04
Die Kosten pro Schüler/in

waren bislang für HS und AHS-Unterstufe in etwa gleich. Jetzt wird zugunsten der NMS umverteilt. Das belegt natürlich eindeutig deren pädagogisch-didaktische Überlegenheit.

Truhe
 
00
27.7.2011, 22:50

Seh ich ehrlich gesagt nicht so, oder zumindest nicht annähernd so ganz eindeutig, natürlich kann man überall politisches Kalkül hineininterpretieren - das hat das Bildungssystem die letzten drei jahrzehnte vor jeglicher Entwicklung bewahrt - man könnte es aber auch ganz einfach nüchtern und pragmatisch als Folge von Neueinführung und allgemeiner Unterfinanzierung sehen. Das muss man allerdings wollen. Der ewig selbige, ewig gleich bescheuerte Parteihickhack in dem's nur um das Prestige geht ist natürlich viel einfacher und viel gewohnter.

D/E
01
28.7.2011, 09:11
Die Kosten pro Schüler/in

sind keine Glaubensfrage, sondern ein Faktum:

Hauptschulen 6.884
AHS Unterstufe 6.400

Jeweils pro Schüler/in und Jahr (lt. Nationalem Bildungsbericht 2009).

Andreeeas
00

Interessant wäre, wie viel davon gar nicht in der Schule ankommt, sondern in der Verwaltung versickert.

D/E
00
Die Verwaltungskosten sind in Ö. enorm hoch.

M. W. liegen Sie etwa bei 30%.

Andreeeas
00

Das ist der Skandal, nicht die Differenz zwischen AHS und HS.

Truhe
 
10
27.7.2011, 22:04

Anstatt sich gemeinsam und völlig zurecht über das kaputtsparen der Bildung zornig zu sein gehen sie sich wieder einmal gegenseitig an die Gurgel die Fetzenschädeln - aber das ist wohl so ein grundsätzlich österreichischer Gendefekt: Hetz' einfach alle die du verarschst gegeneinander auf und sie vergessen über die Streiterei wer der Allerärmste ist völlig auf die die ihnen die ganze G'schicht eingebrockt haben - Idiotenvolk.

lehrer
21
28.7.2011, 08:10
kaputtsparen?

kaputtgespart hat schwarz blau..seit spoe vp wieder an der regierung gibts immerhin 7000 lehrer/innen mehr..!
AHS unterstufe kostet mehr, da ahs lehrer weniger arbeiten, mehr bezahlt bekommen sich aber im gegenzug kaum weiterbilden und unterrichten wie anno dazumal..(schüler, die nicht funktionieren werden abgeschoben in hs/nms...)

Truhe
 
00

Ist genug Geld für die Bildung da? Nein!! - alsdann

Denker9
02
28.7.2011, 09:14

So kann man das nicht generalisieren! Ich finde es nicht in Ordnung, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen, noch dazu hätte ja jeder diesen Beruf ergreifen können! Der Umfang von zu korrigierenden Haus- und Schularbeiten zum Beispiel ist um ein Vielfaches höher als in der HS oder PTS! Meine Kinder schrieben manchmal bis zu vier Seiten D-Aufsatz als Hausübung!
Die psychische Belastung ist aber im Pflichschulbereich vergleichsweise höher, weil die Lehrer dort nicht das Gefühl haben, sich von "unleidlichen" Schülern verabschieden zu können.

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