Libyscher "Rebellen"-Konsul geht Sofia auf die Nerven

Markus Bernath, 26. Juli 2011, 17:00
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    foto: ap/dapd

    Ruckzuck ausgetauscht: Ein libyscher Diplomat in Sofia nimmt die bisherige Fahne seines Landes ab (li.) und hängt jene der Rebellen auf.

Ehemaliger Gaddafi-Mann übernimmt kurzerhand die Botschaft, um seiner Ausweisung zu entgehen

Sofia/Istanbul - Ibrahim al-Furis hat seine Arbeitswoche mit einer Palastrevolution begonnen. Seinem Vorgesetzten, dem Geschäftsträger der libyschen Botschaft in Sofia, gab er eine Ohrfeige und sperrte ihn in ein Zimmer ein. Die Porträts des ewigen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi ließ er von seinen Kollegen zerreißen. Auf dem Dach des Botschaftsgebäudes hisste er die Fahne der libyschen Rebellen. Da traf auch schon ein Schreiben des bulgarischen Außenministeriums ein: Konsul al-Furis wurde zur Persona non grata erklärt.

24 Stunden gab ihm Außenminister Nikolai Mladenov, um das Balkanland zu verlassen. Denn was wie ein mutiger Bruch mit dem Regime in Tripolis aussieht, ist in Wahrheit eine Diplomatenfarce. Ibrahim al-Furis, ein Cousin des libyschen Geheimdienstchefs Abdullah Senussi, war bis zu Wochenbeginn ein Gaddafi-Mann. Al-Furis soll die libysche Gemeinschaft in der bulgarischen Hauptstadt seit längerem schikaniert haben. Die etwa 200 Libyer in Sofia setzte er unter Druck, um sicherzustellen, dass sie im Gaddafi-Lager blieben. Die Aktivitäten des Konsuls dürften dem bulgarischen Außenministerium zu weit gegangen sein. Einvernehmlich wurde mit der Botschaft festgelegt, dass al-Furis Bulgarien diskret verlässt. Abreisetermin war der vergangene Samstag. Doch der Konsul änderte das Drehbuch. Deshalb erklärte ihn das Ministerium zur unerwünschten Person.

Am Dienstag war das Ultimatum abgelaufen und der Rebellen-Konsul immer noch da, verschanzt mit seinen Getreuen in der Botschaft am Andrej-Sacharow-Boulevard in Sofia. Nur eine Konterrevolution wird ihn wieder herausbringen, denn das Botschaftsareal ist extraterritoriales Gebiet. Der Übergangsrat in Bengasi weiß nichts von seinem neuen Mann in Sofia. Man möge ihn ausweisen, empfahl der Vizeaußenminister der Rebellen, Slaheddin Bishari, in einem Schreiben an die Bulgaren. In Tripolis werde er hingerichtet, behauptet al-Furis jetzt. Denkbar ist, dass er in Wahrheit keine Zukunft mehr mit dem Regime sah und kurzerhand die Sache der Rebellen für seine Zwecke kaperte. Mit Tripolis hat Bulgarien noch eine Rechnung offen. Acht Jahre hielten die Libyer fünf bulgarische Krankenschwestern fest. 2007 kamen sie auf Vermittlung des damaligen Gaddafi-Freundes Nicolas Sarkozy frei. (Markus Bernath, STANDARD-Printausgabe, 27.7.2011)

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12 Postings
Malkaye
00
28.7.2011, 12:16
"er in Wahrheit keine Zukunft mehr mit dem Regime sah und kurzerhand die Sache der Rebellen für seine Zwecke kaperte"

ein spätzünder! die anderen rebellen haben schneller an den erfolg durch bestechung, bedrohung und bomben geglaubt:

http://derstandard.at/130455449... untergehen

"Kodewort "MICE":
"M" steht für Money
["I] meint Ideologie. Ein nobler Ausdruck für
Überreden.
"C" bedeutet "constraint". Zwang, Nötigung,
Erpressung. "Kidnapping von Angehörigen
"E" steht sodann für Ego: "Wir fragen sie: 'Willst du
mit dem Regime untergehen"

Bertel Mann
00
28.7.2011, 06:38
Die Bildunterschrift ist zwar kompletter Blödsinn, aber so funktioniert Propganda eben

Man denke an das Bild im Standard, das einmal als Foto einer Anti-Gaddafi-Demonstration herhalten musste und ein paar Tage später als Foto einer Pro-Gaddafi-Demonstration.

saratoga
00
29.7.2011, 12:38
artikel

ein merkwürdiger Artikel. Fakt ist nur, das die Bulgaren, alle Libyischen Diplomaten ausgewiesen haben.

Chien de Pique
01
27.7.2011, 18:09

Wie Gaddafis Flagge wirklich aussieht, könnte man langsam wissen. Wobei ich sowieso annehme, dass der auf dem Bild etwa ganz anderes tut - beide Flaggen in freundschaftliche Nähe bringen oder so.

Alfred Jodelhuber
 
04
27.7.2011, 12:04

Foto: Der Mann ersetzt die bulgarische Fahne durch die libyschen Rebellen. Kein Wunder, dass die Bulgaren beleidigt sind.

double standard
01
27.7.2011, 09:40

ein wendehalsiger avatar töchterles

Kra Wuzikabuzi
00
27.7.2011, 09:35
mag ja exterritorrial sein

wasser und strom absperren und keine lebensmitteltransporte hinlassen...

alles ganz einfach.

Christoph Karl Steininger
02
27.7.2011, 03:52
Komisch!

Waren nicht die Senussi die ehemalige Königs-Dynastie von Libyen?

Dagmar Rehak Wien
 
710
26.7.2011, 21:12
interessant

Also ein gaddafitreuer Diplomat konvertiert zum Rebellentum, weil er darin seine Zukunft sieht. Ist nicht ganz nachvollziehbar, wenn man sich anschaut, dass sich die Rebellen nicht grad aus dem Bildungsbürgertum rekrutieren, aber das scheint dem Konsul nichts auszumachen; er passt sich sogar an.

Die Rechnung offen hat Bulgarien aber nicht mit Tripolis offen, sondern mit Bengasi. Dort hat der jetzige selbsternannte Rebellenführer Dschalil intensiv auf das Todesurteil hingearbeitet.

mike muster
03
27.7.2011, 12:37
Krankenschwestern

Das Todesurteil hat übrigens Gaddafi gegen die bulgarischen Krankenschwestern ausgehoben und diese ausgeliefert.
Der libysche Justizminister (jetzt im Rebellen Vorstandsrat) wollte die hängen sehen.

Freedom to the people
53
27.7.2011, 01:30
dem herrn diplomaten ist aufgegangen, dass gaddafi den krieg verliert...

was ist daran nicht nachvollziehbar?

Noitulover
04
27.7.2011, 09:27
Und ob das nachvollziehbar ist.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Rebellenlager mehrheitlich aus solchen Gestallten besteht, die die Seite gewechselt haben.

Natürlich erst nachdem den Rebellenführern von der NATO ganz diskret versprochen wurde, dass der Gaddafi unbeabsichtigt und ganz zufällig von der Bildfläche verschwindet und die netten Rebellenführer an die Macht gebombt werden.

Dann wurde den Gaddafi-Leuten mit lockerer Moral plötzlich klar, dass die NATO ihr Ziel, die Menschen mit allen möglichen Mitteln zu beschützen und zu befreien, erreichen wird. Auch wenn sie dazu das ganze Land in Schutt und Asche legen müssen. Wäre ja nicht zum ersten mal.

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