Gewerkschafter Weiss: Bildungsministerin will so ihr Ziel der gemeinsamen Schule durchsetzen
Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will bis 2018 die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule abgeschlossen haben. Sie soll alle Hauptschulen ersetzen. Eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen wird es dennoch nicht geben, denn die ÖVP hält am Gymnasium fest. Die SPÖ-Ministerin sieht sich jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie das Gymnasium finanziell aushungern wolle - um so ihr erklärtes Ziel der gemeinsamen Schule zu erreichen. Das berichtet das Ö1-Morgenjournal.
Größere Klassen in den Gymnasien
Die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft beruft sich auf den Rechnungshof: Die Prüfer haben herausgefunden,
dass die Klassen an den Hauptschulen viel rasanter verkleinert worden
sind als an den AHS-Unterstufen. Nur noch 25 Schüler pro Klasse wurde
2006 als politisches Ziel ausgerufen. Zwei Jahre später, 2008, war das
an den Hauptschulen laut Rechnungshof praktisch umgesetzt, während immer
noch 610 AHS-Unterstufenklassen zu viele Schüler hatten - jede siebente
Klasse war überfüllt.
AHS "bewusst kurz gehalten"
Laut Ministerium hat sich die Lage weiter verbessert. Im abgelaufenen
Schuljahr habe die durchschnittliche Klassengröße an den AHS-Unterstufen
bereits unter 25 Schüler betragen. Für AHS-Lehrergewerkschafter Herbert
Weiss sagt das aber nichts aus. Die AHS-Unterstufe werde weiter bewusst
kurz gehalten, in der Steiermark etwa sei die aktuell vom
Landesschulrat vorgegebene Klassengröße 27 statt 25.
"Senkungen der Schulbudgets im
AHS-Bereich"
Weiss über das Dilemma der AHS: "Sie hätten mehr Lehrerstunden
zugewiesen bekommen müssen. Und nachdem das nicht erfolgt ist, konnten
auch die Klassen nicht eröffnet werden - auch wenn teilweise die Räume
vorhanden gewesen wären." Das sei aber noch nicht alles, so
Lehrervertreter Herbert Weiss: "Das ist in anderen Bereichen auch
spürbar. Es gibt heuer zum Beispiel Senkungen der Schulbudgets im
AHS-Bereich, wo bis heute nicht klar ist, wohin diese Budgets verlagert
werden. Momentan geht's nur darum, dass Budgets gekürzt werden."
Die Gewerkschaft sieht einen logischen Zusammenhang mit dem
politischen Ziel der zuständigen SPÖ-Ministerin, die AHS-Unterstufe in
der gemeinsamen Schule aufgehen zu lassen. (red, derStandard.at, 27.7.2011)