"Ich bin ein Sensibelchen"

Interview | 26. Juli 2011, 17:08

Ben Becker verleiht dem Tod im "Jedermann" zum dritten Mal furchterregende Gestalt - Interview mit dem Schauspieler vor seinem diesjährigen ersten Auftritt am Domplatz

Gegrüße, Geraune, Geschaue, Geschubse, wenn Ben Becker schnellen Schritts und in seiner eigenwilligen Trachtenkombi - Totenkopf-T-Shirt zur Krachledernen - durch Salzburg geht. Man kennt ihn: aus Film und Fernsehen, als wilden Hund, als Zero-Tolerance-Sänger, als Gesamtkunstwerker, der Schiller und die Bibel, Lyrik von Joseph Brodsky oder John Donne zu aufregenden musikalischen Performances mixt. Und seit drei Jahren kennt man ihn als Tod in Salzburgs Dauerbrenner Jedermann.

2009 brachte er Peter Simonischek erstmals an den göttlichen Richtstuhl. Ganz anders, leise, traurig, fast als Freund raunte er im Vorjahr Jedermann Nicholas Ofczarek "Vertu's nit, Mensch!" zu. So will er die Rolle, die übrigens im Jahr 2000 auch schon sein Stiefvater Otto Sander verkörperte, auch heuer anlegen, aber dann sei Schluss, ließ er wissen. Doch es darf gezweifelt werden.

Standard: Nervt es Sie, wenn man Sie fragt, wie oft Sie noch den Tod spielen wollen?

Becker: Ich habe gesagt, aller guten Dinge sind drei. Hätte ich, noch bevor ich angereist bin, entschieden, dass ich's noch einmal mache, wäre mir jede Motivation flöten gegangen. Aber jetzt kam die Anfrage, wie's mit nächstem Jahr aussieht. Wie ich mich kenne, kann ich nicht Nein sagen. Eine alte Schauspielerkrankheit.

Standard: Was gefällt Ihnen so gut am "Jedermann", dass Sie nicht Nein sagen werden können?

Becker: Das Stück ist sehr zeitgemäß, holt einen immer wieder ein. Dieses Arschloch Jedermann steckt ja in jedem von uns. Man wird durch dieses Kasperletheater immer wieder mit sich selbst, seinem eigenen Leben, konfrontiert. Das Stück ist eigentlich Augsburger Puppenkiste - at its best.

Standard: Salzburg - ist das auch ein Puppentheater?

Becker: Das ist Disneyworld. Deshalb wohne ich lieber außerhalb. Und wenn ich hereinkomme, bin ich jedes Mal irgendwie nervös. Hier bist du andauernd auf der Bühne. Manche Leute sind freundlich. Andere denken scheinbar, wir Künstler wären einfach nur fahrendes Volk, das hinter die Büsche scheißt.

Standard: Landläufig herrscht der Glaube, Kunst zu machen, sei vor allem Vergnügen. Ist es das?

Becker: Nein! Vergnügen ist, ein Bierchen zu trinken. In dem Moment, wo man sich ernsthaft mit den Dingen beschäftig,t, ist es kein Vergnügen. Mich muss man so was von in den Arsch treten, damit ich mich raustraue. Deshalb habe ich gern meinen eigenen Zirkus um mich, weil ich mich da geborgen fühle, auch hinter der Bühne. Ich bin, anders als man es erwartet, ein Sensibelchen.

Standard: Ich nehme an, dass Ihnen der Tod von Amy Winehouse sehr nahegegangen ist ...

Becker: ... sprechen Sie mich nicht darauf an, sonst fange ich an zu weinen! Ich kannte sie nicht persönlich, und doch hatte ich das Gefühl, es geht eine Freundin, es ist eine von uns gestorben.

Standard: Kommen da Erinnerungen daran hoch, dass Sie selbst knapp dem Tod entronnen sind?

Becker: Es ist ja so: Man will der bürgerlichen Welt entkommen: auf der Bühne, durch die Kunst. Dieses ganze Drogenzeugs hat allerdings, wie man schon bei Herrn Jünger nachlesen kann, durchaus was mit Kunst zu tun.

Standard: Sie sind in einer Schauspielerfamilie aufgewachsen: Mutter Monika Hansen, Vater Rolf Becker, Stiefvater Otto Sander, Schwester Meret Becker. War es schwierig, sich da den eigenen Weg zu bahnen?

Becker: Manchmal schwierig, bei jedem ist da eine gewisse Eitelkeit, jeder existiert für sich, und doch als Familie wieder gemeinsam.

Standard: Teilen Sie das politische Engagement Ihres Vaters Rolf Becker?

Becker: Sein Buch Immer noch Kommunist? hat sicher auf mich abgefärbt. Schon als Junge ging ich mit der roten Fahne in die Schule, was meiner Mutter fürchterlich auf die Nerven ging. Und bis heute baue ich sie gern in meine Lesungen ein, etwa beim Schiller-Abend.

Standard: Ein Tabubruch waren auch Ihre Bibel-Lesungen.

Becker: Diese beiden Lehren liegen gar nicht so weit auseinander. Der christliche Gedanke ist versöhnlicher als der Kommunismus, darin sehe ich auch eine gewisse Gefahr, weil man Verantwortung abgibt. Aber sich hinzugeben und sich mit der Gewissheit zu versöhnen, dass man irgendwann von dieser Welt geht, finde ich spannend.

Standard: Sind sie gläubig?

Becker: Mich beschäftigt die Frage, wer oder was Gott ist. Ein Benediktinermönch hat mir gesagt, wenn man sich auf die Suche nach Gott begibt, wenn man sich nur diese Sinnfrage stellt, ist man ihm so nahe, wie es nur sein kann.

Standard: Intensivieren Rollen wie die in Oliver Hirschbiegels Film "Ein ganz gewöhnlicher Jude" oder nun der Tod diese Sinnsuche?

Becker: Ich habe immer die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Aber toll ist, dass es oft - in Anführungsstrichen - "konservative" Regisseure sind, die mich für ernsthafte Rollen anrufen. (Andrea Schurian/DER STANDARD, Printausgabe, 27. 7. 2011)


Ben Becker (46), deutscher Film- und Theaterschauspieler sowie Musiker, gibt heuer im "Jedermann" das dritte Mal den Tod. Mit Gustav tritt er am 10. 8. in Salzburger auf. Im Herbst gastiert er mit "Woyzeck & The Tiger Lillies" im MQ. Seine Autobiografie "Na und, ich tanze" (Droemer Knaur) erscheint im Oktober.

ernstbrunner1
11
27.7.2011, 21:47
jekyll und hyde?

"es ist ja so: man will der bürgerlichen welt entkommen ... auf der bühne, durch die kunst ...?"
und dann treibt sich der gute auf societypartys der sayn-wittgenstein in trachtenlederhose herum? vollkommen unglaubwürdig! bevor ich mir von becker aus der bibel vorlesen lasse, gönne ich mir den papst, der aus der mutzenbacher liest!

herr rossi1
00
27.7.2011, 13:03
"Jedermann" ?! was ist mit den Frauen ?

nur so aus gegebenen Anlass?

pago1
00
26.7.2011, 19:12
keine macht den drogen

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
27.7.2011, 07:38
Wenn keine den Drogen macht,

vielleich macht ihn der Becker?

Schicke Schickse
00
27.7.2011, 04:49
na dann

nimm halt keine, wenn du dagegen bist.

Brötchen aufs Pfötchen
00
27.7.2011, 00:12
Ben - Allein zu Haus

Keine macht den Abwasch.

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