"Geglaubte Unabhängigkeit unverzichtbar"

Analyse26. Juli 2011, 18:34
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Donnerstag gibt Alexander Wrabetz sein Konzept für eine zweite Amtszeit ab. Die SPÖ-Mehrheit im Stiftungsrat soll sie ihm sichern. Was versprach er vor fünf Jahren? Zum Beispiel "Äquidistanz zu politischen Parteien".

Wien - Küniglberg, 2006. Journalisten revoltierten gegen die zentrale, bürgerliche Führung der TV-Information. Sozialdemokrat Alexander Wrabetz verspricht "innen wie außen geglaubte Unabhängigkeit". Sie sei "unverzichtbare Voraussetzung" für einen ORF "auf der Seite des Bürgers".

Wrabetz trat als General an, als ihn die ÖVP entmachten wollte: Die FPÖ warnte ihn mit dem VP-Organigramm (siehe Artikel), das Wrabetz' Finanzdirektion unter Monika Lindner II zur besseren Buchhaltung stutzen würde.

Die Freiheitlichen, Regierungspartner BZÖ wie FPÖ, fühlten sich von Wolfgang Schüssels ÖVP ausgebootet, im ORF und, wie etwa Peter Westenthaler, in der Politik. Alexander Wrabetz versprach und hielt - Infodirektor, Onlinedirektor, Radiodirektor. Zettel mit Zusagen liegen noch in Schubladen.

In sein Wahlkonzept schrieb Wrabetz zur Unabhängigkeit: "Dazu zählt auch und vor allem Äquidistanz zu politischen Parteien und die Entschiedenheit gegenüber versuchten parteipolitischen Einflussnahmen."

Faymann dankte für Unterstützung

Kanzler Werner Faymann dankte 2008 "ORF-Redakteuren" "für die Unterstützung, die ich in den schweren Stunden des Nationalrats-Wahlkampfes erfahren habe". Der neue SP-Chef glaubte Wrabetz aber offenbar die Entschiedenheit und wollte ihn absetzen.

Faymanns Wunschgeneral, Chefredakteur Karl Amon, winkte ab. Wrabetz löste für Amon den - erkrankten - Radiodirektor ab. Infodirektor Elmar Oberhauser durfte noch einen VP-Wunsch für die Führung der TV-Magazine verhindern. Als Oberhauser sich aber gegen einen TV-Chefredakteur querlegte, den er als SP-Wunsch identifizierte, ließ Wrabetz den Direktor abwählen. Dem bisherigen Vize hatte man davor nahegelegt, Amon zum Radio zu folgen.

Wrabetz steht seit Monaten als Generalskandidat der SPÖ fest, der größten Fraktion im Stiftungsrat. Das erkannte auch ein internationaler TV-Profi wie Sozialdemokrat Gerhard Zeiler, der "überlegte" anzutreten, aber gegen Einfluss entschiedener wirkte.

Dass - rote wie bürgerliche - Stiftungsräte, die den General wählen, ORF-Direktoren werden sollen, nennen deutsche Medienredakteure, die in Wien zur Wahl recherchieren, "schamlos".

ÖVP: "Kein Deal"

VP-Chef Michael Spindelegger sagte Dienstag der APA, die nach ORF-Jobs für Bürgerliche fragte: "Es gibt keinen Deal." Es gebe aber laufend Gespräche. Dann führt er Sachthemen an.

Küniglberg 2011. Wrabetz erklärte, er habe aus seiner ersten Amtszeit gelernt. Eine "größte Programmreform aller Zeiten" würde er nicht mehr versprechen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 27.7.2011)

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    Gewählt: Wrabetz 2006. Nächste Gelegenheit: 9. August.

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